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Heute reichte Meret Schneider (NR Grüne) und weitere Unterzeichnende, wie Kilian Baumann (NR Grüne) und Markus Ritter (NR Die Mitte), eine Interpellation ein mit dem Titel: «Keine unlauteren Handelspraktiken in der Agrar- und Lebensmittelversorgungskette». Dies ist Resultat einer länger geführten Debatte innerhalb der interparlamentarischen Gruppe Ernährungssouveränität unter dem Co-Präsidium von Valentine Python und Isabelle Pasquier-Eichenberger. Einzureihen ist diese Interpellation in unsere zentrale Forderung für kostendeckende Preise, faire Einkommen und Arbeitsbedingungen und mehr Transparenz in den landwirtschaftlichen Produktionszweigen, auch im Zusammenhang mit der Erklärung der UN über die bäuerlichen Rechte (UNDROP).

Unsere Forderungen sind die folgenden:

Die Umsetzung eines gesetzlichen Rahmens ähnlich der «EU-Richtlinie (2019/633) zu unlauteren Handelspraktiken in den Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen in der Agrar- und Lebensmittelversorgung» in der Schweiz.

In der EU ist diese seit dem 1.Mai 2019 in Kraft und legt Mindeststandards fest, um die weltweit negativen Auswirkungen auf den Lebensstandard der landwirtschaftlichen Bevölkerung zu verhindern.

Die Einrichtung einer Preisbeobachtungsstelle. Diese Institution hat den Auftrag Richtwerte für kostendeckende bzw. existenzsichernde Preise (Richtwerte für „Mindestpreise“) zu ermitteln. Sie soll ebenso Preis- und Produktionskostenanalysen für Lebensmittelketten erstellen. In der Schweiz existiert die Marktbeobachtungsstelle des Bundesamtes für Landwirtschaft, welche aber einzig als Informations- und Analyseinstrument dient.

Weiter soll eine Ombudsstelle eingerichtet werden, die anonym unlautere Handelspraktiken, Dumpingpreise sowie Verstösse bei Löhnen und Gehältern untersuchen kann. Sie soll Fälle dokumentieren, ahnden und gegebenenfalls sanktionieren bzw. an die zuständige Behörde weiterreichen können. Eine solche existiert bereits in Grossbritannien (seit 2013) und Spanien und wird in Österreich und Deutschland im 2022 umgesetzt.

Damit beginnen wir eine Kampagne, die bessere Rahmenbedingungen für die Bäuerinnen und Bauern, die lokale handwerkliche Verarbeitung und das Landwirtschafts- und Ernährungssystem in ihrer Gesamtheit bieten soll. Eine Kampagne für mehr Fairness im Lebensmittelhandel mit dem Ziel kostendeckende Preise durchzusetzen.


Medienmitteilung vom 16. Dezember 2021

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Crowdfunding Yes We Farm

Im Laufentaler Jura liegt auf 650 m.ü.m der Biohof Spitzenbühl und die genossenschaftliche Bergkäserei. Die Kühe tragen alle Hörner und weiden die meiste Zeit im Jahr draussen. Ohne unnötiges Transportieren und Umpumpen, verarbeiten wir die Milch unserer geliebten Kühe in der Hofkäserei zu einer breiten Palette an geschmackvollen Milchprodukten. Wir sind eine Genossenschaft und setzen uns ein für eine solidarische Landwirtschaft. Durch die Mithilfe der Abonnent*innen beim Pflegen, Verarbeiten, Verpacken und Ausliefern, gelangen ihre Milchprodukte in verschiedene Depotstellen im Raum Basel-Land und Basel-Stadt. Wir stellen unsere Produkte aus Leidenschaft her und wahren den Umgang mit der Natur für die nächsten Generationen.

Ein paar Klicks......und der Käse erreicht wenige Zeit später den Kühlschrank deiner Depotstelle. Nicht lange und das dampfende Fondue zieht auch den letzten deiner geladenen Gäste an den Tisch. Die Milch fair, der Käse bio, die Bergkäserei regional und der Hof solidarisch... Das alles mit ein paar Mäuseklicks von dir Zuhause aus. So einfach?

