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Wollen wir eine grundsätzlich andere Landwirtschaftspolitik? Ja, finden die Befürworter der «Ernährungssouveränität». Sie wollen mehr Bauern, gerechte Preise und ein Gentech-Verbot. Gegner der Vorlage warnen vor teureren Nahrungsmitteln, Handelskonflikten und gefährlicher Planwirtschaft.

>> Abstimmungs-Arena: Initiative für Ernährungssouveränität - SRF - 24. August 2018

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Endspurt: «Die Initiative für Ernährungssouveränität – Landwirtschaft betrifft uns alle!»

Uniterre hat die Initiative zur Ernährungssouveränität in die öffentliche Debatte eingebracht, damit wir uns bei diesen wichtigen Fragen rund um unsere Ernährung und Landwirtschaft am politischen Entscheidungsprozess beteiligen können. Wir wollen verantwortungsvoll und solidarisch auf die grossen Herausforderungen reagieren und mit einer Ergänzung in der Verfassung erreichen, dass die Sorgen und Forderungen der Bevölkerung endlich ernst genommen werden.

Unsere Herstellung von Lebensmitteln in der Schweiz, aber auch weltweit, wird von einem Wachstumswahn gesteuert.

Das führt zu immer mehr Transporten, mehr Exporten, aber auch zu mehr Importen. Agrarrohstoffe werden hin und her gefahren, geflogen und verschifft. Grosse Agromultis erobern die Märkte und zerstören damit die jeweils regionalen Strukturen. Die Initiative fordert die Stärkung der regionalen Wirtschaftskreisläufe und der lokalen Vermarktungs- und Verarbeitungsstrukturen, damit werden Arbeitsplätze im ländlichen Raum gehalten und neue geschaffen. Schon heute verschwinden pro Tag 3 Bauernhöfe und 6 landwirtschaftliche Arbeitsplätze in der Schweiz. Das Einkommen liegt 50 – 70% unter dem anderer Sektoren. Faire Preise, Einkommen und Arbeitsbedingungen, sind entscheidend für den Erhalt der hiesigen bäuerlichen Landwirtschaft.

Der Klimawandel ist da: Die Landwirtschaft trägt Mitverantwortung und muss gleichzeitig auch Teil der Lösung sein:

Bodenschutz, schonender Anbau sind Voraussetzung. Kurze Transportwege, Nachhaltigkeit und eine Versorgung, die sich an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientiert, sind eine gesellschaftliche Forderung. Forschung und Innovation im Bereich Nachhaltigkeit (z.B. lokal angepasste Sorten) sollen gefördert und unterstützt werden. Damit kann die Schweiz im Rahmen der Nachhaltigkeitsziele (SDG) der UNO, dem Weltagrarbericht (2008) und der von der Schweiz gesetzten Klimaziele, eine Pionierrolle einnehmen.

Mit der gestrigen Pressekonferenz zünden wir den Startschuss für unsere Kampagne. Wie die Umfrage des Tages-Anzeigers gezeigt hat, unterstützen über 60 Prozent der Stimmberechtigten die Fair-Food-Initiative und die Initiative «für Ernährungssouveränität» bei der eidgenössischen Abstimmung am 23. September. Ein gelungener Start. Unterstützen Sie uns in den kommenden Wochen und bestellen Sie unser Abstimmungsmaterial.

Vielen herzlichen Dank und beste Grüsse

Mathias Stalder, Koordinator Initiative für Ernährungssouveränität
Ulrike Minkner, Vize-Präsidentin Allianz für Ernährungssouveränität

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Die Initiative für Ernährungssouveränität enthält Lösungsansätze, die über die Schweizer Landwirtschaft hinaus auch die Konsumentinnen und Konsumenten, die Arbeits- und Produktionsbedingungen im Ausland betreffen.

Bei diesen Punkten stimmen wir mit der Fair-Food-Initiative überein, denn sie spiegelt unsere Anliegen wieder für eine gerechte, umwelt- und tierfreundliche Landwirtschaft, welche auch die Sorgen der Essenden berücksichtigt.

Wir erinnern, dass auch die Initiative für Ernährungssouveränität keine protektionistischen Massnahmen enthält, sondern für alle Lebensmittel, die in der Schweiz verkauft werden, gleiche Normen fordert, egal, ob sie in der Schweiz oder im Ausland produziert werden.


Fair-Food-Initiative / Initiative für gesunde sowie umweltfreundlich und fair hergestellte Lebensmittel.

