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Medienmitteilung der Milchkommission von Uniterre

Die BOM hat am 3. März eine Erhöhung des Richtpreises für A-Milch um 5 Rp. von 73 auf 78 Rp. angekündigt.

Die Milchkommission von Uniterre begrüsst dies als ersten positiven Schritt, war es doch allerhöchste Zeit, auf die verschiedenen Alarmrufe aus der Bauernschaft zu reagieren.

Angesichts der effektiven Produktionskosten (vor der allgemeinen Preiserhöhung der Produktionsmittel betrugen diese schon rund 1 Fr./kg) ist diese Milchpreis-Anpassung indes absolut ungenügend. Sie dürfte - wenn überhaupt - höchstens ausreichen, die gestiegenen Preise für Energie und Produktionsmittel wettzumachen. Und aufgrund des aktuellen Kriegsgeschehens dürfte sich die Lage noch weiter verschärfen.

Zudem ist sicherzustellen, dass der Handel diese Preisanpassung akzeptiert und endlich aufhört, auf die Verarbeiter, und damit indirekt auch auf die Produzenten, immerwährend Druck auszuüben.

Endlich! Ab 2024 Direktauszahlung der Verkäsungszulage an die Produzenten

Das Verordnungspaket, das noch bis zum 2 Mai 2022 in der Vernehmlassung ist, sieht unter anderem vor, dass die Verkäsungszulagen ab 2024 direkt den Produzenten ausbezahlt werden. Wir begrüssen diesen Vorschlag, setzen wir uns doch schon seit Jahren für eine solche Regelung ein.

Denn tatsächlich findet ein Teil dieser Zulagen nach wie vor nicht den Weg bis zu den Produzenten, obwohl die Milchpreisstützungs-Verordnung dies schwarz auf weiss so vorsieht. Im Übrigen können wir nicht nachvollziehen, warum unsere Dachorganisationen und die Branchenorganisation Milch so vehement gegen die Direktauszahlung sind, es sei denn, sie bangen um die jährlich Dutzende Millionen, die irgendwo auf dem Weg zum Produzenten versickern…

Pressekontakt

Maurus Gerber : 081 864 70 22

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Uniterre freut sich, mitzuteilen, dass sich der Dialog mit Bio Suisse und zum Thema Palmöl in eine positive Richtung entwickelt: Mitgliedorganisationen der Bio Suisse hatten Anfang Februar beschlossen, einen Antrag zu Palmöl z. Hd. der Frühling-Delegiertenversammlung von Bio Suisse zu stellen. Gleichzeitig deponierte Uniterre bei Bio Suisse einen Vorschlag für die weitere Entwicklung des Dialogs zum Thema Palmöl. Bio Suisse reagierte positiv auf Anträge und Vorschlag und in der Folge entwickelte sich eine sehr offene Diskussion zwischen Bio Suisse, den antragstellenden Vereinen und Uniterre.

Diese erste Diskussion wird einen gemeinsamen Austauschprozess zu diesem Thema einleiten. Uniterre erwartet, dass die Gesprächspartner ohne Verzug zentrale Themen in Bezug auf die Nachhaltigkeit von kritischen Rohstoffen ansprechen werden. Uniterre ist zuversichtlich, dass der Dialog fruchten wird!

Im Weiteren teilt Uniterre mit, dass der (nach Bio Suisse zertifizierter) brasilianische Palmölriese Agropalma (43'000 Ha, davon 4'000 in Bio) 2020 vom Gericht vom Staat Para im Nordosten Brasiliens verurteilt wurde, weil er zwischen 1987und 2006 Eigentumstitel für Zehntausende von Hektaren gefälscht hatte . Dabei wurden zahlreiche Gemeinschaften von Einheimischen aus ihrem Territorium vertrieben. Seit einigen Wochen halten mehrere Gemeinschaften Teile von Plantagen besetzt, welche Agropalma als ihr Eigentum bezeichnet: Sie verlangen diesen Boden zurück! Agropalma hat alle Wege versperrt, ihre private Polizei umzingelt die Gemeinschaften und ihr provisorisches Lager. Aber die brasilianischen Zeitungen berichten fast täglich darüber. Uniterre geht davon aus, dass Agropalma hier verlieren wird, trotz verzweifelten Manövern, um den Landraub auf breiter Stufe zu legalisieren.

