Donnerstag, 23 November 2017
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Uniterre organisierte am Donnerstag, 23. November 2017 um 10 Uhr, eine Demonstration auf dem Weisenhausplatz in Bern, um ihre Petition für faire Milch zu lancieren und gegen die ungenügenden Milchkaufverträge zu protestieren.

1/ Lancierung der Milchpetition

Die Milchpetition fordert «1 Fr./Liter für Milchbäuerinnen und Milchbauern, damit sie endlich anständig leben können!» Die Petition wird im März 2018 an Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Vorsteher des Bundesamtes für Landwirtschaft, sowie an die Bundeskanzlei übergeben. Wir verlangen, dass das Bundesgesetz über die Landwirtschaft eingehalten wird, insbesondere Artikel 5, der festlegt, dass die Einkommen von Bäuerinnen und Bauern mit den Einkommen der übrigen erwerbstätigen Bevölkerung vergleichbar sein muss.

Die Petition kann online unterschrieben werden unter: https://uniterre.ch/milchpetition oder zum Download unter dem gleichen Link. Selbstverständlich senden wir auch Unterschriftenbögen per Post zu.


2/Ungenügende Milchkaufverträge

Der Bundesrat hat auch endlich beschlossen, der BO Milch die Allgemeinverbindlichkeit zu erteilen, um das Reglement zu den Milchkaufverträgen anzuwenden. „Sämtliche Milchkäufer sind damit verpflichtet, bis am 20. Tag des Monats ihrem Verkäufer die Konditionen über Menge und Preis für den kommenden Monat mitzuteilen.“ Das ist ein erster Schritt, der aber bei Weitem nicht ausreicht. Der Markt sowie die Umsetzung der Segmentierung bleibt immer noch undurchsichtig. Auch die Lage der Produzentinnen und Produzenten hat sich kaum verbessert, denn auch eine monatliche Mitteilung über die Mengen und die Verwendung der Milch ermöglicht es den Bäuerinnen und Bauern nicht, ihre Produktion anzupassen.

Auf die Demonstration auf dem Waisenhausplatz folgte eine zweite symbolische Aktion in einer Denner-Filiale. Dort verkaufen sie Milch unter einem Franken den Liter. Wir haben das Regal mit der Aktionsmilch geleert und sind damit zur Kasse um die Filialleiterin zu fragen welchen Preis die Produzenten dafür erhalten. Die Filialleiterin verstand unsere Forderungen, konnte uns aber nur an die Verantwortlichen der Denner-Zentrale in Zürich verweisen.


Pressemitteilung

Presseschau

https://bauernzeitung.ch/sda-archiv/2017/uniterre-lanciert-petition-fuer-fairen-milchpreis/

https://www.schweizerbauer.ch/politik--wirtschaft/kampf-um-milchpreis/uniterre-demo-fuer-fairen-milchpreis-38950.html

https://www.blick.ch/news/schweiz/milchmarkt-bauern-fordern-einen-franken-pro-liter-milch-id7638453.html

http://www.telebaern.tv/118-show-news/19572-episode-donnerstag-23-november-2017/48031-segment-milch-protest

https://www.24heures.ch/economie/Prix-du-lait-Unit...

https://www.rjb.ch/Place-publique/Prix-du-lait-CIC...


Donnerstag, 23 November 2017
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GENUG DAVON!

Dich von Politikern und Milchkäufern übers Ohr hauen zu lassen? Der Hampelmann zu sein für Coop, Denner und Konsorten?


Donnerstag, 23.November. Mobilisationstag mit einem 1. Treffpunkt um 10 Uhr auf dem Waisenhausplatz in Bern,

Offizielle Lancierung der Milchpetition «1 Fr./Liter für Milchbäuerinnen und Milchbauern, damit sie endlich anständig leben können!». Die Petition wird dem Minister für Landwirtschaft, Johann Schneider-Ammann, sowie den Bundesbehörden überreicht, damit sie endlich ihre Verantwortung wahrnehmen und für die Einhaltung von Artikel 5 und 37 des Landwirtschaftsgesetzes* sorgen.

gefolgt von einer «hausgemachten» Nachspeise (Rezeptgeheimnis Uniterre).



