Donnerstag, 26 Mai 2016
Freitag, 30 Dezember 2016
Pages de Gauche - Oktober 2016
Der Walliser Mathias Reynard und der Basler Beat Jans, beides Nationalräte der SP, haben uns dieses Interview während der Herbstsession des Parlaments in Bern gewährt. Wir wollten offen über die Position der sozialdemokratischen Partei bezüglich der Landwirtschaft und der Agrarpolitik diskutieren - ein Thema, das manchmal innerhalb der Fraktion Spannungen schafft. Ulrike Minkner von der Bauerngewerkschaft Uniterre war ebenfalls dabei.
Montag, 26 Dezember 2016
Gegenentwurf: ein Hinterhalt für unsere Initiative
Am 29. November hat der Ständerat den Gegenentwurf zur « Initiative für Ernährungssicherheit » angenommen. Es wäre aber falsch, zu glauben, dieser Entscheid betreffe nur die Initiative des SBV. Die Ratsmitglieder haben immer wieder darauf hingewiesen, dass der Gegenentwurf nicht nur eine Antwort auf die Initiative des SBV ist, sondern vielmehr eine Strategie, mit der auch die « Fair-Food-Initiative » der Grünen und die « Initiative für Ernährungssouveränität » von Uniterre bekämpft werden sollen. Jetzt kommen Gegenentwurf und Initiative des SBV (sofern Letztere nicht zurückgezogen wird) vor den Nationalrat.
Dienstag, 20 Dezember 2016
In Enges, auf der Anhöhe über Cressier, ist der Parkplatz vor dem Bauernhof von Vanessa Renfer und Etienne Richard oft besetzt. Es hat Lieferwagen, Autos, Kleinlaster, einen Traktor. Dieser Andrang ist ein gutes Zeichen, der Bauernhof lebt, bewegt und entwickelt sich - aber wohin ? Wir werden es in diesem Interview mit Vanessa Renfer erfahren. Sie ist Bäuerin und Delegierte der Sektion Neuenburg im Vorstand von Uniterre.
Mittwoch, 14 Dezember 2016
Zum ersten Mal wurde ein Multi in Den Haag vor ein internationales Gericht gestellt. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen : es handelte sich nicht - noch nicht ! - um den Internationalen Strafgerichtshof, sondern um ein Meinungstribunal, das vom 14. bis zum 16. Oktober in Den Haag tagte.
Mittwoch, 14 Dezember 2016
Gleichzeitig zum Monsanto Tribunal fanden zahlreiche Ateliers und Konferenzen statt. Im Vordergrund standen AktivistInnen, angesehene WissenschaftlerInnen und Initiativen der Zivilgesellschaft. 
Dienstag, 13 Dezember 2016
Unsere Milch ist kein Agrarrohstoff - sondern ein wertvolles Naturprodukt.
Am letzten Samstag, den 10.Dez., hat Uniterre den nationalen Tag der Rohmilch ausgerufen und an 5 Standorten in der Schweiz Rohmilch ausgeschenkt. Es war eine erfolgreiche Aktion und gab uns die Gelegenheit über die miserablen Zustände in der Milchbranche zu diskutieren. In Lausanne, Fribourg, Bern, Zürich und St.Imier wurde Milch ausgeschenkt und zu einem fairen Preis verkauft.
 
Freitag, 09 Dezember 2016
Am 16. Oktober verfolgten zum Anlass des Welternährungstag rund 70 Interessierte in der Heiliggeistkirche in Bern den Film «10 Milliarden - Wie werden wir alle satt?» von Valentin Thurn.
 Der Film zeigt eindrucksvoll Wege auf, die heute in den Laboren und Fabriken der Nahrungsmittelproduktion, der industriellen technologiegestützten Landwirtschaft, aber auch der sanften, manuellen, nachhaltigen, bäuerlichen und urbanen Landbearbeitung möglich sind und gegangen werden.
Freitag, 09 Dezember 2016
Die Milcherzeugerbewegung fordert ein reguläres Kriseninstrument für den Milchsektor 
Freitag, 09 Dezember 2016
Sind Sie Bauer oder Bäuerin und unterstützen die Ernährungssouveränitäts-Initiative ? Dann treten Sie noch heute dem bäuerlichen Komitee bei. Sie können sich unter dem folgenden Link eintragen :
www.bäuerliches-komitee.ch
Ihr Name sowie der Ort wird auf der Homepage veröffentlicht werden. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.
Freitag, 09 Dezember 2016
Wir alle für eine zukunftsfähige Landwirtschaft.
Mit dem Zusammenschluss von Bauern und Städtern produziert Basimilch wunderbare Bio-Milchprodukte unter besten Bedingungen für alle. Eine Landwirtschaft, die echt fair und nachhaltig ist! Nach der erfolgreichen Testphase brauchen wir dich, um das Projekt zum Blühen zu bringen! Denn wenn wir auf 2017 die Zahl der Käse-Abonnenten nicht verdoppeln können, droht dem Pionier-Projekt der Absturz.
www.100-days.net/de/projekt/kaese-fuer-eine-schoene-welt
 