Uniterre hat Bio Suisse und ihrer Zertifizierungsstelle ICB vorgeschlagen, den Fall zu untersuchen und ohne Verzug Massnahmen zu treffen, damit das Eigentum der lokalen Gemeinschaften auf ihr ge-stohlenes Territorium anerkannt wird und die Böden unverzüglich den Gemeinschaften zurück-gegeben werden. Es freut uns, dass Bio Suisse diesen Vorschlag positiv aufgenommen und eine Untersuchung eingeleitet hat.

Uniterre freut sich auf den Austausch mit Bio Suisse. Sie dankt auch Brot für alle (Heute ein Teil von «HEKS»), «Friends of the Earth», die FIAN und «Heidi’s Mist», für ihre ständige Unterstützung in allen Recherchen zu Palmöl seit 2020: Diese Arbeit hat gefruchtet und wird weitere Früchte tragen!

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Pressemitteilung von Uniterre Aktion Migros in Fribourg

Wir sind da, weil wir eine klare Botschaft an die Migros zu richten haben.

Liebe Migros,

Wir sind bestürzt, dass Du per Ende Februar die faire Milch Faireswiss aus Deinen Regalen verbannt hast. Der Grund: ab dem 1. Juli 2021 wird alle Trinkmilch auf den IP-Suisse Standard umgestellt, bis zur gesamten Umsetzung am 1. Januar 2022, mit Ausnahme der Bio- und Demeter-Milch. Weil die faire Milch Faireswiss nicht in allen Punkten den IP-Suisse-Kriterien entspricht, musste sie aus Euren Regalen verschwinden. Das gleiche Schicksal erlitt die regionale und faire Milch „Genève Région Terre Avenir“, die seit mehreren Jahren in deinen Genfer Filialen verkauft wurde. So weit so gut.

ABER: Wir haben etwas genauer hingeschaut und feststellen müssen, dass der Grossteil des versprochenen Preiszuschlages zwischen Juli und Dezember 2021 den Produzenten gar nicht ausbezahlt wurde.

Ja, die Landwirtschaft muss nachhaltiger und umweltfreundlicher werden, und sie muss noch mehr tun für die Biodiversität. Aber wir fordern ultimativ mehr Respekt vor der Arbeit der Produzenten. In der heutigen Situation bedingt Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft vorerst einmal wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Jede zusätzliche Auflage, die dem Produzenten aufgebürdet wird und die Produktionskosten zusätzlich belastet, muss korrekt abgegolten werden.

Quasi die einzige Milch, die dem Landwirt heute die Produktionskosten einigermassen korrekt abgilt, ist die faire Milch Faireswiss, und diese hast Du in die Wüste geschickt.

Liebe Migros, jetzt reicht’s mit Deinem wirtschaftlichen und sozialen Dumping, mit dem Du unter dem Deckmantel des Umweltschutzes die einheimische Produktion in den Ruin treibst!

Hör endlich auf, die Landwirtschaft - und im Gleichzug auch noch die Konsumenten - für dumm zu verkaufen!

Pressekontakt

Rudi Berli : 078 707 78 83

Anhang: Migros - Von der nachhaltigen Milch zur IP Suisse-Milch

Richtlinien-Vergleich Nachhaltige Milch -IP Suisse

Pdf Pressemiteilung

Zusatztext

Fotos: Eric Roset

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Die Europäische Koordination Via Campesina, eine europäische Basisorganisation, die derzeit 31 nationale und regionale Organisationen von Landwirt:innen, Landarbeiter:innen und der Landbevölkerung in 21 europäischen Ländern vereint, drückt ihre tiefste Solidarität mit dem ukrainischen Volk aus und fordert die strikte Einhaltung der Menschenrechte.

Wir fordern einen sofortigen Stopp der Militäraktion.

In den letzten Wochen haben wir mit großer Sorge die Zunahme der Spannungen in der Region verfolgt, in der sich die Landbevölkerung an vorderster Front wiederfindet, ohne Stimme und völlig schutzlos. In jedem Krieg ist die Zivilbevölkerung, insbesondere die Landbevölkerung, das erste und unsichtbarste Opfer. Unsere Schwestern und Brüder in der Ukraine werden derzeit bombardiert und sind in einem Konflikt zwischen Supermächten gefangen.

