Montag, 26 Mai 2014
Freitag, 23 Mai 2014
Ernährungssouveränität wird im September lanciert.
Programm: Statuarischer Teil, Finanzsituation Uniterre, vorgesehene Projekte für das Jahr 2014 und 2015, darunter Initiative Ernährungssouveränität.
Freitag, 23 Mai 2014
Die GV von Uniterre verabschiedet den Text einstimmig  und fixiert die Lancierung der Initiative auf September 2014.
Die Mitglieder sind überzeugt, dass im Rahmen der Debatte über die Zukunft der Ernährung und der Landwirtschaft, die  bald geführt werden wird, der Bevölkerung ein grundsätzlicher Text vorgestellt werden muss. Bis im  Sommer wird der Text zum Abschluss gebracht, Bündnisse gemacht und die Suche nach den finanziellen Mitteln gestartet.
Donnerstag, 22 Mai 2014
EMB lehnt TTIP-Abkommen ab
Europäische Milcherzeuger fordern eine Einstellung der Verhandlungen zum transatlantischen Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU
 
(Brüssel, 22.05.2014) „Dem European Milk Board (EMB) bereiten die Verhandlungen zum transatlantischen Handels- und Investitionsabkommen - kurz TTIP - große Sorgen. Das Abkommen gefährdet die EU sehr stark in ökonomischer, ökologischer und sozialer Dimension“, fasst Romuald Schaber, Vorsitzender des EMB, die Position der Europäischen Milcherzeuger zusammen.
Montag, 19 Mai 2014
Liebe Milchbäuerinnen und Milchbauern, liebe Interessierte,
ich möchte mich noch einmal dafür bedanken, dass mir meine Kollegen aus ganz Europa das Vertrauen ausgesprochen und mich auf der Mitgliederversammlung im April in den Vorstand des EMB gewählt haben. Nach einer ersten Amtszeit bis 2010 ist es nun das zweite Mal, dass mir diese Ehre zuteil wird.
Sonntag, 18 Mai 2014

Uniterre, die unabhängige Bauern- und Bäuerinnengewerkschaft, durchlebt eine schwierige finanzielle Situation. Es ist natürlich nicht das erste Mal, dass ihr  lest, dass unsere finanzielle Lage alles andere als rosig ist. Das Engagement von viele unter euch/Ihnen (Spenden, neue Mitglieder) hat uns jedoch ein positives Zeichen gegeben. Wir danken Ihnen/euch sehr. Doch müssen wir noch weiter an unserer Finanzsituation arbeiten, wenn wir auch über den Herbst hinaus eine Zukunft für Uniterre garantieren wollen. 
Mittwoch, 14 Mai 2014
Der Bundesrat will die Grenze für alle Milchprodukte öffnen. Das ist das Fazit aus der heute vorgestellten Studie. Diese Studie beruht auf mehreren Berechnungen. Wir erinnern uns: Der heutige Direktor des BLW, Professor Lehmann, erstellte im Vorfeld zum Ausstieg aus der Milchkontingentierung ebenfalls eine Studie, in welcher er vorrechnete, dass die Milchmenge in der Schweiz um 20 % steigen und der Milchpreis auf 65 Rappen sinken werde.
Mittwoch, 14 Mai 2014
Milchfreihandel - Wenn die Realität ignoriert wird
Der Bundesrat will die Grenze für alle Milchprodukte öffnen. Das ist das Fazit aus der heute vorgestellten Studie. Diese Studie beruht auf mehreren Berechnungen. Wir erinnern uns: Der heutige Direktor des BLW, Professor Lehmann, erstellte im Vorfeld zum Ausstieg aus der Milchkontingentierung ebenfalls eine Studie, in welcher er vorrechnete, dass die Milchmenge in der Schweiz um 20 % steigen und der Milchpreis auf 65 Rappen sinken werde.
Montag, 12 Mai 2014
Zum 2.Mal in Folge ist Uniterre Partner der Genusswoche 2014! Achtung Einschreibeschluss ist der 25.Mai.
Wir freuen uns über diese Zusammenarbeit und darüber uns gegenüber dem Jahr 2013 noch zu steigern.
Die Genusswoche findet in der ganzen Schweiz vom 18. - 28.September statt. Zögert nicht daran teilzunehmen, denn es ist ein schöne Gelegenheit sich bekannt zu machen. Die Mitglieder von Uniterre können ihre Aktivitäten gratis einschreiben.
Freitag, 09 Mai 2014
EMB-Position Zum Transatlantischen Freihandelsabkommen
(Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft - TTIP)
TTIP-Verhandlungen müssen eingestellt werden! Das TTIP gefährdet die EU in ökonomischer, ökologischer und sozialer Dimension. So sind unter anderem die Souveränität sowie der gesellschaftliche Frieden in der EU abhängig von der Fähigkeit, innerhalb der eigenen Grenzen sichere Nahrungsmittel in ausreichendem Umfang und in hoher Qualität flächendeckend zu produzieren. Das Transatlantische Freihandelsabkommen würde diese Fähigkeit empfindlich beeinträchtigen.
Mittwoch, 30 April 2014
Die aktuell zu hohen Butterlager sind der tonnenschwere Beweis, dass die Segmentierung nicht funktioniert. Wenn Milch über die Nachfrage hinaus geliefert wird wäre das C- Milch, und diese müsste so billig eingekauft werden, dass sie ohne irgendwelche Zusatzgelder auf dem Weltmarkt entsorgt werden könnte. Im Klartext: Wenn die Segmentierung tatsächlich so umgesetzt würde, entstünden gar keine Butterberge.
Montag, 28 April 2014
Der Bundesrat torpediert die Bauern
Die Entscheidung des Bundesrates, die individuellen Tagesimportmöglichkeiten von Frischfleisch und Wein zu verdoppeln, gleicht einem Dolchstoss gegen die Bauern und die Ernährungssouveränität.
Donnerstag, 17 April 2014
Genf,  17. April 2014
Gegen Hundert Personen sind am 15. April in Genf dem Aufruf der Bauerngewerkschaft Uniterre anlässlich des internationalen Bauernkampftags gefolgt. Im Zentrum der Stadt verteilten die Uniterre-Bauern und Bäuerinnen Kürbissamen an die Anwesenden mit dem Ziel am 2.Oktober den grössten Kürbishaufen der Welt zu bilden. Mit dieser gemeinschaftlichen Aktion fordert Uniterre eine Bevorzugung der kurzen Nahrungsmittelwege und eine Umkehr des Strukturwandels, welcher die bäuerliche Landwirtschaft zugunsten wachsender Importe und Industrialisierung der Landwirtschaft weiterhin zerstört.
Montag, 14 April 2014
Aufruf der Bäuerinnen und Bauern der Via Campesina zum 17. April 2014
zur weltweiten Verteidigung der Saatgut-Freiheit | Harare, 4. März 2014 (Auszug)
Das Saatgut hat eine besondere Bedeutung für die Ernährungssouveränität. Die Samen sind Teil der Ernten, die die Menscheit ernähren. Mit jeder Ernte stellt sich die Frage, von wem und wie die Lebensmittel produziert sind. Die Samen übermitteln auch die Absichten, das Wissen, die Praktiken und die Kultur der bäuerlichen Bevölkerung.
Freitag, 11 April 2014
Liebe Milchbäuerinnen und Milchbauern, liebe Interessierte,
an dieser Stelle möchte ich einmal den Blick über den Tellerrand der europäischen Milchpolitik hinaus werfen und das politische Engagement des EMB in einen größeren Zusammenhang stellen. Ende letzten Jahres habe ich auf Einladung von NGOs an einer Reise ins westafrikanische Burkina Faso teilgenommen und dabei die Möglichkeit gehabt, mich über die Lebensumstände der Milcherzeuger in diesem faszinierenden, aber leider sehr armen Land zu informieren.
Freitag, 11 April 2014
 
