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MEDIENMITTEILUNG DER PALMÖL-KOALITION*

Konsument:innen werden nicht transparent darüber informiert, ob sich Palmöl in Produkten
wie Shampoos, Kerzen oder Waschmitteln befindet. Diesen Missstand will eine heute lancierte Petition ändern.

Basel, 13. September 2022.

Die Deklarationspflicht von Palmöl muss nicht nur bei Lebensmitteln,
sondern auch bei alltäglichen Gebrauchsgegenständen wie Pflege-, Reinigungs-,
Waschmitteln und Kerzen gelten. Dies fordert eine heute von der Palmöl-Koalition* lanciertePetition.

Der Anbau von Ölpalmen ist hauptursächlich für die Regenwaldzerstörung, insbesondere in
Malaysia und Indonesien, wo 85% des Palmöls angebaut werden. Seit 2016 gilt in der
Schweiz deshalb eine Deklarationspflicht für Palmöl in Lebensmitteln, die es den
Konsument:innen ermöglicht, sich zu informieren und auf dieser Grundlage zu entscheiden.

Palmöl sowie Palmkernöl und seine Derivate und Fraktionen befinden sich jedoch nicht nur
in Lebensmitteln, sondern in unzähligen Pflege-, Reinigungs- und Waschmitteln und in
beträchtlichem Masse auch in Kerzen, ohne dass dies klar gekennzeichnet wäre. Dies
entspricht nicht dem Bedürfnis von Konsument:innen, die wissen wollen, was sich in ihrem
Einkaufskorb befindet.


Mehr Informationen: www.palmöldeklaration.ch


Medienkontakt

Johanna Michel, Bruno Manser Fonds, johanna.michel@bmf.ch, 079 868 45 15


*Die Petition des Bruno Manser Fonds wird von folgenden Organisationen unterstützt:
Associazione consumatrici e consumatori della Svizzera italiana (ACSI), Borneo Orangutan Survival
(BOS) Schweiz, Bruno Manser Fonds (BMF), Fédération romande des consommateurs (FRC), GREEN
BOOTS, HEKS, Pro Natura, Public Eye, Solidar Suisse, Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), Uniterre

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Pressemitteilung Lausanne, 9. September 2022

Die Branchenorganisation SwissGranum verhandelt am 13. September die Richtpreise für Brotgetreide. Bisher decken die Getreidepreise nicht die Produktionskosten – erst recht nicht die steigenden Energiepreise! Die politische Entscheidung, die Zölle für Brotgetreide zu senken, setzt die bäuerliche Landwirtschaft zusätzlich unter Druck. Uniterre fordert eine faire Bezahlung der Produzenten.


Nach zwei wetterbedingt extrem schwierigen Jahren für die Getreideproduktion legen die Abnehmer, die Industrie und die Grossverteiler auf dem Rücken der Produzenten noch eine Schippe drauf. Während der Weizenpreis auf europäischer Ebene immer noch fast 30% höher ist als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, verweigern in der Schweiz die Mühlen, die Industrie und die grossen Einzelhändler den Produzenten eine notwendige Erhöhung des Weizenpreises. Letztere haben zudem Preiserhöhungen angekündigt, die für Brot derzeit 2,4% betragen. Was den Brutto-Richtpreis für die Produzenten betrifft, so ist er derzeit auf Fr. 57.-/dt festgelegt.

Ein solcher Preis ist in keiner Weise kostendeckend! Der direkte Anstieg der Produktionskosten (Energie, Dünger, Maschinen) beläuft sich auf etwa Fr 500.-/ha. Der Preis muss also um 12 Fr./dt steigen, nur um die gestiegenen Kosten auszugleichen. Uniterre fordert daher einen sofortigen Preis ab Hof von mindestens Fr.69/dt. Ein solcher Preis stellt aber immer noch keine gerechte Entlohnung der Produktionsarbeit dar. Die Stunde des Produzenten muss mit Fr. 40.- kalkuliert werden, um ein Einkommen zu erzielen, die mit dem Schweizer Durchschnitt vergleichbar sind. Dies würde einem Preis für Brotweizen entsprechen, der bei Fr. 100.-/dt liegt.

Eine solche Erhöhung für einen gerechten Preis würde für die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten einen Anstieg von 50 Rp/kg Brot bedeuten oder aber pro Jahr eine zusätzliche Ausgabe von Fr. 25. Es ist also kein Luxus, sich für eine vielfältige und nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft einzusetzen, sondern eine unabdingbare Voraussetzung, um die Versorgung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten.

