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Pressemitteilung Lausanne, 9. September 2022

Die Branchenorganisation SwissGranum verhandelt am 13. September die Richtpreise für Brotgetreide. Bisher decken die Getreidepreise nicht die Produktionskosten – erst recht nicht die steigenden Energiepreise! Die politische Entscheidung, die Zölle für Brotgetreide zu senken, setzt die bäuerliche Landwirtschaft zusätzlich unter Druck. Uniterre fordert eine faire Bezahlung der Produzenten.


Nach zwei wetterbedingt extrem schwierigen Jahren für die Getreideproduktion legen die Abnehmer, die Industrie und die Grossverteiler auf dem Rücken der Produzenten noch eine Schippe drauf. Während der Weizenpreis auf europäischer Ebene immer noch fast 30% höher ist als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, verweigern in der Schweiz die Mühlen, die Industrie und die grossen Einzelhändler den Produzenten eine notwendige Erhöhung des Weizenpreises. Letztere haben zudem Preiserhöhungen angekündigt, die für Brot derzeit 2,4% betragen. Was den Brutto-Richtpreis für die Produzenten betrifft, so ist er derzeit auf Fr. 57.-/dt festgelegt.

Ein solcher Preis ist in keiner Weise kostendeckend! Der direkte Anstieg der Produktionskosten (Energie, Dünger, Maschinen) beläuft sich auf etwa Fr 500.-/ha. Der Preis muss also um 12 Fr./dt steigen, nur um die gestiegenen Kosten auszugleichen. Uniterre fordert daher einen sofortigen Preis ab Hof von mindestens Fr.69/dt. Ein solcher Preis stellt aber immer noch keine gerechte Entlohnung der Produktionsarbeit dar. Die Stunde des Produzenten muss mit Fr. 40.- kalkuliert werden, um ein Einkommen zu erzielen, die mit dem Schweizer Durchschnitt vergleichbar sind. Dies würde einem Preis für Brotweizen entsprechen, der bei Fr. 100.-/dt liegt.

Eine solche Erhöhung für einen gerechten Preis würde für die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten einen Anstieg von 50 Rp/kg Brot bedeuten oder aber pro Jahr eine zusätzliche Ausgabe von Fr. 25. Es ist also kein Luxus, sich für eine vielfältige und nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft einzusetzen, sondern eine unabdingbare Voraussetzung, um die Versorgung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten.

Leider tritt der Bund in den Spuren der Grossverteiler und hat die Einfuhrzölle auf Fr. 9.60 (inklusive Garantiefondsabzug) gesenkt, während er gleichzeitig das Importkontingent um 60’000t auf 130’000t aufgestockt hat. Der politische Gegenzug zur Deklassierung von über 100’000t Brotweizen der Ernte 2021. Das illustriert den unerträglichen politischen und wirtschaftlichen Druck auf dem Schweizer Weizen, zumal die Grossverteiler noch mehr als 120'000t Backwaren ausserhalb des Zollkontingents importieren. Der niedrige Weizenpreis und der Druck auf eine nachhaltige bäuerliche Agrarproduktion in der Schweiz sind also sowohl auf die Arroganz der Abnehmer als auch auf die politischen Entscheidungen des Bundes zugunsten der Grossverteiler zurückzuführen.

Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass unser Wohlstand massgeblich von den Bauern und Bäuerinnen produziert wird und dass der Markt ohne ihre täglichen Anstrengungen nicht funktionieren kann. Es ist höchste Zeit, dass unsere Berufsverbände den Abnehmern diese Wahrheit klarmachen: Kein Preis - keine Produktion - keine Lebensmittelsicherheit!


Mehr Informationen:
Rudi Berli, Produzent und Gewerkschaftssekretär bei Uniterre, 078 707 78 83, r.berli@uniterre.ch


Branchenorganisation Getreide Swissgranum

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Petition "Jeder Hof zählt – Jetzt das Hofsterben stoppen!"

Wir zeigen hier den Text der Petition "Jeder Hof zählt - Stoppt das Höfesterben!", die von der Kleinbauernvereinigung lanciert wurde und sich an Bundesrat Guy Parmelin richtet. Die Positionen von Uniterre und der Kleinbauernvereinigung ähneln sich oft. Deshalb ist es wichtig zusammenzuarbeiten, um das Gewicht unserer jeweiligen Aktionen zu erhöhen.