Zollrecht: Der Bundesrat torpediert die Bauern
Die Entscheidung des Bundesrates, die individuellen Tagesimportmöglichkeiten von Frischfleisch und Wein zu verdoppeln, gleicht einem Dolchstoss gegen die Bauern und die Ernährungssouveränität. Hinter dem Argument der Kontrollerleichterungen, verbirgt sich der Wille, den Druck auf die Bauern und damit auf die einheimische Produktion, weiterhin zu erhöhen.
Dienstag, 25 März 2014
Ins Schwarze getroffen!
In seinem Bericht, der seine sechsjährige Amtszeit als Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung abschliesst, prangert  Olivier de Schutter deutlich das Versagen  der Lebensmittelsysteme an. Er ist der Meinung, dass der gegenwärtige Ansatz nicht angepasst, sondern umgekehrt werden muss.
Montag, 24 März 2014
 Magst du gerne Bio-­Milchprodukte direkt ab Hof? 
Legst du Wert auf Nahrungsmitteltransparenz? Suchst du eine Form solidarischen Wirtschaftens?
Wir suchen Interessierte für einen wöchentlichen Milchprodukte-­ korb (Weich-­ und Härtkäse, Joghurt, Quark, Butter, Rahm, Frischmilch) und motivierte Aufbauhelfer und Mitentwicklerinnen einer Milch-­ genossenschaft. Melde dich! Wir freuen uns. Anita, Fabian und Anna von der Q-­Milch-­Genossenschaft Im Basi Kontakt: anna(at)imbasi(dot)chMehr Informationen als pdf
Besuchen Sie die Website Hofkäserei-imbasi
Montag, 24 März 2014
Presse-Erklärung : Einreichung der Unterschriften für die Spekulationsstopp-Initiative der JUSO.
24.03.2014. Verantwortung übernehmen - international und solidarisch
Wir Bauern und Bäuerinnen sehen mit Sorge in die Zukunft. Bäuerliche Strukturen werden weltweit zerstört. Böden werden von Grosskonzernen aufgekauft, welche dann mit den Ernten an den Börsen spekulieren. Somit wird Nahrung vermehrt zum Spielball von wenigen grossen Multis. Dieser Zockerei kann die Schweiz mit Annahme der Initiative nicht generell einen Riegel schieben, aber wir können doch mit gutem Beispiel voran gehen und dem Markt Regeln auferlegen.
Samstag, 08 März 2014
DEKLARATION DER BÄUERINNEN DER EUROPÄISCHEN KOORDINATION VIA CAMPESINA ZUM INTERNATIONALEN FRAUENTAG AM 8. MÄRZ 2014
Im Jahr 2014, welches von der UN als das Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe erklärt wurde, versammelten wir, die Frauen der Mitgliedsorganisationen der European Coordination Via Campesina (ECVC), uns im Vorfeld des Internationalen Frauentags in Evenstad (Norwegen). In dieser Erklärung bekräftigen wir unseren Einsatz für das Recht aller Bürger und Bürgerinnen auf gesundes, ausreichendes und gutes Essen auf eine agrarökologische und soziale Erzeugungs- und Verteilungsweise.
Freitag, 07 März 2014
Die Milchpreises sind 2013 gestiegen. Bei der A-Milch, dem grössten Segment, legte der Richtpreis franko Rampe um 5 Rappen zu. Gemäss neustem Beschluss der BOM soll der Richtpreis weiterhin auch im 2-ten Quartal bei 71 Rappen bleiben. Das wird allerdings mehrere Tausend Lieferanten der Nordostmilch wenig trösten. Deren Milchpreis sinkt am 1. März von 67 auf 65 Rappen.
Freitag, 07 März 2014

Am 24. Februar ist die Faire Milch nun auch in Italien gestartet. Nach dem Erfolg des Projekts in Österreich, Deutschland, Luxemburg und Belgien sowie dem gelungenen Start in Frankreich im letzten Jahr, kommen auch die italienischen Verbraucher in den Genuss dieses qualitativ hochwertigen Produkts.
Freitag, 07 März 2014
Pressemitteilung: Ohne kostendeckende Preise fehlt das Geld, um gerechte Löhne zu bezahlen
7. März 2014. Im Mai werden wir über die Mindestlohninitiative abstimmen. Sie verlangt, dass alle Angestellten mindestens 22 Franken pro Stunde - also 4000 Franken für ein Vollzeitpensum - verdienen. In einer kürzlich veröffentlichen Medienmitteilung titelte der Schweizer Bauernverband SBV: „Geforderter Mindestlohn für Bauernfamilien unbezahlbar“. Uniterre findet diese Stellungnahme ein wenig kurz gegriffen.
Dienstag, 04 März 2014

Erklärung von Evenstad   4. März 2014
Die Bäuerinnen und Bauern der Europäischen Koordination von Via Campesina und ihre Verbündeten trafen sich zu ihrer Generalversammlung in Evenstad, Norwegen.
Sieben Maßnahmen zur Stärkung der bäuerlichen Familienbetriebe, jetzt!
Aktuell ist und bleibt der bäuerliche Familienbetrieb die wichtigste und am weitesten verbreitete Struktur zur Nahrungsmittelerzeugung in Europa und der Welt.
Montag, 03 März 2014
(Brüssel, 03.03.2014) Wie die aktuelle Kostenstudie des Büros für Agrarsoziologie & Landwirtschaft (BAL) für Deutschland zeigt, lag der durchschnittliche Preis für die Milcherzeuger im Oktober 2013 mit 41,92 Cent/ kg Milch mehr als 2 Cent unter den Produktionskosten. Diese hatten im gleichen Zeitraum 44,12 Cent/ kg Milch betragen.
Freitag, 28 Februar 2014
17 avril : journée internationale des luttes paysannes - Pour la défense des semences paysannes  (Harare, 4 mars 2014) Nous, paysans et paysannes appartenant à la Via Campesina, appelons ce 17 avril, journée mondiale d'action et de mobilisation pour la défense des luttes paysannes, à être plus particulièrement cette année, une journée pour la défense des semences paysannes.
Dienstag, 16 Juni 2020
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Mit der Coronakrise kamen plötzlich diejenigen in den Fokus, die zu einem grossen Teil dafür verantwortlich sind, dass regionales Gemüse auf unserem Teller landet: Die rund 30'000 ausländischen ‘familienfremden’ Arbeitskräfte, die jedes Jahr Tausende von Kilometern zurücklegen und aus Ländern wie Rumänien, Polen, Ungarn oder Portugal anreisen, um während ein paar Monaten auf Schweizer Feldern zu arbeiten.

Sie waren im Fokus, weil sie plötzlich zu fehlen drohten, weil dadurch die Verfügbarkeit von Schweizer Gemüse bedroht schien. In Deutschland fehlten zu Beginn der Pandemie 300'000 saisonale Landarbeiter*innen. So wurden 40'000 im April und Mai eingeflogen, oft ohne Einhaltung der Corona-Restriktionen. Auch in der Schweiz war es für die Betriebe während des Lockdowns möglich, ausländische Mitarbeitende einzustellen; die in der Landwirtschaft übliche just-in-time Rekrutierung von Landarbeiter*innen aus dem Ausland hat weiterhin funktioniert. Und der befürchtete Mangel blieb schliesslich aus. Die verbleibende sogenannte ‘Bedarfslücke’ an Arbeitskräften haben Personen gefüllt, die in der Schweiz leben und keine Arbeit hatten oder auf Kurzarbeit waren.