Leider tritt der Bund in den Spuren der Grossverteiler und hat die Einfuhrzölle auf Fr. 9.60 (inklusive Garantiefondsabzug) gesenkt, während er gleichzeitig das Importkontingent um 60’000t auf 130’000t aufgestockt hat. Der politische Gegenzug zur Deklassierung von über 100’000t Brotweizen der Ernte 2021. Das illustriert den unerträglichen politischen und wirtschaftlichen Druck auf dem Schweizer Weizen, zumal die Grossverteiler noch mehr als 120'000t Backwaren ausserhalb des Zollkontingents importieren. Der niedrige Weizenpreis und der Druck auf eine nachhaltige bäuerliche Agrarproduktion in der Schweiz sind also sowohl auf die Arroganz der Abnehmer als auch auf die politischen Entscheidungen des Bundes zugunsten der Grossverteiler zurückzuführen.

Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass unser Wohlstand massgeblich von den Bauern und Bäuerinnen produziert wird und dass der Markt ohne ihre täglichen Anstrengungen nicht funktionieren kann. Es ist höchste Zeit, dass unsere Berufsverbände den Abnehmern diese Wahrheit klarmachen: Kein Preis - keine Produktion - keine Lebensmittelsicherheit!


Mehr Informationen:
Rudi Berli, Produzent und Gewerkschaftssekretär bei Uniterre, 078 707 78 83, r.berli@uniterre.ch


Branchenorganisation Getreide Swissgranum

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Bereits Mitte Juni waren wir empört über ein drittes Einfuhrgesuch für weitere 1000 Tonnen Butter, womit das für 2022 freigegebene Kontingent auf 4100 Tonnen anstieg.

Nun noch das: Mitte August hat "das Bundesamt für Landwirtschaft das Zollkontingent für Butter für das Jahr 2022 zum vierten Mal erhöht". Es schreibt, dass "gemäss Schätzungen der Branche das inländische Butterangebot in diesem Jahr nicht ausreichen wird. Da ein grosser Teil der Schweizer Milch zu Käse verarbeitet wird, bleibt zu wenig für die Butterherstellung übrig".

Für 2022 kommen wir nun auf ein Importkontingent von 5100 Tonnen. Welch ein Schock!

Für diesen neuen Import-Antrag hat unsere Pressemitteilung vom Juni dieses Jahres noch an Bedeutung gewonnen:

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Lausanne, den 29. Juni 2022

Pressemitteilung der Milchkommission Uniterre

Das Importkontingent für Butter wird erneut um 1’000 Tonnen erhöht – verkehrte Prioritäten

Auf der Webseite des BLW* ist am 16. Juni 2022 zu lesen: „Das Bundesamt für Landwirtschaft BLW erhöht das Zollkontingent Butter für das Jahr 2022 zum dritten Mal.“ (Dies gilt für den Zeitraum vom 1. Juli 2022 bis zum Ende des Jahres.) „Die Branchenorganisation Milch hat dafür einen Antrag eingereicht. Die zusätzliche Importmenge von 1000 Tonnen ist nötig, um die inländische Nachfrage bis Ende Jahr zu decken. (…) Da ein Grossteil der Schweizer Milch zu Käse verarbeitet wird, bleibt zu wenig für die Butterherstellung übrig.“


Bis heute hat das BLW 4’100 Tonnen Butterimport für 2022 freigegeben.

Ein böser Traum? Leider nein! Das Importkontingent wird erhöht, obwohl die Branchenorganisation Milch (BO Milch) seit 2021 einen neuen „Fond“, die sogenannte MPC-Box, auflegte hat, um den Export von hoch verarbeiteten Milcheiweiss-Konzentraten zu unterstützen. Ein wiederkehrendes Problem bei der Butterherstellung ist die Ratlosigkeit, was man denn mit dem anfallenden Protein-Nebenprodukt tun solle. Um sich dieses Problem vom Hals zu schaffen, wurde der MPC-Fond gegründet. Er wird durch den Fond „Regulierung“ finanziert, einer der zwei Fonds, die seit 1. Januar 2019 das Schoggigesetz ersetzen**.

Wie sieht nun die Lage 1 ½ Jahre später aus?

Im Fondsbericht von 2021 räumt die BO Milch ein, dasss die Butterherstellung 2021 trotz der Unterstützung des MPC-Nebenprodukts nicht gestiegen sei. Für Uniterre ist diese Situation inakzeptabel!

