Sonntag, 08 Juli 2018
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Rückblick auf den Milchstreik von 2008. Ein grosser Moment bäuerlicher Mobilisierung.


Chronologie


2005 - Erstes Treffen der europäischen Milchproduzenten (EMB). Forderung nach einem kostendeckenden Preis von 40cts Euros/.-1 Fr. Sowie einer Mengensteuerung in bäuerlicher Hand. Strategie der Bündelung der Bauern, Streikdrohung.

2005, 18. Oktober - Pressekonferenz in Bern von Uniterre, Big-M und BZS, Vorstellung der Fahne "Milchstreik ja - Grève du lait oui". Während dem Winter Verkauf von 1200 Fahnen.

2006 - Frühzeitiger Ausstieg aus der Milchkontingentierung, Zuteilung von Mehrmengen.

2007 - Vollständige Liberalisierung des Käsehandels EU- Schweiz.

2007 Sommer, Vertrieb der Tafeln "Bauern brauchen einen fairen Milchpreis Fr. 1.-".

2008, 1. Februar - Demonstration in Bern. Big-M und Uniterre demonstrieren für einen fairen Milchpreis von Fr. 1.-

26. Mai - Beginn Milchstreik in Deutschland.

27. Mai - Big-M ruft zum Milchstreik auf.

28. Mai - Uniterre ruft zum Milchstreik auf.

29. Mai - Bauernverbände Luzern und Aargau stellen sich hinter die Forderungen der Produzenten.

30. Mai - Bauernverbände Zürich und Jura solidarisiern sich ebenfalls. Teilstreik NBKS, BZS, BBK.

1. Juni - SMP stellt der Industrie ein Ultimatum für eine Preiserhöhung und droht sich auch zu solidarisiern.

2. Juni - Die Verhandlungen zwischen SMP und Industrie kommen um Mitternacht zu einem Abschluss.

3. Juni - Ende des Streiks.

Juni - In einer Basisbefragung sprechen sich 80 % der Milchproduzenten für eine private Mengensteuerung durch die Dachorganisation der Produzenten aus.



Die Forderungen. Die Basisorganisationen haben nicht die gleichen Forderungen: Auf der Preisebene fordert Big-M eine Erhöhung von 10 Rp ab 1. Juli und mittelfristig einen kostendeckenden Milchpreis von Fr.1.-, Uniterre fordert Fr. 1.- während BZS einen Milchpreis von 85 Rp. ab 1. Juni und Fr. 1.- mittelfristig verlangt. Die Dachorganisation SMP will eine sofortige Milchpreiserhöhung von 7 Rp. Der Milchpreis lag damals bei 72 Rp.

Auf allgemeiner Ebene verlangen die bäuerlichen Basisorganisationen alle eine Mengensteuerung in bäuerlicher Hand. Uniterre fordert die Bauern auf EMB beizutreten um das Angebot zu bündeln. Die bäuerlichen Komites NBKS/BZS/BBK verlangen von SMP die Streikführung zu übernehmen.

Die Dynamik der Entwicklung der Bewegung. Die intensive Pressearbeit (sowie das positive Presseecho und die Online Publikation einer Streikliste im Schweizer Bauer) sowie der Aufbau der "Streikzentren" in Obfelden und anschliessend in Rikon und Safenwil haben einen guten Moblisierungseffekt. Das Ultimatum des SMP sowie die Unterstützung mehrerer kantonaler Bauernverbände verbreiten die Bewegung ebenfalls. In der ganzen Schweiz beteiligen sich über 50 % der Produzenten am Lieferstop. Die Milchindustrie ist unter Druck.