Europa hat in der Vergangenheit zu sehr unter diesen Spaltungen gelitten. Heute wollen wir nicht länger Spielball eines geostrategischen Spiels sein, das keine Rücksicht auf die Interessen der Menschen nimmt. Wir wollen Frieden und Demokratie. Wir wollen selbst entscheiden können, wobei die Ernährungssouveränität ein wesentlicher Bestandteil dieses Selbstbestimmungsrechts ist.

ECVC steht für internationalistische Werte. Daher ist die Solidarität mit der unterdrückten Landbevölkerung, die unter den Auswirkungen von Krieg, wirtschaftlicher Gewalt oder der Ausbeutung von Ressourcen leidet, für uns von grundlegender Bedeutung. Schon jetzt fliehen Zehntausende von Geflüchteten aus der Ukraine in die Nachbarländer. Wir werden uns, wo immer wir können, für eine menschenwürdige Aufnahme dieser Geflüchteten einsetzen und diese organisieren. Wir fordern die Europäische Union auf, alle notwendigen Mittel bereitzustellen, um die Geflüchteten aufzunehmen, die der Krieg bereits hervorgebracht hat.

Wir rufen unsere Mitgliedsorganisationen und Verbündeten auf, ihre Stimme zu erheben und ihre Solidarität zu zeigen, um ein Ende des Krieges zu fordern und diplomatische Lösungen zu finden, um den Frieden in der Region wiederherzustellen. Wir stehen an der Seite der Bäuerinnen und Bauern und anderen Menschen, die in der Ukraine auf dem Land und in den Städten leben und weiterhin Widerstand leisten, um die Menschenrechte zu verteidigen.

Land für Nahrung, nicht für Bombardierungen!
Bäuerinnen und Bauern vereinigt für den Frieden!
Frieden in der Ukraine!

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Pressemitteilung der Milchkommission Uniterre

Aufgrund der steigenden Produktionskosten wird die Situation der Schweizer Milchproduzent*innen zunehmend schwieriger.

Die Milchkommission Uniterre begrüsst deshalb die jüngste Forderung der BIG-M*, ihren Mitstreitern aus der Deutschschweiz: „Werden die Produktionskosten nicht gedeckt, kann auf Dauer die Milchproduktion nicht garantiert werden!

Ebenso begrüsst die Milchkommission Uniterre, dass die Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost (VMMO) endlich aus ihrem Schlaf erwacht sind, und nun den direkten Zusammenhang zwischen den verbreiteten Halbwahrheiten über die Produktionskosten und den zahlreichen Betriebsschliessungen erkennen. Die VMMO fordert, dass der Richtpreis dem absoluten Mindestpreis entspricht.

Das ist ein Zwischenziel, reicht aber noch nicht aus. Der aktuelle Richtpreis liegt bei 73 Rappen pro Liter Milch. Das ist bei weitem nicht genug, um die Produktionskosten zu decken, denn in den letzten Monaten sind die Kosten für Energie, Dünge- und Futtermittel stark angestiegen. Zudem beeinträchtigt die geringe Qualität des Raufutters die Milchproduktion.

Abermals müssen die Schweizer Milchproduzenten (SMP) und die Branchenorganisation Milch (BO Milch) dringlichst aufwachen, um den Milch-Richtpreis umgehend und drastisch zu erhöhen und durchzusetzen!

Unsere Kolleg*innen aus der Milchproduktion geben nach und nach entmutigt auf, bis wir eines Tages vor einem Engpass in der Milchproduktion stehen werden. Wollen wir es wirklich so weit kommen lassen?

Sollten die SMP und die BO Milch unfähig sein zu reagieren, dann liegt es in der Verantwortung des Bundes zu handeln!

Milchkommission Uniterre

Pressekontakt

Maurus Gerber : 081 864 70 22

*Bäuerliche Interessen-Gruppe für Marktkampf

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Die Wissenschaftskommission des Nationalrats (WBK-N) hat sich am 28. Januar 2022 für einen Kompromiss entschieden: Statt eine Verlängerung des GVO-Moratoriums, das auch neue gentechnische Verfahren (NGV) einschliesst, zu unterstützen, soll eine Frist bis Mitte 2024 gesetzt werden, in der eine Regelung für die Zulassung von NGV ausgearbeitet werden muss. Noch müssen viele Fragen geklärt werden, insbesondere in Bezug auf die Koexistenz und die Haftung im Falle einer Kontamination der Produktionskette oder der Umwelt. Es geht auch um die Wahlfreiheit der Bäuerinnen und Bauern und Konsument*innen!