Zudem sind in der Zwischenzeit die Exporte von Käse ohne "Wertschöpfung" noch weiter gestiegen: im Vergleich von 2020 mit 2021 um + 13.6 % für „Andere Halbhartkäse“ und um + 2.2 % für den „Switzerland Swiss“. Das ist nichts Neues, denn wegen der Zulage für verkäste Milch*** ist es für die Verarbeiter*innen interessanter Käse für den Export zu produzieren, als Butter für den heimischen Markt. Komplett verkehrte Prioritäten!

Die Frage nach der Logik dahinter besteht zurecht. Wann wird endlich die einheimische Produktion durch eine angemessene Planung unterstützt, anstatt um jeden Preis zu exportieren? Denn das wäre tatsächlich Ernährungssouveränität!

Pressekontakt:

Maurus Gerber, Präsident von Uniterre (DE/FR): 081 864 70 22

* https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/services/medi...

** Mehr Informationen : https://www.ip-lait.ch/2021_Fonds_Rechenschaftsbericht.pdf

*** Mehr Informationen zur Problematik der Verkäsunsgzulage hier: https://uniterre.ch/de/themen/medienmitteilung-die-verkasungszulage-soll-den-produzentinne

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Pressemiteilung von Uniterre

Le Temps, Heidi.news und die Fédération romande des consommateurs decken überhöhte Margen von Migros und Coop auf. Würden diese beiden Genossenschaften ihre soziale Verantwortung übernehmen und ihre Gewinnspannen senken, könnten Bäuerinnen und Bauern besser entgeltet werden, ohne dass dadurch die Preise für die Verbraucher steigen.

Die aktuelle Krisensituation und die Inflation bringen die Absurdität des derzeitigen Systems der Lebensmittelwirtschaft ans Licht: Es lässt die Bäuerinnen und Bauern ausbluten und erlaubt anderen, sich auf dem Rücken der Verbraucher und Verbraucherinnen zu bereichern. Die vorherrschende Stellung der Grossverteiler in der Schweiz führt zu ungleichen Verhandlungspositionen und zu einem inakzeptablen Mangel an Transparenz innerhalb der Lebensmittelkette. Zudem sind die Grossverteiler häufig Eigentümer von Sammel- und Verarbeitungsstellen. Uniterre fordert, dass die Erklärung zum Schutz der Rechte der Kleinbauern- und bäuerinnen (UNDROP) in der Schweiz umgesetzt wird und dass eine Liste mit illoyalen und illegalen Handelspraktiken erstellt wird. Auf diese Liste gehört, wie in Spanien und Italien es der Fall ist, das Verbot, Lebensmittel unterhalb der Herstellungskosten einzukaufen, egal ob sie aus der Produktion oder der Verarbeitung, aus kleinen oder mittleren Betrieben stammen.

Es braucht Massnahmen, um wieder auf den rechten Weg zu kommen! Direktzahlungen dürfen nicht länger dazu dienen, skandalös niedrige Preise zu rechtfertigen, von denen nur die Grossverteiler profitieren! Es ist an der Zeit, Gesetze zu erlassen, die Transparenz und effektive Beteiligung der Bauern*innen und der Verbraucher*innen an der Ernährungspolitik gewährleisten. Die Politiker*innen müssen ihre Verantwortung auf sich nehmen!

Italien und Spanien haben bereits den Einkauf von Agrarprodukten unterhalb des Herstellungspreises gesetzlich verboten. Diese Legislatur bietet den europäischen Ländern folgende Vorteile: (1) Sie ermöglicht die Anpassung an die Produktionskostenentwicklung, (2) sie schafft Transparenz bei den Gewinnspannen auf allen Stufen der Lebensmittelkette und (3) unlautere Handelspraktiken können durch Bauer*innen und Verbraucher*innen aufgedeckt werden.

Europa macht grosse Entwicklungsschritte, die Schweiz hinkt hinterher. Sie findet die aktuelle Situation sogar noch zufriedenstellend.