Petition jetzt unterschreiben!

Allein im letzten Jahr wurden in der Schweiz 499 landwirtschaftliche Betriebe geschlossen. In den letzten 40 Jahren hat sich die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe mehr als halbiert. Wir fordern den Bundesrat auf, das Bauernhofsterben zu stoppen und eine vielfältige, kleinstrukturierte und ökologische Landwirtschaft zu fördern. Wir fordern:

➤ Der Zugang zu Land soll verbessert und ausserfamiliäre Hofübergaben gefördert werden.
➤ Hofabgebende sollen über die Möglichkeit einer ausserfamiliären Hofübergabe informiert werden.
➤ Die Benachteiligung von kleineren Bauernbetrieben muss aufgehoben werden.
➤ Gemeinschaftliche Bewirtschaftungsformen für Betriebe sollen einfacher ermöglicht werden.


Warum muss jetzt gehandelt werden?

Die zersplitterte Agrarlandschaft des Landes geht durch das Sterben der Betriebe immer mehr verloren. Gleichzeitig hat sich die durchschnittliche Fläche pro Hof fast verdoppelt. Wertvolle Landschaftsstrukturen haben darin keinen Platz mehr. Die Landwirtinnen und Landwirte müssen immer grössere Höfe rationeller bewirtschaften, um die Arbeit bewältigen zu können. Dabei ist eine vielfältige Landwirtschaft mit kleinen Strukturen entscheidend für die Biodiversität und den Kampf gegen den Klimawandel. Sie macht die Schweizer Landwirtschaft insgesamt widerstandsfähiger. Obwohl die Nachfrage nach Betrieben heute viel grösser ist als das Angebot, verschwinden immer noch Bauernhöfe. Dieser Strukturwandel dürfte sich sogar noch beschleunigen, da die Hälfte der Betriebsleiter*innen in den nächsten 15 Jahren das Rentenalter erreichen wird. Für eine krisenfeste Versorgung und eine umwelt- und klimafreundliche Landwirtschaft brauchen wir nicht weniger, sondern möglichst viele Bäuerinnen und Bauern.


Kleinbauernvereinigung


Bild: Michelle Becht

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Am 19. Juni 2019 wurde in Saxon, Wallis, eine Statue zum Gedenken an den Bauernaufstand von 1953 eingeweiht. Uniterre dankt dem lokalen Komitee für diese Initiative. Ein Rückblick: Tatsächlich, am 7. August des Jahres 1953 explodiert die Wut der Walliser Obstproduzent*innen: Die 6 Millionen Kilo der Schweizer Aprikosenproduktion kommen auf einem Markt, der bereits vollständig von den ausländischen Importen gesättigt ist (knapp 10 Millionen Kilo sind bereits in die Schweiz eingeführt). Eine Verordnung des Bundesrates blockiert die Ernte. Zuvor hatte der gleiche Bundesrat am 25. Juni die Fortsetzung der Einfuhren genehmigt, während das Agrargesetz von 1952 bereits eine Beschränkung der Einfuhr bei ausreichender einheimischer Produktion vorsah.

Um dieser Politik gegen die bäuerliche Landwirtschaft in der Schweiz entgegenzutreten, wurden nach dem Krieg mehrere Bauernverbände gegründet. Als Vorbild diente der 1949 in Saxon gegründete Verband der Walliser Produzenten (UPV). 1951 führte der Zusammenschluss der Bauernkomitees zur Gründung der l'Union des producteurs suisse (UPS - später Uniterre).

Am 7. August 1953 wurde eine Sitzung von einem Aktionskomitee einberufen, das sich aus Bauernverbänden sowie Vertretern der Politik und der Zivilbevölkerung zusammensetzte. "Die Regierung lässt zu, dass täglich tonnenweise Früchte aus Italien über den Simplon zu uns kommen. Während hingegen unsere Aprikosen an Ort und Stelle verrotten müssen. Das werden wir nicht länger geschehen lassen. Bürger*innen die Lage ist ernst. Doch wir werden gewinnen - diesmal mittels einer Demonstration unserer Kraft", legt Ferdinand Carron, Sprecher der Bauern und einer der Führer der UPS, der Versammlung dar. Es ist der Moment, in dem fast 5.000 Menschen, die in wenigen Stunden mobilisiert wurden, Strassen besetzen, Konvois im Bahnhof blockieren und Früchtekisten mit Importware aus den Waggons holen , um diese dann abzubrennen. Fünfzig Bauern werden angeklagt, etwa vierzig für schuldig befunden. Aber die Forderungen werden endlich gehört. Die Regierung unternimmt Schritte, um den Absatz sicherzustellen. Die Ernte kann fortgesetzt werden. Diese direkte Aktion der Bäuerinnen und Bauern, welche von der gesamten Region mitgetragen wurde, ermöglichte es, die Schlacht zu gewinnen.