Die WBK-N hat sich am 28. Januar 2022 erfreulicherweise gegen den Vorschlag des Ständerats, der neue gentechnische Verfahren überstürzt hatte zulassen wollte, ausgesprochen. Die Kommission hat sich mit einer knappen Mehrheit für eine Variante ausgesprochen, welche die Frist für die Ausarbeitung einer Zulassungsregelung auf Mitte 2024 festlegt.

Uniterre ist der Ansicht, dass es beim derzeitigen Wissensstand nicht vertretbar ist, zu behaupten, dass Genome Editing, ohne die Einführung von artfremdem genetischem Material, sei sicher.

Das Risiko hängt nicht nur von der eingeführten DNA ab, sondern auch von der verwendeten Technik. Der erhöhte Eingriffsgrad, den diese neuen gentechnischen Verfahren ermöglichen - u. a. die Möglichkeit, mehrere Gene gleichzeitig zu verändern und auf Bereiche des Genoms zuzugreifen, die ansonsten vor natürlichen Mutationen geschützt sind - hat ein erhöhtes und nicht bewertetes Risiko zur Folge.

Es ist also geboten, nach dem Vorsorgeprinzip vorzugehen. Und es sind weitere Abklärungen erforderlich, die in drei Postulaten gefordert werden, deren Antworten noch ausstehen. Unter anderem:

Welche Kosten entstehen durch eine Koexistenz von gentechnisch veränderten und herkömmlichen Kulturen in der Schweiz? Wie kann gewährleistet werden, dass Konsumentinnen und Konsumenten sowie Bäuerinnen und Bauern weiterhin das Entscheidungsrecht über die Produktionsform behalten?

Wie sind die Risiken neuer Techniken der genetischen Veränderung zu bewerten? Wer trägt die Verantwortung, wenn es zu einer Kontamination der Produktionskette oder zwischen den Produzenten kommt?

Man muss sich also Zeit für eine seriöse Risikobewertung nehmen. Um eine strenge Regulierung der NGV zu gewährleisten, muss sie zudem in den Rahmen des Gentechnikgesetzes integriert werden. Nur so kann die Qualitätsstrategie der Schweizer Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie erhalten bleiben und die Wahlfreiheit der Konsumentinnen und Konsumenten sowie der Produzentinnen und Produzenten gewährleistet werden.

Uniterre fordert den Nationalrat auf, sich in der Frühjahrssession für die Aufnahme von NGV in das Gentech-Moratorium auszusprechen.

Medienkontakt:

Michelle Zufferey, 078 640 82 50 (FR)

Maurus Gerber, 081 864 70 22 (DE/FR)

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Heute reichte Meret Schneider (NR Grüne) und weitere Unterzeichnende, wie Kilian Baumann (NR Grüne) und Markus Ritter (NR Die Mitte), eine Interpellation ein mit dem Titel: «Keine unlauteren Handelspraktiken in der Agrar- und Lebensmittelversorgungskette». Dies ist Resultat einer länger geführten Debatte innerhalb der interparlamentarischen Gruppe Ernährungssouveränität unter dem Co-Präsidium von Valentine Python und Isabelle Pasquier-Eichenberger. Einzureihen ist diese Interpellation in unsere zentrale Forderung für kostendeckende Preise, faire Einkommen und Arbeitsbedingungen und mehr Transparenz in den landwirtschaftlichen Produktionszweigen, auch im Zusammenhang mit der Erklärung der UN über die bäuerlichen Rechte (UNDROP).

Unsere Forderungen sind die folgenden:

Die Umsetzung eines gesetzlichen Rahmens ähnlich der «EU-Richtlinie (2019/633) zu unlauteren Handelspraktiken in den Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen in der Agrar- und Lebensmittelversorgung» in der Schweiz.