Die von den Grünen getragene Initiative setzt sich für fairen Handel und eine gerechtere Globalisierung ein. Sie fordert minimale Nachhaltigkeitsstandards für in der Schweiz hergestellte und importierte Lebensmittel. So können in der Schweiz nur Lebensmittel verkauft werden, deren Produktion ein Minimum an sozialen und ökologischen Normen respektiert. Also kein Fleisch aus Tierfabriken, keine Tomaten, die von Angestellten zu einem Hungerlohn gepflückt wurden und keine Wasserverschmutzung durch Pflanzenschutzmittel. •︎



LINK

www.fair-food.ch


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Herbst 2016, sieben Neuenburger Bürger lancieren ihre Initiative "Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide". Nimmt das Volk diese Initiative an, wird jedes Pflanzenschutzmittel auf helvetischem Gebiet in einer Frist von 10 Jahren verboten.

Es waren einmal ein Professor für Bodenbiologie, ein Weinbauer, ein Unternehmer, aber vor allem Bürger. Sie haben beschlossen, in den Ameisenhaufen zu stüpfen und zwar mit einem Text, der die Schweizer Landwirtschaft revolutionieren kann. Die biologische Landwirtschaft ist zwar seit rund dreissig Jahren auf dem Vormarsch, dennoch bleiben Biobäuerinnen und -bauern eine Minderheit. 2016 kamen auf 53 000 Betriebe rund 6 300 Biobetriebe, also 12 % (Quelle: Situationsbericht SBV).

Vollständiges Verbot. Mit grosser Schlichtheit verlangt der Initiativtext ein vollständiges Verbot von synthetischen Pestiziden (darunter zu verstehen sind Pflanzenschutzmittel im weiten Sinn) in der Landwirtschaft, der Landschaftspflege und auf öffentlichem Grund ganz allgemein. Natürlich sind auch private Gärten davon betroffen. Der Text geht aber noch weiter und dehnt das Verbot auch auf die Einfuhr von landwirtschaftlichen Produkten aus (Lebensmittel, Tierfutter), die synthetische Pestizide enthalten oder mithilfe solcher hergestellt worden sind.

Ein nobles Anliegen. Der Bund hat bereits einen Aktionsplan zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln lanciert, was zeigt, dass das Risiko der Agrochemie allen bewusst ist. Am grössten sind die Risiken für die Verwender, also die Bäuerinnen und Bauern, die bei der Anwendung der verschiedenen Mittel tausend Vorsichtsmassnahmen treffen müssen. Risiken auch für die Umwelt aufgrund von Abschwemmung, Versickerung oder Verdunstung der Wirkstoffe und der Nebenprodukte. Risiken schliesslich auch für uns Konsumentinnen und Konsumenten, tagtäglich, wenn wir essen. Das Thema könnte sensibler nicht sein, die vielen Studien widersprechen sich und es ist nicht immer einfach, sich zurechtzufinden, denn die wirtschaftlichen Interessen sind enorm. Die Affäre mit Monsanto und seinem Glyphosat ist ein eindrückliches Beispiel.

In dieser vertrackten Lage können wir Future 3.0 zugestehen, dass sie eine extrem klare Grenze setzen und sich resolut dem Vorsorgeprinzip verschreiben. Wir können die totale Unschädlichkeit der Pflanzenschutzmittel nicht garantieren? Also verbannen wir sie! Mit derartigen Massnahmen könnten die Initianten viele Ziele erreichen. Aus dem Blickwinkel der Ernährungssouveränität ist diese Initiative in mehr als nur einer Hinsicht interessant und übernimmt auch mehrere Punkte, für die Uniterre einsteht. Die Unterstützung der Konsumenten ist für Bäuerinnen und Bauern lebensnotwendig und eine 100 % biologische Landwirtschaft kann eine gute Sache sein. Mehr Mitarbeitende anzustellen, um die zusätzliche Arbeit zu bewältigen, die Kontrolle über die Produktionsmittel in die Hände der Bäuerinnen geben, der zusätzliche Mehrwert, das alles klingt gut in den Ohren der Mitglieder von Uniterre.

Lücken. Da aber nichts ohne Fehl ist, müssen wir auch auf gewisse Lücken im Projekt von Future 3.0 hinweisen, denn es löst nicht alle Probleme:

Die zu grossen Margen der Grossverteiler im Biobereich

Eine Verteuerung der Lebensmittel - problematisch für Personen, bei denen jeder Rappe zählt. (die bessere Gesundheit schlägt sich nicht direkt auf das Portemonnaie nieder).

Der Einkaufstourismus, der unfaire Wettbewerb.

Die Schwierigkeit, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden und anständig zu bezahlen.