Die Schweiz verhält sich widersprüchlich: Sie unterstützt die Ausarbeitung der UN-Erklärung über die Rechte von Kleinbauern und -bäuerinnen und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten (UNDROP) und stimmt im Dezember 2018 in New York dieser Erklärung zu. Trotzdem unternimmt sie nichts, um sie in die Tat umzusetzen. Diese Erklärung legt Rechte für Bauern und Bäuerinnen fest: Recht auf Informationen, sogar solche die momentan unter dem Schutz des Geschäftsgeheimnisses stehen; Recht auf freie und aufgeklärte Beteiligung an allen Entscheidungen und Projekten, die sie betreffen. Eine der Verpflichtungen der Staaten lautet wie folgt: «Die Staaten treffen alle erforderlichen Massnahmen, um sicherzustellen, dass nicht-staatliche Akteure, die sie regulieren können, wie etwa Privatpersonen und Privatorganisationen sowie transnationale Unternehmen und andere Wirtschaftsunternehmen, die Rechte von Kleinbauern und anderen in ländlichen Regionen arbeitenden Menschen achten und stärken.» (Artikel 2.5)

Sind Migros und die Coop nicht Handelsunternehmen mit Sitz in der Schweiz?

Wir erwarten vom Bund, dass er Massnahmen ergreift, um die Erklärung über Rechte von Kleinbauern und -bäuerinnen vollständig umzusetzen.

Kontakt:

Michelle Zufferey (FR/DE), Sekretär bei Uniterre (078 640 82 50)

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Pressemitteilung der Milchkommission Uniterre

Auf der Webseite des BLW* ist am 16. Juni 2022 zu lesen: „Das Bundesamt für Landwirtschaft BLW erhöht das Zollkontingent Butter für das Jahr 2022 zum dritten Mal.“ (Dies gilt für den Zeitraum vom 1. Juli 2022 bis zum Ende des Jahres.) „Die Branchenorganisation Milch hat dafür einen Antrag eingereicht. Die zusätzliche Importmenge von 1000 Tonnen ist nötig, um die inländische Nachfrage bis Ende Jahr zu decken. (…) Da ein Grossteil der Schweizer Milch zu Käse verarbeitet wird, bleibt zu wenig für die Butterherstellung übrig.“


Bis heute hat das BLW 4’100 Tonnen Butterimport für 2022 freigegeben.

Ein böser Traum? Leider nein! Das Importkontingent wird erhöht, obwohl die Branchenorganisation Milch (BO Milch) seit 2021 einen neuen „Fond“, die sogenannte MPC-Box, auflegte hat, um den Export von hoch verarbeiteten Milcheiweiss-Konzentraten zu unterstützen. Ein wiederkehrendes Problem bei der Butterherstellung ist die Ratlosigkeit, was man denn mit dem anfallenden Protein-Nebenprodukt tun solle. Um sich dieses Problem vom Hals zu schaffen, wurde der MPC-Fond gegründet. Er wird durch den Fond „Regulierung“ finanziert, einer der zwei Fonds, die seit 1. Januar 2019 das Schoggigesetz ersetzen**.

Wie sieht nun die Lage 1 ½ Jahre später aus?

Im Fondsbericht von 2021 räumt die BO Milch ein, dasss die Butterherstellung 2021 trotz der Unterstützung des MPC-Nebenprodukts nicht gestiegen sei. Für Uniterre ist diese Situation inakzeptabel!

Zudem sind in der Zwischenzeit die Exporte von Käse ohne "Wertschöpfung" noch weiter gestiegen: im Vergleich von 2020 mit 2021 um + 13.6 % für „Andere Halbhartkäse“ und um + 2.2 % für den „Switzerland Swiss“. Das ist nichts Neues, denn wegen der Zulage für verkäste Milch*** ist es für die Verarbeiter*innen interessanter Käse für den Export zu produzieren, als Butter für den heimischen Markt. Komplett verkehrte Prioritäten!

Die Frage nach der Logik dahinter besteht zurecht. Wann wird endlich die einheimische Produktion durch eine angemessene Planung unterstützt, anstatt um jeden Preis zu exportieren? Denn das wäre tatsächlich Ernährungssouveränität!

Pressekontakt:

Maurus Gerber, Präsident von Uniterre (DE/FR): 081 864 70 22

* https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/services/medi...

** Mehr Informationen : https://www.ip-lait.ch/2021_Fonds_Rechenschaftsbericht.pdf

*** Mehr Informationen zur Problematik der Verkäsunsgzulage hier: https://uniterre.ch/de/themen/medienmitteilung-die-verkasungszulage-soll-den-produzentinne

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Pressemiteilung Uniterre

Die aktuelle Ernährungskrise zeigt, dass der Freihandel nicht in der Lage ist, Ernährungssicherheit und -souveränität zu gewährleisten. Uniterre als Schweizer Organisation, die Teil der weltweiten Bauernbewegung La Via Campesina ist, fordert die Schweizer Regierung auf, aus der WTO auszutreten und einen neuen Rahmen für die Regulierung von Handel und Landwirtschaft zu schaffen, der auf Ernährungssouveränität basiert.