Dass die Situation für Landarbeiter*innen während Corona noch schwieriger geworden ist, zeigen Einblicke in die Bedingungen in umliegenden europäischen Ländern. In Spanien beispielsweise arbeiten allein im Plastikmeer bei Almeria 70'000 vor allem migrantische Erntehelfer*innen. Von diesen Betrieben kommt viel Gemüse auch in die Schweizer Supermärkte. Wegen den Regeln während des Lockdowns gab es massiv mehr Polizeipräsenz und so konnten Arbeiter*innen ohne Aufenthaltsbewilligung die illegalen Siedlungen nicht mehr verlassen, verloren damit ihr Einkommen. Die Gewerkschaft SOC-SAT organisierte für sie Nahrungsmittelpakete und Hygiene-Kits. Die Gewerkschaft berichtet auch, dass in vielen Betrieben weder Abstandsregeln eingehalten wurden, noch persönliches Schutzmaterial wie Desinfektionsmittel vorhanden war. Erkrankte Arbeiter*innen wurden ohne Lohnfortzahlung nach Hause geschickt.

Hier ist vielen Landarbeiter*innen nicht bewusst, dass sie im Falle von Krankheit und Unfall durch die Kranken- und Unfallversicherung geschützt und finanziell abgesichert wären und dass sie ein Recht auf ärztliche Konsultation haben, ohne einen Lohnausfall zu riskieren. Insbesondere in Zeiten von Corona müssen Bund und die Kantone dringend Massnahmen ergreifen, um für die Landarbeiter*innen den Zugang zu medizinischer Versorgung sicherzustellen und zu garantieren, dass bei der Arbeit als auch in der Unterbringung die Abstands- und Hygieneregeln gewahrt bleiben.

Während der Coronakrise haben die Medien anders auf die Landwirtschaft geschaut. Der Fokus der Medien war auf Ernährungssicherheit und der Verfügbarkeit von Tomaten. Plötzlich wurde landwirtschafliche Arbeit – kurzfristig – zum knappen Gut. Das öffnete den Landarbeiter*innen ein kleines Fenster – und sie haben sich gewehrt. So hat in Italien am 21. Mai die Basisgewerkschaft Unione Sindacale di Base (USB) den Streik der „Unsichtbaren“ organisiert. In vielen Regionen Italiens haben die Landarbeiter*innen gestreikt und sich gewehrt gegen die miserable Entlohnung weit unter den Tarifverträgen, gegen ein System der Angst und Ausbeutung der illegalisierten Migrant*innen. Auch in Deutschland gab es Streiks auf Spargelbetrieben.

Diese Streiks sind auch wichtig, damit die naheliegendste Lösung nicht verloren geht in all den Diskussionen um genug regionales Gemüse und Früchte: es braucht höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen.

Silva Lieberherr, Agrarökonomin, für «Widerstand am Tellerrand», anlässlich der Pressekonferenz vom 15. Juni 2020.

Dienstag, 16 Juni 2020
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Betrachten wir die Arbeitsbedingungen der landwirtschaftlichen Angestellten, sehen wir einen Flickenteppich: Von Genf bis in den Thurgau, von Basel ins Tessin sind die kantonalen Normalarbeitsverträge (NAV) sehr unterschiedlich. Das gilt für die Pausen (nur 9 von 26 Kantonen gewähren 15 Min. bezahlte Pausen pro Halbtag), Überstunden (können zu Überstunden verpflichtet werden) und arbeitsfreien Tagen sowie den zu leistenden Arbeitsstunden: Der Kanton Glarus sticht durch eine 66 Stundenwoche (Mai - September) hervor und das Pendel schwingt sich zwischen 50 und 55 Stunden pro Woche im Hauptfeld der Kantone ein. Einzig der Stadtkanton Genf geht mit einer 45 Stundenwoche voran. Die Landwirtschaft unter das Arbeitsgesetz zu unterstellen, würde eine wöchentliche Arbeitszeit von 45 Stunden festlegen (Artikel 9) und eine erste Verbesserung darstellen.

Bei den Richtlöhnen die der Schweizerischen Bauernverband (SBV) jährlich publiziert, werden aktuell für saisonale Hilfskräfte Fr. 3300.- brutto und für Praktikant*innen unter 4 Monaten Fr. 2'625.- brutto bezahlt (Abzüge von Kost und Logis: Fr. 990.- monatlich). Einen kurzen Rückblick auf die Richtlohnentwicklung: Seit 2010 hat sich dieser bei den saisonalen Hilfskräften um nur Fr. 395.- und bei den Praktikant*innen um Fr. 135.- erhöht. Ein nationaler NAV kann verpflichtende Löhne festlegen. Mit der heutigen Pressekonferenz eröffnen wir hierfür die dringend nötige Debatte.

Doch diese Auseinandersetzung kann nicht geführt werden, ohne die Einkommenssituation der Bäuer*innen und Bauern zwingend einzubeziehen. Gerade jetzt ist die Diskussion über den Druck auf die Produzentenpreise durch Coop und Migros wieder entbrannt. Auf dem Spiel steht nicht weniger als eine bäuerliche, vielfältige und familiär geprägte Landwirtschaft, die heute noch 50'000 Betrieben zählt. 2 - 3 Bauernhöfe schliessen täglich ihre Tore. Der Rückgang der Produzentenpreise (-30% in den letzten 30 Jahren) bei hohem Produktionsdruck ist für viele Betriebe existenziell. Gemäss dem SBV beträgt der Anteil der Landwirtschaft am Konsumentenfranken noch 32 Rappen. Auch bei den Direktzahlungen stellt die Studie von Agrisodu gravierende Mängel fest, denn «2018 haben die Schweizer Bauern und Bäuerinnen nur die Hälte der 3,6 Milliarden erhalten. Die andere Hälfte fliesst in die grossen Verarbeitungs- und Handelsketten.»

Das landwirtschaftliche Einkommen pro Arbeitseinheit betrug 2018 knapp Fr. 52'000 Fr. (Betrieb 70'600 Fr.) Das entspricht Fr. 4'340.- pro Monat brutto. Der schweizerische Medianlohn entsprach Fr. 6538.- brutto. Das Einkommen verschlechtert sich noch bei Hügel- und Bergbetrieben (Fr. 40'580.- und Fr. 34'321). Das widerspricht Artikel 5 des Landwirtschaftsgesetzes, demnach Betriebe «über mehrere Jahre ein Einkommen erzielen können, das mit dem der erwerbstätigen Bevölkerung in anderen Wirtschaftszweigen derselben Region vergleichbar ist». Und in Absatz 2, dass «der Bundesrat bei deutlich unter dem Bezugsniveau liegenden Einkommen vorübergehende Massnahmen zu deren Verbesserung ergreift.» Doch nichts geschieht! Hinzukommt, dass die Arbeitszeit pro Woche beim Mann 67 Stunden beträgt und 63 Stunden pro Woche für die Frau. Dazu arbeiten Landwirt*innen im Durchschnitt 11 Wochenstunden im Nebenerwerb. Insgesamt eine immense Arbeitsbelastung, bei einer hohen Verschuldung von rund Fr. 30'000.- pro Hektar3 und kargem Lohn. Die Situation verschärft sich noch durch Dumpingimporte, die unsere Standards zu Tierwohl, soziale Verantwortung und Ökologie unterlaufen und unsere heimische Produktion in unlauteren Wettbewerb bringt.

Uniterre hat sich bereits im Rahmen der Initiative für Ernährungssouveränität für eine Vereinheitlichung der Arbeitsbedingungen und für gerechte Preise eingesetzt. Spanien macht es vor: Dort ist es gesetzlich verboten, in Verträgen zum Verkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse, Preise unterhalb der Produktionskosten festzulegen. Wir können diese Negativspirale durchbrechen indem wir endlich gemeinsam mit Bäuerinnen und Bauern, Konsument*innen und Landarbeiter*innen für eine soziale Wende einstehen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Mathias Stalder, Gewerkschaftssekretär Uniterre, anlässlich der Pressekonferenz vom 15. Juni 2020 im Café Fédéral in Bern.