Auch die Frage nach dem bäuerlichen Einkommen findet im Initiativtext leider keine Erwähnung, obwohl diese von zentraler Bedeutung ist, besonders, wenn man von den Bauernfamilien eine zusätzliche Leistung verlangt. Dennoch, die Initiative ergänzt sich gut mit der Ernährungssouveränität.. •︎



Vanessa Renfer - Bäuerin und Uniterre Sekretärin

Die Unabhängige Bäuerliche Zeitung - Februar 2018


Weitere Informationen unter www.future3.ch


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Mit 114'420 Unterschriften wurde die Volksinitiative "Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung- Keine Subventionen für den Pestizid- und prophylaktischen Antibiotika Einsatz" nach nur zehn Monaten Sammelzeit am 18. Januar 2018 eingereicht. Eine Initiative löst Debatten aus, hier 2 Positionen.


PRO

Franzisca HERREN - Initiantin der Initiative "für sauberes Trinkwasser"

Durch die stark überhöhten Nutztierbestände, deren Haltung nur durch enorme Futtermittelimporte möglich ist, produziert die Schweiz viel zu viel Gülle. Trotz Einführung des ökologischen Leistungsnachweises 1996 ist die Einfuhr von Futtermitteln von 263'000 Tonnen auf über 1.1 Mio. Tonnen gestiegen. 50 % des Fleisches und 70 % der Eier und Poulets werden mit Importfutter hergestellt. Durch diese intensive Tierhaltung entsteht das Umweltgift Ammoniak, das zu Überdüngung von Gewässern, Mooren und Wäldern führt und unsere Lungen belastet. Die Schweiz, notabene ein Alpenland, weist europaweit die zweithöchsten Ammoniakemissionen auf, mit gravierenden Folgen für die Biodiversität. Seit vielen Jahren werden dadurch das Schweizer Umweltschutzrecht sowie internationale Vereinbarungen in gravierender Weise verletzt.

Jüngstes Beispiel: Der Bundesrat erhöht die gesetzlichen Grenzwerte für die meisten Pestizide. Zum Beispiel beim am häufigsten eingesetzten Glyphosat will der Bund in der Gewässerschutzverordnung die maximale Belastung in den Oberflächengewässern gar um das 3600-fache erhöhen. Auch der vor kurzem vom Bund veröffentlichte Bericht Bertschy 3 bestätigt, dass die Landwirtschaft trotz der enormen Zahlungen des Staates kein einziges der gesetzten Umweltziele erreicht.

Industrielle Nutztierhaltung fördert antibiotikaresistente Bakterien. Das zählt zu den "grössten Bedrohungen für die Gesundheit der Bevölkerung in der Schweiz". Trotzdem wird und darf in der Nutztierhaltung weiterhin prophylaktisch Antibiotika eingesetzt werden. Mit der Teilrevision der Tierarzneimittelverordnung (TAMV) vom 1. April 2016 wurde nur eine Einschränkung der Abgabe von Antibiotika auf Vorrat eingeführt – jedoch kein Verbot.

Intensivlandwirtschaft bedroht Trinkwasserqualität. Die Schweiz, als Wasserschloss Europas, kann heute 70 % des Trinkwassers naturnah und ohne aufwändige Aufbereitung direkt aus lokalem Grund- und Quellwasser gewinnen. Dieses Privileg ist bedroht. Deshalb fordert die Initiative, dass die Subventionen nur noch an Landwirtschaftsbetriebe gehen, die pestizidfrei produzieren, die Biodiversität erhalten, nicht mehr Tiere halten, als sie auf ihrem Boden selbst ernähren können und in der Tierhaltung Antibiotika nicht prophylaktischen einsetzen. Gleichzeitig fordert die Initiative, dass die landwirtschaftliche Forschung, Beratung und Ausbildung sowie Investitionshilfen nur noch mit Bundesgeldern unterstützt werden, wenn sie einen wirksamen Beitrag an eine solche konsequent nachhaltige Landwirtschaft leisten.

Die Initiative will die Existenzgrundlagen, die für die Bäuerinnen und Bauern die gleichen sind, wie für die Bevölkerung, sichern: Sauberes Wasser, gesund belebte Böden und eine hohe Biodiversität. •︎



CONTRA

Ulrike MINKNER - Bäuerin und Uniterre Vize-Präsidentin

Die Initiative für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung trifft einen Lebensnerv. Alle wollen saubere Luft, sauberes Wasser, saubere Nahrung und ein sauberes Hemd. Die Schuldigen: Die Bäuerinnen und Bauern. Diejenigen, die Pestizide und prophylaktisch Antibiotika einsetzen, sollen keine Direktzahlungen mehr bekommen. Weiter müssen alle die Biodiversität fördern und dürfen nur noch hofeigenes Futter an die Tiere verfüttern, sonst ist der Leistungsauftrag nicht erfüllt. Zu letzterem Punkt steht in der Einleitung zur Initiative, dass Landwirtschaftsbetriebe mit Direktzahlungen oder Subventionen unterstützt werden, [...] welche nur so viele Tiere halten, wie sie ohne Futtermittelimporte ernähren können. Im Initiativtext selber steht [...] "ein Tierbestand, der mit dem auf dem Betrieb produzierten Futter ernährt werden kann." Das ist ein gravierender Unterschied.