Ende des Streiks. Am 2. Juni finden Verhandlungen zwischen SMP, der Industrie und den Verteilern statt. Die Basisorganisationen Big-M und Uniterre sind nicht daran beteiligt. In einem Ultimatum um Mitternacht schlägt die Industrie eine Milchpreiserhöhung von 6 Rp. vor. Uniterre lehnt die Form eines Ultimatums ab und verlangt eine Basisbefragung. SMP und Big-M akzeptieren das Resultat und stoppen den Streik. Uniterre und NBKS stellen den Streik am Abend des 3.Juni ein. •︎





Rudi Berli
Bauer und Uniterre Sekretär

Ergänzung zum Artikel-Interview in Uniterre - Die Unabhängige Bäuerliche Zeitung - Sonderausgabe Juli 2018



Abkürzungen :
Big-M Bäuerliche Interssen Gemeinschaft - Milchmarktkampf
BZS Bäuerliches Zentrum Schweiz
NBKS Neue Bauern Koordination Schweiz
BBK Berner Bäuerliches Komitee
FPSL Schweizer Milch Produzenten, Dachverband
EMB European Milk Board


Montag, 11 Juni 2018
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Am 27. März 2018 hat die Bauerngewerkschaft Uniterre ihre Petition „Für 1 Fr. pro Liter für Milchbäuerinnen und Milchbauern“ bei den Behörden eingereicht. Die 25 000 Unterschriften kamen in nur 3 Monaten zusammen. Die Petition fordert den Bund auf, etwas Ordnung in den Milchmarkt zu bringen und die Anwendung des Landwirtschaftsgesetzes durchzusetzen, das besagt, dass Bäuerinnen und Bauern im Durchschnitt Einkommen erzielen sollen, die mit dem Einkommen der übrigen erwerbstätigen Bevölkerung in der Region vergleichbar sind.

Die Antwort des Wirtschaftsministers liess nicht lange auf sich warten: Er bringt einmal mehr seine Geringschätzung für die 20 000 Bauernfamilien, die in der Milchproduktion arbeiten, zum Ausdruck. In der Antwort steht nicht nur, dass der Bund aufgrund der heiligen Marktliberalisierung gewillt ist, die Situation weiter entgleisen zu lassen, Herr Schneider-Ammann gibt sogar implizit zu, dass 75 % der Milchbetriebe noch verschwinden sollen, weil ihre Rentabilitätsschwelle – seiner Ansicht nach – zu tief ist. Es soll nichts unternommen wird, um die grosse Vielfalt dieser Betriebe zu erhalten.

Die liberale Walze fährt unerbittlich und ungebremst weiter, unbekümmert darum, welche Opfer, Umweltschäden und wirtschaftlichen Schäden sie hinterlässt. Auch der Wille des Volkes, die Landwirtschaft in den Regionen zu erhalten, wird übergangen. Wozu? Zum Nutzen der Agrar-Industrie, die sich mit ihrem Kapital die Herrschaft über die Schweizerische Milchproduktion aneignet.

Uniterre wird sich weiterhin für die Bäuerinnen und Bauern einsetzen, damit sie eines Tages einen anständigen Lohn erhalten, und für die Konsumentinnen und Konsumenten, damit sie weiterhin Zugang zu gesunden Lebensmitteln erhalten, die in der Nähe produziert werden, weit weg von den unerwünschten Food-Fabriken.

Lausanne, 11. Juni 2018


> Uniterre: «Schneider-Ammann legt noch einen drauf» - Bauernzeitung 11. juni 2018

Dienstag, 05 Juni 2018
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Der Ständerat befindet am Mittwoch, 6. Juni über drei Vorstösse (Standesinitiative FR und GE sowie Motion Nicolet), welche alle eines verlangen: Die in der Schweiz produzierte Milchmenge soll an die Absatzmöglichkeiten angepasst werden.

Seit Jahren wird in der Schweiz mehr Milch produziert als zu vernünftigen Preisen verkauft werden kann. Um den Markt auszuregulieren, werden Überschüsse in Form von Dumpimgexporten ins Ausland abgeschoben. Dabei werden einerseits Zwangsabgaben aber auch Staatsgelder verwendet. Das muss jetzt beendet werden.

Dumpingexporte sind eine Schande für die Schweiz!

Unter diesem Motto führt BIG-M zusammen mit Uniterre am Montag, 4. Juni eine spektakuläre Aktion in Bern durch.