In der EU ist diese seit dem 1.Mai 2019 in Kraft und legt Mindeststandards fest, um die weltweit negativen Auswirkungen auf den Lebensstandard der landwirtschaftlichen Bevölkerung zu verhindern.

Die Einrichtung einer Preisbeobachtungsstelle. Diese Institution hat den Auftrag Richtwerte für kostendeckende bzw. existenzsichernde Preise (Richtwerte für „Mindestpreise“) zu ermitteln. Sie soll ebenso Preis- und Produktionskostenanalysen für Lebensmittelketten erstellen. In der Schweiz existiert die Marktbeobachtungsstelle des Bundesamtes für Landwirtschaft, welche aber einzig als Informations- und Analyseinstrument dient.

Weiter soll eine Ombudsstelle eingerichtet werden, die anonym unlautere Handelspraktiken, Dumpingpreise sowie Verstösse bei Löhnen und Gehältern untersuchen kann. Sie soll Fälle dokumentieren, ahnden und gegebenenfalls sanktionieren bzw. an die zuständige Behörde weiterreichen können. Eine solche existiert bereits in Grossbritannien (seit 2013) und Spanien und wird in Österreich und Deutschland im 2022 umgesetzt.

Damit beginnen wir eine Kampagne, die bessere Rahmenbedingungen für die Bäuerinnen und Bauern, die lokale handwerkliche Verarbeitung und das Landwirtschafts- und Ernährungssystem in ihrer Gesamtheit bieten soll. Eine Kampagne für mehr Fairness im Lebensmittelhandel mit dem Ziel kostendeckende Preise durchzusetzen.


Medienmitteilung vom 16. Dezember 2021

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60 Jahre sind genug: Mit einer Protestaktion haben neun Schweizer Organisationen am Mittwoch in Genf die Abschaffung des Internationalen Verbandes zum Schutz von Pflanzenzüchtungen (UPOV) gefordert. Sie wehren sich damit gegen die Monopolisierung von Saatgut und die Bedrohung der Ernährungssouveränität, welche durch UPOV vorangetrieben wird. Weltweit unterstützen fast 300 Organisationen und Netzwerke den Aufruf.

Aus Anlass des 60. Geburtstags des Verbandes haben sich Aktivist*innen der neun Entwicklungs-, Bauern- und Menschenrechtsorganisationen* am Mittwoch vor dem UPOV-Gebäude in Genf als Nahrungspflanzen verkleidet und sich selbst in Ketten gelegt.Die Aktion war ein Symbol für die Situation der Bäuerinnen und Bauern, die aufgrund der Sortenschutzgesetze nach UPOV das Saatgut nicht mehr frei verwenden können. Doch genau diese freie Verwendung ist ein zentraler Pfeiler der Ernährungssouveränität und für die Umsetzung des Rechts auf Nahrung sowie ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung der Agrobiodiversität.

UPOV wurde 1961 von wenigen europäischen Ländern ins Leben gerufen, um den Pflanzenzüchter*innen die Möglichkeit zu geben, ein patentähnliches geistiges Eigentumsrecht für Saatgut durchzusetzen. Seither wurden die Bestimmungen mehrmals verschärft. Die gegenwärtig gültige Akte von 1991 (UPOV 91) verbietet es Bäuerinnen und Bauern, das mit Sortenschutzrechten versehene Saatgut frei aufzubewahren, zu vermehren, wiederzuverwenden, zu tauschen oder zu verkaufen.

Diese Einschränkung steht im Widerspruch zur UNO-Deklaration über die Rechte von Kleinbauern und -bäuerinnen (UNDROP) und des Internationalen Saatgutvertrages der FAO, in welchen genau diese Aktivitäten als Rechte der Bäuerinnen und Bauern verankert sind. Denn nur wenn sie frei über das Saatgut verfügen können, werden sie ihre Aufgaben für die Nahrungsversorgung eines grossen Teils der Weltbevölkerung sowie für die Erhaltung und Weiterentwicklung von Saatgut auch in Zukunft ausüben können.

Druck auf den Süden

Der zunehmende Druck von Industriestaaten hat in den letzten Jahrzenten dazu geführt, dass vermehrt auch Entwicklungsländer die UPOV-Standards übernehmen mussten. Damit sich noch mehr Länder den Regeln von UPOV 91 unterstellen, üben die Saatgutindustrie, das UPOV-Sekretariat und insbesondere diverse Industriestaaten weiterhin Druck auf die Länder des Südens aus, ihre Gesetzgebung anzupassen und Bauernrechte einzuschränken.