Die Initiative zwingt bei einer Annahme viele Bäuerinnen und Bauern durch den höheren Arbeits- und Kostenaufwand, der vom Markt nicht entschädigt wird, zum Aufhören. Wer wird es finanzieren, wenn wir mit dem Weltmarkt in Konkurrenz stehen? Wer bezahlt den Mehraufwand, den Tierarzt, das Hacken und Jäten, die im Vergleich hohen Löhne in der Schweiz, wer bezahlt die Biodiversität? Wer diese Frage lapidar damit beantwortet, dass der Markt es richtet, die KonsumentInnen den Aufpreis schon bezahlen werden, macht es sich zu einfach. Die Übergangsfrist für die Umstellung des Betriebes von 8 Jahren hingegen ist fair, löst aber die strukturellen Probleme nicht.

Welche Rolle spielt das Bundesamt? Warum hat es nicht längst für restriktivere Zulassungen der Pestizide und gescheite Obergrenzen gesorgt? Landwirte setzen Pestizide im gesetzlichen Rahmen ein, nicht weil sie die Umwelt verschmutzen wollen, sondern weil sie möglichst billig produzieren müssen. Ungeklärt zudem, was unter den Begriff Pestizide fällt. Auch der Biolandbau käme arg unter Druck, würden alle Hilfsstoffe verboten.

Aufhorchen lässt auch, dass die Agrochemiekonzerne nicht gegen die Initiative sind. Sie haben ihre Lösung: Neue Züchtungstechnologien (CRISPR / Cas9), die mit Hilfe von Genediting z.B. Schorf, Mehltau, Feuerbrand bekämpfen sollen. Auch gentechnisch veränderte Pflanzen, denen z.B. eine Resistenz gegen den Zünsler eingebaut wurde, würden grossen Aufwind bekommen.

Wir haben nicht nur eine Verantwortung für die Schweiz. Unsere hohen Importe produzieren Dreck anderswo. Verschärft sich der Strukturwandel in der Schweiz weiter, gibt es noch mehr Importe, auf deren Standards wir keinen Einfluss haben. Vielleicht können wir uns darauf einigen: Die Initiative für Ernährungssouveränität von Uniterre zeigt die Lösungen für die sozialen und strukturellen Probleme auf. Nach einer Annahme unserer Initiative können wir gemeinsam mit allen Beteiligten im Lebensmittelbereich, den Grossverteilern, KonsumentInnen und den Bundesbehörden einen Weg finden, der die Bauern und Bäuerinnen nicht zum Aufhören zwingt, die Ökologie und die Trinkwasserqualität verbessert und den Pestizideinsatz reduziert. •︎


Die Unabhängige Bäuerliche Zeitung - Februar 2018


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Presseerklärung Uniterre

Ende Juni 2017 haben einige Mitglieder der Branchenorganisation Milch dem Druck der Bauernorganisationen nachgegeben und angesichts der steigenden Preise auf dem Weltmarkt den Produzentenpreis um einige Rappen erhöht. Auch Coop hat sich verpflichtet, über ihren Zulieferer Emmi ab dem 1. Juli 2017 im A-Segment pro Kilo 3 Rappen mehr zu bezahlen.

Am Dienstag, dem 10. Oktober kündigte Coop an, dass diese Preiserhöhung auf die Konsumentenpreise übertragen wird. So kostet der Liter UHT-Milch neu 5 Rp mehr, dasselbe gilt für den halben Liter. Auch andere Milchprodukte werden teurer, insbesondere die Butter: das Stück zu 250 g steigt von 2.85 Fr. auf 2.95 Fr. an. Wie immer, in solchen Situationen, wird der Konsumentenpreis stärker erhöht, als die Produzentenpreise! Die Marge der Verteiler wird kaum wahrnehmbar grösser, doch angesichts der Gesamtmilchmenge sind auch so kleine Beträge von Bedeutung.