> Presseerklärung - Uniterre und Big-M - 4. Juni 2018



Freitag, 23 Februar 2018
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Bis heute wurden über 16'000 Unterschriften gesammelt. Herzlichen Dank für das grosse Engagement! Die Unterschriftensammlung läuft noch bis Ende Februar!

Jetzt unterschreiben und den Link weiterleiten:
>> Online unterschreiben
Auf Papier: Download oder bestellen Sie Unterschriftenbögen und Aufkleber hier.

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­ Senden Sie ausgefüllte Unterschriftenbögen bis zum 1. März 2018 ans Uniterre Büro. Herzlichen Dank!

Das Datum und Details zur Übergabe erhalten Sie per Newsletter.

Dienstag, 19 Dezember 2017
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Fast 25 000 Unterschriften für die Petition von Uniterre gesammelt

Uniterre hat heute, am 27. März 2018, bei der Bundeskanzlei die Milchpetition eingereicht, mit der Forderung, den Milchproduzentinnen und Milchproduzenten 1 Fr. pro Liter zu bezahlen. Diese Petition wurde am 23. November 2017 lanciert, in 4 Monaten wurden 24 945 Unterschriften gesammelt – ein durchschlagender Erfolg! Das gute Ergebnis zeigt einmal mehr, dass sich Konsumentinnen und Konsumenten für das Thema interessieren und dass ihnen eine anständige Bezahlung der Bäuerinnen und Bauern am Herzen liegt. Die Marktstudien der FRC (Fédération Romande des Consommateurs/Konsumentenforum) zeigen: Konsumentinnen und Konsumenten sind bereit, mehr für die Milch zu bezahlen, wenn der Preisaufschlag den Produzentinnen und Produzenten zugutekommt.

> weiterlesen


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Lancierung der Milchpetition von Uniterre

«1 Fr./Liter für Milchbäuerinnen und Milchbauern damit sie endlich anständig leben können!»

Donnerstag, 23.November. Mobilisationstag mit einem 1. Treffpunkt um 10 Uhr auf dem Waisenhausplatz in Bern,gefolgt von einer «hausgemachten» Nachspeise (Rezeptgeheimnis Uniterre).


Knapp 10 Jahre sind seit dem Milchstreik vergangen. Wo stehen wir heute? Nun, leider müssen wir feststellen, dass sich seither nichts getan hat. Der Produzentenpreis für Industriemilch ist immer noch schändlich tief! Die Sendung vom 25. Oktober auf RTS1 «Les coulisses de l’événement: Lait amer et révolte paysanne» zeigt deutlich, wie wichtig es schon seit mehreren Jahrzehnten ist, dass wir uns wehren. Die Sendung ist absolut empfehlenswert: Da erfahren wir zum Beispiel, dass der Produzentenpreis dank dem Streik um 6 Rp./kg erhöht wurde. Nur – kaum sechs Monate später wurde er schon wieder um 9 Rp./kg gesenkt. Wie ist das möglich, nach all den Jahren der Bemühungen?

Nun, es ist möglich, weil die Branchenorganisation Milch – sie wurde gegründet, um die Interessen der Milchproduzenten zu vertreten – den Grossverteilern nicht gewachsen ist. Und es ist möglich, weil der Bund befindet, es gäbe wichtigere Interessen zu wahren, als diejenigen der Produzenten. Aber, sehr geehrte Damen und Herren aus der Politik, auch Produzentinnen und Produzenten sind Schweizer Bürgerinnen und Bürger und sollten vertreten werden, ganz so wie die Industrie, die Grossverteiler, der Wirtschaftsliberalismus…

Gerade unsere Grossverteiler verhöhnen die Konsumentinnen und Konsumenten mit irreführenden Werbungen: Hier eine faire Milch (Aldi), dort eine Fairness für Bauern (Denner)… und das letzte Baby von Coop: 3 Rp. mehr für die Produzentinnen und Produzenten – und einen Preisanstieg von 5 Rp. mehr für Konsumentinnen und Konsumenten nur wenige Wochen später. Nachdem in der Coopzeitung schwarz auf weiss stand, dass die Erhöhung der Produzentenpreise nicht auf die Konsumenten abgeschoben werde. Das aktuelle Motto lautet offenbar: „Lügen“.