Auch die Schweiz spielt dabei eine unrühmliche Rolle, indem sie in den Freihandelsabkommen der European Free Trade Association (EFTA) die Partnerländer dazu verpflichten will, UPOV beizutreten oder ihre Vorgaben zu übernehmen. Paradoxerweise haben sich die EFTA-Mitglieder Schweiz, Norwegen und Liechtenstein dafür entschieden, die Anforderungen von UPOV 91 in ihren eigenen nationalen Gesetzen nicht zu erfüllen. Von Entwicklungsländern Gesetze zu verlangen, die von ihnen selbst als unangemessen angesehen werden, ist heuchlerisch und ungerecht.

Anstelle von Sortenschutzrechten nach UPOV fordern die NGOs Gesetze, welche den freien Tausch und die Wiederverwendung von Saatgut fördern statt einschränken. Nur auf diese Weise kann die Vielfalt des Saatgutes erhalten und nachhaltig genutzt werden. Und nur mit einer vielfältigen Landwirtschaft können Herausforderungen wie Klimawandel und Ernährungssicherheit gemeistert werden.

*Die Aktion wurde von Alliance Sud, Brot für alle, Fastenopfer, FIAN, HEKS, Public Eye, Swissaid, Uniterre und APBREBES unterstützt.

Mehr Informationen:

Kontaktpersonen:

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Die ausserordentliche GV von Uniterre vom 26. November 2021, hat auf dem Biohof Schüpfenried in Uettligen (BE) stattgefunden. Über 30 Mitglieder folgten der Einladung und wählten eine neue Führung: Präsident ist Maurus Gerber und Vizepräsident ist Philippe Reichenbach.

Maurus Gerber hat seinen Hof 2020 abgegeben. Er ist Gründungsmitglied der Genossenschaft für faire Milch und hat, wie er selbst sagt, «viel Zeit und den Willen, Uniterre nach den Grundsätzen der Ernährungssouveränität voranzubringen». Er wohnt in Scuol in Graubünden.

Philippe Reichenbach ist Bio-Gruyère-Bauer im Neuenburger Jura. Er ist die fünfte Generation auf dem landwirtschaftlichen Betrieb. Die jüngste Generation führt bereits mit ihm den Hof. Er ist bei Uniterre seit den Blockaden der Grossverteiler. «Uniterre hat mir einen grossen Dienst erwiesen und mich in meiner landwirtschaftlichen Praxis weitergebracht».

Maurus Gerber ersetzt Charles-Bernard Bolay, der acht Jahre lang an der Spitze unserer Bauernvereinigung gewirkt hat. Wir danken ihm von ganzem Herzen für seinen unermüdlichen Einsatz und wünschen ihm einen schönen und wohlverdienten Ruhestand.

Der neue Vorstand wurde einstimmig gewählt und setzt sich zusammen aus (siehe Foto von links nach rechts): Laurent Vonwiller (Agronom), Maurus Gerber (Präsident von Uniterre), Christine Gerber (Bäuerin aus dem Jura), Florian Buchwalder (Milchproduzent BL), Mathieu Genoud (Gemüsebauer VD), Philippe Reichenbach (Milchproduzent NE und Vizepräsident von Uniterre), Christian Hutter (Gemüsebauer BE), Yves Batardon (Winzer GE), André Muller (Milchproduzent VD). Er ist nicht auf dem Foto). Zwei weitere Mitglieder müssen noch von ihren jeweiligen Sektionen ernannt werden.

Das neue Präsidium und ein engagierter und vielfältiger Vorstand werden es Uniterre ermöglichen, das Engagement für kostendeckende Preise für Produzentinnen und Produzenten, für transparente Wertschöpfungsketten und eine gerechte Verteilung des Mehrwerts entlang der gesamten Wertschöpfungskette fortzusetzen und zu verstärken. Anfang 2022 wird Uniterre dazu in Grangeneuve zwei neue thematische Kommissionen einberufen, um an den Preisen und den Wertschöpfungsketten zu arbeiten: am 14. Januar zu den Ackerkulturen und am 11. Februar zur Viehzucht.