Am Schlimmsten sind jedoch die Lügen des orangen Riesen: Coop behauptet, den Bäuerinnen und Bauern einen fairen Preis zu bezahlen. Doch mit 3 Rp. mehr verändert sich die Lage der Produzenten nicht enorm. Natürlich ist jede Preiserhöhung positiv zu werten, aber der Preis, den die Produzenten von Coop seit Juli erhalten (und die Produzenten einiger anderer Verarbeiter seit dem 1. Oktober, da auch der Richtpreis der BO Milch inzwischen um 3 Rp. erhöht wurde), ist von Fairness weit entfernt. Mit Stundenlöhnen, die in den meisten Fällen unter 10 Fr. pro Stunde liegen, kann nicht gesagt werden, dass die Bäuerinnen und Bauern faire Preise erhalten.

Es stimmt, dass der Milchmarkt stark von den europäischen und internationalen Märkten mitbestimmt wird und die Bäuerinnen und Bauern somit einer starken, ausländischen Konkurrenz ausgesetzt sind, dennoch bleibt die Marge der Verteiler typisch helvetisch.

Uniterre

Lausanne, 12. Oktober 2017




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In der kleinen Welt der Schweizer Milch war es in den letzten Monaten alles andere als langweilig. Ist das womöglich der frische Wind einer Änderung, der uns um die Nase bläst? Die Anzeichen des Marktes, insbesondere auf europäischer Ebene, machen Hoffnung, deshalb haben wir die Nachrichten mit viel Aufmerksamkeit verfolgt.


Am 24. März 2017 war das vierteljährliche Treffen der BO Milch. Wollten die Abnehmer endlich einen Schritt in die richtige Richtung machen und den Produzenten etwas mehr Geld fürs Portemonnaie geben? Aber nein! Wie schon viel zu oft in der Vergangenheit hat der ausbleibende Kompromiss um eine Erhörung des Richtpreises im A-Segment dazu geführt, dass alles beim Alten blieb. Wir waren enttäuscht und der Richtpreis blieb bei 65 Rp. pro Kilo.

Die Frustration der Bauern war voraussehbar. Die Reaktion einiger Mitglieder der Branchenorganisation seitens der Abnehmer war da schon eher erstaunlich und lenkten die Aufmerksamkeit aller auf die Migros und ihre Fabrik ELSA. Emmi war die erste, die Kritik äusserte: es sei doch nicht normal, dass Migros zwei Sitze erhalte (ein Sitz für die Migros, einer für ELSA, um genau zu sein). Coop, die sich mehrheitlich bei Emmi versorgt, liess keine Zeit verstreichen und doppelte nach. Die Migros habe verhindert, dass die gesamte Branche ab dem 1. Juli pro Kilo Milch 3 Rappen mehr bezahle. Im jahrelangen Duell zwischen den beiden orangen Riesen hat Coop mit ihrer Geste bestimmt ein positives Signal an die Branche gesendet, doch sie hat auch, geben wir es zu, einen geschickten Marketingcoup gelandet. Sie hat beschlossen, die ominösen 3 Rappen, welche die BO Milch abgelehnt hatte, in Eigeninitiative an ihre Produzenten zu bezahlen.

Diese Nachricht hat uns natürlich etwas ratlos gemacht. Coop ist kein direkter Abnehmer von Rohmilch – wie also kann sie sich absichern, dass ihr Geld tatsächlich bei den Produzenten ankommt? Auf unsere Anfrage haben sie geantwortet, dass sie gemeinsam mit ihren Lieferanten an einer Lösung arbeiten. Wir bleiben dran.

Währenddessen hat sich auch der Sturm bei Migros/ELSA nicht gelegt. Sowohl im bäuerlichen Milieu und unter den Konsumenten als auch auf politischer Ebene sind Stimmen laut geworden, die einen Boykott gegen die Migros fordern. Als offenbar ideale Schuldige hatte die Migros ihre Strafe verdient. Aber wir stellten uns die Frage, ob wir dieser Verurteilung folgen sollten. Auf den ersten Blick war die Antwort eindeutig, aber bei genauerem Hinsehen, ist mehr daran. Die Zahlen der SMP zeigen eine andere Wahrheit: Die Migros bezahlt pro Kilo Milch im Durchschnitt rund 5,7 Rp. mehr alle andere Abnehmer, das entspricht rund 10 %. Sie ist die Akteurin, welche dem Richtpreis der BO Milch am nächsten kommt – obwohl auch sie noch darunter liegt. Also ist die Kritik der anderen Akteure nur Augenwischerei und dient dazu, zu verstecken, dass sich niemand an die Spielregeln hält. Auch die Migros hat im Milchgeschäft keine weisse Weste, aber in diesem spezifischen Bereich ist die Kritik nicht begründet.