Was bleibt für uns? Für uns Bäuerinnen, uns Bauern, uns Konsumentinnen und Konsumenten, uns Bürgerinnen und Bürger dieses Landes? Wir haben jetzt die Gelegenheit, unseren Verarbeitern und politischen Vertretern zu sagen, dass die Bauern genügend ausgelaugt sind. Es reicht jetzt. Wir wollen nicht mehr zusehen, wie ein Betrieb nach dem anderen verschwindet, Tag um Tag. Wir wollen in der Zukunft nicht Milch trinken und Milchprodukte essen, die aus Polen oder von sonst irgendwo importiert wurden. Und was in der Milchbranche gilt, gilt auch in allen anderen Branchen, denn die unsinnige Handelspraxis hat sich bereits überall breit gemacht.

Deshalb hat Uniterre jetzt beschlossen, den Stier bei den Hörnern zu packen und eine Milchpetition zu lancieren, zusammen mit einem erläuternden Text (s.u.). Mit Ihrer Unterschrift, mit Ihrer Hilfe bei der Verbreitung der Petition, können wir diesen Kampf gemeinsam gewinnen!


Samstag, 09 Dezember 2017
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Sa. 9.Dezember, Standaktionen in jedem Kanton, um für die Milchpetition Unterschriften zu sammeln, wenn möglich kombiniert mit Direktverkauf von Milch.


Stand machen, Unterschriftensammlung
oder für die Bestellung für Petitionsbögen oder Aufkleber:
Berthe Darras 079 904 63 74 b.darras@uniterre.ch


Donnerstag, 23 November 2017
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Uniterre organisierte am Donnerstag, 23. November 2017 um 10 Uhr, eine Demonstration auf dem Weisenhausplatz in Bern, um ihre Petition für faire Milch zu lancieren und gegen die ungenügenden Milchkaufverträge zu protestieren.

1/ Lancierung der Milchpetition

Die Milchpetition fordert «1 Fr./Liter für Milchbäuerinnen und Milchbauern, damit sie endlich anständig leben können!» Die Petition wird im März 2018 an Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Vorsteher des Bundesamtes für Landwirtschaft, sowie an die Bundeskanzlei übergeben. Wir verlangen, dass das Bundesgesetz über die Landwirtschaft eingehalten wird, insbesondere Artikel 5, der festlegt, dass die Einkommen von Bäuerinnen und Bauern mit den Einkommen der übrigen erwerbstätigen Bevölkerung vergleichbar sein muss.

Die Petition kann online unterschrieben werden unter: https://uniterre.ch/milchpetition oder zum Download unter dem gleichen Link. Selbstverständlich senden wir auch Unterschriftenbögen per Post zu.


2/Ungenügende Milchkaufverträge

Der Bundesrat hat auch endlich beschlossen, der BO Milch die Allgemeinverbindlichkeit zu erteilen, um das Reglement zu den Milchkaufverträgen anzuwenden. „Sämtliche Milchkäufer sind damit verpflichtet, bis am 20. Tag des Monats ihrem Verkäufer die Konditionen über Menge und Preis für den kommenden Monat mitzuteilen.“ Das ist ein erster Schritt, der aber bei Weitem nicht ausreicht. Der Markt sowie die Umsetzung der Segmentierung bleibt immer noch undurchsichtig. Auch die Lage der Produzentinnen und Produzenten hat sich kaum verbessert, denn auch eine monatliche Mitteilung über die Mengen und die Verwendung der Milch ermöglicht es den Bäuerinnen und Bauern nicht, ihre Produktion anzupassen.

Auf die Demonstration auf dem Waisenhausplatz folgte eine zweite symbolische Aktion in einer Denner-Filiale. Dort verkaufen sie Milch unter einem Franken den Liter. Wir haben das Regal mit der Aktionsmilch geleert und sind damit zur Kasse um die Filialleiterin zu fragen welchen Preis die Produzenten dafür erhalten. Die Filialleiterin verstand unsere Forderungen, konnte uns aber nur an die Verantwortlichen der Denner-Zentrale in Zürich verweisen.