Das UPS-Uniterre verstand sich damals bereits sowohl als soziale Bewegung als auch als Gewerkschaft. Die Hauptforderungen lauteten wie folgt und sind nach wie vor von entscheidender Bedeutung:

• Die UPS möchte verhindern, dass der Rückgang der Anzahl der Familienbetriebe anhält. Sie fordert, dass die Schweiz wieder zu 70% aus eigener Landwirtschaft versorgt wird. Die Verfassung garantiert eine starke und gesunde Landwirtschaft: Dieses Versprechen muss endlich erfüllt werden. (Bemerkung R.B.:Heute ist der Selbstversorgungsgrad unter 50% gefallen);

• Die UPS befürwortet eine Preispolitik, die sicherstellt, dass Familienbetriebe ein angemessenes Einkommen haben. „Wir fordern die gleichen sozialen Rechte wie Arbeitnehmer in anderen Wirtschaftsbereichen."

• Die Einfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse muss vom Verkauf einheimischer Erzeugnisse abhängig gemacht werden. Die UPS möchte, dass die Kontrolle der Importe von den Bauern übernommen wird. Die UPS fördert die Solidarität mit den Konsumenten.

Heute hat Uniterre diese Anforderungen mit den Aspekten einer nachhaltigen bäuerlichen Landwirtschaft weiter entwickelt, die auf einem respektvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen und der Bevorzugung von regionalen Kreisläufen beruht, um den dramatischen Auswirkungen eines zunehmend industrialisierten globalen Nahrungsmittelsystems entgegenzuwirken.

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Wollen wir eine grundsätzlich andere Landwirtschaftspolitik? Ja, finden die Befürworter der «Ernährungssouveränität». Sie wollen mehr Bauern, gerechte Preise und ein Gentech-Verbot. Gegner der Vorlage warnen vor teureren Nahrungsmitteln, Handelskonflikten und gefährlicher Planwirtschaft.

>> Abstimmungs-Arena: Initiative für Ernährungssouveränität - SRF - 24. August 2018

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Endspurt: «Die Initiative für Ernährungssouveränität – Landwirtschaft betrifft uns alle!»

Uniterre hat die Initiative zur Ernährungssouveränität in die öffentliche Debatte eingebracht, damit wir uns bei diesen wichtigen Fragen rund um unsere Ernährung und Landwirtschaft am politischen Entscheidungsprozess beteiligen können. Wir wollen verantwortungsvoll und solidarisch auf die grossen Herausforderungen reagieren und mit einer Ergänzung in der Verfassung erreichen, dass die Sorgen und Forderungen der Bevölkerung endlich ernst genommen werden.

Unsere Herstellung von Lebensmitteln in der Schweiz, aber auch weltweit, wird von einem Wachstumswahn gesteuert.

Das führt zu immer mehr Transporten, mehr Exporten, aber auch zu mehr Importen. Agrarrohstoffe werden hin und her gefahren, geflogen und verschifft. Grosse Agromultis erobern die Märkte und zerstören damit die jeweils regionalen Strukturen. Die Initiative fordert die Stärkung der regionalen Wirtschaftskreisläufe und der lokalen Vermarktungs- und Verarbeitungsstrukturen, damit werden Arbeitsplätze im ländlichen Raum gehalten und neue geschaffen. Schon heute verschwinden pro Tag 3 Bauernhöfe und 6 landwirtschaftliche Arbeitsplätze in der Schweiz. Das Einkommen liegt 50 – 70% unter dem anderer Sektoren. Faire Preise, Einkommen und Arbeitsbedingungen, sind entscheidend für den Erhalt der hiesigen bäuerlichen Landwirtschaft.