Anfang Juni hat der Schweizer Bauernverband eine Medienmitteilung mit einem Ultimatum für die Abnehmer veröffentlicht: Wenn der Richtpreis bis am 1. Juli nicht der internationalen Situation angepasst (also erhöht) werde, wolle der SBV Massnahmen ergreifen – ohne Details. Bis heute, dem 4. Juli, wurde offenbar noch nichts unternommen.

Der SBV hat Ende Frühling aber noch andere Massnahmen getroffen. Eine Arbeitsgruppe Milch sollte gegründet werden und Uniterre hat darauf gedrungen, mitzumachen. So sind Claude Demierre, Max Fragnière und Paul Ecoffey am 9. Juni nach Bern gefahren, in der Tasche eine Liste mit Forderungen und Vorschlägen: Auszahlung des Richtpreises, Erhöhung des Milchpreises in Verbindung mit den Produktionskosten, Aufhebung der Segmentierung, Überarbeitung der Statuten der BO Milch, weil immer nur die Abnehmer den Ton angeben. Sie sollten bitter enttäuscht werden: ausser ihnen waren nur drei Mitglieder des SBV anwesend und zur Verständigung war keine Übersetzungshilfe vorgesehen. Unsere Delegierten fühlten sich verarscht, sie hatten den Weg umsonst angetreten und wurden nicht mit der angemessenen Wertschätzung behandelt. Der SBV hat eine komische Art, seinen Wille für eine Verbesserung der Lage im Bereich Industriemilch kundzutun.

Um den Monat Juni mit all seiner Pracht erfolgreich abzuschliessen, hat die Migros am Freitag, dem 23. verkündet, sie werde sich Ende Jahr aus der BO Milch zurückziehen. Das war ein neuerliches Donnergrollen in einem Himmel, in dem sich Gewitterwolken schon lange ballen! Jeder Akteur kann frei entscheiden, welches Signal er senden will. Uniterre ist der Ansicht, dass dieser Entscheid unterstreicht, wie überflüssig die BO Milch ist, deren Funktionsweise wir schon lange anprangern. Migros hat gezeigt, dass sie autonom und eigenverantwortlich tun will, was sie schon lange macht: den besten Preis bezahlen. Dennoch kann auch sie der Kritik nicht entgehen. Der Vertrag zwischen ihr und den Produzenten enthält monatliche Lieferungen, die einen Zwölftel der jährlichen Menge betragen. Diese Menge kann um einige Prozent unter- oder übertreten werden, stärkere Abweichungen werden bestraft. Jeder Milchviehzüchter weiss, wie schwierig es ist, Monat für Monat eine konstante Lieferungen zu erbringen. Es gibt einfach zu viele Faktoren, die sich der Kontrolle entziehen: Futterangebot, Kalbungen, Euterentzündungen usw.). Für ELSA ist es auch einfacher, bessere Abnahmebedingung zu bieten, weil sie sich auf die Hochpreissegmente konzentriert und anderen, z. B. Cremo, die finanziell heiklen Segmente wie die Produktion von Butter und Milchpulver überlässt.

In den kommenden Wochen müssen wir die Entwicklung der BO Milch weiterverfolgen. Die anderen Mitglieder sagen, dass sie den abrupten Abgang der Migros bedauern. Wie dem auch sei, dies ist für sie der ideale Moment für Selbstkritik.

Inmitten dieser vielen Ankündigungen und Medienmitteilungen stehen die Produzenten. Während sich die Delegierten darüber streiten, wer Recht hat und wer der Beste ist, erhalten die Bauern weiterhin nur ein Hungerbrot für ihre Arbeit. 3 Rappen mehr machen zwar einen Unterschied, sind aber nicht genug, um die finanzielle Lage der Bauernfamilien zu sanieren. Die Milchkommission von Uniterre hat ihre Arbeit mit viel Elan wieder aufgenommen. Unsere wichtigste Botschaft hat sich im Verlauf der Jahre nicht geändert: Jede Produktion verursacht Kosten, inklusive Lohnkosten, und der Verkaufspreis muss alle diese Kosten decken, um das Fortbestehen einer Wirtschaftsbranche sicherzustellen. In einer Zeit, in der alle von Nachhaltigkeit sprechen, ist die Forderung von Uniterre über 1 Fr. pro Kilo Milch aktueller den je. Die Milchkommission hat diese Tatsache der Migros bereits wiederholt dargelegt, denn die Migros will ein Segment mit fairer Milch aufbauen. Wir warten ungeduldig darauf, wie die Kriterien für wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit, die in der Werbung so lustig angepriesen werden, in der Praxis umgesetzt werden.