 
Freitag, 09 Dezember 2016
Seit dem Kurs für solidarische Landwirtschaft anfang diesen Jahres, lässt uns der Gedanke nicht mehr los, dass Bern ein weiteres Projekt für solidarische Landwirtschaft gut gebrauchten könnte. Wir möchten unser Gemüse kennen, wir möchten fair produzieren, gemeinsam ernten und gemeinsam die Verantwortung für unsere Lebensmittel tragen. In Bern gibt es bereits das Radiesli und Soliterre, zwei Projekte basierend auf Vertragslandwirtschaft. Ein Projekt vom q-Hof befindet sich ebenfalls in den Startlöchern.
Freitag, 09 Dezember 2016
Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerats (WAK-S) schlägt einen Gegenentwurf zur Volksinitiative für Ernährungs-sicherheit der Schweizerischen Bauernverbandes vor. Der neue Text beruht auf umfassenden Überlegungen, die auch andere hängige Volksinitiativen (Ernährungssouveränität, Fair-Food, Hornkühe) berücksichtigen.
Freitag, 09 Dezember 2016
Am 5. November trafen wir uns im Restaurant Bären in Ostermundigen in kleiner und engagierter Runde.  Bereichernde Diskussionen wurden geführt und interessante Ideen vorgeschlagen: Organisieren eines Rohmilch-Verkaufs in Bern während dem Milchaktionstag vom 10. Dezember von Uniterre ; 2 - 3 Aktionstage auf Landwirtschaftsbetrieben von Uniterre-Mitgliedern, organisieren eines Treffens zwischen den verschiedenen Gemüse-Abo-Anbietern in Bern (Légummes, Biohof Heimenhaus, Soliterre, Radiesli, etc) ; Rechtliche Hilfe für Bäuerinnen und Bauern, etc. Aber zuerst ist es sehr wichtig, neue Mitglieder zu gewinnen !
Freitag, 09 Dezember 2016
Am 10. November fand in Bern das Symposium « GVO - 20 Jahre Kommerzialisierung » statt, organisiert von der Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG) und Alliance suisse pour une agriculture sans génie génétique (Stop OGM) organisiert mit Unterstützung der Stiftung Mercator Schweiz.
 
Dienstag, 06 Dezember 2016
Presseerklärung
In verschiedenen Städten und Regionen werden am 10. Dezember Standaktionen von Bäuerinnen und Bauern durchgeführt, um Rohmilch zu verkaufen oder zu verteilen. Mit dieser symbolischen Aktion möchte Uniterre die Arbeit der bäuerlichen Familien ins Zentrum stellen und allen die Möglichkeit geben, den authentischen Geschmack der Rohmilch kennenzulernen.
Dienstag, 29 November 2016
an die MedienLausanne, 29.Nov. 2016
Gegenvorschlag des Ständerats zur Ernährungssicherheitsinitiative : Ein unausgegorenes Projekt , das um den heissen Brei herumredet.
 Uniterre und die Initiative « für Ernärhungssouvernänität » haben von der Entscheidung des Ständerrats, einen Gegenvorschlag zur « Ernährungssicherheitsinitiative » zu lancieren, Kenntnis genommen. Im Bericht der Kommission WAK-S wird ausgedrückt, dass das Gegenprojekt z.T. den Erwartungen unserer Initiative entgegenkommt. Dem widersprechen wir klar.
Dienstag, 29 November 2016
Unsere Ernährungssysteme gehören uns 
Vor einigen Jahren hat Olivier de Schutter, UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung gesagt, ein Hauptgrund für die gegenwärtige Lebensmittelknappheit sei die fehlende Demokratie in unseren Ernährungssystemen. Man müsse in den Dörfern und Städten, bei den Bürgerinnen und Bürgern beginnen, bessere Systeme zu gründen, welche die Macht weg von den Konzernen zurück zu den Völkern bringt.
Dienstag, 29 November 2016
Am 10. Dezember 2016 werden wir Bäuerinnen und Bauern
Rohmilch sowie andere Produkte an Marktständen verkaufen.  Ziel ist es, unsere Hofprodukte vorzustellen und die Direktvermarktung zu fördern. 
Montag, 14 November 2016
Mit dem Zusammenschluss von Bauern und Städtern produziert Basimilch wunderbare Bio-Milchprodukte unter besten Bedingungen für alle. Eine Landwirtschaft, die echt fair und nachhaltig ist! Nach der erfolgreichen Testphase brauchen wir dich, um das Projekt zum Blühen zu bringen! Denn wenn wir auf 2017 die Zahl der Käse-Abonnenten nicht verdoppeln können, droht dem Pionier-Projekt der Absturz.
VIDEO:
http://www.100-days.net/de/projekt/kaese-fuer-eine-schoene-welt/project
Dienstag, 08 November 2016
Aktuell gibt es in der Deutschschweiz rund 15 Vertragslandwirtschaftsprojekte. Am 22. September besuchten einige Mitglieder und SympathisantInnen von Uniterre das im Jahr 2013 gegründete Projekt «Bioco» in Gebenstorf bei Baden. Auf dem Demeter-Betrieb von Astrid und Michael Köhnken wird auf vierzig Aren Gemüse für 50 AbonnentInnen und 100 GenossenschafterInnen angebaut. Auf dem Hof werden aber auch Dinkel-Korn angebaut, Mutter-Kühe gehalten und stehen 75 Hochstammbäume.
Dienstag, 08 November 2016
Ab 2017 wird mein Status ändern. Ich werde vom angestellten Aktivisten zum ehrenamtlichen Aktivisten. Wie Ihr, liebe Freundinnen und Freunde, werde ich anderweitig beschäftig sein - dennoch werde ich es nicht lassen können, die Aktivitäten von Uniterre und die Bewegung für Ernährungssouveränität weiterhin zu verfolgen.
Dienstag, 08 November 2016
„Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt!“
Unter diesen Slogan stelle ich unseren Nachruf für Köbi Alt. Er ist am 31.Oktober unerwartet verstorben und wir alle vermissen ihn sehr. Nicht nur weil er unser Vizepräsident von Uniterre war, sondern weil er so viele verschiedene Talente hatte. Er hat sich immer Zeit für unsere Anliegen genommen und gleichzeitig hatte er etwas Drängendes. Er hat uns erinnert und herausgefordert, hat nicht Ruhe gelassen, bis das Vorhaben Fortschritte machte.
Dienstag, 08 November 2016
Sind Sie Bäuerin oder Bauer und stimmen JA für den Atomausstieg am 27. November. In diesem Fall können die Kampagne unterstützen und ein Mail an  brigitte.marti@gruene.ch senden mit folgenden Angaben:- Name- Vorname- Produktionszweig (Wein, Viehhaltung, Ackerbau, Gemüseanbau...)- Label (Bio, IP, Konventionell)- Ort und Kanton
Einsendeschluss ist der Freitag, 11. November.
Montag, 07 November 2016
Uniterre hat es immer wieder gesagt, besonders seit 2009: Das Problem der Mengenführung bei der Industriemilch wird auch auf die Käsereimilch überschwappen. Aus diesem Grund haben wir unerlässlich an die bäuerliche Solidarität appelliert und eine dringende Regulierung der Milchproduktion gefordert, inklusive der hochwertigen AOP-Milch, die seit Jahren als Vorzeigebeispiel gilt.
Dienstag, 01 November 2016
Gehirntot des Milchsektors
Vor 10 Jahren hat in der Schweiz die dreijährige Übergangsphase für den Ausstieg aus der Milchkontingentierung begonnen. Fast gleichzeitig, nämlich 2007, wurde der Käsemarkt zwischen der Schweiz und der EU vollständig liberalisiert.
Wo stehen wir heute?
Dienstag, 20 Oktober 2020
#