Uniterre fordert den Bundesrat auf, eine sofortige Aufhebung aller bestehenden WTO-Regeln zu verlangen, die Länder daran hindern, öffentliche Nahrungsmittellager zu unterhalten und den Markt und die Preise zu regulieren. Regierungen müssen das Recht haben, ihre eigenen Kriterien zu entwickeln, um ihre Ernährungssouveränität zu schützen und zu fördern. Jedes Land muss seine Agrar- und Ernährungspolitik selbst bestimmen und die Interessen seiner Bäuerinnen und Bauern verteidigen können, ohne anderen Ländern zu schaden. In diesem Sinne muss der Bundesrat die UN-Erklärung über die Rechte der Bauern und der ländlichen Bevölkerung umsetzen, für die die Schweiz 2018 gestimmt hat.

Yudhvir Singh von der Union Bhartiya Kisan, die zu den Gewerkschaften gehört, die die Speerspitze der historischen Mobilisierung der indischen Bauern und Bäuerinnen im Jahr 2021 bildeten, fasst die Erfahrungen seines Landes mit öffentlichen Nahrungsmittellager zusammen: "Bauern und Bäuerinnen brauchen starke öffentliche Politiken wie Mindestpreise und öffentliche Lagerbestände, um ein menschenwürdiges Leben durch die Nahrungsproduktion führen zu können." In der WTO blockieren die reichen Länder seit neun Jahren weiterhin die konkreten Vorschläge der afrikanischen und asiatischen Mitglieder der G33 zu dieser Frage der öffentlichen Lagerhaltung zum Zweck der Ernährungssicherheit, und die Genfer Konferenz hat in dieser Frage keine Fortschritte gebracht.

Die Schweiz hat den Weltagrarbericht unterzeichnet, der die Familienbetriebe als Akteure der lokalen Wirtschaftskreisläufe in den Mittelpunkt eines nachhaltigen Landwirtschaftsmodells stellt. Die Umsetzung der Ernährungssouveränität erfordert die Aufhebung des geltenden Vertrags zur Landwirtschaft der WTO, aber auch den Agrarvertrag mit der Europäischen Union. Der Handel muss Regeln gehorchen, die wirtschaftliches, soziales und ökologisches Dumping verhindern und eine einheimische Versorgung fördern.

Der Bundesrat muss dringend eine Politik anstreben, die die lokale Wirtschaft, die Ernährungssouveränität und ein nachhaltiges Ernährungssystem stärkt, das auf den lokal verfügbaren Ressourcen, der bäuerlichen Landwirtschaft und dem Zugang zu ausreichender und gesunder Nahrung für die gesamte Bevölkerung beruht.

Pressekontakte: Rudi Berli 078 70 77 883 (fr/dt), r.berli@uniterre.ch

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Die WTO hält vom 12. bis 15. Juni in Genf ihre Ministerkonferenz ab. La Via Campesina, Uniterre sowie zahlreiche Organisationen der Zivilgesellschaft rufen zu einer grossen Bauern- und Bäuerinnendemonstration und Bürger*innendemonstration am Samstag, den 11. Juni um 14 Uhr auf der Place Lise Girardin in Genf auf, um die WTO aus der Landwirtschaft zu vertreiben.

Die aktuelle Situation zeigt, dass der Freihandel nicht in der Lage ist, Ernährungssicherheit und -souveränität zu gewährleisten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Welt weiterhin von Krisen erschüttert wird, ist sehr hoch. Es ist an der Zeit, eine entschlossene Wende zur Stärkung lokaler Märkte und einer einheimischen Versorgung einzuleiten. Dies erfordert zwangsläufig einen Zollschutz. Dieser Schutz muss zolltariflich sein, um Preisdumping zu verhindern, aber er muss auch die von jedem Land angenommenen Produktionskriterien und -standards beachten, um Sozial- oder Umweltdumping zu vermeiden. Es sind die WTO-Abkommen, auf die sich der Bundesrat ständig beruft, um jede Erhöhung der Zölle für Agrarimporte abzulehnen! Zwar ist die WTO aufgrund der zahlreichen Mobilisierungen der Bäuerinnen und Bauern blockiert, dennoch üben die bestehenden Abkommen einen sehr negativen Effekt auf die Preise unserer einheimischen Produkte aus. Der Regulierungsrahmen der WTO dient als Vorlage für alle Freihandelsabkommen. Die letzten Jahrzehnte des Freihandels haben weltweit Millionen bäuerlicher Betrieben zerstört. Mit dem Ergebnis, dass sich die Probleme der Ernährungssicherheit verschärfen, die Biodiversität und die Ökosysteme unter Druck geraten und die Klimazerstörung ausser Kontrolle gerät.