Sonntag, 14 Juni 2020

Rudi Berli, Gemüsebauer und Sekretär Uniterre

In der Einleitung zur Reform der Agrarpolitik stellt der Bundesrat fest, dass die Ziele in verschiedenen Bereichen erreicht wurden: "Die Einkommen in der Landwirtschaft sind in der Tat gestiegen, ..." aber einige Seiten später heisst es: "Die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der schweizerischen Agrar- und Ernährungswirtschaft ist ein vorrangiges Ziel der Agrarpolitik"!


Die Agrarreform ist eine Mogelpackung

Im Jahr 2018 wurde ein landwirtschaftliche Einkommen pro Betrieb von 70.600 CHF erreicht, was einer Steigerung von 4,1% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das ist eine gute Nachricht, aber es ist alles relativ! Schweizerische Betriebe haben durchschnittlich 1,36 Vollzeitarbeitseinheiten.Das landwirtschaftliche Einkommen pro Arbeitseinheit beträgt somit 51'911 Franken. Der mittlere Schweizer Bruttolohn beträgt 78’000 Franken. Auf monatlicher Ebene entspricht dies für den Medianlohn 6’502 Franken brutto im Jahr 2016 und für das monatliche landwirtschaftliche Einkommen 4’340 Franken im Jahr 2018. Wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Arbeitszeit in der Schweiz 41,5 Stunden pro Woche beträgt, während sie in der Landwirtschaft im Durchschnitt 60 Stunden beträgt, entspricht dies einem Stundenlohn von 39 Franken, oder 18 Franken für die Landwirt*innen! Dieser Unterschied ist in Hügel-und Bergregionen noch ausgeprägter. (siehe Tabelle)

Vergleichslohn 2016/2018 nach Region

Vergleichslohn im Dreijahresdurchschnitt 2016/2018, nach Regionen

Region

Arbeitsverdienst pro FJAE1

Vergleichslohn2


Fr. pro Jahr

Fr. pro Jahr

Talregion

57 343

74 664

Hügelregion

40 580

69 773

Bergregion

34 321

66 599


Quelle: BFS und Agroscope, Zentrale Auswertung von Buchhaltungsdaten; Zufallsstichprobe «Einkommenssituation»

1 FJAE: Familien-Jahresarbeitseinheiten, Median

Artikel 5 des Landwirtschaftsgesetzes sieht jedoch in Absatz 1 vor, dass "die in diesem Gesetz vorgesehenen Massnahmen zum Ziel haben, dass die Betriebe, die die Kriterien der Nachhaltigkeit und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit erfüllen, im Durchschnitt über mehrere Jahre ein Einkommen erzielen können, das mit dem der erwerbstätigen Bevölkerung in anderen Wirtschaftszweigen derselben Region vergleichbar ist", und in Absatz 2, dass "der Bundesrat bei deutlich unter dem Bezugsniveau liegenden Einkommen vorübergehende Massnahmen zu deren Verbesserung ergreift". Und was geschieht ?

In seiner Botschaft zur neuen Agrarpolitik 22+ erwähnt der Bundesrat auf den ganzen 250 Seiten keine einzige Massnahmen, um Abhilfe zu schaffen!

Das Einkommen aus auswärtiger Arbeit ist oft die einzige Existenzabsicherung für das finanzielle Überleben. Sie beträgt im Durchschnitt 31’800 Franken. Betriebe, die auf Verarbeitung spezialisiert sind, sowie Betriebe, die im Pflanzenbau (Sonderkulturen oder Feldkulturen) tätig sind, gehören zu den Betrieben mit dem höchsten Durchschnittseinkommen. Die Aufzucht von Milchkühen, Mutterkühen und verschiedenen Rindern (d.h. Rinder und ein kleiner Anteil von Milchkühen) sowie die Aufzucht von Pferden, Schafen und Ziegen generieren hingegen ein Einkommen, das 15-30% unter dem Schweizer Agrardurchschnitt liegt.

Direktzahlungen

Auf buchhalterischer Ebene machen die Direktzahlungen im Durchschnitt etwa 25% (z.T bis zu 50%) der Erträge eines landwirtschaftlichen Betriebes aus. Das bringt uns zu dem Paradoxon, dass ausser dem Strukturwandel, d.h. dem allmählichen Abbau der bäuerlichen Landwirtschaft, keine markttechnischen Massnahmen zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Einkommen in der neuen Agrarpolitik vorgesehen sind! In der Tat ist es der zerstörerische Abbau der Betriebe, der das sektorale Arbeitseinkommen pro Jahresarbeitseinheit steigt lässt. Einige Landwirte werden zusätzlich zu ihren landwirtschaftlichen Betrieben bis zu 100% auswärts arbeiten, um zu versuchen, ihre massiv einbrechenden Girokonten zu retten, die sie mit mittelfristigen Krediten konsolidiert haben und die trotzdem schnell wieder in die roten Zahlen zurückfallen.

Verschuldung

In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass die durchschnittliche Verschuldung der Schweizer Betriebe (2017) bei fast 500.000 CHF lag, d.h. rund 50% des Vermögens. Pro Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche beträgt diese Schuld 20’000 CHF. ( Quelle Agroscope 2014)Die Landwirte leiden auch finanziell unter der verschobenen Auszahlungsagenda für ihre Ernten und ihre Arbeit. Während die Direktzahlungen im Juni und November erfolgen, werden die Girokonten zwischen Januar und Mai und zwischen Juli und Oktober stark stark belastet. Die Zahlungen für Getreide, Zuckerrüben kommen im Juli des auf die Ernte folgenden Jahres, die Zahlungen für Milch kommen auch erst nach der Lieferung (etwa 15 Tage nach Monatsende) und es gibt Produktionszweige, bei denen die Zahlung bis zu einem Jahr später erfolgt. Das Problem sind also nicht nur die niedrigen Preise, sondern auch die Staffelung der Direktzahlungen, die anstatt monatlich, zweimal jährlich ausbezahlt werden, sowie das Fehlen von Produktionsvorschüssen.

Welch anderer Wirtschaftssektor könnte eine solche Unsicherheit und eine so schwere Bürde auf sich nehmen?

Den gerecheten Preis zahlen, gut essen, ein Luxus?

Wenn wir genauer hinschauen, können wir sehen, wie das derzeitige Agrarmodell von den finanziellen und kommerziellen Interessen der großen Konzerne (aus dem agroindustriellen Sektor und den Supermärkten) bestimmt wird, die von etwas so Wesentlichem wie Lebensmitteln profitieren wollen. Dieses deregulierte Marktsystem macht aus BedürfnissenWaren und aus Rechten Privilegien und das Kochen mit Lebensmitteln von hoher Qualität zu einem Luxusgut. Junk-Food und die damit verbundenen Krankheiten betreffen heute hauptsächlich die Ärmsten, und der Unterschied zwischen Nahrung für die Reichen und Nahrung für die Armen wird verstärkt.

Ein nachhaltiges landwirtschaftliches Produktions- und Ernährungssystem ermöglicht es im Gegenteil, die gesamte Gesellschaft mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln zu versorgen und ein Landwirtschaftsmodell zu entwickeln, das die Umweltressourcen und die Landwirt*innen respektiert, indem im Voraus Produktions- und Abnahmeverträge zwischen Produzent*innen und Käufer*innen ausgehandelt werden.