Vergangene Woche hat die Arbeitsgruppe der BO Milch entschieden, dass weitere 500 Tonnen Butter aus der EU importiert werden sollen. Laut der Medienmitteilung der BOM wurden nur die 500 Tonnen Import beschlossen. Nichts anderes. Die Milchbäuerinnen und Milchbauern sind konsterniert: Wäre dies jetzt nicht die richtige Gelegenheit gewesen, um konkrete Forderungen zu stellen, wie sie bereits der SMP formuliert hat und welche die Situation der Milchviehbetriebe verbessern würde? Z.B. Einhalten der Richtpreise oder kein Verkauf von Importbutter unter der Marke "DIE BUTTER"!!!

BIG-M hat sich informiert: In dieser Arbeitsgruppe sitzen 5 Vertreter der Produzenten und 5 Vertreter der Verarbeiter/Händler. Für einen Beschluss in der BOM braucht es von jeder Seite eine dreiviertel-Mehrheit. In der zehnköpfigen Arbeitsgruppe der BOM hätten also 2 Produzentenstimmen genügt, um einen einseitigen Beschluss, welcher nur dem Handel nutzt, zu blockieren. Aber diese zwei Stimmen gab es nicht. Es war leider nur einer nicht einverstanden. Die BOM redet in der Medienmitteilung um den Brei herum: "Die Einschätzung, dass weitere Importe nötig sind, wurde von einer grossen Mehrheit der Arbeitsgruppe geteilt." Doch um das geht es nicht. Es ist für sämtliche Branchenkenner klar, dass die Butterversorgung sichergestellt werden muss. Die Gegenstimme vertrat offensichtlich aber die Auffassung, dass nach Jahren von Butterüberschüssen und entsprechend schlechten Milchpreisen von der aktuellen Mangelsituation endlich auch die Milchviehbetriebe profitieren sollten. Die anderen vier "P
roduzentenvertreter" teilten diese Haltung offensichtlich nicht. Einmal mehr zeigt sich, dass die Verarbeiter und Detailhändler nebst dem Markt auch die BOM kontrollieren. "Wie ausgewogen ist eine solche Branchenorganisation noch?" fragt BIG-M Sekretär Werner Locher? In den Statuten der BOM steht zwar im Zweckartikel "Die Branchenorganisation Milch bezweckt die Stärkung der Wirtschaftlichkeit ihrer Mitglieder". Aber die Milchbauern sind damit offensichtlich nicht gemeint.

Mit kämpferischen Grüssen
BIG-M -die Basisorganisation für einen fairen Milchmarkt

Donnerstag, 01 Oktober 2020
#

Getriebene !

Handel gibt es, seit es Menschen gibt: Kreditgeschäfte und erst später das Münzgeld begründen die heutige Schuldenwirtschaft. Der Mensch wurde zur Konsument*in, später zu Schuldner*in gemacht. Produziert wird rund um die Uhr, Waren werden um den ganzen Planeten transportiert und schlussendlich konsumiert. Wenn da Sand – oder ein Coronavirus – ins Getriebe kommt, ist der Teufel los. Ganze Branchen sind gefährdet oder gehen Pleite. Jetzt, nach 6 Monaten Lockdown, soll der Staat retten, was noch zu retten ist: Die Swiss, die gar keine Schweizer Airline mehr ist, Kurzarbeit für das Gewerbe und das Hoffen auf weitere Unterstützung. Viele Konzerne, wie Sulzer oder Schindler, haben aufgrund gesunkener Gewinne bereits Entlassungen angekündigt, andere verlegen ihre Produktion in Billiglohnländer. Schwer trifft es in der Schweiz die rund 200’000 Beschäftigten in prekären Arbeitssituationen wie Zeitarbeit und Arbeit auf Abruf, z.B. in der Gastronomie, Hotellerie und im Reinigungsgewerbe.