Der Klimawandel ist da: Die Landwirtschaft trägt Mitverantwortung und muss gleichzeitig auch Teil der Lösung sein:

Bodenschutz, schonender Anbau sind Voraussetzung. Kurze Transportwege, Nachhaltigkeit und eine Versorgung, die sich an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientiert, sind eine gesellschaftliche Forderung. Forschung und Innovation im Bereich Nachhaltigkeit (z.B. lokal angepasste Sorten) sollen gefördert und unterstützt werden. Damit kann die Schweiz im Rahmen der Nachhaltigkeitsziele (SDG) der UNO, dem Weltagrarbericht (2008) und der von der Schweiz gesetzten Klimaziele, eine Pionierrolle einnehmen.

Mit der gestrigen Pressekonferenz zünden wir den Startschuss für unsere Kampagne. Wie die Umfrage des Tages-Anzeigers gezeigt hat, unterstützen über 60 Prozent der Stimmberechtigten die Fair-Food-Initiative und die Initiative «für Ernährungssouveränität» bei der eidgenössischen Abstimmung am 23. September. Ein gelungener Start. Unterstützen Sie uns in den kommenden Wochen und bestellen Sie unser Abstimmungsmaterial.

Vielen herzlichen Dank und beste Grüsse

Mathias Stalder, Koordinator Initiative für Ernährungssouveränität
Ulrike Minkner, Vize-Präsidentin Allianz für Ernährungssouveränität

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Die Initiative für Ernährungssouveränität enthält Lösungsansätze, die über die Schweizer Landwirtschaft hinaus auch die Konsumentinnen und Konsumenten, die Arbeits- und Produktionsbedingungen im Ausland betreffen.

Bei diesen Punkten stimmen wir mit der Fair-Food-Initiative überein, denn sie spiegelt unsere Anliegen wieder für eine gerechte, umwelt- und tierfreundliche Landwirtschaft, welche auch die Sorgen der Essenden berücksichtigt.

Wir erinnern, dass auch die Initiative für Ernährungssouveränität keine protektionistischen Massnahmen enthält, sondern für alle Lebensmittel, die in der Schweiz verkauft werden, gleiche Normen fordert, egal, ob sie in der Schweiz oder im Ausland produziert werden.


Fair-Food-Initiative / Initiative für gesunde sowie umweltfreundlich und fair hergestellte Lebensmittel.

Die von den Grünen getragene Initiative setzt sich für fairen Handel und eine gerechtere Globalisierung ein. Sie fordert minimale Nachhaltigkeitsstandards für in der Schweiz hergestellte und importierte Lebensmittel. So können in der Schweiz nur Lebensmittel verkauft werden, deren Produktion ein Minimum an sozialen und ökologischen Normen respektiert. Also kein Fleisch aus Tierfabriken, keine Tomaten, die von Angestellten zu einem Hungerlohn gepflückt wurden und keine Wasserverschmutzung durch Pflanzenschutzmittel. •︎



LINK

www.fair-food.ch


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Herbst 2016, sieben Neuenburger Bürger lancieren ihre Initiative "Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide". Nimmt das Volk diese Initiative an, wird jedes Pflanzenschutzmittel auf helvetischem Gebiet in einer Frist von 10 Jahren verboten.

Es waren einmal ein Professor für Bodenbiologie, ein Weinbauer, ein Unternehmer, aber vor allem Bürger. Sie haben beschlossen, in den Ameisenhaufen zu stüpfen und zwar mit einem Text, der die Schweizer Landwirtschaft revolutionieren kann. Die biologische Landwirtschaft ist zwar seit rund dreissig Jahren auf dem Vormarsch, dennoch bleiben Biobäuerinnen und -bauern eine Minderheit. 2016 kamen auf 53 000 Betriebe rund 6 300 Biobetriebe, also 12 % (Quelle: Situationsbericht SBV).

Vollständiges Verbot. Mit grosser Schlichtheit verlangt der Initiativtext ein vollständiges Verbot von synthetischen Pestiziden (darunter zu verstehen sind Pflanzenschutzmittel im weiten Sinn) in der Landwirtschaft, der Landschaftspflege und auf öffentlichem Grund ganz allgemein. Natürlich sind auch private Gärten davon betroffen. Der Text geht aber noch weiter und dehnt das Verbot auch auf die Einfuhr von landwirtschaftlichen Produkten aus (Lebensmittel, Tierfutter), die synthetische Pestizide enthalten oder mithilfe solcher hergestellt worden sind.