Pressemitteilung

Presseschau

https://bauernzeitung.ch/sda-archiv/2017/uniterre-lanciert-petition-fuer-fairen-milchpreis/

https://www.schweizerbauer.ch/politik--wirtschaft/kampf-um-milchpreis/uniterre-demo-fuer-fairen-milchpreis-38950.html

https://www.blick.ch/news/schweiz/milchmarkt-bauern-fordern-einen-franken-pro-liter-milch-id7638453.html

http://www.telebaern.tv/118-show-news/19572-episode-donnerstag-23-november-2017/48031-segment-milch-protest

https://www.24heures.ch/economie/Prix-du-lait-Unit...

https://www.rjb.ch/Place-publique/Prix-du-lait-CIC...


Donnerstag, 23 November 2017
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GENUG DAVON!

Dich von Politikern und Milchkäufern übers Ohr hauen zu lassen? Der Hampelmann zu sein für Coop, Denner und Konsorten?


Donnerstag, 23.November. Mobilisationstag mit einem 1. Treffpunkt um 10 Uhr auf dem Waisenhausplatz in Bern,

Offizielle Lancierung der Milchpetition «1 Fr./Liter für Milchbäuerinnen und Milchbauern, damit sie endlich anständig leben können!». Die Petition wird dem Minister für Landwirtschaft, Johann Schneider-Ammann, sowie den Bundesbehörden überreicht, damit sie endlich ihre Verantwortung wahrnehmen und für die Einhaltung von Artikel 5 und 37 des Landwirtschaftsgesetzes* sorgen.

gefolgt von einer «hausgemachten» Nachspeise (Rezeptgeheimnis Uniterre).



Warum diese Mobilisation?

-Weil wir noch immer vom Bundesrat die Anwendung der Milchverträge erwarten, wie dies im Landwirtschaftsgesetz festgelegt ist.

-Weil sich beim Milchpreis nichts bewegt und er für die Bäuerinnen und Bauern schändlich tief ist. Dieser Umstand geht an die Existenz vieler Bauernbetriebe

-Weil es reicht! Wir sind es leid, die Marionetten von Coop, Migros, Denner & Co. zu sein, die in ihren lügnerischen Werbungen Fairness und Nachhaltigkeit versprechen.


Kommt - wir brauchen viele Leute!



Montag, 20 November 2017
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GENUG DAVON!

Dich von Politikern und Milchkäufern übers Ohr hauen zu lassen? Der Hampelmann zu sein für Coop, Denner und Konsorten?


Donnerstag, 23.November. Mobilisationstag mit einem 1. Treffpunkt um 10 Uhr auf dem Waisenhausplatz in Bern,

Offizielle Lancierung der Milchpetition «1 Fr./Liter für Milchbäuerinnen und Milchbauern, damit sie endlich anständig leben können!». Die Petition wird dem Minister für Landwirtschaft, Johann Schneider-Ammann, sowie den Bundesbehörden überreicht, damit sie endlich ihre Verantwortung wahrnehmen und für die Einhaltung von Artikel 5 und 37 des Landwirtschaftsgesetzes* sorgen.

gefolgt von einer «hausgemachten» Nachspeise (Rezeptgeheimnis Uniterre).



Warum diese Mobilisation?

-Weil wir noch immer vom Bundesrat die Anwendung der Milchverträge erwarten, wie dies im Landwirtschaftsgesetz festgelegt ist.

-Weil sich beim Milchpreis nichts bewegt und er für die Bäuerinnen und Bauern schändlich tief ist. Dieser Umstand geht an die Existenz vieler Bauernbetriebe

-Weil es reicht! Wir sind es leid, die Marionetten von Coop, Migros, Denner & Co. zu sein, die in ihren lügnerischen Werbungen Fairness und Nachhaltigkeit versprechen.


Kommt - wir brauchen viele Leute!