Diese Verhandlungen können auf allen Ebenen stattfinden, zwischen Nachbarn*innen, rund um eine Kinderkrippe, einer Schule, einem Dorf oder eine Wohnsiedlung.Verträge können auch für eine ganze Warenkette von einer Organisation von Produzent*innen des Sektors mit Händlern und Verarbeitern ausgehandelt werden. Es wird jedoch Aufgabe des Bundes sein, einen Rahmen für demokratische, transparente und faire Verhandlungen zu schaffen. Es sind die Qualität, die Menge, der Preis, die Zahlungs- und Lieferbedingungen und die Produktionsvorauszahlungen, die im Voraus festgelegt werden müssen. Dieses System ermöglicht Transparenz bei den Handelsspannen und macht hochwertige Lebensmittel, die unter nachhaltigen, fairen Bedingungen produziert werden, für Produzent*innen und Konsument*innen. Dies sollte die gesellschaftliche Vision sein, die die Agrarpolitik leiten sollte.

(publiziert Uniterre Zeitung April 2020)

Dienstag, 02 Juni 2020
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Mit der Covid-19 Pandemie kam der verordnete Stillstand für die Unterschriftensammlung. Mit aktuell 56'500 Unterschriften sind wir bereits nahe am Ziel und sammeln nochmals 3000 Unterschriften bis zum 8. Juni 2020. Die Einreichung ist auf den Montag, 22. Juni 2020 geplant.

Die Bäuerinnen- und Bauerngewerkschaft Uniterre und der Biowinzer Willy Cretegny haben das Referendum gegen das Freihandelsabkommen mit Indonesien offiziell am 27. Januar 2020 lanciert, mittlerweile wird es von fast 50 Organisationen unterstützt. Die letzten Wochen haben gezeigt, dass Indonesien nicht Willens ist ökologische und soziale Standards umzusetzen, um die Zerstörung der artenreichen Urwälder zu verhindern:

  • Ein neues Bergbaugesetz hebt eine Begrenzung einzelner Minen auf 15'000 Hektaren auf und erlaubt automatische Genehmigungsverlängerungen um 20 Jahre, u.a. zum Vorteil der Kohleindustrie, und fördert damit weiterhin die massive Abholzung.
  • Nach einem neuen Gesetzesentwurf müssen die Palmölunternehmen nicht länger ein Fünftel ihres Landes für Kleinbäuer*innen zur Verfügung stellen.
  • Die Omnibus-Gesetze der Regierung von Präsident Joko Widodo vom Februar 2020 sieht u.a. mildere Strafen für Umweltverstösse vor, ein Ende der strafrechtlichen Verfolgung von Plantagenunternehmen, die für die Rodung des Landes dieses in Brand gesetzt haben. Weiter soll lokalen Regierungen die Befugnis entzogen werden, Genehmigungen für umweltsensible Projekte zu erteilen. Das indonesische Parlament entscheidet in den nächsten Monaten über die Gesetze.

Heute wissen wir, dass Pandemien wie Corona eng mit der Agroindustrie und der Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlage zusammenhängen. Anstelle die Ernährungssouveränität und die kleinbäuerliche vielfältige Landwirtschaft zu fördern, befeuern Freihandelsabkommen die Ausbreitung der Palmölmonokulturen und bedienen alleinig die Interessen der lokalen und multinationalen Grosskonzerne. Kathrin Hartmann, Autorin des Buches «Die grüne Lüge» und Expertin für Greenwashing sagt zum Freihandelsabkommen mit Indonesien: «Das Freihandelsabkommen wird Leid und Zerstörung noch verstärken.»

Medienmitteilung vom 2. Juni 2020

Hier geht's zum Video mit Kathrin Hartmann

Freitag, 29 Mai 2020
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Die Grundlage der Ernährungssouveränität ist Respekt. Respekt für Männer und Frauen und für den Planeten. Solidarität und Gerechtigkeit. Die Demokratie. Ernährungssouveränität ist eine langfristige humanistische Vision. Ernährungssouveränität ist auch die Klarsicht und der Mut, aus dem neoliberalen Dogma auszusteigen. Ernährungssouveränität ist die Hoffnung auf eine gerechte und gleichberechtigte Welt.

Das Konzept der Ernährungssouveränität ist komplex und darf nicht reduziert werden, denn es ist eine systemrelevante Antwort auf globale Krisen.

Ein globales Konzept

«Ernährungssouveränität unterstützt eine Landwirtschaft, die in einem lebendigen und arbeitsplatzschaffenden ländlichen Raum gesunde, lokal produzierte Lebensmittel zu fairen Preisen, Arbeitsbedingungen und Löhnen herstellt und zu fairem internationalen Handel und nachhaltiger Ressourcennutzung beiträgt1.» Die Ernährungssouveränität ist in einer zirkulären, integrativen, kooperativen Wirtschaft eingebettet.

Eine Vielfalt von Bauernhöfen erhalten

Die schweizerische Agrarlandschaft setzt sich aus sehr unterschiedlichen landwirtschaftlichen Einheiten zusammen. Einige sind spezialisiert und stark mechanisiert, sie können relativ gross oder klein sein. Andere werden diversifizierter und extensiver bewirtschaftet. Einige produzieren für Supermärkte, andere für den lokalen Markt, und einige verarbeiten ihre Produkte selbst oder arbeiten mit einem Verarbeiter zusammen. Manche arbeiten konventionell, entsprechend den Anforderungen der Agrarpolitik, andere arbeiten nach den Kriterien der biologischen Landwirtschaft oder IP-Schweiz. Und einige arbeiten mit biologisch-dynamischen oder agrar-ökologischen Anbaumethoden oder in der Permakultur.

Für all diese Formen der Landwirtschaft ist in der Schweiz Platz. Besondere Förderung wäre jedoch für kleinere Strukturen und Kollektive erforderlich. Dazu gehören die rechtliche Anerkennung, Ausbildung, Forschung, Finanzen und die Infrastruktur, um nur einige zu nennen.

Förderung von bäuerlicher Landwirtschaft und kurzen Wegen

Täglich verschwinden in der Schweiz rund 2- 3 Bauernhöfe. Diese Erosion ist dramatisch, übrig bleiben nur noch hochspezialisierte landwirtschaftliche Einheiten. Ziel der Ernährungssouveränität ist die Erhaltung und Stärkung der bäuerlichen Landwirtschaft und der Produktionskollektive, die nach den Kriterien des ökologischen Landbaus oder der Agrarökologie anbauen (und ihre Tiere aufziehen) und ihre Produkte lokal verkaufen. Es ist sozial und wirtschaftlich von entscheidender Bedeutung, dass die Bevölkerung Eigenverantwortung für ihre Nahrungsmittel übernimmt und dass so viele Menschen wie möglich die Fähigkeiten und den Raum für die Produktion und Verarbeitung für den Direktverkauf erwerben können.

Der Markt sind wir!

Die Forderungen und Ansprüche von Uniterre werden sehr oft von der Notwendigkeit der Anpassung an den "Markt" beiseite gefegt. Es gibt zwar WTO-Richtlinien und Freihandelsverträge, aber wer definiert in der Schweiz die Bedürfnisse des Marktes, respektive der Gesellschaft? Als Konsument*innen können wir durch unsere Wahl beim Einkauf die Entscheidungen der Verarbeiter und Supermärkte beeinflussen. Tatsache bleibt jedoch, dass der Kern der Entscheidungen dieser Unternehmen die wirtschaftliche Rentabilität ist. Das ist nicht genug! Der Handel muss in den Dienst der nachhaltigen Entwicklung gestellt werden, und die Umwelt-, Sozial- und Gesundheitskosten der Produkte sollten berücksichtigt und in den Preisen weitergegeben werden, was sie unattraktiv macht. Gegenwärtig werden Umweltschäden und negative gesundheitliche Auswirkungen von der Gesellschaft getragen, während die kommerziellen Gewinne in privater Hand bleiben!