Die Weltenuhr tickt plötzlich anders. Nehmen wir das Auto oder den neuen Traktor als Beispiel. Würde der bisherige nicht noch locker weitere 10 Jahre seinen Dienst tun? Was, wenn alle den Kauf verschieben würden? Katastrophe! Es gingen blitzschnell viele Arbeitsplätze verloren. Anderes Beispiel: Die Schweizer Bevölkerung will nicht noch mehr Käse essen. Es wird mehr als genug produziert, zusätzlich kommt sehr viel Käse aus der EU in die Schweiz, also exportieren wir die Überschüsse. Ein Grund weshalb der Schweizer Bauernverband in der Regel am Schluss jedes Freihandelsabkommen durchwinkt, denn der Käse muss ja irgendwo «verbraucht» werden.
Entschuldigt die drastische Vereinfachung. Die eigentliche Frage, wie es zu dieser ungesunden Überproduktion in der Landwirtschaft kommt, darf nicht länger ein Tabu bleiben.

Auch die Schweizer Wirtschaft ist auf der Suche nach neuen Absatz- und Wachstumsmärkten z.B. in Indonesien und in den Mercosur1-Staaten gelandet: Bedienen, erobern, um die Überschüsse loszuwerden. Wie in Zeiten des Kolonialismus. Neue Erdteile wurden „entdeckt“, erobert, kolonialisiert und die Menschen vor Ort versklavt. Heute geht es vornehmer mithilfe von bilateralen oder multilateralen Freihandelsabkommen. Diese führen heute in den betroffenen Ländern weder zu mehr Wohlstand noch zu mehr Zufriedenheit, im Gegenteil. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) kommt in seinen Studien zum Schluss, die ökologischen und ökonomischen Agrarauswirkungen in der Schweiz2und in den Mercosur-Ländern seien gering. Das ist zu kurz gegriffen, denn die Schweiz ist Teil eines Systems, einer weltweiten Konkurrenzwirtschaft, angetrieben von einer ungesunden Wachstumsspirale. Das macht uns zu Getriebenen dieses Systems und das hat sehr wohl grosse Auswirkungen auf die Menschen, auf die Umwelt und aufs Klima. Wir glauben nicht an Wirtschaftswunder, sondern daran, dass wir uns kritisch und entschlossen gegen weitere Freihandelsabkommen stellen müssen.

1 Mercosur Vollmitglieder: Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay

2 Im Rahmen der EFTA: Norwegen, Island, Fürstentum Lichtenstein, Schweiz

Ulrike Minkner, Bäuerin und Sekretärin Uniterre

Mittwoch, 23 September 2020
#
Uns freut‘s natürlich, dass BirdLife, Greenpeace, Pro Natura und WWF Schweiz endlich die Notwendigkeit erkennen, von der Industrialisierung der Landwirtschaft wegzukommen. Das Agrobusiness sind aber nicht die Bäuerinnen und Bauern, sie sind nur Teil eines Ernährungssystems, das auf Konkurrenz beruht. Diese Politik der Vernichtung der bäuerlichen Landwirtschaft und der regionalen Kreisläufe wird durch die Agrarpolitik vorangetrieben. Auch die aktuelle Neuauflage der Agrarpolitik (AP22+) sieht die weitere Zerstörung der vielfältigen bäuerlichen Landwirtschaft vor. Sie nimmt in Kauf, dass täglich zwei bis drei Betriebe aufgeben müssen und sechs Arbeitsplätze in der Landwirtschaft abgebaut werden.


Die Zerschlagung. Grossverteiler, Agrarhandel, Finanzwesen und Agroindustrie erzielen auf dem globalisierten Nahrungsmittelmarkt enorme Gewinne, durch Freihandelsabkommen gefördert und von einer Agrarpolitik begleitet, die nun die negativsten Auswirkungen abschwächen muss. Es sind die Ernährungsdemokratie, die Bevölkerung, die Konsument*innen, die Bäuerinnen und Bauern und die Umwelt, die den Preis für dieses soziale und ökologische Dumping zahlen. Die öffentlichen politischen Institutionen ziehen sich aus der Marktregulierung zurück. Dieser deregulierte Markt gedeiht sowohl mit dem Modell der preiswertesten Lebensmittel, wie auch mit einer Nische von Bioprodukten. Und das Modell wendet überall die gleiche Logik an: Niedrigere Kosten, um Margen und Gewinne zu erhöhen.

Kampagne nur ein Feigenblatt? Warum unterstützen die Organisationen, die mit der Kampagne gegen das Agrobusiness mobilisieren, nicht den Kampf gegen die Einfuhr von Palmöl, Soja oder mit Hormonen aufgepumptem Industriefleisch. Zum Beispiel durch die Ablehnung von Freihandelsabkommen mit Indonesien oder dem Mercosur? Verpflichten sich die Organisationen, die gleichen ethischen Grundsätze auf Importe, von denen wir bereits in hohem Masse abhängig sind und die nicht unsere Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, anzuwenden ? Wo bleibt die Kohärenz im Handeln und Denken dieser Organisationen ?