Warum diese Mobilisation?

-Weil wir noch immer vom Bundesrat die Anwendung der Milchverträge erwarten, wie dies im Landwirtschaftsgesetz festgelegt ist.

-Weil sich beim Milchpreis nichts bewegt und er für die Bäuerinnen und Bauern schändlich tief ist. Dieser Umstand geht an die Existenz vieler Bauernbetriebe

-Weil es reicht! Wir sind es leid, die Marionetten von Coop, Migros, Denner & Co. zu sein, die in ihren lügnerischen Werbungen Fairness und Nachhaltigkeit versprechen.


Kommt - wir brauchen viele Leute!



Montag, 20 November 2017
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GENUG DAVON!

Dich von Politikern und Milchkäufern übers Ohr hauen zu lassen? Der Hampelmann zu sein für Coop, Denner und Konsorten?


Donnerstag, 23.November. Mobilisationstag mit einem 1. Treffpunkt um 10 Uhr auf dem Waisenhausplatz in Bern,

Offizielle Lancierung der Milchpetition «1 Fr./Liter für Milchbäuerinnen und Milchbauern, damit sie endlich anständig leben können!». Die Petition wird dem Minister für Landwirtschaft, Johann Schneider-Ammann, sowie den Bundesbehörden überreicht, damit sie endlich ihre Verantwortung wahrnehmen und für die Einhaltung von Artikel 5 und 37 des Landwirtschaftsgesetzes* sorgen.

gefolgt von einer «hausgemachten» Nachspeise (Rezeptgeheimnis Uniterre).



Warum diese Mobilisation?

-Weil wir noch immer vom Bundesrat die Anwendung der Milchverträge erwarten, wie dies im Landwirtschaftsgesetz festgelegt ist.

-Weil sich beim Milchpreis nichts bewegt und er für die Bäuerinnen und Bauern schändlich tief ist. Dieser Umstand geht an die Existenz vieler Bauernbetriebe

-Weil es reicht! Wir sind es leid, die Marionetten von Coop, Migros, Denner & Co. zu sein, die in ihren lügnerischen Werbungen Fairness und Nachhaltigkeit versprechen.


Kommt - wir brauchen viele Leute!



Mittwoch, 15 November 2017
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24. September 2017: Und jetzt?

Der Verfassungsartikel zur Ernährungssicherheit wurde vom Stimmvolk mit einem rekordverdächtigen Resultat angenommen – entsprechend den Erwartungen. Wir dürfen uns freuen, dass die Schweizer Bevölkerung die Landwirtschaft so eindeutig unterstützt und JA gestimmt hat, wie es von den vielen, idyllischen Strohgebilden neben den Bauernhöfen empfohlen wurde. Auch wenn die Landwirtschaft aus verschiedenen Gründen oft kritisiert wird, so wurden an diesem Tag doch alle Zweifel aus dem Weg geräumt, um einem deutlichen Ausdruck von Vertrauen Platz zu machen.

Was heute bleibt, sind viele Aufgaben, die es zu lösen gilt. Sogar die Initianten selber und auch Johann Schneider-Ammann sind der Meinung, dass der Verfassungsartikel an sich nicht viel an der Situation ändern wird. Trotzdem, die Landwirtschaft steht an einem Scheideweg – und wir schauen zu. Wird sie unsere Erwartungen erfüllen? Was wird der Bundesrat entscheiden? Gibt es Unterstützung für die Bauernfamilien? Welche Art Landwirtschaft wird bevorzugt? Kann das Abstimmungsresultat garantieren, dass uns eine vielfältige Landwirtschaft erhalten bleibt? Was wird konkret getan, um die Bauernhöfe zu retten, oder sogar ihre Anzahl wieder zu steigern? Welche Akteure der Ernährungskette werden priorisiert? In einem ersten Schritt geht es darum, diese Erwartungen zu ordnen, um festzustellen, welche grundlegend sind und welche erfüllt werden können.