Michelle Zufferey, Sekretärin bei Uniterre

1 https://ernahrungssouveranitat.ch



Mittwoch, 06 Mai 2020
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Von Big-M und Uniterre

In zahlreichen Europäischen Ländern demonstrieren morgen Milchbäuerinnen und Milchbauern gegen das hilflose Massnahmenpaket der EU Kommission zur aktuellen Milchkrise. Mit Unverständnis nehmen die Landwirt*innen des European Milkboard EMB diesen Entscheid zur Kenntnis. Es ist doch keine Lösung des Problems, wenn Milchüberschüsse einfach in Form von Butter und Milchpulver eingelagert werden. Die Krisen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass diese Lager nach der Krise einen Milchpreisanstieg so lange verhindern, bis die Lager leer sind. Wenn der Absatz stockt gibt es nur eine vernünftige Lösung: Es muss weniger Milch produziert werden!

In der Schweiz erleben wir ähnliches. Hier werden die Bauern und Bäuerinnen gezwungen, billige B-Milch von nicht einmal 45 Rappen abzuliefern! Bei diesem Preis verlieren auch die allerbesten Bäuerinnen und Bauern Geld. Und was ganz schlimm ist: Mit dieser Billigstmilch wird nicht Butter hergestellt, sondern Billigprodukte und das entstandene Butterloch wird mit Importen gefüllt. Goaht’s no!

Wir fragen uns: Ist das richtig, dass die Rahmenbedingungen im Milchmarkt so gestellt sind, dass die Molkereien ihre (Über-) Kapazitäten auslasten, während die Milchbäuerinnen und Milchbauern ihre Milch zu Dumpingpreisen abliefern müssen? Ist nicht gerade dieser permanente Preisdruck dafür verantwortlich, dass die Landwirt*innen in Produktionsmethoden gezwungen werden, welche von der Gesellschaft gar nicht erwünscht sind? Wie sollen die zusätzlichen Kosten für neue Umweltauflagen bewältigt werden, wenn schon der aktuelle Milchpreis nicht kostendeckend ist?

Mit den Aktionen von morgen ruft das EMB dazu auf, dass sich die Gesellschaft endlich lautstark in die Politik einbringt. (siehe Pressemitteilung des EMB) Es ist Zeit, dass die Interessen der Grosskonzerne einen Rang zurückgestellt werden.

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Donnerstag, 30 April 2020
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Rund zwanzig Unterzeichner*innen aus Landwirtschaft, Verbänden, Politik, Gewerkschaften und der Wissenschaft schlagen Lösungen vor, um der Landwirtschaft ihr Fundament und ihre Bedeutung zurückzugeben».

Maximo Torero, Chefökonom der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), liess am 26. März 2020 verlauten, dass es in den kommenden Wochen infolge der Covid-19-Krise zu Nahrungsmittelknappheit kommen könnte. Protektionistische Massnahmen, geringere Ernten aufgrund von Dürre in vielen Teilen der Welt und Arbeitskräftemangel könnten die Nahrungsmittelversorgung beeinträchtigen und zu einer starken Inflation bei Grundnahrungsmitteln führen.

Solche Engpässe, die die Anfälligkeit unserer Ernährungssysteme deutlich machen, sind nur die Spitze des Eisbergs einer viel tieferen und länger andauernden Krise, die unser System erschüttert: Bodenverschlechterung im Laufe der Jahre, übermäßiger Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Monokulturen, mangelnde Unterstützung für Bäuerinnen und Bauern, deren Zahl sich in den letzten 40 Jahren halbiert hat. Eine Nahrungsmittelkrise scheint ebenso unvermeidlich wie die Pandemie mit der wir konfrontiert sind. Lassen Sie uns darauf vorbereitet sein, handeln wir jetzt!

Seit vielen Jahren haben wir ein künstliches, industrielles, von fossilen Brennstoffen abhängiges und wasserintensives Landwirtschaftsmodell, das die biologischen Rhythmen und die Notwendigkeit der Bodenregeneration wenig berücksichtigt. Unser Ernährungssystem ist äusserst fragil und nicht in der Lage, Schocks wie Klimawandel, Krankheiten, geopolitische Krisen zu überstehen oder den Ressourcenmangel abzufedern. Ressourcen wie z.B. Phosphor, von denen dieses System abhängig ist.

Die Covid-19-Krise, die diese Verwundbarkeit deutlich macht, bietet uns die Gelegenheit, den Übergang zu schockresistenten Ernährungssystemen einzuleiten. Systeme, die in der Lage sind, unsere Bevölkerung vor Ort mit minimalen Auswirkungen auf die Umwelt und die Ökosysteme zu ernähren. Eine 2018 von Agroscope durchgeführte Studie zeigt, dass die Schweiz mit einigen Anpassungen in unserer Ernährung (weniger Fleischprodukte und weniger Alkohol) autark sein könnte. Die Ernährung wäre bescheidener, aber immer noch bei weitem ausreichend und viel gesünder als unsere derzeitige Ernährung.

Im Jahr 2018 lehnte das Volk die Initiative zur Ernährungssouveränität ab. Die Initiative wollte ein Bekenntnis zu gesunden, lokalen Nahrungsmitteln, zu einer gerechten Bezahlung der Menschen, die uns ernähren, und ein Bekenntnis zu einer Vielfalt, der bis heute meist grossen landwirtschaftlichen Betriebe. Heute sehen wir, wie wichtig das ist, und wir haben die Gelegenheit, dieselben Fragen ohne zuzuwarten erneut zu stellen.

Die Krise hat es den Bürgerinnen und Bürgern bereits ermöglicht, kürzere Versorgungswege zu fordern und die lokalen Bauern zu unterstützen; auch die Städte haben sich organisiert, um Regionalität zu fördern und einige Wochenmärkte wieder zu öffnen; es ist dieser Weg, den es zu beschreiten gilt!

Wir schlagen vor, so bald wie möglich in jeder Region und jedem Wohngebiet, Bürger*innnversammlungen einzuberufen, zunächst zum elektronischen Austausch und durch Videokonferenzen. Auf diese Weise soll jede Region mit lokalen und diversifizierten Betrieben vernetzt werden, die nahe an der Bevölkerung sind und sich in ihren Dienst stellen. Damit sind wir in der Lage, die Bäuerinnen und Bauern tatkräftig zu unterstützen und mehr Menschen in den Landberufen auszubilden. Wir brauchen dazu: Land, das vor Beton- und Bodenspekulation geschützt ist.

Anstatt der gemähten Rasenflächen, die schädlich für die Biodiversität sind, brauchen wir Parzellen, beispielsweise auch in öffentlichen Pärken, die als Kleinstfarmen zur Versorgung von einzelnen Haushalten oder Nachbarschaften dienen; eine Ausbildung, die Techniken vermittelt, die die Böden regenerieren, Wasser sparen, die Mechanisierung reduzieren und den Kohlenstoff-, Stickstoff- und Phosphorkreislauf schliessen, also eine regenerative Landwirtschaft. Wir brauchen robuste, einfach herzustellende und idealerweise aus «Open Source» stammende landwirtschaftliche Produkte. Ebenso verkürzte Produktionskreisläufe, die die Bevölkerung und die ebenfalls relokalisierten Verarbeitungsbetriebe versorgen.

In regionaler Zusammenarbeit soll ein Inventar der Ressourcen und Bedürfnisse erstellt werden, angestossen durch die Gemeinden in Zusammenarbeit mit der Bezirksverwaltung und lokalen Vereinen. Welche Flächen und Ressourcen stehen heute zur Verfügung? Wie ist die Lagerung und Verteilung aufgestellt? Welche Ausbildungsmöglichkeiten existieren für künftige Bäuerinnen und Bauern, unter anderem in biologischer Landwirtschaft, Biodynamik, Agrarökologie und Permakultur? Welche Nutzpflanzen und Flächen sind für Grundnahrungsmittel vorgesehen? Welche Flächen und natürlichen Lebensräume sind für die Biodiversität, für Bestäuber, Vögel und Nützlinge reserviert? Wie viel Land soll für die Landwirtschaft erhalten werden?