Vanessa Renfer


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An die Medien

Lausanne, 4. Juli 2017

Milchbetriebe werden ausgeblutet! Es ist Zeit, zu handeln, und zwar an drei Fronten gleichzeitig, da unsere „Handelspartner“ die Lage der Bäuerinnen und Bauern missachten!


Demonstration vor dem Hauptsitz der BO Milch

Mengenverwaltung und faire Preise: diese zwei Pfeiler ermöglichen den Bauernfamilien eine Zukunft – sie stehen schwarz auf weiss in der Initiative für Ernährungssouveränität.

Die Abwesenheit von klaren Regeln im Milchmarkt hat Konsequenzen. Seit Jahren ist der Milchpreis stark am sinken. Diskussionen mit Handelspartnern, das Festlegen von Richtpreisen – die nie respektiert wurden –, Zentralisierungsbemühungen im Milchmarkt sowie Segmentierung, nichts fruchtet. Obwohl der internationale Milchpreis inzwischen wieder am steigen ist und in der Schweiz weniger produziert wird, stagnieren die Preise auf einem so tiefen Niveau, dass sie nicht einmal mehr die Hälfte der Produktionskosten decken.

Die Produktionskosten für Milch, ein äusserst nobles Produkt, liegen nachweislich zwischen 90 Rp. und 1.20 Fr. pro Liter Milch (Zahlen der Agrarforschungsanstalt). Die meisten Milchproduzenten erhalten im Durchschnitt 50 Rp. pro Liter. Für gewisse Milchsegmente (z. B. Einschränkungsmilch) oder nach Abzug gewisser Kosten durch die Abnehmer liegt der Milchpreis z. T. bei 10 Rp. pro Liter. Das ist ein Schande!

Wie ist es nur möglich, dass Schweizer Milch, nach Schweizer Qualitätsnormen produziert, im Detailhandel für nur 99 Rp. pro Liter verkauft wird? Das ist Dumping und sollte verboten werden. Insbesondere im Wissen um die menschliche Dramen, die sich auf den Bauernhöfen, am Anfang der Produktionskette, abspielen.

Der Ladenpreis für einen Liter Milch sollte rund 1.80 Fr. betragen, damit die Hersteller entlang der gesamten Wertschöpfungskette korrekt bezahlt werden (Bäuerinnen und Bauern, Landarbeiter/‑innen, Verarbeitende, Vertrieb). Zu Recht verhindern Gewerkschaften, dass die Löhne von Grenzarbeitenden in Euros ausbezahlt werden – weil dies zu Lohndumping führen würde – und fordern begleitende Massnahmen für den freien Verkehr. Desgleichen können Bäuerinnen und Bauern in der Schweiz nicht tolerieren, dass ihre Milch zu einem so unfairen Preis verscherbelt wird.

Wir fordern

  • Faire Milchpreise, damit Bäuerinnen und Bauern anständig bezahlt werden.
  • Die aktive Teilnahme der Produzentinnen und Produzenten an einer modernen Mengenverwaltung, welche den Bedürfnissen der Bevölkerung entspricht. Wir müssen in den vorgelagerten Sektoren handeln, anstatt wahllos Hilfsfonds zur Evakuierung der Überproduktion zu bilden. Überproduktion verursacht eine Senkung der Preise im Inland. Sie ist eine ökologische und energetische Absurdität und zerstört die Märkte in den Ländern, in welche die Überproduktion zu Tiefstpreisen exportiert wird.
  • Allgemein gültige Abnahmeverträge zwischen Produzenten und Abnehmern, in denen jährliche Mengen festgelegt werden und die Preise mindestens sechs Monate Gültigkeit haben.
  • Das Recht für Produzentinnen und Produzenten, keine Überschussmilch zu produzieren (das Recht, die Produktion von C- oder sogar B-Milch zu verweigern).

Diese Forderungen stellen wir an drei Gesprächspartner:

  • An unsere Milchkäufer, mit denen wir angeblich eine Sozialpartnerschaft unterhalten… wenn sie nicht kurzfristig reagieren, werden wir entsprechende Massnahmen ergreifen!
  • An den Bund, der handeln muss, wenn die Situation so dramatisch ist. Das Landwirtschaftsgesetz liefert ihm die notwendigen Instrumente dazu. Wie bei einem sozialen Konflikt, kann sich der Bund als Schiedsrichter positionieren und eine befriedigende Lösung für den gesamten Sektor finden. Wir fordern vom Bund keine fixen Preise oder zusätzliche Direktzahlungen, sondern nur, dass die geltenden Gesetze umgesetzt werden.
  • An alle Schweizer Bürgerinnen und Bürger, die ihre Meinung bei der Abstimmung zur Initiative für Ernährungssouveränität einbringen können. Sie findet voraussichtlich 2018 statt. Diese Initiative liefert klare Lösungen für unsere desolate Situation.