Für kleine Betriebe ist es nicht immer so einfach mit dem digitalen Zeitalter mitzuhalten. Die Genossenschaft Bergkäserei Spitzenbühl möchte, dass es für ihre Abonnent*innen ein einfaches Spiel ist den nächsten Abo-Korb zu bestellen. Genauso braucht es aber auch ein funktionierendes Tool für die Verwaltung der Bestellungen. Ein Tool (Verwaltungs-Instrument), das einfach zu bedienen und effizient ist, um all den anderen wichtigen Arbeiten für die Herstellung der Milch bis zum Käse genügend Zeit widmen zu können.

Unser Administrations-Tool stösst an seine Grenzen

Unsere jetzige Abo-Verwaltungsplattform stösst an ihre Grenzen. Sie ist in den letzten 7 Jahren zu einem digitalen Dinosaurier geworden. Wir jedoch sind frisch und motiviert für eine Erneuerung der Plattform, die das Potenzial unserer Genossenschaft ausschöpfen kann. Wir möchten noch mehr Menschen mit unseren Abo-Körben glücklich machen können. Der Weg vom Hof zu den Depotstellen ist eine weitere logistische Herausforderung die wir mit dem neuen Tool einfacher verwalten können.

100% der Spende geht an die Umstellung dieses Administration-Tools. Wir haben ein tolles Jungunternehmen aus der Region gefunden, welches uns ein modernes, zeitnahes digitales Verwaltungsinstrument einrichten kann und vor allem der Umsetzung von Solidarischer Landwirtschaft gerecht werden kann.

Tradition und Zukunft

Wir lieben was wir tun und wir geben diese Liebe in unseren Produkten weiter. Und um tatsächlich das tun zu können, was wir lieben, brauchen wir ein angemessenes Hilfsinstrument für die Administration. Damit alle dieselbe unkomplizierte Möglichkeit haben gesunde und regionale Lebensmittel zu beziehen. Das heisst, wir brauchen dich, um die Tradition mit der Zukunft zu verschmelzen!

Besuche uns und lerne uns kennen: www.spitzenbuehl.ch

Von Herzen danke für deine Spende!

Familie Buchwalder

Besuchen Sie Yes We Farm, um sie zu unterstützen

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Die Koordinationsgruppe ECVC Youth hat vor kurzem mit der Arbeit an einer internen Forschungsstudie begonnen, um die Situation und die Bedürfnisse der jungen Bäuerinnen und Bauern und Landarbeiter*innen in unserer Bewegung besser zu verstehen.

Wir wollen diese Forschung nutzen, um unsere gemeinsamen Kämpfe zu identifizieren und sichtbar zu machen, aber auch um die Solidarität und Unterstützung zwischen uns zu stärken. Darüber hinaus gibt es zu wenige und veraltete Daten über junge Bäuerinnen und Bauern in Europa, die wir aber brauchen, wenn wir wollen, dass die Politik wirklich auf unsere Bedürfnisse eingeht.

Wir suchen Teilnehmer/innen an unserer Studie, die ihre Erfahrungen mit uns teilen möchten. Dabei geht es um Fragen wie: Warum hast du sich entschieden, auf einem Bauernhof zu arbeiten; wie hast du deinen Lebensunterhalt verdient, während der Ausbildung zur Bäuerin/ zum Bauern; Fragen zu den Arbeitsbedingungen während deiner aktuellen oder früheren Berufserfahrung usw.

Die Teilnehmer*innen sollten unter 40 Jahre alt sein und aktuell arbeiten oder kürzlich auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Europa gearbeiten haben, saisonale landw. Landarbeiter*innen mit eingeschlossen. Wir würden uns sehr freuen, mit dir zu sprechen, wenn du diese Kriterien erfüllst!

Wir sind besonders daran interessiert
  • Menschen aus Osteuropa
  • Schwarze, indigene und farbige Menschen
  • LGBTQIA+

    anzuhören, da diese Gruppen in unserer Jugendbewegung unterrepräsentiert sind.

Wenn du an der Studie teilnehmen möchten oder jemanden kennst, der an der Studie teilnehmen möchte, schreib bitte an Hattie (hahammans@gmail.com).

Die ECVC-Jugendkoordination wird dich/euch mit zwei vertrauenswürdigen Forscherinnen in Kontakt bringen, die mit uns an diesem Projekt arbeiten. Priscilla Claeys und Barbara Van Dyck werden ein einstündiges Interview mit etwa 20 Teilnehmer*innen führen, die eine Vielfalt an Werdegängen repräsentieren. Deine Erfahrungen und Daten werden mit Sorgfalt und Aufmerksamkeit behandelt und alle geteilten Informationen werden anonymisiert und nur intern verwendet.