Freitag, 25 August 2017
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In der kleinen Welt der Schweizer Milch war es in den letzten Monaten alles andere als langweilig. Ist das womöglich der frische Wind einer Änderung, der uns um die Nase bläst? Die Anzeichen des Marktes, insbesondere auf europäischer Ebene, machen Hoffnung, deshalb haben wir die Nachrichten mit viel Aufmerksamkeit verfolgt.


Am 24. März 2017 war das vierteljährliche Treffen der BO Milch. Wollten die Abnehmer endlich einen Schritt in die richtige Richtung machen und den Produzenten etwas mehr Geld fürs Portemonnaie geben? Aber nein! Wie schon viel zu oft in der Vergangenheit hat der ausbleibende Kompromiss um eine Erhörung des Richtpreises im A-Segment dazu geführt, dass alles beim Alten blieb. Wir waren enttäuscht und der Richtpreis blieb bei 65 Rp. pro Kilo.

Die Frustration der Bauern war voraussehbar. Die Reaktion einiger Mitglieder der Branchenorganisation seitens der Abnehmer war da schon eher erstaunlich und lenkten die Aufmerksamkeit aller auf die Migros und ihre Fabrik ELSA. Emmi war die erste, die Kritik äusserte: es sei doch nicht normal, dass Migros zwei Sitze erhalte (ein Sitz für die Migros, einer für ELSA, um genau zu sein). Coop, die sich mehrheitlich bei Emmi versorgt, liess keine Zeit verstreichen und doppelte nach. Die Migros habe verhindert, dass die gesamte Branche ab dem 1. Juli pro Kilo Milch 3 Rappen mehr bezahle. Im jahrelangen Duell zwischen den beiden orangen Riesen hat Coop mit ihrer Geste bestimmt ein positives Signal an die Branche gesendet, doch sie hat auch, geben wir es zu, einen geschickten Marketingcoup gelandet. Sie hat beschlossen, die ominösen 3 Rappen, welche die BO Milch abgelehnt hatte, in Eigeninitiative an ihre Produzenten zu bezahlen.

Diese Nachricht hat uns natürlich etwas ratlos gemacht. Coop ist kein direkter Abnehmer von Rohmilch – wie also kann sie sich absichern, dass ihr Geld tatsächlich bei den Produzenten ankommt? Auf unsere Anfrage haben sie geantwortet, dass sie gemeinsam mit ihren Lieferanten an einer Lösung arbeiten. Wir bleiben dran.

Währenddessen hat sich auch der Sturm bei Migros/ELSA nicht gelegt. Sowohl im bäuerlichen Milieu und unter den Konsumenten als auch auf politischer Ebene sind Stimmen laut geworden, die einen Boykott gegen die Migros fordern. Als offenbar ideale Schuldige hatte die Migros ihre Strafe verdient. Aber wir stellten uns die Frage, ob wir dieser Verurteilung folgen sollten. Auf den ersten Blick war die Antwort eindeutig, aber bei genauerem Hinsehen, ist mehr daran. Die Zahlen der SMP zeigen eine andere Wahrheit: Die Migros bezahlt pro Kilo Milch im Durchschnitt rund 5,7 Rp. mehr alle andere Abnehmer, das entspricht rund 10 %. Sie ist die Akteurin, welche dem Richtpreis der BO Milch am nächsten kommt – obwohl auch sie noch darunter liegt. Also ist die Kritik der anderen Akteure nur Augenwischerei und dient dazu, zu verstecken, dass sich niemand an die Spielregeln hält. Auch die Migros hat im Milchgeschäft keine weisse Weste, aber in diesem spezifischen Bereich ist die Kritik nicht begründet.

Anfang Juni hat der Schweizer Bauernverband eine Medienmitteilung mit einem Ultimatum für die Abnehmer veröffentlicht: Wenn der Richtpreis bis am 1. Juli nicht der internationalen Situation angepasst (also erhöht) werde, wolle der SBV Massnahmen ergreifen – ohne Details. Bis heute, dem 4. Juli, wurde offenbar noch nichts unternommen.