Alle Forderungen sind in der Initiative für Ernährungssouveränität enthalten, in Absatz 5

5. [Der Bund] nimmt namentlich folgende Aufgaben wahr:

a. Er unterstützt die Schaffung bäuerlicher Organisationen, die darauf ausgerichtet sind, sicherzustellen, dass das Angebot von Seiten der Bäuerinnen und Bauern und die Bedürfnisse der Bevölkerung aufeinander abgestimmt sind;

b. Er gewährleistet die Transparenz auf dem Markt und wirkt darauf hin, dass in allen Produktionszweigen und -ketten gerechte Preise festgelegt werden;

c. Er stärkt den direkten Handel zwischen den Bäuerinnen und Bauern und den Konsumentinnen und Konsumenten sowie die regionalen Verarbeitungs-, Lagerungs- und Vermarktungsstrukturen.

www.souverainete-alimentaire.ch

Wir können gemeinsam eine nachhaltige Lösung finden; der Status quo ist unerträglich. Wir werden uns nicht mit einer Preissteigerung von 3 oder 5 Rappen pro Liter begnügen. Damit wird höchstens das schlechte Gewissen der Käufer entlastet, aber nützen tut es nichts. Der gesamte Milchsektor in der Schweiz braucht ein langfristiges Projekt.


Warum die heutige Demonstration?

Mit Bedauern stellen wir zum x-ten Mal fest, dass sich nichts ändert, trotz Ankündigungen von SBV und SMP zu reagieren, falls die BO Milch bis zum 1. Juli keine Schritte unternimmt. Heute ist der 4. Juli. Die BO Milch hat keine Preisänderung angekündigt und weder SBV noch SMP haben reagiert.

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An der GV von Uniterre haben sich die anwesenden Mitglieder für die Stimmfreigabe bei der Abstimmung über den Gegenentwurf zur «Ernährungssicherheit» ausgesprochen. Hier sind die wichtigsten Gründe für diesen Entscheid.


Der Gegenentwurf enthält drei problematische Punkte im neuen Verfassungsartikel. Der Bund wird verpflichtet, Rahmenbedingungen zu schaffen, welche die Nachhaltigkeit unterstützen und günstig sind für :

c) eine wettbewerbsfähige Land- und Ernährungswirtschaft ;

d) den Zugang zu den internationalen Agrarmärkten ;

Erstens ist angesichts der absolut asymmetrischen Kräfteverhältnisse auf unserem Markt zu befürchten, dass die Bäuerinnen und Bauern noch mehr Anerkennung verlieren. Sie müssen das Herzstück des Ernährungssystems bilden, stattdessen rückt Buchstabe c) den Markt in den Mittelpunkt. So wird auch der Markt die Preis- und Mengenvorgaben festlegen.

Zweitens führt Buchstabe d) das Konzept der «internationalen Agrarmärkte» als Premiere in der Verfassung ein. Auch wenn es an die Nachhaltigkeit gekoppelt bleibt, so bleibt das doch stark risikobehaftet. Zumal der Begriff der nachhaltigen Entwicklung im Verlauf der letzten Jahre stark verwässert wurde. Beispielsweise macht das Seco deswegen keine Umstände, wenn es gilt, Freihandelsabkommen zu unterschreiben.

Drittens ist ein interessanter Aspekt der Initiative des Schweizer Bauern-verbandes im Gegenentwurf total verschwunden : «Er [der Bund] sorgt dafür, dass […] die Rechtssicherheit und eine angemessene Investitionssicherheit gewährleistet sind.»

Da kommt eines zum anderen. Wir könnten mit dem Text des Schweizer Bauernverbandes gut «leben», aber der Gegenentwurf des Ständerats bereitet uns Kopfschmerzen. Dennoch wollen wir uns nicht gegen einen anderen Bauernverband stellen. Es ist legitim, die Ernährungssicherheit in der Verfassung verankern zu wollen. Deshalb haben wir die Stimmfreigabe beschlossen und rufen unseren Mitgliedern in Erinnerung, dass es sich dabei nur um ein Etappenziel handelt, hin zu einem noch anspruchsvolleren Ziel : die Ernährungssouveränität in der Verfassung zu verankern.

Valentina Hemmeler Maïga
Übersetzung : Stefanie Schenk
veröffentlicht in Uniterre Zeitung Juni 2017