In Solidarität,
Die Jungen von ECVC

Agrarökologische Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Betrieben in der Schweiz – zugleich Zukunftsvision als auch bereits – noch als Nische - gelebte Realität

Angesichts des Klimawandels, des Verlusts der Biodiversität und anderer Entwicklungen erachten einige Bäuer*innen die Agrarökologie als Leitbild der zukünftigen Entwicklung der Landwirtschaft und setzen bereits heute auf regenerative Bewirtschaftung. Andere sind skeptisch und stufen agrarökologische Landwirtschaft als nicht machbar oder bestenfalls als Nische ein.

Uniterre und Via Campesina laden zu diesem Runden Tisch ein. Fünf Landwirt*innen geben uns Einblick in ihre Betriebe und diskutieren über Potenziale und Herausforderungen agrar-ökologischer Betriebe. Zu Wort kommen sowohl Pionierbetriebe in der Agrarökologie als auch Landwirt*innen, die sich in Richtung Agrarökologie bewegen oder Maßnahmen in diese Richtung planen.

Es nehmen teil:

Simon Jöhr, «regenerativ.ch»

Lukas Puijenbroek, Genossenschaft «Minga» in Meilen und Geschäftsführer Bioforum

Ulrike Minkner, Ferme La Souriche auf dem Mont-Soleil und Uniterre

Frank Meissner, Meh als Gmües in Zürich

Rudi Berli, Les Jardins de Cocagne in Genf und Gewerkschaftssekretär Uniterre

Der Runde Tisch findet auf Deutsch ohne Übersetzung statt, aber wir können für Fragen eine französische oder italienische Übersetzung anbieten. Kontakt: Uniterre@agraroekologie.ch. Link zur Veranstaltung: https://ethz.zoom.us/j/63891600728

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Tage der Agrarökologie statt, einer Veranstaltungsreihe von Agroecology works!



Vorstellung internationaler und schweizer Projekte zum Thema Partizipative Züchtung, agrarökologische Forschung und Körnerleguminosen. Neben Präsentationen steht der Austausch und die Vernetzung verschiedener Akteure innerhalb der Schweiz im Vordergrund.

In 2021 startet ein vierjähriges interdisziplinäres Forschungsprojekt zum Thema Partizipative Pflanzenzüchtung und Körnerleguminosen in der Schweiz. Dies wollen die Initianten zum Anlass nehmen, mit anderen (inter)nationalen Projekten zu den Themen agrarökologische Forschung und Züchtung in Austausch zu treten und Synergien zu erkennen. Das Programm gliedert sich in zwei Teile: Zuerst wird das Publikum durch Präsentationen Einblicke in laufende und geplante nationale und internationale Projekte erhalten. Anschliessend werden in Kleingruppen relevante Fragestellungen bzgl. praktischen und sozialen Aspekten partizipativer Projekte bearbeiten, gefolgt von einer Synthese mit Apéro. Die Veranstaltung findet in Englisch statt und ist insbesondere an ein Fachpublikum gerichtet. Eine nicht-professionelle Übersetzung ins Deutsche ist bei vorheriger Anmeldung möglich. Bei finanziellen Schwierigkeiten kann die Durchführung eines Corona-Schnelltests u.U. nach Absprache durch die VeranstalterInnen übernommen werden.

Das genaue Programm kann dem folgenden Dokument entnommen werden: Zum Dokument

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«Blick» zeigt in ihrer Ausgabe vom 9. September 2021, dass Bio Suisse (und ihre Zertifizierungsstelle ICB) im Januar 2020 eine Palmölplantage auf der Insel São Tomé zertifiziert haben: Diese Plantage wurde nur durch intensive Abholzung hochwertiger Wälder zwischen 2011 und 2014 ermöglicht, sowie durch die Beschlagnahme von Flächen, die von lokalen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern bebaut waren. Zudem handelt es sich um eine klassische koloniale Plantage von grossem Ausmass (Tausende von Hektaren) im Besitz des multinationalen Unternehmens Socfin, während Bio Suisse Palmöl von Kleinproduzent*innen und sogenannten "innovativen und diversifizierten" Produktionsformen (wie "Agro-Forestry" usw.) verspricht.