Das ist nicht leicht: Die Bäuerinnen und Bauern erleben ganz unterschiedliche Alltage, abhängig von der Art ihres Bauernhofes, der Betriebsgrösse, des familiären Umfelds. Landwirtschaft tut sich schwer mit Formvorgaben. Dennoch ist es wichtig, dass sich über gewisse Punkte alle einig sind: Als Wirtschaftsbranche muss die Landwirtschaft gewährleisten können, dass alle betroffenen Personen anständig leben können. Wir wissen, dass dies nicht der Fall ist, aber wir sind dennoch überzeugt, dass es möglich ist.

Aus Sicht der Konsumenten ist es nicht einfacher. Die Forderungen unserer MitbürgerInnen sind legitim, aber unzählig. Wollen wir allen ökologischen, geschmacklichen und preislichen Forderungen entsprechen, sowie allen Forderungen um Nähe, Diversität, Zugänglichkeit usw., wird es ein gefährliches Unterfangen – aber diese Versprechen wurden in der Kampagne gemacht, und zwar von den Unterstützern des Gegenprojektes. Wer diese Versprechen erfüllen will, braucht politische Courage, sowie den Willen, ein robustes Ernährungssystem aufzubauen.

Die Initiative für Ernährungssouveränität wird es uns ermöglichen, grundlegende Fragen zu besprechen und innovative Systeme einzuführen. Pilotprojekte, welche den Weg hin zu einer gerechteren, wertschätzenden, diversifizierten und verantwortlichen Gesellschaft ebnen werden. Wer sich im September in den sozialen Medien umgehört hat, konnte feststellen, dass die Wünsche der Konsumenten die Ziele des Gegenprojektes bei Weitem übertreffen: Die Unzufriedenheit greift um sich, es gab zu viele Lebensmittelskandale; gegenüber benachbarten Bauernfamilien gibt es eine starke, emotionale Zuwendung; der Wunsch wächst, direkt bei den Produzenten einzukaufen; landwirtschaftliche «Fabriken» werden grossmehrheitlich abgelehnt, sie bieten keine Sicherheit; GVO werden auch stark abgelehnt… Alle diese Argumente finden sich in der Initiative von Uniterre wieder. Es stellt sich die Frage: Wie viel ist das Stimmvolk dem Bundesprogramm voraus?

Vanessa Renfer und Michelle Zufferey



Freitag, 03 November 2017

Presseerklärung Uniterre und Allianz für Ernährungssouveränität

Lausanne, 3. November 2017

Gesamtschau zur Agrarpolitik:

Die Bäuerinnen und Bauerngewerkschaft Uniterre sowie die Allianz für Ernährungssouveränität hat die Äusserungen des Bundesrates Johann Schneider-Ammann von 1. November zur Agrarpolitik 22+ mit grösster Besorgnis verfolgt. Während der Kampagne zur Ernährungssicherheit haben wir vorausgesagt, dass ein Risiko zunehmender Freihandelsabkommen besteht. Das hat sich nun bestätigt. Es ist daher umso wichtiger sich für die Ernährungssouveränität zu engagieren, die sich für einen gerechten Markt, mit Respekt unter den Akteuren sowie eine faire Verteilung der Wertschöpfung einsetzt.

Die ewiggestrige Litanei des Bundesrates von Grenzöffnung, Wettbewerb und Innovationskraft hat dazu geführt, dass täglich 2 -3 Betriebe ihre Tore schliessen, die Produzentenpreise in den letzten 30 Jahren um 30% abgenommen haben und in der Schweiz nur 7% des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben werden. Diese Entwicklung befeuert die immense Marktkonzentration in den Händen von wenigen nationalen und globalen Konzernen. Diese befördern mit ihrer Marktmacht die Zerstörung der bäuerlichen Landwirtschaft mit den bekannten Folgen von Industrialisierung, Ressourcenverschleiss, Klimawandel, Verlust der Vielfalt und Biodiversität (siehe Weltagrarbericht 2008).