Agrobusiness Verhindern geht anders. Was wir brauchen, ist eine Nahrungsmittelpolitik, die einen raschen Übergang zu einem sozialen und ökologischen Ernährungssystem ermöglicht. Für diesen Übergang muss die öffentliche Politik die Regeln festlegen, um den Zugang zu gesunden Nahrungsmitteln für alle zu fördern, indem sie eine gerechte Entlohnung von Bäuerinnen und Bauern und Landarbeiter*innen sowie von handwerklichen Akteur*innen in der Verarbeitung und Verteilung ermöglicht. Deshalb sind solche Kampagnen überflüssig.

Kampagne: www.agrarlobby-stoppen.ch/

Rudi Berli, Gemüsebauer und Uniterre Sekretär

Donnerstag, 20 August 2020
#

Uniterre kritisiert die Deklassierung von 20'000 Tonnen backfähigen Weizen der Klassen Top, I und II für den Zeitraum vom 14. September 2020 bis 30. Juni 2021. Die Ankündigung des Schweizerischen Getreideproduzentenverbandes (SGPV) vom 18. August 2020 stösst auf Unverständnis, denn die Brotweizenproduktion deckt nur ungefähr 85% des inländischen Bedarfs. Die inländische Produktion muss bevorzugt behandelt werden und wird stattdessen durch 42’446 t (Bio-Qualität) importiertes (Zollgebühr Fr. 18.-/dt) und circa 120'000 Tonnen industrielle Bäckereiprodukte konkurrenziert. Die Deklassierung bedeutet nicht nur einen Einkommensverlust für die Brotweizenproduzent*innen, sondern übt auch Druck auf die Futtergetreidepreise aus.

Die Getreideproduzenten tragen die Produktionskosten und alle Risiken (Witterung, Krankheitsbefall), sie leisten einen grossen Beitrag an die Dachorganisation (Betrieb, Lagerung usw.) um schliesslich einem ständigen Preisdruck ausgesetzt zu sein!

Der negativen Preisspirale muss ein Ende gesetzt werden. Uniterre fordert deshalb:

  • Klare Kaufverträge über Menge, Preis, Qualität und Auszahlungsmodalitäten
  • Kostendeckende Preise und faire Entlöhnung der bäuerlichen Arbeit.
  • Anhebung der Schwellen- und Richtpreise
  • Vorrang der einheimischen Versorgung und Aufwertung der Futtergetreideproduktion
  • Förderung der lokalen und regionalen Verarbeitungsstrukturen, Transparenz und Kreislaufwirtschaft.
  • Exporte welche Märkte durch ihre Qualität eröffnen anstelle der Angleichung an Tiefpreise der agro-industriellen Produktion.

Bereits am 16. Juni 2020 hat Bio Suisse die Richtpreise für Roggen um 3 Fr. und für Weizen um 2 Fr. gesenkt. Solche Preissenkungen verhindern eine nachhaltige Schweizer Produktion. Der Produzentenpreis macht nur etwa 11% des Preises für ein Kilo Brot (Weissbrot) aus. Bei unveränderten Margen würde die Preissteigerung bei kostendeckenden Preisen für die Konsument*innen 3 Rp/kg Brot ausmachen.

Es braucht Rahmenbedingungen, welche es erlauben, eine gerechte und nachhaltige Wirtschaft zu fördern, wobei der lokalen Produktion auf Grundlage eines respektvollen Umgangs mit den verfügbaren Ressourcen Vorrang eingeräumt wird!

Pressemitteilung vom 20. August 2020

Donnerstag, 13 August 2020
#

Die Branchenorganisation Milch (BOM) hat eigentlich die Aufgabe, den Milchmarkt zu verwalten. Sie hat es jedoch bis jetzt nicht geschafft, ihre eigene Geschäftsordnung durchzusetzen (vgl. Anhang S. 2-3). Trotz bedeutender Produzentenbeiträge[1] ist es den Schweizer Milchproduzenten (SMP bzw. Swissmilk), dem Interessenvertreter der Schweizer MilchproduzentInnen, bisher nicht gelungen, eine Milchpreiserhöhung zu erwirken. Dies obwohl anlässlich der aktuellen Butterknappheit das Terrain dafür günstig wäre. Der durchschnittliche Milchpreis deckt aktuell nicht einmal die Hälfte der effektiven Produktionskosten[2]. Zudem hält die SMP 34 Prozent der Anteile der Branchenorganisation Butter und hat damit indirekt die Einfuhrrechte für die ersten 1000 Tonnen Butter miterworben. Da fragt man sich: Wie kann die SMP da noch die Interessen der MilchproduzentInnen verteidigen? Der Interessenkonflikt ist offensichtlich und verhindert eine ehrliche Verteidigung der MilchproduzentInnen (vgl. Anhang S. 5-6). Zudem stellt sich die Frage: Vertreten die Verantwortlichen unserer regionalen Organisationen wie z. B. Prolait oder Genossenschaft Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) wirklich ihre Mitglieder – oder sind sie befangen (vgl. Anhang S. 9-10)?