Aus diesen Gründen muss das WTO-Agrarabkommen jetzt aufgehoben werden und die WTO muss aus den Agrarmärkten aussteigen!

Dies ist die Botschaft, die Via Campesina den in Genf anwesenden Minister*innen und der Öffentlichkeit überbringen will. Unsere Regierungen müssen unter Druck gesetzt werden, damit sie diese Forderungen in den Agrarhandelsverhandlungen berücksichtigen. Bauern, Bäuerinnen und Bürger*innen werden mit einer Delegation von Bauernführer*innen aus allen Kontinenten auf die Strasse gehen. Es werden u.a. Delegierte aus Indonesien, Südkorea, Indien, Westafrika und Brasilien anwesend sein, um nur einige zu nennen, die ein besonderes Interesse an der Schweizer Landwirtschaft haben.

Diese Mobilisierung muss stark sein, damit der Bundesrat versteht, dass wir da sein werden, um ihn dazu zu bringen, seine politischen Entscheidungen anzupassen, mit dem Ziel, die lokale Wirtschaft, die Ernährungssouveränität und ein nachhaltiges Ernährungssystem zu stärken, das auf den lokal verfügbaren Ressourcen, der bäuerlichen Landwirtschaft und dem Zugang zu ausreichender und gesunder Nahrung für die gesamte Bevölkerung beruht.

Pressekontakte: Rudi Berli 078 70 77 883 (fr/dt), r.berli@uniterre.ch

Ausserdem findet am Montag, den 13. Juni um 18.30 Uhr an der Universität Genf, Uni-mail, Raum MR280 eine Konferenz statt: Die Zukunft der Landwirtschaft darf nicht in der WTO diskutiert werden - Strategien für den Kampf für Ernährungssouveränität der Völker (Redner/innen: Delegierte La Via Campesina, ECVC, FIAN, Uniterre).


Pressemitteilung vom 7. Juni 2022

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Schreiben an die Revisionsstelle für die landwirtschaftliche Ausbildung, die Ausbildung, die derzeit überarbeitet wird.

Uniterre findet es unerlässlich, dass künftig bei der Grundausbildung der Biolandbau und andere alternative Anbauformen wie z. B. die Agrarökologie oder Agroforst besser miteinbezogen werden.

Die Landwirtschaft ist ausserordentlich komplex geworden. Die Aufgabe der landw. Ausbildung ist es, die angehenden Landwirtinnen und Landwirte optimal auf die vielfältigen Aktivitäten auf ihren künftigen Betrieben vorzubereiten. Das sind natürlich die Produktionstechniken in den verschiedenen Betriebszweigen, Betriebswirtschaft, aber auch Kenntnisse im administrativen Bereich (Recht, Buchhaltung, Steuern etc.). Es wird zudem immer wichtiger, Themen wie Nachhaltigkeit, Erwartungen von Seiten der Konsumentenschaft, Tierwürde, Preiskampf/Preisgestaltung etc. mit der Praxis abzugleichen.

Wir müssen den Lernenden eine möglichst breite Palette an Rüstzeug mit auf den Weg zu geben, um sie zu befähigen, auch künftige Herausforderungen wie Klimawandel, Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, Umweltprobleme, Schwund der Biodiversität etc. zu meistern. Sie müssen aus einer Auslegeordnung jene Unternehmensstrategie herauspicken oder zusammenstellen können, die ihnen am besten entspricht.

Eine Ausbildung, die ihres Namens würdig ist, muss die Lernenden darüber hinaus auch befähigen, vorausschauend neue Mittel und Wege zu entwickeln, um aus den üblichen Trampelpfaden auszubrechen.

Epidemien bei Tier und Mensch und der Krieg in der Ukraine (aber auch anderswo) zeigen uns auf, dass wir nicht mehr blind auf den Import von billigen Dünge- und Futtermittel zählen können. Wir müssen zu mehr Resilienz, Nachhaltigkeit und Autonomie finden. Alternative Anbauformen wie Biolandbau und Agrarökologie zeigen dazu wichtige Wege und Möglichkeiten auf.

