Lausanne, 18 September 2026

Der Sommer ist zu Ende, die Temperaturen normalisieren sich, der Regen meldet sich nach und nach zurück: Diese Hitze- und Dürreperiode, die nachfolgenden Hagelstürme und deren verheerende Folgen für unsere Landwirtschaft dürfen wir nicht so schnell vergessen. Aktives Handeln ist nun unerlässlich. Drei politische Ereignisse sollen uns daran erinnern.

Bündnis „Keine 50-Grad-Sommer!“. Zusammen mit über 130 weiteren Organisationen hat Uniterre das Manifest des Bündnisses unterzeichnet und ruft zur Beteiligung an den regionalen Kundgebungen am 19. und 25. September auf, um die Wut über die Untätigkeit der Behörden auszudrücken. Vergessen wir nicht, was wir erlebt und durchgestanden haben: eine Hitzewelle, die uns alle über Wochen heftig geplagt und gar bedroht hat. Besonders gelitten hat die Landwirtschaft, die seit je her von und mit der Natur lebt.

Die Arbeit im Freien und noch mehr in den Gewächshäusern wird unerträglich, die Dürre vervielfacht Kosten und Arbeitsaufwand für die Bewässerung. Das Vieh kommt vorzeitig von der Alp und muss mangels Futter zum Teil geschlachtet werden. Im Nachgang sintflutartige Niederschläge, Hagel, Überschwemmungen, Vernichtung noch verbleibender Kulturen. Ertragseinbrüche bei vielen Kulturen (Raufutter, Kartoffeln, Zuckerrüben Mais, Karotten, Zwiebeln etc.), noch verstärkt durch zusätzlichen Schädlingsbefall, verursachen enorme Einnahmenausfälle und stellen die Zukunft vieler Bauernfamilien und ihrer Betriebe infrage (siehe auch das – französische – Video unseres Vorstandsmitgliedes Yves Batardon).

Im „Forum“ vom 26. 8. im Westschweizer Radio RTS sagte Bundesrat Albert Rösti, der Konkurs von Betrieben sei unumgänglich, schlussendlich sei das Marktumfeld entscheidend. Der Landwirt sei Unternehmer, und es handle sich um ein Management-Problem und gehe unter die Verantwortung des Einzelnen. Solche Aussagen sind für die arg gebeutelten Landwirte eine schallende Ohrfeige!

Eines ist klar: Es gibt keine Rückkehr zur „Normalität“. Wenn die Politik nicht subito wirkungsvolle Massnahmen ergreift sind solche Sommer sind die Normalität von morgen. Wir verweisen dabei auf unsere Stellungnehme zur Agrarpolitik 2030+ zugunsten der Bäuerinnen und Bauern. Uniterre hat weit im Voraus 2024 – zusammen mit anderen Klägern – gegen die Untätigkeit unserer Behörden geklagt. Das Bundesgericht wird in Kürze sein Urteil fällen.

Eröffnung der Vernehmlassung zur AP30+. Der Bundesrat hat am 2. September die Vernehmlassung zur Agrarpolitik 2030+ (AP30+) eröffnet. Auch oder gerade nach diesem desaströsen Sommer ist es der erklärte Wille von Bundesrat und Verwaltung, möglichst viele kleine und mittlere Betriebe zu opfern zugunsten von immer grösseren Produktionseinheiten. Dabei soll unter anderem im Talgebiet die Untergrenze für den Erhalt von Direktzahlungen von 0,2 auf 0,5 Standardarbeitskräfte erhöht werden, was laut die Kleinbauernvereinigung die Existenz von 2116 Betrieben aufs Spiel setzt. Das ist ein politischer Unsinn, sind doch oft gerade kleinere Betriebe dank ihrer vielfältigen Struktur resilienter und stehen für mehr Biodiversität. Dazu kommt, dass die Streichung von 123 Millionen im Agrarbudget die notwendigen Mittel für einen Umbau in Anbetracht des Klimawandels schmälert statt aufstockt. Uniterre kämpft für eine bäuerliche Landwirtschaft, die wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltig ist.

Initiative für eine sichere Ehrnärung. Die Schweizer Stimmbevölkerung stimmt am 27. September über die Ernährungsinitiative ab, für welche Uniterre die Stimmfreigabe beschlossen hat. Wir teilen zum grossen Teil deren Ziele, die Notwendigkeit, das bestehende Agrarmodell umzubauen und Produktion (und Konsum) pflanzlicher Nahrungsmittel zu stärken. Wir streben gemischte Betriebe an mit Tierhaltung und Pflanzenbau im Kreislauf. Wie sind indes perplex über das Vorgehen, die Modalitäten und über die unrealistische Übergangsfrist von 10 Jahren. Eine Ablehnung der Initiative darf in keinem Falle als grünes Licht verstanden werden, die Stossrichtung der AP 2030+ zu legitimieren. Die Notwendigkeit bleibt, nach alternativen Lösungen für eine zukunftsträchtige und zukunftsfähige Landwirtschaft zu suchen.

Kontakte

Rudi Berli, Vorstandsmitglied (DE/FR) : berlirudi@gmail.com, 078 707 78 83

Karel Ziehli, politischer Sekretär (DE/FR) : k.ziehli@uniterre.ch, 079 266 16 57