Ein nobles Anliegen. Der Bund hat bereits einen Aktionsplan zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln lanciert, was zeigt, dass das Risiko der Agrochemie allen bewusst ist. Am grössten sind die Risiken für die Verwender, also die Bäuerinnen und Bauern, die bei der Anwendung der verschiedenen Mittel tausend Vorsichtsmassnahmen treffen müssen. Risiken auch für die Umwelt aufgrund von Abschwemmung, Versickerung oder Verdunstung der Wirkstoffe und der Nebenprodukte. Risiken schliesslich auch für uns Konsumentinnen und Konsumenten, tagtäglich, wenn wir essen. Das Thema könnte sensibler nicht sein, die vielen Studien widersprechen sich und es ist nicht immer einfach, sich zurechtzufinden, denn die wirtschaftlichen Interessen sind enorm. Die Affäre mit Monsanto und seinem Glyphosat ist ein eindrückliches Beispiel.

In dieser vertrackten Lage können wir Future 3.0 zugestehen, dass sie eine extrem klare Grenze setzen und sich resolut dem Vorsorgeprinzip verschreiben. Wir können die totale Unschädlichkeit der Pflanzenschutzmittel nicht garantieren? Also verbannen wir sie! Mit derartigen Massnahmen könnten die Initianten viele Ziele erreichen. Aus dem Blickwinkel der Ernährungssouveränität ist diese Initiative in mehr als nur einer Hinsicht interessant und übernimmt auch mehrere Punkte, für die Uniterre einsteht. Die Unterstützung der Konsumenten ist für Bäuerinnen und Bauern lebensnotwendig und eine 100 % biologische Landwirtschaft kann eine gute Sache sein. Mehr Mitarbeitende anzustellen, um die zusätzliche Arbeit zu bewältigen, die Kontrolle über die Produktionsmittel in die Hände der Bäuerinnen geben, der zusätzliche Mehrwert, das alles klingt gut in den Ohren der Mitglieder von Uniterre.

Lücken. Da aber nichts ohne Fehl ist, müssen wir auch auf gewisse Lücken im Projekt von Future 3.0 hinweisen, denn es löst nicht alle Probleme:

Die zu grossen Margen der Grossverteiler im Biobereich

Eine Verteuerung der Lebensmittel - problematisch für Personen, bei denen jeder Rappe zählt. (die bessere Gesundheit schlägt sich nicht direkt auf das Portemonnaie nieder).

Der Einkaufstourismus, der unfaire Wettbewerb.

Die Schwierigkeit, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden und anständig zu bezahlen.

Auch die Frage nach dem bäuerlichen Einkommen findet im Initiativtext leider keine Erwähnung, obwohl diese von zentraler Bedeutung ist, besonders, wenn man von den Bauernfamilien eine zusätzliche Leistung verlangt. Dennoch, die Initiative ergänzt sich gut mit der Ernährungssouveränität.. •︎



Vanessa Renfer - Bäuerin und Uniterre Sekretärin

Die Unabhängige Bäuerliche Zeitung - Februar 2018


Weitere Informationen unter www.future3.ch


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Mit 114'420 Unterschriften wurde die Volksinitiative "Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung- Keine Subventionen für den Pestizid- und prophylaktischen Antibiotika Einsatz" nach nur zehn Monaten Sammelzeit am 18. Januar 2018 eingereicht. Eine Initiative löst Debatten aus, hier 2 Positionen.


PRO

Franzisca HERREN - Initiantin der Initiative "für sauberes Trinkwasser"

Durch die stark überhöhten Nutztierbestände, deren Haltung nur durch enorme Futtermittelimporte möglich ist, produziert die Schweiz viel zu viel Gülle. Trotz Einführung des ökologischen Leistungsnachweises 1996 ist die Einfuhr von Futtermitteln von 263'000 Tonnen auf über 1.1 Mio. Tonnen gestiegen. 50 % des Fleisches und 70 % der Eier und Poulets werden mit Importfutter hergestellt. Durch diese intensive Tierhaltung entsteht das Umweltgift Ammoniak, das zu Überdüngung von Gewässern, Mooren und Wäldern führt und unsere Lungen belastet. Die Schweiz, notabene ein Alpenland, weist europaweit die zweithöchsten Ammoniakemissionen auf, mit gravierenden Folgen für die Biodiversität. Seit vielen Jahren werden dadurch das Schweizer Umweltschutzrecht sowie internationale Vereinbarungen in gravierender Weise verletzt.

