Land in Sicht

Eline Müller, Uniterre-Sekretärin

Vor vier Jahren engagierte mich Uniterre, um das Thema «Zugang zu Land» voranzutreiben. An Bord des Schiffes für Ernährungssouveränität standen die Vorzeichen gut: Die Broschüre «Das Land denen, die es bewirtschaften!» war nach einer gratis Mammutarbeit der Jugendkommission bereit zum Druck; ein Versprechen finanzieller Unterstützung lag vor, dieses Feld drei Jahre lang beackern zu dürfen; zudem signalisierten uns mehrere Organisationen wie das MAPC, Longo Maï und die Kleinbauern-Vereinigung ihr Interesse für das Thema – kurz darauf formierten sie sich denn auch zu einer Koalition. Ein sich anbahnendes Abenteuer, das bei zahlreichen Forschenden, Aktivist*innen, Journalist*innen, Übersetzer*innen, Jurist*innen und auch Politiker*innen Enthusiasmus auslöste. Nicht zu vergessen die zahlreichen Bäuer*innen, gestandene aber auch Quereinsteiger*innen. Sie alle haben dazu beigetragen, dass unsere Organisation bei Fragen zu diesem heiklen Thema zu einer unumgehbaren Adresse geworden ist: für Menschen, die nicht auf einem Hof aufgewachsen sind, für Frauen, für genderqueere Menschen und viele landwirtschaftliche Kollektive. Obwohl wir weder die Frage zum eingangs erwähnten Thema, noch jene zur Erneuerung des Berufsstandes lösen konnten (sie ist genauso dringend!), haben wir es immerhin geschafft, das Schiff Uniterre zu verjüngen. Und das in Zeiten, in denen Mitgliederarbeit kein Zuckerschlecken ist – schon gar nicht, wenn man ständig im finanziellen Überlebensmodus ist.

Trotz der leichten Brise im Rücken, bleiben die Gegenwinde stark. Trotz inspirierender Beispiele aus dem Ausland und unseres guten Willens müssen wir uns eingestehen, dass ein schweizerisches Pendant zum französischen Verein «Terre de Liens» noch in weiter Ferne liegt. Deswegen hat sich auch der Hauptgeldgeber letztes Jahr zurückgezogen. Die anstehende Revision des Bundesgesetzes über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB) wird kaum wesentlich etwas daran ändern, dass junge Menschen, die gerne einen Hof übernehmen oder eine bestehende kollektive Struktur anerkennen lassen möchten, sich nach wie vor in einer Sackgasse befinden. Die hiesigen Agrarpolitiken der letzten Jahre (aktuell ist die AP30+ in Vernehmlassung) und mit ihr die Vorstösse gleichen sich. Hoffnung auf einen tiefgreifenden Wandel? Fehlanzeige. Am Ende bleibt vieles im Dunkeln: die Arbeit der Bodenkommissionen, die angeordneten Kredite für Meliorationen und die Frage, wem der landwirtschaftliche Boden gehört und wer diesen bewirtschaftet.

Da wir es leid sind, mit den überufernden Bodenpreisen, dem ständigen Druck der industriellen Landwirtschaft und dem mangelnden Willen der Institutionen konfrontiert zu sein, haben wir vorübergehend den Anker geworfen. Und uns auf die Fertigstellung eines Argumentariums zur bäuerlichen Landwirtschaft konzentriert. Dieses festigt die Grundwerte unserer Bewegung und zeigt auf, wie die von uns vertretene Landwirtschaft eine Verbündete der Biodiversität und des Klimas ist. Es wird uns dazu dienen, unsere Allianzen zu stärken und neue zu knüpfen. Dabei adressieren wir uns vordergründig an Gemeinden, welche im Besitz von landwirtschaftlichem Boden sind. Sie sind es nämlich, welche Klimastrategien entwerfen und möglicherweise offen sind, über landwirtschaftliche Gemeingüter nachzudenken, bis jetzt aber noch nicht daran gedacht haben, ihren landwirtschaftlichen Besitz ganz bewusst zu verpachten. Wir glauben, dass hier grosses Potenzial brachliegt! Die vorliegende Zeitung beschäftigt sich mit dem vielschichtigen Thema von landwirtschaftlichen Flächen in öffentlicher Hand – in dem Sinne, dass wir sie weiterhin entschlossen und gemeinsam verteidigen.