Untersuchungen von Uniterre haben die Abholzung und den Landraub sowie die koloniale Art der Agripalma-Plantage dokumentiert: So wie «Blick» (unter Berufung auf Uniterre) feststellt, wurde die Plantage trotz eklatanter Verstösse gegen die Bio Suisse - Vorschriften zertifiziert. In dem Artikel wird auf den «Druck des Detailhandels» auf Bio Suisse hingewiesen, damit biologisches und angeblich «nachhaltiges» Palmöl verkauft werden kann. Das führt bei Bio Suisse mitunter dazu, die Werte zu verraten, die sie zu verteidigen vorgibt. Der Artikel stellt auch fest, dass «die Inspektoren von Bio Suisse völlig überfordert scheinen, wenn es darum geht, solche Probleme zu erkennen».

Bio Suisse wurde von Uniterre Ende Februar 2021 mit den Vorwürfen konfrontiert. Der Verband reagierte rasch und zog im März 2021 die Zertifizierung von Agripalma zurück. Socfin und Agripalma legten jedoch Berufung ein. Der Rekurs ist offenbar heute noch, 6 Monate nach dem Entzug der Zertifizierung, nicht abgeschlossen: Es ist daher zu befürchten, dass Bio Suisse nach einem taktischen Rückzug der Importabteilung im März (Aberkennung) die Plantage von Agripalma erneut zertifizieren wird, sobald sie der Meinung ist, dass sich die Welle der Kritik beruhigt hat. Es ist auch zu befürchten, dass Bio Suisse in Zukunft andere kritische Rohstoffe zertifiziert, und dabei ähnliche Verstösse gegen die Nachhaltigkeitsregeln übersieht – das alles diskret und ohne, dass die Schweizer Produzent*innen und Konsument*innen informiert werden.

Wir verlangen, dass Bio Suisse die eklatanten Schwächen bei der Zertifizierung von Importprodukten korrigiert.

Bio Suisse soll:

- den Rekurs ablehnen und Socfin/Agripalma definitiv aberkennen

- die Zertifizierung von Produkten ablehnen, die gegen die Vorschriften verstossen und bei kritischen Rohstoffen extrem aufmerksam sein.

- den Produzent*innen, die bereits zertifiziert sind, aber im Verdacht stehen, sich nicht an diese Vorschriften zu halten, strenge und zeitlich begrenzte Auflagen erteilen.

- aufhören, «strenge» Regeln ohne Rücksicht auf die Anwendungsbedingungen zu schreiben.

- sich zu Transparenz gegenüber den Mitgliedsorganisationen, den Konsument*innen und Anspruchsgruppen wie Uniterre verpflichten.

Pressemitteilung vom 9. September 2021

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Viele Bauernfamilien sind erleichtert, während andere sich ein anderes Ergebnis erhofft hatten.

Dieses Ergebnis ist das Resultat einer starken und sehr präsenten 2xNein-Kampagne.Aber heute müssen wir Bäuer.innen den Bürgern danken, welche trotz ernsthafter Umweltbedenken beschlossen haben, der Schweizer Landwirtschaft nicht in Schwierigkeiten zu bringenund die Initiativen abzulehnen.

Ein bedeutender Teil der Schweizer Bevölkerung bekennt sich damit zur Landwirtschaft. Es wäre aber falsch, dieses Ergebnis als eine Bestätigung der aktuellen Agrarpolitik zu verstehen, die die bäuerliche Landwirtschaft auf dem Altar der Wettbewerbsfähigkeit opfert.

Das Abstimmungsergebnis zeigt, dass Lösungen für die Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaft, unser Ernährungssystem und die Landwirtschaft stehen, bereits jetzt eine Diskussion mit allen Beteiligten, insbesondere den Bäuer.innen, erfordern. Das BLW, der SBV und die Landwirtschaftskammern müssen nun ihre Ziele in Bezug auf die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln und Antibiotika klar kommunizieren, klare Fristen nennen und die Ergebnisse begründen. Die Frage der Futtermittelimporte muss ernsthaft debattiert werden. Uniterre stellt klar, dass es keine Lösung geben wird, ohne die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, die die Landwirtschaft in Richtung Spezialisierung, Mechanisierung, industrieähnliche Rationalisierung und Vergrößerung der Strukturen drängen.

