Pressemitteilung von Uniterre: 

Die Situation auf dem Schweizer Milchmarkt ist dramatisch:

  • Der Richtpreis für Milch aus dem A-Segment ist anfangs Februar 2026 von 82 auf 78 Rappen gesunken.1
  • Mooh, die grösste Abnehmerin von Schweizer Milch, legt für Februar bis Mai 2026 einen Basispreis von 50 Rappen pro Kilo Milch fest.
  • Die Milchproduktion stellt seit mehreren Monaten Überschüsse von rund 10% her. Der Aufruf, die Produktion zu senken, zeigt kaum Wirkung. Um eine Drosselung der Produktion herbeizuführen, kündet mooh auf Anstoss der BO Milch einen C-Milchpreis von 20Rp. /Kg für Februar und von 18 Rp/Kg für die Monate März bis Mai 2026 an.
  • Der Veredelungsverkehr2 ist in den letzten Jahren geradezu explodiert: Der Import von Milchpulver stieg von 1’000 Tonnen 2019 auf fast 5’000 Tonnen 20243. Allein 2024 wurden 2’000 Tonnen Butter importiert, während die Schweiz in Butter und Milchpulver ertrinkt. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, will Mondelez für die Tobleroneproduktion im Rahmen des Veredelungsverkehrs noch 924 Tonnen Butter importieren.
  • Derweil musste Milch in Biogasanlagen geschickt werden, weil die Verarbeitung das anfallende Volumen nicht bewältigen konnte.
  • Damit hat die Stimmung der Produzent*innen ihren Tiefpunkt erreicht.

Vor dieser Ausgangslage tat der Bundesrat gerade seine Meinung zur parlamentarischen Motion 25.4899 «Keine Allgemeinverbindlichkeit für Branchenorganisation Milch (BOM) ohne Bedingungen!» unseres früheren Kollegen Rudi Berli kund: Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen! Alles läuft wie geschmiert in der besten aller Welten!

Am 19. Dezember 2025 forderte Rudi Berli den Bundesrat mittels genannter Motion dazu auf, «die Erteilung der Allgemeinverbindlichkeit der Branchenorganisation Milch an folgende Bedingungen zu knüpfen:

  • einen Standardmilchkaufvertrag, in dem Mengen der einzelnen Segmente in kg und Preise für mindestens drei Monate festgelegt sind
  • die Freiwilligkeit der Lieferung von B- und C-Milch»

Tatsächlich wurde die Allgemeinverbindlichkeit der BO Milch im November 2025 bedingungslos verlängert. Dies trotz unserer Aufforderungen und der Motion 19.3952 «Verlässlichkeit des Standardvertrags der Branchenorganisation Milch», die von National- und Ständerat 2019 respektive 2020 angenommen worden waren. Die Motion hatte verlangt, die Preise für A- und B-Milch mindestens 3 Monate im Voraus festzulegen und die Lieferung von B-Milch freiwillig zu machen.

In seiner Antwort vom 18. Februar 2026 will der Bundesrat nicht auf die Forderung eingehen, die Preise über drei Monate festzulegen. Dabei versteckt er sich hinter der Aussage, dass es sich beim Standardvertrag in erster Linie um einen privatrechtlichen Vertrag handle. Weiter bringt der Bundesrat seine Zustimmung darüber zum Ausdruck, dass die BO Milch im Standardmilchkaufvertrag darauf verzichtet, die Mengen und Preise für die einzelnen Segmente für mindestens drei Monate und die Mengen für die Produzenten in Kilogramm festzulegen, aus Furcht, die Milchpreise würden deshalb tiefer ausfallen. Der Bundesrat lehnt in seiner Stellungnahme auch die Freiwilligkeit der Lieferung von B-Milch ab. Er argumentiert: «Die freiwillige Lieferung von Milch im B-Segment würde die Segmentierung gefährden». Ein Abgesang auf die Demokratie.

Dabei wäre jetzt der richtige Moment, die lähmende Angst vor Veränderung abzuschütteln, und den Milchmarkt inmitten dieser strukturell verursachten Konjunkturkrise zu reformieren.

Und was macht eigentlich die Organisation Schweizer Milchproduzenten (SMP) mit ihrem jährlichen Budget von 37 Millionen, von dem sich 23 Millionen aus den Beiträgen der Produzent*innen speisen? Warum nutzt sie ihren Einfluss nicht? Abgesehen von mehreren Aufrufen, die Produktion zu drosseln, herrscht Sendepause. Das wirft Fragen auf.

Liebe SMP, wäre es nicht langsam an der Zeit, aufzuwachen und sich aktiv gegen diesen völlig grotesken Veredelungsverkehr zur Wehr zu setzen, nun, wo die SVP von Bundesrat Parmelin fordert, den Veredelungsverkehr vorübergehend zu verbieten? Was haltet ihr davon, die Beiträge der Produzent*innen aus Solidarität kurzzeitig auszusetzen, oder wenigstens in einen Unterstützungsfonds zuhanden derjenigen Bauern und Bäuerinnen umzuleiten, die ihre Produktion reduzieren? Zeigt uns, was ihr konkret unternehmt, um den Milchpreis und die aktuelle, desaströse Situation zu verbessern.

Wie wir seit Jahren betonen, muss der Milchmarkt grundlegend neu organisiert werden. Dafür braucht es insbesondere:

  • Kostendeckende Preise und die Einführung eines Mindestpreises, insbesondere für A-Milch und die ersten 180’000 Kilo Milch, die auf jedem Betrieb gemolken werden, gekoppelt mit einer Mengensteuerung!
  • Ein Verbot von Doppelrollen bei der BO Milch, in Verbindung mit einer besseren Repräsentation von Produzent*innen in ihren Reihen.
  • Die freiwillige Lieferung von B-Milch, ohne Strafe bei Nicht-Lieferung.
  • Einen Ausgleichsfonds zugute der Produzent*innen, die ihre Produktion einschränken, um in dringenden Fällen die Milchproduktion zu reduzieren. Die Ankündigung von mooh von Ende Januar, Produzent*innen, die ihre Produktion im Vergleich zum Vorjahr um 95%, bzw. 90% reduzieren, pro Kilo 2 bzw. 4 Rappen Bonus auszuzahlen, ist in diesem

Wir müssen uns dringend mit fähigen Personen umgeben, die bereit sind, mutig und entschlossen zu handeln. Die bereit sind, tatsächliche Reformen in die Wege zu leiten, ohne sich von Angst oder Ohnmacht aufhalten zu lassen.

 

1 https://uniterre.ch/de/die-entscheidung-der-branchenorganisation-milch-den-preis-fuer-milch-des-segments-a-um-4-rappen-zu-senken-ist-ein-skandal/

2 Es handelt sich hierbei um eine spezielle Zollvereinbarung, die es der Agroindustrie erlaubt, fremde Güter (bspw. Milchpulver oder Butter) ohne Zölle oder zu stark reduzierten Tarifen einzuführen, um sie in der Schweiz zu verarbeiten und dann wieder auszuführen.

3 https://uniterre.ch/de/lage-auf-dem-milchmarkt-strukturelle-sackgasse/

 

Kontakt:

Berthe Darras (F) : 079 904 63 74, b.darras@uniterre.ch

Rudi Berli (D/F): 078 707 78 83, rudi.berli@parl.ch

pressemiteilung im pdf