Die widersprüchlichen Äusserungen des Bundesrates helfen weder den Bäuerinnen und Bauern, sondern dienen der Bekämpfung dieser. Die gleichzeitige Marktöffnung soll via zusätzliche Mittel abgefedert werden. Dies zwingt die Bäuerinnen und Bauern in noch grössere Abhängigkeit des Staates und steht im Widerspruch zu dem vom Bundesrat geforderten Unternehmertum. Unsinn wird auch bei stetiger Wiederholung nicht besser! Wir fordern, dass die Landwirtschaft konsequent von den Freihandelsabkommen ausgenommen wird. Pierre-André Tombez, Präsident der Allianz für Ernährungssouveränität meint dazu: «Wir gehören weltweit zu einer Handvoll Länder die am meisten Lebensmittel importieren. Die Ausgestaltung von einem lokalen sowie international fairen Markt, wie sie unsere Initiative für Ernährungssouveränität vorschlägt, ist die Lösung um Freihandelsabkommen zu stoppen.»

Die Verteidigung der vielfältigen bäuerlichen Landwirtschaft und eines wirksamen Grenzschutzes, sowie die Demokratisierung der Ernährungssysteme, sind unabdingbar für den Erhalt der Landwirtschaft und eine gesunde Ernährung. Ulrike Minkner, Bio-Bäuerin und Vizepräsidentin der Allianz für Ernährungssouveränität hält fest: «Unsere Vision einer Landwirtschaft, die sozial gerecht und ökologisch nachhaltige Lebensmittel erzeugt, findet Widerhall in unserer täglichen Praxis als Bäuerinnen und Bauern sowie in der Initiative für Ernährungssouveränität.»

Die Allianz für Ernährungssouveränität wurde im September 2016 gegründet und ist Trägerin der Initiative für Ernährungssouveränität. Unter ihrem Dach versammeln sich rund 250 Einzelpersonen und Organisationen aus landwirtschaftlichen, kirchlichen und sozialen Bewegungen. Die Vorlage kommt voraussichtlich im Herbst 2018 zur Abstimmung.



Medienmitteilung als pdf


Montag, 18 September 2017

Wenn Sie in den letzten Wochen auch nur eine einzige Zeitung aufgeschlagen haben, konnten Sie es zweifellos nicht vermeiden. Das Wort «fair» ist überall. Und ganz besonders im Diskurs der grossen Unternehmen, die sich in ein positives Licht rücken wollen.

Wir alle kennen den fairen Handel durch die Weltläden oder Max Havelaar, welche den produzierenden Bauern überall auf der Welt anständige Arbeitsbedingungen schaffen wollen. Es hat aber viele Jahre gedauert, bis Stimmen laut wurden, um aufzuzeigen, dass auch die Schweizer Landwirtschaft etwas mehr Fairness brauchen könnte. Und eigentlich braucht es ja nicht viel, um zu erkennen, dass dies ein hervorragendes Werbeargument ist. Zwei kleine Schlaumeier haben das sehr schnell erkannt und ohne grossen Aufwand zu ihrem Nutzen verwendet.

Die Migros zuerst. In einem Interview steht Folgendes zu lesen: «Das gesamte Milchsortiment kann als «fair» bezeichnet werden, denn die Produzenten erhalten die höchsten Preise der Schweiz». Na gut. Nichtsdestotrotz eine komische Folgerung. Wenn jemand einen bessern Preis bezahlt, bedeutet das noch lange nicht, dass der Preis korrekt ist. Davon sind wir noch weit entfernt.