Die aktuelle Situation dauert schon viel zu lange an und zerstört die Molkereimilchbranche in der Schweiz. Ausgeblutet und enttäuscht werfen die MilchproduzentInnen reihenweise das Handtuch. 1995 zählte die Schweiz 44'360 Milchbäuerinnen und Milchbauern, 2019 waren es noch 19'048. Das entspricht einem Rückgang von mehr als 50 Prozent innerhalb von fast 25 Jahren. Die Öffnung der «Weissen Linie», d. h. die Abschaffung der Zölle auf Milchprodukten, scheint nur noch eine Frage der Zeit. Der Beweis dafür sind die wiederholten Importanträge für Butter: Zuletzt beantragte die BOM den Import von 1800 Tonnen Butter. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BWL) bewilligte den Antrag am 11. August. Das ist schlicht unhaltbar!

Deshalb fordern wir:

  • Eine vollständige Neugestaltung der BOM und ihrer Arbeitsweise nach dem Beispiel der gut funktionierenden Branchenverbände wie z. B. der Sortenorganisation Gruyère.
  • Von der SMP festgelegte, indexierte Beiträge für den Milchpreis ab Hof und Delegierte, die – OHNE DOPPELMANDATE – die Basis mit begrenzten Amtszeiten vertreten.
  • Die Abschaffung regionaler Organisationen, da sie ohne einen nationalen Milchpool und echte Unabhängigkeit keinen Sinn machen.
  • Eine sofortige Anhebung des Milchpreises. Wir fordern einen Milchpreis, der die Produktionskosten deckt und nicht bloss eine lächerliche, spärliche Preiserhöhung wie von einigen Verarbeitern für anfangs Juli angekündigt (zwischen 0,6 bis 1 Rp. pro Liter Milch). Das ist eine Schande!
  • Die Abschaffung von B-Milch und der (illegalen!) Zahlung der Verkäsungszulage in diesem Segment (vgl. Anhang S. 4-5)
  • Ein Gesetz, das die Deckung der Produktionskosten von landwirtschaftlichen Produkten garantiert, damit die Grossverteiler mit dem Dumping auf dem Buckel der MilchproduzentInnen und dem ständigen Preisdruck gegenüber den Verarbeitern aufhören. Es ist ein Skandal, dass Milch billiger verkauft wird als Wasser!

Die aktuelle Butterknappheit führt uns das Nicht-Funktionieren des Milchsektors deutlich vor Augen! Unzureichende Milchpreise führen zu weniger MilchproduzentInnen, weniger Milchproduktion, das Ganze gekoppelt mit einer schlechteren Wertschöpfung der Milch für die MilchproduzentInnen.

Vor knapp 30 Jahren galt für Molkereimilch ein garantierter Preis von Fr. 1.07, heute sind es noch rund 55 Rp. : Ist es nicht endlich an der Zeit, liebe BerufskollegInnen, als Gegenleistung für unsere Beiträge eine echte und rigorose Vertretung unserer Interessen einzufordern?

pdf und Annexe (Erklärungen)


[1] Durchschnittlich zahlt jeder Milchbetrieb jährlich Fr. 2290.–. Das entspricht 23,15 Mio. Fr.

[2] Gemäss Auswertung AGRIDEA betrugen im Jahr 2019 die Produktionskosten im Talgebiet 1.09 Fr./kg

Montag, 03 August 2020
#

Die Coronakrise hat die Käseimporte in die Höhe katapultiert. Gemäss Switzerland cheese Marketing wurden in den ersten 5 Monaten dieses Jahres 29700 Tonnen Käse importiert und nur 28700 Tonnen exportiert. Der Lebensmitteleinzelhandel setzte in den Läden viel mehr Käse ab, doch diese zusätzlichen Mengen kaufte er im Ausland ein. Damit verliert der LEH seine Glaubwürdigkeit vollends. Man kann nicht den Einkaufstourismus als unpatriotisch beklagen und bei der erstbesten Gelegenheit selber lastwagenweise noch mehr importieren!

Die Schweizer Milchbäuerinnen und Milchbauern machen schwierige Zeiten durch. Wir lesen in den Zeitungen, dass der Schweiz ein Buttermangel droht und dass bei uns während des Lockdowns viel mehr Frischkäse verkauft worden ist. Von diesen für uns eigentlich positiven Marktmeldungen spüren die Milchbauern nichts. Da läuft doch einiges schief. Rekordhohe Käseimporte und dazu noch3000 Tonnen Butterimporte und der Milchpreis bleibt wo er ist: Der Schweizer Milchmarkt ist und bleibt ein Machtspiel in dem die Bauern als Verlierer dastehen.

Für BIGM stellt sich die Frage, warum sich die Milchbranche weigert, dass unsere hochqualitative Schweizer Milch dort verarbeitet wird, wo der beste Milchpreis generiert werden kann. Bitter wird ein Blick in die Statistik der Oberzolldirektion. Die Schweiz exportierte in den Monaten März bis Juni 297000 Kilo Halbhartkäse nach Italien. Zu eigentlichen Ramschpreisen: März 3.40, April 3.20, Mai 2.70 und Juni 2.80 pro Kilo. Nach wie vor ist es ein Branchengeheimnis, welche Hersteller bei diesen Skandalexporten mitmachen. "Alle wissen zwar Bescheid, aber niemand sagt etwas." Solange dieses Credo für die Milchbranche gilt, kann sich nichts ändern. Irgendwann reicht es aber!

Mit kämpferischen Grüssen
BIG-M - die Basisorganisation für einen fairen Milchmarkt

Montag, 03 August 2020
#

Die Coronakrise hat die Käseimporte in die Höhe katapultiert. Gemäss Switzerland cheese Marketing wurden in den ersten 5 Monaten dieses Jahres 29700 Tonnen Käse importiert und nur 28700 Tonnen exportiert. Der Lebensmitteleinzelhandel setzte in den Läden viel mehr Käse ab, doch diese zusätzlichen Mengen kaufte er im Ausland ein. Damit verliert der LEH seine Glaubwürdigkeit vollends. Man kann nicht den Einkaufstourismus als unpatriotisch beklagen und bei der erstbesten Gelegenheit selber lastwagenweise noch mehr importieren!