Viele Menschen möchten sich in diesem Bereich ausbilden. So entstehen gegenwärtig verschiedene autonome Lehrgänge im biologischen Gemüseanbau, mit Hunderten von Lernbegierigen auf der Warteliste, weil die entsprechende Ausbildung bisher schlichtweg gar nicht angeboten wurde!

Man mag uns erwidern, dass die Konsumentenschaft derzeit mehrheitlich gar nicht bereit ist, den entsprechenden Aufpreis für Bioprodukte und andere Labels zu bezahlen. Das ist zwar nicht falsch, doch wird hier das Pferd beim Schwanz aufgezäumt: Nicht das Bio ist zu teuer. Sondern die konventionellen Produkte sind zu billig, weil deren ökologischer, sozialer und volksgesundheitlicher Fussabdruck nicht im Preis enthalten ist, sondern auf die Allgemeinheit abgewälzt wird.

Im Übrigen darf und soll eine gesunde und ausgeglichene Ernährung mehr als nur die derzeitigen 7 % des Haushaltbudgets beanspruchen können!

Wir zählen darauf, dass die Organisation der Arbeitswelt OdA AgriAliForm diese Notwendigkeit der Öffnung und Neuorientierung erkennt und in der laufenden Ausbildungsreform auch entsprechend einfliessen lässt, nicht nur in den ersten beiden Ausbildungsjahren, sondern auch in den nachfolgenden Spezialisierungen.

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Medienmitteilung von Uniterre

In diesen Zeiten wachsender Unsicherheit wird plötzlich die Frage der Gewähr unserer Nahrungsmittelversorgung zum Thema. Syngenta packt die Gelegenheit am Schopf: Mit ihrer Forderung nach Abkehr vom Biolandbau will sie unsere Landwirtschaft noch mehr ins Schussfeld der Zivilgesellschaft rücken in Bezug auf

  • die Trinkwasserqualität,
  • die Gesundheit unserer Böden,
  • die Biodiversität,
  • den Klimaschutz,
  • die Volksgesundheit usw.

Das lehnen wir dankend und mit Bestimmtheit ab!

Ohne Biolandbau produzierten wir wohl mehr Nahrungsmittel, nicht aber mehr Lebensmittel, und dies alles nur für mehr Umsatz und Gewinn der Agrochemie.

Die wirklichen und nachhaltigen Lösungsansätze für Lebensmittelengpässe liegen indes ganz anderswo:

  • in einer gerechteren Verteilung der Lebensmittel,
  • in der Ächtung der Spekulation mit Nahrungsmitteln,
  • in der Bekämpfung der Verschwendung über die ganze Wertschöpfungskette (food waste),
  • im Schutz unserer Böden vor Erosion, Wüstenbildung, Überbauung und Spekulation,
  • in der Abkehr von der Treibstofferzeugung aus Lebensmitteln
  • in der Abkehr vom Verfüttern von Lebensmitteln,
  • in der Förderung kleinerer Strukturen, z. B. in Kombination mit Agroforst und Permakultur,
  • in der Herauslösung der Land- und Lebensmittelwirtschaft aus den Freihandelsabkommen und der Welthandelsorganisation,
  • Kurz: in der Förderung der Ernährungssouveränität.

Der Welt-Agrarbericht hat vor bald 15 Jahren den Weg vorgezeichnet, den es zu gehen gilt. Die Schweiz hat dieses bemerkenswerte Dokument zwar mitfinanziert und mitgetragen, aber zu Herzen genommen hat sie seine Schlussfolgerungen in keiner Weise, ganz im Gegenteil.

Die Bio-Landwirtschaft mag wohl quantitativ weniger, dafür qualitativ hochwertigereund nachhaltigere Nahrungsmittel produzieren. Langfristig wird mit Bestimmtheit die Nachhaltigkeit der Produktion und der Erhalt der fruchtbaren Ackerböden ausschlaggebend sein, und nicht der kurzfristige Profit einiger weniger Multis.

Lösen wir uns also von der Idee der Flucht nach vorne direkt Richtung Abgrund!

Packen wir bestimmt und mit beiden Händen unsere Zukunft an!

Machen wir uns - zusammen mit allen Bäuerinnen und Bauern dieser Welt - auf den Weg zur Ernährungssouveränität!