Auf zweiter Stelle steht der kleine Aldi, der seitens der Bauern auf einer Sympathiewelle surft und gemeinsam mit Cremo eine faire Milch herstellt. Als sich herausstellte, was sich hinter diesem neuen Label versteckt, tat man gut daran, sich hinzusetzen. Erstens eine zusätzliche Anforderung an die Bauern: das RAUS-Programm ist obligatorisch und wird verdoppelt, mit 26 Tagen Auslauf pro Monat. Das geht in Ordnung, wenn der Produzent einen Laufstall hat. Wenn er hingegen keine Möglichkeit hatte, einen modernen Stall zu bauen, muss er von nun an jeden Samstag seine Kühe hinauslassen, sonst schafft er die obligatorische Menge nicht. Danke Aldi, dass sich die Bauern wenigstens am Sonntag ausruhen dürfen… Aber man darf jetzt nicht denken, das geschehe um der guten Sache willen! Zwar wurden die Produzentenpreise um rund 20 Rappen erhöht, aber die Konsumenten müssen bis zu 35 Rappen mehr bezahlen, um diese Milch zu kaufen. So geht das: etwas mehr verdienen und gleichzeitig etwas fürs Gewissen tun. Wobei Aldi bestimmt erklären würde, das sei fürs Marketing und die zusätzlichen Kosten...

Wir dürfen uns ganz legitim fragen, wer in dieser Geschichte am meisten betrogen wird? Der Bauer, der mehr arbeitet, um 20 Rappen mehr zu verdienen, auch wenn der Verdienst schlussendlich sowieso bei weitem nicht ausreicht, um von der Milchproduktion zu leben? Oder der Konsument, den man im Glauben lässt, etwas Gutes zu tun, während er doch vor allem etwas für die Detailhändler tut, die sich ja nun wirklich nicht beklagen können?

Wir von Uniterre denken, dass Migros und Aldi einen Nachhilfekurs in englischer Sprache nötig haben. Gemäss Duden bedeutet « Fairness »: anständiges Verhalten; gerechte, ehrliche Haltung andern gegenüber. Diese Qualität geht den beiden Sortimenten vollständig ab. Wissen Sie, Fairness muss man verdienen. Die Bauern haben ihren Teil des Vertrages erfüllt. Jetzt, liebe Detailhändler, sind Sie an der Reihe!

Vanessa Renfer


Montag, 18 September 2017
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Uniterre steht für die bäuerliche Landwirtschaft ein. Aber was heisst das genau?

Bäuerliche Landwirtschaft ist ein Zukunftsmodell, das wir vertreten, weil die stetige Industrialisierung die Landwirtschaft in eine Sackgasse führt. Für die einen ist bäuerliche Landwirtschaft gleichbedeutend mit kleinen Strukturen, das betont zum Beispiel der Bundesrat in seiner Botschaft zur Initiative für Ernährungssouveränität mehrmals. Doch die Grösse eines Bauernhofes an sich ist kein massgebendes Kriterium bei der Definition von bäuerlicher Landwirtschaft. In der gleichen Botschaft schlägt der Bundesrat folgende Definition vor: Der Begriff «bäuerlich» bedeutet, dass der Landwirt oder die Landwirtin und dessen oder deren Familie einen wesentlichen Teil der erforderlichen Arbeiten selbst ausführen. Diese Definition ist jedoch unvollständig. Die Initiative für Ernährungssouveränität schlägt vor, folgendes in der Verfassung zu schreiben: «einheimische, bäuerliche Landwirtschaft, die einträglich und vielfältig ist». Diese Formulierung beinhaltet eine lokale Verankerung, eine gewisse Autonomie der Landwirtschaft, eine Kreislaufwirtschaft sowie den Erhalt eines Teils der Wertschöpfung in den ersten Stufen der Produktionskette.

Bauernvereine in Frankreich

Die FADEAR (Fédération des Associations pour le Développement de l’Emploi Agricole et Rural) wurde 1984 gegründet. Sie vereint viele Bäuerinnen und Bauern, die bereits in der Confédération Paysanne sind, sowie andere Akteure der ländlichen Gesellschaft, mit dem Ziel, ihre Erfahrungen und ihr Know How zu teilen und so den Erhalt der Bauernhöfe und die Niederlassung neuer Bäuerinnen und Bauern sicherzustellen. Ausserdem soll der Verein die Werte der bäuerlichen Landwirtschaft erhalten und aufleben lassen.