Jüngstes Beispiel: Der Bundesrat erhöht die gesetzlichen Grenzwerte für die meisten Pestizide. Zum Beispiel beim am häufigsten eingesetzten Glyphosat will der Bund in der Gewässerschutzverordnung die maximale Belastung in den Oberflächengewässern gar um das 3600-fache erhöhen. Auch der vor kurzem vom Bund veröffentlichte Bericht Bertschy 3 bestätigt, dass die Landwirtschaft trotz der enormen Zahlungen des Staates kein einziges der gesetzten Umweltziele erreicht.

Industrielle Nutztierhaltung fördert antibiotikaresistente Bakterien. Das zählt zu den "grössten Bedrohungen für die Gesundheit der Bevölkerung in der Schweiz". Trotzdem wird und darf in der Nutztierhaltung weiterhin prophylaktisch Antibiotika eingesetzt werden. Mit der Teilrevision der Tierarzneimittelverordnung (TAMV) vom 1. April 2016 wurde nur eine Einschränkung der Abgabe von Antibiotika auf Vorrat eingeführt – jedoch kein Verbot.

Intensivlandwirtschaft bedroht Trinkwasserqualität. Die Schweiz, als Wasserschloss Europas, kann heute 70 % des Trinkwassers naturnah und ohne aufwändige Aufbereitung direkt aus lokalem Grund- und Quellwasser gewinnen. Dieses Privileg ist bedroht. Deshalb fordert die Initiative, dass die Subventionen nur noch an Landwirtschaftsbetriebe gehen, die pestizidfrei produzieren, die Biodiversität erhalten, nicht mehr Tiere halten, als sie auf ihrem Boden selbst ernähren können und in der Tierhaltung Antibiotika nicht prophylaktischen einsetzen. Gleichzeitig fordert die Initiative, dass die landwirtschaftliche Forschung, Beratung und Ausbildung sowie Investitionshilfen nur noch mit Bundesgeldern unterstützt werden, wenn sie einen wirksamen Beitrag an eine solche konsequent nachhaltige Landwirtschaft leisten.

Die Initiative will die Existenzgrundlagen, die für die Bäuerinnen und Bauern die gleichen sind, wie für die Bevölkerung, sichern: Sauberes Wasser, gesund belebte Böden und eine hohe Biodiversität. •︎



CONTRA

Ulrike MINKNER - Bäuerin und Uniterre Vize-Präsidentin

Die Initiative für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung trifft einen Lebensnerv. Alle wollen saubere Luft, sauberes Wasser, saubere Nahrung und ein sauberes Hemd. Die Schuldigen: Die Bäuerinnen und Bauern. Diejenigen, die Pestizide und prophylaktisch Antibiotika einsetzen, sollen keine Direktzahlungen mehr bekommen. Weiter müssen alle die Biodiversität fördern und dürfen nur noch hofeigenes Futter an die Tiere verfüttern, sonst ist der Leistungsauftrag nicht erfüllt. Zu letzterem Punkt steht in der Einleitung zur Initiative, dass Landwirtschaftsbetriebe mit Direktzahlungen oder Subventionen unterstützt werden, [...] welche nur so viele Tiere halten, wie sie ohne Futtermittelimporte ernähren können. Im Initiativtext selber steht [...] "ein Tierbestand, der mit dem auf dem Betrieb produzierten Futter ernährt werden kann." Das ist ein gravierender Unterschied.

Die Initiative zwingt bei einer Annahme viele Bäuerinnen und Bauern durch den höheren Arbeits- und Kostenaufwand, der vom Markt nicht entschädigt wird, zum Aufhören. Wer wird es finanzieren, wenn wir mit dem Weltmarkt in Konkurrenz stehen? Wer bezahlt den Mehraufwand, den Tierarzt, das Hacken und Jäten, die im Vergleich hohen Löhne in der Schweiz, wer bezahlt die Biodiversität? Wer diese Frage lapidar damit beantwortet, dass der Markt es richtet, die KonsumentInnen den Aufpreis schon bezahlen werden, macht es sich zu einfach. Die Übergangsfrist für die Umstellung des Betriebes von 8 Jahren hingegen ist fair, löst aber die strukturellen Probleme nicht.