Der SBV hat Ende Frühling aber noch andere Massnahmen getroffen. Eine Arbeitsgruppe Milch sollte gegründet werden und Uniterre hat darauf gedrungen, mitzumachen. So sind Claude Demierre, Max Fragnière und Paul Ecoffey am 9. Juni nach Bern gefahren, in der Tasche eine Liste mit Forderungen und Vorschlägen: Auszahlung des Richtpreises, Erhöhung des Milchpreises in Verbindung mit den Produktionskosten, Aufhebung der Segmentierung, Überarbeitung der Statuten der BO Milch, weil immer nur die Abnehmer den Ton angeben. Sie sollten bitter enttäuscht werden: ausser ihnen waren nur drei Mitglieder des SBV anwesend und zur Verständigung war keine Übersetzungshilfe vorgesehen. Unsere Delegierten fühlten sich verarscht, sie hatten den Weg umsonst angetreten und wurden nicht mit der angemessenen Wertschätzung behandelt. Der SBV hat eine komische Art, seinen Wille für eine Verbesserung der Lage im Bereich Industriemilch kundzutun.

Um den Monat Juni mit all seiner Pracht erfolgreich abzuschliessen, hat die Migros am Freitag, dem 23. verkündet, sie werde sich Ende Jahr aus der BO Milch zurückziehen. Das war ein neuerliches Donnergrollen in einem Himmel, in dem sich Gewitterwolken schon lange ballen! Jeder Akteur kann frei entscheiden, welches Signal er senden will. Uniterre ist der Ansicht, dass dieser Entscheid unterstreicht, wie überflüssig die BO Milch ist, deren Funktionsweise wir schon lange anprangern. Migros hat gezeigt, dass sie autonom und eigenverantwortlich tun will, was sie schon lange macht: den besten Preis bezahlen. Dennoch kann auch sie der Kritik nicht entgehen. Der Vertrag zwischen ihr und den Produzenten enthält monatliche Lieferungen, die einen Zwölftel der jährlichen Menge betragen. Diese Menge kann um einige Prozent unter- oder übertreten werden, stärkere Abweichungen werden bestraft. Jeder Milchviehzüchter weiss, wie schwierig es ist, Monat für Monat eine konstante Lieferungen zu erbringen. Es gibt einfach zu viele Faktoren, die sich der Kontrolle entziehen: Futterangebot, Kalbungen, Euterentzündungen usw.). Für ELSA ist es auch einfacher, bessere Abnahmebedingung zu bieten, weil sie sich auf die Hochpreissegmente konzentriert und anderen, z. B. Cremo, die finanziell heiklen Segmente wie die Produktion von Butter und Milchpulver überlässt.

In den kommenden Wochen müssen wir die Entwicklung der BO Milch weiterverfolgen. Die anderen Mitglieder sagen, dass sie den abrupten Abgang der Migros bedauern. Wie dem auch sei, dies ist für sie der ideale Moment für Selbstkritik.

Inmitten dieser vielen Ankündigungen und Medienmitteilungen stehen die Produzenten. Während sich die Delegierten darüber streiten, wer Recht hat und wer der Beste ist, erhalten die Bauern weiterhin nur ein Hungerbrot für ihre Arbeit. 3 Rappen mehr machen zwar einen Unterschied, sind aber nicht genug, um die finanzielle Lage der Bauernfamilien zu sanieren. Die Milchkommission von Uniterre hat ihre Arbeit mit viel Elan wieder aufgenommen. Unsere wichtigste Botschaft hat sich im Verlauf der Jahre nicht geändert: Jede Produktion verursacht Kosten, inklusive Lohnkosten, und der Verkaufspreis muss alle diese Kosten decken, um das Fortbestehen einer Wirtschaftsbranche sicherzustellen. In einer Zeit, in der alle von Nachhaltigkeit sprechen, ist die Forderung von Uniterre über 1 Fr. pro Kilo Milch aktueller den je. Die Milchkommission hat diese Tatsache der Migros bereits wiederholt dargelegt, denn die Migros will ein Segment mit fairer Milch aufbauen. Wir warten ungeduldig darauf, wie die Kriterien für wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit, die in der Werbung so lustig angepriesen werden, in der Praxis umgesetzt werden.

Vanessa Renfer