Derzeit sehen die Bäuerinnen und Bauern, dass die Preise für ihre Produkte ständig sinken, während die Preise für die Produktionsmittel stetig steigen. Die Bäuerinnen und Bauern tragen das gesamte Produktionsrisiko, sie finanzieren die Ernten vor, ohne jegliche Garantie für den Endpreis, der ihnen ausgezahlt wird, oft mehr als ein Jahr nach der Lieferung! Die Bäuerinnen und Bauern haben kein Mitspracherecht bei den Preisen, den Handelsstrategien der Käufer und bei der Herabstufung ihrer Produktion zu Futtermitteln. Nehmen wir das Beispiel Getreide: 20'965 t Brotweizen werden 2020 deklassiert und das Beispiel Kartoffeln: 95000 t werden 2020 deklassiert, gegenüber 31'000 t im Jahr 2019. Diese Strategie ist schockierend ... man deklassiert, um besser importieren zu können!

Das System muss sich ändern! Es darf nicht mehr nur dazu dienen, die Grossverteiler zu bereichern. Die Konsument*innenpreise steigen und die Produzent*innenpreise sinken. Es ist an der Zeit ein System einzuführen, das es ermöglicht, eine lokale Landwirtschaft, das Lebensmittelhandwerk und die Verarbeitung zu erhalten und weiterzuentwickeln. Ernährungssouveränität bietet konkrete Wege zu einem neuen Ernährungssystem, es ist an der Zeit, sie umzusetzen!

Medienkontakt:

Maurus Gerber (FR/DE): 081 864 70 22 / Philippe Reichenbach (FR): 079 640 89 63

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Es muss Schluss sein mit den Freihandelsverträgen, die durch die WTO-Abkommen gefördert werden! Es ist an der Zeit, unser Ernährungs- und Handelssystem umzugestalten!

Die Nahrungsmittel-, Klima-, Umwelt-, Wirtschafts-, Demokratie- und Gesundheitskrisen, die heute in der Covid-19-Pandemie gipfeln, zeigen deutlich, dass eine Umgestaltung des derzeitigen Landwirtschafts- und Ernährungsmodells unerlässlich ist. Diese zahlreichen Krisen sind nicht neu, sondern zeigen die Richtigkeit unseres Vorschlags der Ernährungssouveränität.

Die WTO wurde vor 27 Jahren gegründet. Auf dieser Grundlage greifen regionale oder bilaterale Verträge die gleiche Logik der Deregulierung auf. Es ist eine Logik der Privatisierung von öffentlichen Gütern und einer allgemeinen Konkurrenz. Aber ein Handel, der dem Allgemeinwohl zu gute kommen soll, muss den Regeln des öffentlichen Interesses unterliegen. Die durch Freihandelsabkommen begünstigte Aneignung, Plünderung und Privatisierung, sind eine zerstörerische Barbarei, die die Welt ins Chaos stürzt. Der Wettbewerb um Ressourcen, ist die Ursache für bewaffnete Konflikte und verheerende Kriege. Dies hat die Krise der Migrant*innen in Afrika, dem Nahen Osten, Nordamerika, Lateinamerika und Europa verschärft.

Das Klima, die Böden, die Wasserressourcen, die Biodiversität, die Bauern und Bäuerinnen der Welt, die prekarisierten Bevölkerungsgruppen und die Länder des Südens zahlen einen zu hohen Preis. Dieser Wettbewerbsgeist führt uns gegen die Wand.

Trotz der Unterzeichnung zahlreicher Abkommen, wie dem Pariser Klimaabkommen, den Verträgen zur Biodiversität oder der UN-Erklärung zu den Rechten der Bäuer*innen und Bauern beharrt der Schweizer Bundesrat auf dem Weg der Deregulierung und Privatisierung. In seinen Abkommen treibt er ein räuberisches Agrarsystem voran. Er nimmt die Landwirtschaft als Geisel, um den geistigen Schutz durch Patente zu verstärken, sowohl im Bereich der Gesundheit wie auch beim Saatgut.

Jüngste Beispiele sind das Abkommen mit Indonesien, das geplante Mercosur-Abkommen und der anhaltende Druck auf den gesamten Agrarsektor. Besonders nennenswerte Beispiele hierfür sind die Milchwirtschaft, der Getreideanbau und der Weinbau.