Jede Gemeinde kann mit ihren Bürgerinnen und Bürgern nach einem gemeinsam zu entwickelnden Raster ein Inventar ihres Gebiets erstellen, um so die ganze Schweiz zu kartieren, um sich auszutauschen und einander gegenseitig zu unterstützen. Es geht darum, die Gebiete in jeder Region leistungsfähiger zu machen und dabei die besten Lösungen voneinander zu nutzen. [h1]

Ernährung ist unser erstes Bedürfnis, allerdings sind die meisten Ernährungssysteme von heute anfällig und schädlich für Mensch und Umwelt. Die Landwirtschaft ist eine der wesentlichen Grundlagen für die Sicherheit und das Wohlergehen menschlicher Gemeinschaft. Der Moment ist gekommen, der Landwirtschaft ihre Grundlagen und ihren Sinn zurückzugeben. Eine Frage der nationalen Sicherheit.

Unterzeichner*innen:

Fernand Cuche, paysan, écologiste, politicien; Sara Gnoni, activiste, conseillère communale, présidente de ToxicFree Suisse; David Bichsel, agronome et ingénieur en environnement, président de l’association Cotyledon; Matthieu Glauser, paysan bio et président de Bio Vaud; Jean Ziegler, sociologue, politique, auteur; Matthieu Calame, membre de la Fondation pour le progrès de l’Homme; Michelle Zufferey, secrétaire permanente à Uniterre; Charles Bernard Bolay, paysan et président d’Uniterre; Gaëlle Bigler, présidente de la Fédération romande d’agriculture contractuelle de proximité; Dominique Bourg : philosophe, professeur honoraire, Université de Lausanne; Sophie Swaton, présidente de la Fondation Zoein, économiste et philosophe, Université de Lausanne; Luigi d’Andrea, docteur en biologie, permaculteur et arboriculteur; Nathalie Chèvre, maître d’enseignement et de recherche, écotoxicologue, Université de Lausanne; Pablo Buono, médecin, Véronique Ançay, vigneronne en bio et en pratiques biodynamiques; Simon Noble, membre de l’association du Petit Bochet, permaculteur, décroissant et enseignant; Sylvie Bonvin-Sansonnens, maître-agricultrice, coprésidente de Bio Fribourg; Christophe Golay : membre de l’académie de droit international humanitaire et de droits humains à Genève; Sylvain Keller, président de l’association ESCJV, Ecoculture sociale et citoyenne en jardins vergers; Aurèle Morf, vigneron bio local; Benoit Molineaux coopérative équilibre et SPP Meyrin.

Ernährungssouveränität ist definiert als ein internationales Recht, das es Gemeinschaften, Staaten oder Staatengruppen erlaubt, eine Agrarpolitik zu betreiben, die für die jeweilige Bevölkerung am besten geeignet ist. Ohne dass sich diese Agrarpolitik negativ auf die Bevölkerung anderer Länder auswirkt.

Ernährungssicherheit ist dadurch gekennzeichnet, dass alle Menschen die physische, soziale und wirtschaftliche Möglichkeit haben, genügend, sichere und nahrhafte Lebensmittel zu erwerben, um ihre Ernährungsbedürfnisse und -vorlieben für ein aktives und gesundes Leben zu befriedigen.






Donnerstag, 30 April 2020
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Mehr denn je wird deutlich, dass die heimische Landwirtschaft für die Versorgung und die Ernährungssouveränität unseres Landes unentbehrlich ist. Auch den Verbrauchern wird bewusst, wie wichtig eine lokale Landwirtschaft ist; die Hofmärkte und Verkaufsstellen mit Selbstbedienung werden regelrecht leergekauft. In diesem Kontext schockiert das Bewilligungsgesuch vom 23. April von BO Milch für die Einfuhr von 1’000 Tonnen Butter nicht nur, es widerspricht sogar jeglichem gesunden Menschenverstand.

Wir fordern, dieses Gesuch kategorisch abzulehnen. Es ist nicht nur möglich, sondern auch mehr als wünschenswert, Butter aus Schweizer Rohstoffen herzustellen. Wie wir bereits in unserem letzten Schreiben vom 14. April an Herrn Parmelin erwähnt haben, ist es an der Zeit, die Missstände, denen die Milchproduzenten seit Jahren ausgesetzt sind, zu beseitigen. Die aktuelle Milchsegmentierung ist undurchsichtig und dient vor allem den Milchkäufern, die mit List und Tücke versuchen, diesen kostbaren Rohstoff so billig wie nur möglich zu erhalten.

Einige Beispiele:

  • Zwischen September 2019 und Januar 2020 hat mooh, einer der grössten Milchkäufer, den Anteil des B-Segments von 10 auf 40 % angehoben. «Zufälligerweise» ereignet sich die Anhebung des B-Segments zur gleichen Zeit wie die Einführung des «Grünen Teppichs» (swissmilk green).
  • Ein Teil der Milch des B-Segments wird zu Weichkäse verarbeitet, der zu ungefähr 3 Fr./kg exportiert wird. Wie ist das möglich? Es funktioniert deshalb, weil die Verkäsungszulage auch für die Milch des B-Segments ausbezahlt wird. Das ist gesetzwidrig, denn die Zulage darf eigentlich nur für das A-Segment ausbezahlt werden.
  • 2019 lag der Preis des B-Segments im Durchschnitt bei 45.42 Rappen pro Liter. Allerdings hat der Milchkäufer mooh in seinem Rundschreiben vom April 2020 bereits angekündigt, dass der starke Preisverfall auf dem internationalen Milch- und Milchpulvermarkt, ausgelöst durch das Coronavirus, Auswirkungen auf den Milchpreis des B-Segments haben wird. So sei deshalb der Preis im April bereits um 3 Rappen auf 43 Rappen pro Liter gesunken. Im Mai sei mit weiteren Preissenkungen zu rechnen.

Wie soll die bereits erschütterte Branche eine weitere Preissenkung verkraften?


Wir fordern deshalb die Anhebung des Ab-Hof-Preises, und dass der Grossteil der Milch von B auf A umsegmentiert wird. Die Milch des B-Segments, welche normalerweise für die Produktion von Weichkäse, Magermilchpulver, Joghurt und andere Frischprodukte für die Ausfuhr verwendet wird, würde somit der Butterherstellung für den Schweizer Markt dienen.

Die letzten Wochen haben gezeigt, dass der Bund durchaus in der Lage ist, seine Funktion und Verantwortung in schweren Krisenzeiten zuverlässig auszuüben, auch wenn dies mit schweren Verlusten verbunden war. Wir fordern deshalb das Bundesamt für Landwirtschaft auf, sich ebenfalls seiner Verantwortung zu stellen, praktikable Massnahmen zu ergreifen und einen Rahmen für die Schweizer Milchproduktion zu schaffen, der ihr Bestehen in der Zukunft garantiert. Es sind schwere Zeiten – das gilt auch für die Schweizer Milchproduktion. Leider stellte sich heraus, dass der Verband der Schweizer Milchproduzenten und die Branchenorganisation Milch seit Jahren und auch jetzt in der Krisenzeit nicht in der Lage sind, die Interessen der Schweizer Milchproduzenten zu vertreten und wirksame Lösungen für sie umzusetzen. Es gilt zu bedenken, dass der Rohstoff für die Butterproduktion nur deswegen knapp wird, weil der Milchpreis, der in allen Milchsegmenten kaum die Hälfte der Produktionskosten deckt, zahlreiche Schweizer Produktionsbetriebe zugrunde gerichtet hat.