Die Schweizer Milchbäuerinnen und Milchbauern machen schwierige Zeiten durch. Wir lesen in den Zeitungen, dass der Schweiz ein Buttermangel droht und dass bei uns während des Lockdowns viel mehr Frischkäse verkauft worden ist. Von diesen für uns eigentlich positiven Marktmeldungen spüren die Milchbauern nichts. Da läuft doch einiges schief. Rekordhohe Käseimporte und dazu noch3000 Tonnen Butterimporte und der Milchpreis bleibt wo er ist: Der Schweizer Milchmarkt ist und bleibt ein Machtspiel in dem die Bauern als Verlierer dastehen.

Für BIGM stellt sich die Frage, warum sich die Milchbranche weigert, dass unsere hochqualitative Schweizer Milch dort verarbeitet wird, wo der beste Milchpreis generiert werden kann. Bitter wird ein Blick in die Statistik der Oberzolldirektion. Die Schweiz exportierte in den Monaten März bis Juni 297000 Kilo Halbhartkäse nach Italien. Zu eigentlichen Ramschpreisen: März 3.40, April 3.20, Mai 2.70 und Juni 2.80 pro Kilo. Nach wie vor ist es ein Branchengeheimnis, welche Hersteller bei diesen Skandalexporten mitmachen. "Alle wissen zwar Bescheid, aber niemand sagt etwas." Solange dieses Credo für die Milchbranche gilt, kann sich nichts ändern. Irgendwann reicht es aber!

Mit kämpferischen Grüssen
BIG-M - die Basisorganisation für einen fairen Milchmarkt

Dienstag, 21 Juli 2020
#

APPELL AN DIE VERNUNFT !

Im April wandten wir uns mit einem offenen Brief an Bundesrat Guy Parmelin, in dem wir die Entgleisungen der jüngsten Entscheidungen bezüglich der Importe, insbesondere von Rindfleisch und Eiern, anprangerten.

Ebenfalls im April machten wir unsere Ablehnung des Imports von 1'000 Tonnen Butter bekannt. Im März kämpften wir an der Seite der Gemüsebäuerinnen und -bauern für die Wiedereröffnung der Märkte in den Städten, glücklicherweise mit Erfolg.

Es waren Appelle an die Vernunft und den gesunden Menschenverstand. Die Coronavirus-Krise verdeutlicht unsere grundlegendsten Bedürfnisse: Sicherheit, Essen, Trinken und die Wahrung der Menschenwürde. Wenn das Unwahrscheinliche eintritt und die Grenzen sich schliessen, bedeutet autonom zu sein, frei zu sein. Zwar bietet uns die Digitalisierung eine kostengünstige Globalisierung auf dem Silbertablett, aber für eine reiche Nation wie die unsere war der Schock, als wir feststellen mussten, dass uns dies sehr wenig nützt, umso grösser. Ohne die Unterstützung aus fernen Ländern, deren Ressourcen wir in der Regel schamlos ausbeuten, kommen wir nicht über die Runden. Wir sind beispielsweise abhängig von ihrer Arbeitskraft zur Herstellung landwirtschaftlicher Produkte oder von Gütern des täglichen Bedarfs. ,

Unter dem Vorwand, die Sicherheit der Bürger*innen zu gewährleisten, reagierte die politische Klasse in einer Weise, die insgesamt vorhersehbar war. Die Erleichterung von Importen ist eine Notfallreaktion. Die Schliessung städtischer Märkte bedeutet, nicht wirklich über mögliche Lösungen zur Unterstützung der Bäuerinnen und Bauern nachzudenken. Die Zeit mag ein knappes Gut gewesen sein, die Milliarden an Unterstützungsgeldern nicht. Umso besser, wenn dadurch unsere KMUs gerettet werden.

Die Bürger*innen reagierten auf unterschiedlichste Weise. Sie nahmen sich das Recht, nachzudenken und Solidarität zu zeigen. Sie gingen zurück auf die Bauernhöfe, um lokal einzukaufen. Sie stellten aus dem, was ihnen zur Verfügung stand, Stoffmasken her. Sie improvisierten als Lehrer*innen. Sie reagierten auf den Aufruf der Krankenhäuser, den Gesundheitsteams freiwillige Unterstützung anzubieten. Sie nutzten ihr Talent, um allen unentbehrlichen Berufen ihre Dankbarkeit zu zeigen, auch denen, die am schlechtesten bezahlt werden. Sie kümmerten sich um ältere und verletzlichere Menschen.

Solidarität, Teilen und gemeinsames Handeln war die Chance für uns, ein Stück Autonomie zurückzuerobern angesichts der vielen unbekannten Parameter in dieser Krise. Viele Schweizerinnen und Schweizer handelten zu Beginn aus Pflichtgefühl. Aber in vielen Fällen ist es schlussendlich zu einer Freude geworden und hat dem Leben einen neuen Reiz verliehen.

Vanessa Renfer, Bäuerin und Uniterre Sekretärin

Dienstag, 21 Juli 2020
#

UND DANACH ?