Die Grundlage, die zu echtem und nachhaltigem Wohlstand führt, muss eine multilaterale Handelsregulierung sein, die soziale, wirtschaftliche und ökologische Aspekte berücksichtigt. Die WTO und ihre Abkommen müssen abgeschafft werden und die Handelsregulierung muss unter Berücksichtigung der oben genannten Aspekte neu gestaltet werden.

Ernährungssouveränität und bäuerliche Agrarökologie setzen sich als unumgängliche Lösungen durch: Die Relokalisierung der Nahrungsmittelsysteme ist entscheidend im Kampf gegen den Hunger, um den Planeten zu kühlen, die Biodiversität zu erhalten und die Rechte der Bäuerinnen, Bauern und der Arbeiter*innen zu respektieren. Am wichtigsten sind die Menschen und nicht die Profite!

Das bedeutet die Wiedergewinnung der nationalen Produktionskapazität, die im Sektor der bäuerlichen und familiären Landwirtschaft verwurzelt sind, durch Budgets des öffentlichen Sektors, garantierte Preise, Kredite und andere Formen der Unterstützung - einschliesslich der Unterstützung der Direktvermarktung zwischen Produzent*innen und Verbraucher*innen. Der Zugang zu Land muss gefördert werden, um die bäuerliche und familiäre Landwirtschaft sowie Lebensmittel- und Agrarsysteme zu stärken, die den Bedürfnissen von Stadt und Land gerecht werden. Wir müssen Forschungs- und technische Unterstützungssysteme stärken, die auf dem Erfahrungsaustausch zwischen Bäuerinnen, Bauern und partizipativer Forschung basieren.

Als Bäuerinnen und Bauern kämpfen wir auch dafür, dass Gesundheit voll und ganz als Menschenrecht angesehen wird.

Wir bekräftigen, dass die Gesundheit mit einer gesunden und nachhaltigen Ernährung beginnt, die das Immunsystem stärkt. Die Ernährungssouveränität schlägt damit eine Möglichkeit vor, sich um das Wohlergehen der Menschen und der Umwelt zu kümmern.

Gemeinsam mit Via Campesina fordern wir das Recht auf öffentliche und kostenlose Gesundheit für alle Völker, wie es in Artikel 23 der Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der Bäuerinnen und Bauern (UNDROP) definiert ist. Dazu gehört die Möglichkeit, auf Methoden der Präventivmedizin und Langzeitbehandlungen zurückzugreifen, aber auch die Möglichkeit, Zugang zu Impfstoffen zu erhalten. Impfstoffe, die mit Hilfe öffentlicher Gelder entwickelt wurden, dürfen nicht patentiert werden oder der Kontrolle und dem Profit großer multinationaler Konzerne überlassen werden!

Darüber hinaus muss jeder Einzelne in unseren Gesellschaften Zugang zu allen Informationen haben, um die vorgeschlagenen Behandlungen beurteilen zu können.

Es ist nicht hinnehmbar, dass im 21. Jahrhundert hunderte Millionen Menschen hungern, obwohl es genug Nahrung für alle gibt, und dass die Ungleichheit und die Menschenrechtsverletzungen zunehmen.

Der Kampf für Würde, für Gesundheit, für eine öffentliche Politik, die auf Ernährungssouveränität beruht, und für den Schutz unserer Gemeinschaften und der natürlichen Ressourcen ist unser Recht! Mit Ernährungssouveränität und Solidarität können wir soziale Gerechtigkeit und Würde für alle erreichen!

WIR ERNÄHREN DIE WELT UND BAUEN ERNÄHRUNGSSOUVERÄNITÄT AUF!

GLOBALISIEREN WIR DEN KAMPF FÜR EINE GERECHTERE GESELLSCHAFT!

GLOBALISIEREN WIR DIE HOFFNUNG AUF EINE BESSERE WELT!

Die 12. WTO-Ministerkonferenz, die vom 29. November bis 3. Dezember in Genf stattfinden sollte, wurde aufgrund von Covid-Reisebeschränkungen abgesagt. Eine Demonstration gegen die WTO und ihre Handelspolitik fand am 30. November 2021 um 17:30 Uhr in Genf auf dem Place Lise Girardin statt.