Die Charta der bäuerlichen Landwirtschaft

1998 hat die FADEAR die Charta der bäuerlichen Landwirtschaft fertiggestellt. Sie wurde über mehrere Jahre hinweg von vielen Bäuerinnen, Bauern und Wissenschaftlern ausgearbeitet. Ihr Modell der Landwirtschaft soll es möglichst vielen Bäuerinnen und Bauern ermöglichen, anständig von ihrem Beruf zu leben. Sie sollen nachhaltig produzieren, um die Bevölkerung zu ernähren, nicht nur, um etwas produziert zu haben. Die bäuerliche Landwirtschaft orientiert sich an 6 Bereichen, die sich gegenseitig bedingen: Autonomie, Verteilung, Arbeit mit der Natur, regionale Entwicklung, Qualität und Übertragbarkeit.

  • Verteilung der Produktionsmengen, damit der Bauernberuf möglichst vielen offensteht und sie auch davon leben können.
  • Solidarität mit Bäuerinnen und Bauern aus anderen Regionen Europas und der Welt.
  • Umweltschutz mit dem Grundsatz: «Wir haben das Land nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern ausgeliehen».
  • Aufwertung der unerschöpflichen Ressourcen, Sparsamkeit mit den seltenen Ressourcen.
  • Bestreben um Transparenz bei Kauf, Produktion, Verarbeitung und Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten.
  • Garantie der geschmacklichen Qualität und der Lebensmittelsicherheit.
  • Bestreben um eine maximale Autonomie in der Funktionsweise von landwirtschaftlichen Betrieben.
  • Aufbau von Partnerschaften mit anderen Akteuren der ländlichen Gesellschaft.
  • Erhalt der Diversität von Nutztieren und Kulturpflanzen.
  • Langfristiges und ganzheitliches Denken.

Diagnose bäuerliche Landwirtschaft

Die FADEAR stellt ausserdem ein Analyseinstrument zur Verfügung, mit dem festgestellt werden kann, wo sich ein Bauernbetrieb in Bezug auf die bäuerliche Landwirtschaft befindet. Die Betriebe werden anhand von sechs bereichsübergreifenden Themen analysiert:

  • Die Autonomie anhand von drei Kriterien: Entscheidungsautonomie, wirtschaftliche und finanzielle Autonomie sowie technische Autonomie.
  • Die Verteilung der Produktionsvolumen. Das Projekt für bäuerliche Landwirtschaft verwaltet Produktionsrechte entsprechend der Nachfrage, damit möglichst viele Produzenten einen bestimmten Markt bedienen können.
  • Die Arbeit mit der Natur. In diesem Themenbereich wurden fünf Kriterien bestimmt: 1) Biodiversität und Fruchtfolgen mit Pflanzenarten, deren Eigenschaften spezifisch und deren Anforderungen an die agronomische Techniken verschieden sind. 2) Den Erhalt der Fruchtbarkeit durch Anbau- und Zuchtmethoden, welche die Fruchtbarkeit erhalten oder verbessern. 3) Eine auf das Notwendige beschränkte Verwaltung von Pflanzenschutzmitteln und Medikamenten; sinnvoll, nicht systematisch. 4) Der Schutz von Wasservorkommen sowohl bei der Mengenverwaltung, der Entnahme für die Bewässerung sowie des Qualitätserhalts. 5) Eine achtsame Raumplanung und die Vorbeugung von Umweltverschmutzung, um Naturräume und ländliche Strukturen zu erhalten.
  • Die Übertragbarkeit illustriert grundsätzlich die sozialen und wirtschaftlichen Aspekte der Landwirtschaft. Ein übertragbarer Bauernhof ist ein Hof, der von einer neuen Generation übernommen werden kann, er ermöglicht ein Einkommen und somit das Fortbestehen von zahlreichen Bäuerinnen und Bauern auf dem ganzen Gebiet. Die Übertragbarkeit von Bauernbetrieben ist eine wesentliche Voraussetzung, um die Erwartungen der Bevölkerung in Sachen Arbeitsmarkt, Qualität der Produkte und Dynamik der ländlichen Gesellschaft zu erfüllen. Folgende Aspekte müssen berücksichtigt werden, um die Übertragbarkeit zu erleichtern: die Lebensqualität, die Rechtssicherheit beim Grundeigentum, die Anpassungsfähigkeit, die Rentabilität und der Wert des zu übertragenden Arbeitsmittels.
  • Die Qualität der Produkte. Die Qualität der Produkte ist vielfältig und findet sich in verschiedenen Bereichen: Lebensmittelsicherheit, chemische Zusammensetzung, Nährwert und geschmackliche Qualität. Einige der bakteriologischen Normen sind absurd oder übertrieben, auf jeden Fall nicht für die bäuerliche Landwirtschaft geeignet. Die Abwesenheit von Schadstoffen und GVO. Gentechnisch veränderte Organismen ermöglichen keine Autonomie, sie respektieren die Natur nicht und ihre Unschädlichkeit für die Endverbraucher ist nicht abschliessend bewiesen. Die Qualität der Produkte muss auf allen Ebenen anerkannt und erkennbar sein, von der Produktionsart über die Anerkennung der Produzenten und ihre Entschädigung bis hin zu ihrer persönlichen Zufriedenheit. Sie beinhaltet ausserdem den Respekt der Konsumentinnen und Konsumenten über die Transparenz aller Produktionsstufen. Transparenz bedeutet, dass es möglich ist, alle Orte der Produktion, der Verarbeitung und der Vermarktung zugänglich zu machen, entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Transparenz ist mehr als Zertifizierung oder Rückverfolgbarkeit.
  • Die regionale und dynamische Entwicklung der ländlichen Gebiete: die Beteiligung der Bäuerinnen und Bauern am regionalen Leben ist eine Garantie für die regionale Dynamik. Partnerschaften bei der Produktion und der Vermarktung tragen viel zur Solidarität zwischen den unterschiedlichen Berufsklassen und Gesellschaftsschichten bei. Sie ermöglichen den Erhalt der Wertschöpfung in den Regionen. Bauernhöfe sind von Natur aus Orte der Gastfreundschaft, der Integration und des gesellschaftlichen Gleichgewichts. Die bäuerliche Geschichte und Kultur begründen die Entwicklung und die Aufwertung des ländlichen Gebiets. Landwirtschaft ist zwar nicht mehr die einzige Aktivität im ländlichen Gebiet, dennoch bleibt sie dessen treibende Kraft. Das Verschwinden von 30 000 bis 40 000 Stellen pro Jahr in der Landwirtschaft läuft dem Hauptanliegen der Gesellschaft zuwider: den Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Der Beitrag an die Schaffung von Arbeitsplätzen läuft auch über den Erhalt bestehender Stellen, indem die Produktionsvolumen verteilt werden.

Die Autonomie, die Verteilung und die Arbeit mit der Natur zählen jeweils 20 %, die Qualität der Produkte, die regionale Entwicklung und die Übertragbarkeit jeweils 13 %. Mit diesen qualitativ und quantitativ messbaren Indikatoren können Produktionssysteme auf ihre Übereinstimmung mit dem Konzept der bäuerlichen Landwirtschaft hin untersucht werden. Ziel dieser Beurteilung ist, individuelle und kollektive Mittel und Wege für die Entwicklung zu finden, um eine Landwirtschaft im Interesse der Bevölkerung aufzubauen.

Rudi Berli




Die komplette Charta für bäuerliche Landwirtschaft (auf Französisch)
finden Sie unten: www.agriculturepaysanne.org/files/charte-agricultu...