Wir schreiben diesen Leitartikel mitten in einer Phase von Einschränkungen und mit der Hoffnung, dass sich bis Mai jeder und jede unserer gefährlichen Abhängigkeit von Importen (Lebensmittel, Brennstoffe, Rohstoffe für Unternehmen, pharmazeutische Produkte usw.) bewusst wird. So beschloss Russland, der weltweit führende Weizenexporteur, am 3. April 2020, seine Exporte verschiedener Getreidesorten, darunter auch Weizen, bis zum 30. Juni zu begrenzen. Dies beweist, dass im Falle einer Knappheit nationale Interessen immer Vorrang haben werden.

Martina Brun schreibt, dass die Pandemie die Schwächen unseres Systems entlarvt: Unsere Abhängigkeit von Importen macht die Schweiz vor allem in Krisenzeiten vom guten Willen und den politischen Strategien von Drittstaaten abhängig. Die Schweiz muss daher Anstrengungen unternehmen, um ihre Autonomie und Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln zu erhöhen. Dies erfordert eine starke Agrarpolitik, die die heimische Produktion und kurzewiderstandsfähige Lieferketten unterstütz.

Unser Wald ist ein Gut, das es zu erhalten und aufzuwerten gilt! Als hocheffiziente Kohlenstoffsenke hat er auch ein interessantes Potenzial als Brennholz (Erhöhung der Energieautonomie) und für das Baugewerbe. Die Schweizer Holzindustrie muss gestärkt werden, damit die forst- und holzbezogenen Berufe überleben und sich eine gesunde lokale Industrie darum herum entwickeln kann. Während des zweitägigen Anlasses "Widerstand am Tellerrand" bekräftigten die rund 200 Anwesenden, welche Bedeutung sie der lokalen Landwirtschaft beimessen, einer Quelle der Verbundenheit von Natur und Tierwelt, respektvoll gegenüber Männer und Frauen, Bauern und Bäuerinnen und Arbeiter*innen, in der Schweiz und überall auf der Welt. Jeder und jede sollte ein Lohn erhalten und unter soziale Bedingungen leben, die ein würdevolles Leben ermöglicht!

So ist es inakzeptabel, dass wir Obst und Gemüse konsumieren, das die Preise der einheimischen Produktion massiv unterbietet und von unterbezahlten Arbeitern* ohne Versicherung und Schutz produziert und geerntet wird. Es ist inakzeptabel, dass wir importiertes Fleisch konsumieren, das über Tausende von Kilometern transportiert wurde und dafür im Herkunftsland die Arbeiter*innen ausgebeutet werden! Indem wir diese Produkte importieren und konsumieren, sind wir mitverantwortlich für menschliche Tragödien!

Es ist an der Zeit, ein System zu entwickeln, das auf Solidarität, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Verantwortung beruht. Es ist an der Zeit, dass alle Beteiligten mit Führungsverantwortung in allen Sektoren, einschliesslich der Grossverteiler, über die Auswirkungen ihres Handelns sei es auf die Bauernfamilien oder die Arbeiter*innen auf den Feldern, bei der Verarbeitung, der Verpackung oder im Warenverkehr, Rechenschaft ablegen.

Michelle Zufferey, Sekretärin Uniterre

Donnerstag, 25 Juni 2020
#

Am Montag, 22. Juni 2020 um 11 Uhr wurden 59’928 beglaubigte Unterschriften bei der Bundeskanzlei in Bern eingereicht. Die letzten Wochen haben gezeigt, dass Indonesien nicht Willens ist ökologische und soziale Standards umzusetzen, um die Zerstörung der artenreichen Urwälder zu verhindern. Jährlich werden rund 1 Million Hektar u.a. für Palmölmonokulturen gerodet. Diese „grüne“ Wüste breitet sich schon heute auf fast 17 Mio. Hektaren aus, das ist viermal die Fläche der Schweiz und entspricht fast 10% der Landesfläche von Indonesien. Weitere Gesetze und Verordnungen sind in der Diskussion um weitere Konzessionen an Bergbau und Kohlabbau, Infrastrukturprojekte, Zellulose und Forstwirtschaft voranzutreiben mit verheerenden Folgen für Klima und Umwelt, die Kleinbäuerinnen, Kleinbauern und Indigenen. Ronja Jansen von den Jungsozialist*innen kritisiert das Abkommen scharf. «Dieses Freihandelsabkommen ist ein Vertrag der Mächtigen. Wir dürfen uns nicht täuschen lassen: Die wohlklingenden Versprechen der Nachhaltigkeit darin sind wenig wert, solange darin keine strikten Kontrollen garantiert sind.»

Das zweifelhafte EFTA-Freihandelsabkommen bringt kaum einen signifikanten Nutzen für die hiesige Exportwirtschaft. Vielmehr stünde es der Schweiz gut an, sich für wirklich fairen und nachhaltigen Handel einzusetzen. Willy Cretegny, Biowinzer und Initiant des Referendums, sagt anlässlich der Einreichung: «Die Klimaproteste, die Tausende von Menschen auf der ganzen Welt zusammengebracht haben, müssen zu echten Veränderungen führen. Wir müssen anders produzieren, wir müssen anders konsumieren, wir müssen unsere Umwelt als ganzes respektieren – Natur, Ressourcen, Landschaft, Menschenrechte, das soziale und wirtschaftliche Gefüge. Dieses Referendum ist ein Stein in diesem neuen Gebäude, das wir gemeinsam errichten wollen!»

Pressedossier