Zahlreiche Produzenten stehen vor dem Abgrund und immer mehr Verbraucher widersetzen sich der Liberalisierung der Lebensmitteleinfuhr, besonders jetzt während der Ausgangsbeschränkung, durch die sich die Lage noch verschlimmert. Für ein Land, das die heimischen Produzenten zu unterstützen meint, wäre es schändlich, das Gesuch der BO Milch anzunehmen. Es könnte zudem eine Kettenreaktion bei den Produzenten auslösen, die sowieso nichts mehr zu verlieren haben. Mehrere haben bereits angedeutet, die Importbutter aus den Regalen der Supermärkte zu räumen und die Verbraucher sind zunehmend bereit, sie dabei zu unterstützen. Die Lage ist bereits angespannt und es wäre nicht zielführend, Öl ins Feuer zu giessen.

Es ist an der Zeit, zugunsten der Milchproduzenten zu handeln!

Wir danken Ihnen vorab für Ihre Antwort.

Freundliche Grüsse

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Mittwoch, 29 April 2020
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In einer gemeinsamen Erklärung, die an die wichtigsten Institutionen der Europäischen Union gerichtet ist, werfen 28 Organisationen – darunter Slow Food – den Blick auf Probleme des europäischen Lebensmittelsystems, die durch die aktuelle Corona-Krise deutlich werden. Dazu gehört, dass die europäische Nahrungsmittelversorgung in hohem Maße auf Arbeitskräfte ohne vertragliche Absicherung zurückgreift, die mit unsicheren Arbeitsverhältnissen und schlechten Lebensbedingungen auskommen müssen.

Die gemeinsame Erklärung, die von Slow Food Europa mitunterzeichnet wurde, hebt hervor, dass der Arbeitskräftemangel, den wir heute aufgrund des neuen Coronavirus und der Schließung der Grenzen erleben, zeigt, wie sehr die europäische Landwirtschaft von (weitgehend vertraglich nicht abgesicherten) Wanderarbeiter*innen und Saisonarbeiter*innen abhängig ist. In der Tat machen ausländische Landarbeiter*innen einen bedeutenden Anteil der Arbeiter*innen aus, die unser Obst und Gemüse ernten sowie unsere Lebensmittel verpacken und verarbeiten. Abgesehen von Fragen der Lebensmittelversorgung müssen auch die dramatischen Arbeitsbedingungen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft beleuchtet werden, die viel zu lange ignoriert wurden und die ein potenzielles Risiko für die Ausbreitung der Pandemie unter den Arbeitnehmer*innen darstellen. In der gemeinsamen Erklärung fordern die unterzeichnenden Organisationen die EU-Entscheidungsträger*innen auf, den durch Corona aufgedeckten Problemstellen des EU-Lebensmittelsystems durch grünere und nachhaltigere Lebensmittelpolitiken entgegenzuwirken und die Lebensmittelketten fairer zu gestalten.

Instrumente für ein faireres und zukunftsfähigeres Lebensmittelsystem

Während der COVID-19-Pandemie und in Zukunft ist es dringend notwendig, sich mit der Situation der Beschäftigten in der Agrar- und Ernährungswirtschaft auseinanderzusetzen. Mehrere politische Instrumente, darunter die Gemeinsame EU-Agrarpolitik (GAP) und die erwartete „Farm to Fork"-Strategie sowie die Migrations- und Gesundheitspolitik können eine Schlüsselrolle bei der Regulierung der Situation und der Gewährleistung sicherer Arbeitsbedingungen im Agrar- und Lebensmittelsektor spielen, indem sie die zentrale Rolle von Wanderarbeiter*innen und Gemeinschaften in den europäischen Gesellschaften anerkennen. Ein umfassender und integrierter Ansatz zwischen verschiedenen Politikbereichen, d.h. eine Gemeinsame Lebensmittelpolitik, ist von grundlegender Bedeutung, um einen Übergang zu nachhaltigeren Lebensmittelsystemen zum Schutz von Mensch und Umwelt zu ermöglichen. Gemeinsam mit anderen Partner*innen plädiert Slow Food schon seit einigen Jahren für diesen ganzheitlichen Ansatz.

Die Pandemie macht die Verwundbarkeit unseres Ernährungssystems deutlich, das stark von der industriellen Landwirtschaft, langen spezialisierten Ketten und ausländischen und oft nicht registrierten Wanderarbeiter*innen abhängt, die trotz ihrer wesentlichen Rolle extrem schlechte Arbeitsbedingungen und manchmal Ausbeutung erfahren. Es ist an der Zeit, unser industrialisiertes Landwirtschaftsmodell hinter nur zu lassen, das Lebensmittelsystem stattdessen grüner, fairer und sicherer zu machen. Dazu gehören gerechte Lieferketten, angemessene Preise sowohl für die Bäuer*innen als auch für Landarbeiter*innen und Verbraucher*innen.

Geforderte Handlungspunkte:

  • Die Bedingungen der Beschäftigten in der Land- und Ernährungswirtschaft während der COVID-19-Pandemie dringend zu beleuchten und anzugehen.
  • Die neue GAP umzugestalten, um sie sowohl sozial als auch ökologisch nachhaltig zu machen.
  • Innerhalb der „Farm to Fork“-Strategie einen Schwerpunkt auf die Beschäftigten zu setzen.
  • Gewährleistung einer registrierten und gesicherten Beschäftigung für Wanderarbeitnehmer*innen und Flüchtlinge.
  • Verbesserte Wege zur Arbeitserlaubnis für Nicht-EU-Migrant*innen und Achtung der Rechte von Wanderarbeiter*innen und Flüchtlingen.
  • Einführung einer verbindlichen EU-Gesetzgebung zu Menschenrechten und zur Sorgfaltspflicht im Umweltbereich.

Ausländische Landarbeiter*innen in Italien

Nach Angaben der Confagricoltura (der Verband, der die italienischen Landwirtschaftsbetriebe vertritt) werden bald bis zu 200.000 Landarbeiter*innen benötigt, und die landwirtschaftliche Produktion und Viehzucht sind aktuell gefährdet.

Slow Food International setzt sich aktiv dafür ein, den Dialog zwischen Migrantengemeinschaften und Staatsangehörigen zu fördern und den kulturellen Austausch und die Zusammenarbeit rund um Lebensmittel und Landwirtschaft zu unterstützen: „In Italien leben 600.000 nicht registrierte Migrant*innen am Rande der Gesellschaft. Sie müssen anerkannt werden, damit ihre Gesundheit und die soziale Stabilität in Italien gewährleistet werden können. Die Migrant*innen sind von grundlegender Bedeutung, nicht nur für den landwirtschaftlichen Sektor, sondern auch für den Sektor der Pflegedienste, zu denen Hausangestellte, Pfleger*innen und Babysitter*innen gehören. Die Rolle der Migrantengemeinschaften wird in Phase 2 der Erholung von der Coronavirus-Pandemie besonders wichtig sein, wenn die meisten Menschen wieder ihrer Arbeit nachgehen werden. Die italienischen Bürgermeister*innen schlagen auch Alarm, dass wir Gefahr laufen, dass Obst und Gemüse nicht geerntet werden können, wenn Saisonarbeiter*innen daran gehindert werden, auf die Felder zu kommen und dort zu arbeiten", sagt Abderrahmane Amajou, Koordinator des Migrantennetzwerkes von Slow Food International.

Die vollständige Erklärung finden sie hier.



Dienstag, 28 April 2020
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Wir sind stolz Bäuerinnen zu sein.

Gerade in schwierigen Zeiten wird allen bewusst, wie wichtig gesunde Lebensmittel sind.

Stolz Bäuerinnen zu sein