Welche Rolle spielt das Bundesamt? Warum hat es nicht längst für restriktivere Zulassungen der Pestizide und gescheite Obergrenzen gesorgt? Landwirte setzen Pestizide im gesetzlichen Rahmen ein, nicht weil sie die Umwelt verschmutzen wollen, sondern weil sie möglichst billig produzieren müssen. Ungeklärt zudem, was unter den Begriff Pestizide fällt. Auch der Biolandbau käme arg unter Druck, würden alle Hilfsstoffe verboten.

Aufhorchen lässt auch, dass die Agrochemiekonzerne nicht gegen die Initiative sind. Sie haben ihre Lösung: Neue Züchtungstechnologien (CRISPR / Cas9), die mit Hilfe von Genediting z.B. Schorf, Mehltau, Feuerbrand bekämpfen sollen. Auch gentechnisch veränderte Pflanzen, denen z.B. eine Resistenz gegen den Zünsler eingebaut wurde, würden grossen Aufwind bekommen.

Wir haben nicht nur eine Verantwortung für die Schweiz. Unsere hohen Importe produzieren Dreck anderswo. Verschärft sich der Strukturwandel in der Schweiz weiter, gibt es noch mehr Importe, auf deren Standards wir keinen Einfluss haben. Vielleicht können wir uns darauf einigen: Die Initiative für Ernährungssouveränität von Uniterre zeigt die Lösungen für die sozialen und strukturellen Probleme auf. Nach einer Annahme unserer Initiative können wir gemeinsam mit allen Beteiligten im Lebensmittelbereich, den Grossverteilern, KonsumentInnen und den Bundesbehörden einen Weg finden, der die Bauern und Bäuerinnen nicht zum Aufhören zwingt, die Ökologie und die Trinkwasserqualität verbessert und den Pestizideinsatz reduziert. •︎


Die Unabhängige Bäuerliche Zeitung - Februar 2018


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Presseerklärung Uniterre

Ende Juni 2017 haben einige Mitglieder der Branchenorganisation Milch dem Druck der Bauernorganisationen nachgegeben und angesichts der steigenden Preise auf dem Weltmarkt den Produzentenpreis um einige Rappen erhöht. Auch Coop hat sich verpflichtet, über ihren Zulieferer Emmi ab dem 1. Juli 2017 im A-Segment pro Kilo 3 Rappen mehr zu bezahlen.

Am Dienstag, dem 10. Oktober kündigte Coop an, dass diese Preiserhöhung auf die Konsumentenpreise übertragen wird. So kostet der Liter UHT-Milch neu 5 Rp mehr, dasselbe gilt für den halben Liter. Auch andere Milchprodukte werden teurer, insbesondere die Butter: das Stück zu 250 g steigt von 2.85 Fr. auf 2.95 Fr. an. Wie immer, in solchen Situationen, wird der Konsumentenpreis stärker erhöht, als die Produzentenpreise! Die Marge der Verteiler wird kaum wahrnehmbar grösser, doch angesichts der Gesamtmilchmenge sind auch so kleine Beträge von Bedeutung.

Am Schlimmsten sind jedoch die Lügen des orangen Riesen: Coop behauptet, den Bäuerinnen und Bauern einen fairen Preis zu bezahlen. Doch mit 3 Rp. mehr verändert sich die Lage der Produzenten nicht enorm. Natürlich ist jede Preiserhöhung positiv zu werten, aber der Preis, den die Produzenten von Coop seit Juli erhalten (und die Produzenten einiger anderer Verarbeiter seit dem 1. Oktober, da auch der Richtpreis der BO Milch inzwischen um 3 Rp. erhöht wurde), ist von Fairness weit entfernt. Mit Stundenlöhnen, die in den meisten Fällen unter 10 Fr. pro Stunde liegen, kann nicht gesagt werden, dass die Bäuerinnen und Bauern faire Preise erhalten.

Es stimmt, dass der Milchmarkt stark von den europäischen und internationalen Märkten mitbestimmt wird und die Bäuerinnen und Bauern somit einer starken, ausländischen Konkurrenz ausgesetzt sind, dennoch bleibt die Marge der Verteiler typisch helvetisch.

Uniterre

Lausanne, 12. Oktober 2017