Mittwoch, 13 September 2017
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Lieber Bauernverband,

Der diesjährige Frühling war schön und hielt ausserdem eine Überraschung für uns parat: Es sah aus, als würdest Du dich, von der saisonalen Fruchtbarkeit angesteckt, mit frischer Kraft in die Lösung der Milchkrise zu stürzen. Du hast festgestellt, dass die BO Milch ihrer Aufgabe nicht gerecht wird – auf jeden Fall nicht im Sinne der Bäuerinnen und Bauern, die Du vertrittst. Du hast auch gemerkt, dass viele unter ihnen am Ende ihrer Kräfte sind, oder vielleicht schon darüber hinaus; dass die Wut auf dem Land sich aufballt wie Gewitterwolken und dass sogar schon die öffentliche Meinung zu erwachen scheint…


Freitag, 21 Juli 2017
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„Kommt ihr über die Runden?“
Auf diese Frage, die uns unsere Nachbarn in diesen dunklen Zeiten viel zu oft stellen, antworten wir ab jetzt „Ja“. Die Milchproduktion, die wir geduldig aufgebaut haben, wird aufgelöst, dafür haben wir nachher kleine Angus-Kühe. Die Melkanlage im Stall wird grösstenteils stillgelegt (aber nicht ganz: wir weigern uns, Milch zu kaufen!). Nach dem anfänglichen Schock, den Tränen, den Zweifeln, die wir aus dem Weg räumen mussten, werden wir nun hoffentlich ein neues familiäres Gleichgewicht finden. Und das finanzielle Gleichgewicht wird nicht unbedingt besser, aber doch auch nicht schlechter. Es wird weitergehen.

Dienstag, 20 Juni 2017
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An der GV von Uniterre haben sich die anwesenden Mitglieder für die Stimmfreigabe bei der Abstimmung über den Gegenentwurf zur «Ernährungssicherheit» ausgesprochen. Hier sind die wichtigsten Gründe für diesen Entscheid.


Der Gegenentwurf enthält drei problematische Punkte im neuen Verfassungsartikel. Der Bund wird verpflichtet, Rahmenbedingungen zu schaffen, welche die Nachhaltigkeit unterstützen und günstig sind für :

c) eine wettbewerbsfähige Land- und Ernährungswirtschaft ;

d) den Zugang zu den internationalen Agrarmärkten ;

Erstens ist angesichts der absolut asymmetrischen Kräfteverhältnisse auf unserem Markt zu befürchten, dass die Bäuerinnen und Bauern noch mehr Anerkennung verlieren. Sie müssen das Herzstück des Ernährungssystems bilden, stattdessen rückt Buchstabe c) den Markt in den Mittelpunkt. So wird auch der Markt die Preis- und Mengenvorgaben festlegen.

Zweitens führt Buchstabe d) das Konzept der «internationalen Agrarmärkte» als Premiere in der Verfassung ein. Auch wenn es an die Nachhaltigkeit gekoppelt bleibt, so bleibt das doch stark risikobehaftet. Zumal der Begriff der nachhaltigen Entwicklung im Verlauf der letzten Jahre stark verwässert wurde. Beispielsweise macht das Seco deswegen keine Umstände, wenn es gilt, Freihandelsabkommen zu unterschreiben.

Drittens ist ein interessanter Aspekt der Initiative des Schweizer Bauern-verbandes im Gegenentwurf total verschwunden : «Er [der Bund] sorgt dafür, dass […] die Rechtssicherheit und eine angemessene Investitionssicherheit gewährleistet sind.»

Da kommt eines zum anderen. Wir könnten mit dem Text des Schweizer Bauernverbandes gut «leben», aber der Gegenentwurf des Ständerats bereitet uns Kopfschmerzen. Dennoch wollen wir uns nicht gegen einen anderen Bauernverband stellen. Es ist legitim, die Ernährungssicherheit in der Verfassung verankern zu wollen. Deshalb haben wir die Stimmfreigabe beschlossen und rufen unseren Mitgliedern in Erinnerung, dass es sich dabei nur um ein Etappenziel handelt, hin zu einem noch anspruchsvolleren Ziel : die Ernährungssouveränität in der Verfassung zu verankern.

Valentina Hemmeler Maïga
Übersetzung : Stefanie Schenk
veröffentlicht in Uniterre Zeitung Juni 2017