Kontakte: Maurus Gerber (d/f): 081 864 70 22

Laurent Vonwiller (d/f): 078 877 01 79


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Die Bauernorganisation Uniterre hat an der vom Bundesrat vorgeschlagenen Vernehmlassung teilgenommen. Nachfolgend unsere wichtigsten Forderungen.

Die jüngste Zeit zeigt uns deutlich, wie wichtig eine sichere Nahrungsmittelversorgung ist, und dass die bäuerliche Landwirtschaft dabei eine herausragende Rolle spielen muss. Gleichzeitig kommt ihr eine führende Rolle zu bei der Dekarbonisierung des Ernährungssystems und dem Übergang zu einer nachhaltigen Gesellschaft. Diese bäuerliche Landwirtschaft ist heute jedoch gefangen zwischen einem immer globaleren Lebensmittelmarkt, gekoppelt mit einem ständigen Druck auf die Erzeugerpreise, und der Notwendigkeit des Erhalts der natürlichen Ressourcen, des Klimas und der Biodiversität. Die Rückweisung der Agrarpolitik 22+ hat noch keine Debatte ausgelöst über ein kohärenteres Ernährungssystem, das diese Widersprüche überwindet. So geht die Zerstörung der bäuerlichen Landwirtschaft durch den vom BLW verordneten Strukturwandel immer noch weiter und wird nicht in Frage gestellt.

In den letzten Jahren ist die Zahl der Selbstmorde und Burn-outs in der Landwirtschaft stark gestiegen. Aus diesem Grund und angesichts der aktuellen geopolitischen Lage ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um die Arbeit in der Landwirtschaft gebührend aufzuwerten. So fordert Uniterre in der Terminologieverordnung eine Angleichung der Standardarbeitskraft (SAK) an eine Vollzeitstelle im BLW, womit eine SAK statt 2600 neu weniger als 2000 Jahresarbeitsstunden entsprechen würde. Die SAK-Berechnungsfaktoren müssten dementsprechend nach oben korrigiert werden (nicht aber die SAK-Schwellenwerte!).

Angesichts der genannten Herausforderungen bedauert Uniterre, dass der Grenzschutz für die inländische Produktion von Futter- und Brotgetreide, Ölsaaten und Eiweisspflanzen nicht verstärkt wird. Darum schlagen wir eine entsprechende Änderung der Einfuhrverordnung vor.

Zur Milchproduktion: Uniterre unterstützt die direkte Auszahlung der Verkäsungszulagen an die Produzent*innen. Wir verstehen indes nicht, dass die Motion 19.3952 "Verbesserung der Bedingungen des Standardvertrags der Branchenorganisation Milch“, die im von beiden Parlamentskammern gutgeheissen wurde, vom BLW nicht umgesetzt wird und der neue Standard-Milchliefervertrag nicht die Freiwilligkeit der Lieferung von B-Milch ohne Sanktionen garantiert. Das ist eine klare Übergehung der Demokratie! Heute fördern wir den Export von Käse aus B-Milch ohne jegliche Wertschöpfung, während wir Butter importieren müssen: Statt zu exportieren um des Exportes willen, müssen wir die Inlandversorgung sicherstellen!

Wenn neue Massnahmen und Ziele (Prämien für besondere Kulturen, Herdenschutz, Unterstützung für einheimische Rassen, Unterstützung für resistente Pflanzen, ...) eingeführt werden, fordert Uniterre, dass der Finanzrahmen der Direktzahlungen entsprechend angepasst wird. Darüber hinaus erwartet Uniterre vom Bund, dass er eine umfassende und kohärente Agrarpolitik vorlegt, die als grundlegende Ernährungspolitik formuliert ist. Es ist klar, dass die Landwirtschaft Auswirkungen auf viele andere Bereiche hat, wie Umwelt, Gesundheit, Tourismus, Mobilität und Raumplanung, und dass folglich landwirtschaftliche Leistungen Gegenstand einer finanziellen Anerkennung dieser verschiedenen anderen Bereiche sein sollten. Diese Überlegungen dürfen jedoch kein Grund sein, die verschiedenen Akteure des Marktes davon abzuhalten die landwirtschaftlichen Produkte zu kostendeckenden Preisen abzunehmen. Der Bund kann zudem nicht von seiner moralischen Pflicht entbunden werden, faire Rahmenbedingungen für eine gerechte und transparente Verteilung der Wertschöpfung zu schaffen und zu fördern.

Vernehmlassungsantwort zum Agrarverordnungspaket (französisch)Vernehmlassungsantwort zum Agrarverordnungspaket (französisch)