Uniterre kommt auf die Ernährungssouveränität zurück, die eine vielfältige, auf kurzen Wegen basierende Landwirtschaft fördert. Ein transparentes und demokratisches System, das, wenn es umgesetzt wird, die Bedürfnisse der Bäuer.innen, aber auch der Konsument.innen erfüllt und gleichzeitig garantiert, dass klimatische, soziale und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt werden.

Effizientere Vertriebssysteme, engere Beziehungen zwischen Konsument.innen und Produzent.innen, eine gerechtere Aufteilung der Risiken und eine Verringerung der Margen des Großverteiler werden notwendig sein, um diesen Übergang zu ermöglichen.

Die ständige Erhöhung des Drucks auf die Erzeugerpreise durch eine den internationalen Handel begünstigende Bundespolitik muss gestoppt werden. Damit die Landwirtschaft die Erwartungen der Gesellschaft erfüllen kann, muss die Produktion durch Verträge geregelt werden, die Mengen, Qualität, Preis, Liefertermine und Vorauszahlungen festlegen. Die Verhandlungen für diese Verträge müssen transparent sein, um die notwendige Gerechtigkeit zu gewährleisten. Der Zugang zu hochwertigen Lebensmitteln für alle Bevölkerungsgruppen muss durch sozialpolitische Maßnahmen unterstützt werden. Gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren wird sich Uniterre für die Zukunft der bäuerlichen Produktion in der Schweiz stark machen.

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Wenn wir quer durch die Schweiz von Genf nach Romanshorn fahren, sind die Felder übersät von Schildern mit der Aufforderung, 2 x NEIN zu stimmen. Die Stimmberechtigten sollen eine Vorstellung von der Geschlossenheit des Bauernstandes bekommen, die beiden ihn betreffenden Initiativen am kommenden 13. Juni abzulehnen.

Diese Initiativen sollten für uns eine Gelegenheit sein, unser Berufsverständnis zu hinterfragen und unsere Ziele neu zu überdenken. Die Art und Weise, wie wir uns an Gewissheiten klammern ist nicht geeignet, die Problematik in der Landwirtschaft im Sinne der Bevölkerung zu lösen. Logischerweise hätte die Initiative gegen den Einsatz von Pestiziden von den Bäuerinnen und Bauern selbst ausgehen müssen. Wir kennen die Schädlichkeit der von uns verwendeten Produkte für die Umwelt und Vielfalt besser als jeder andere und sind uns der Forderungen der Bürger*innen dieses Landes bewusst. Von uns wird verlangt, die Verwendung giftiger Substanzen strenger einzuschränken oder ganz zu vermeiden. Wir haben die Möglichkeit, uns von der agrochemischen Industrie zu distanzieren, die uns nur zu gerne die Schuld an den Umweltschäden zuschiebt, obwohl sie uns die Unbedenklichkeit ihrer Produkte garantiert hat. Unsere Position als Opfer und zugleich Mitverantwortliche ist besonders unbequem und zwingt uns damit, eine Seite zu wählen. Wenn wir bei so wichtigen Themen unter dem Vorwand der extremen Formulierung zu "Neinsagern" werden, wird diese Position wahrscheinlich noch lange unserem Image erheblichen Schaden zufügen.

Es wäre besser gewesen, ein Bündnis mit der Bevölkerung einzugehen, als mit der chemischen Industrie und den von der Wirtschaft stark beeinflussten politischen Institutionen, die uns nicht unbedingt Gutes wollen! Es reicht schon, wenn man bedenkt, wie leichtfertig uns bundespolitische Entscheidungen regelmäßig herausfordern, indem sie uns im globalen Wettbewerb, insbesondere durch Freihandelsabkommen, wehrlos machen.

Es stimmt, dass unser Berufsstand große Anstrengungen zum Schutz der Umwelt unternommen hat (ökologische Ausgleichsflächen, Reduzierung des Einsatzes von Pestiziden usw.), aber jedes Mal unter dem Zwang von Maßnahmen aus der Agrarpolitik und nicht aufgrund unserer eigenen Initiative. Wir haben die unglückliche Tendenz zu denken, dass wir die einzigen sind, die das Sagen haben und dass wir allein wissen, was auf unserem Land richtig und gut ist.

Ich hoffe, dass diese Pestizid-Initiativen angenommen werden, um uns die Chance zu geben, den verlorenen Dialog wiederherzustellen. Dieses Mal aber aktiv. Wir sollten diesen Dialog nutzen, um den besten Weg zu definieren, um uns selbst und unsere Rolle und Mission mit all den Strömungen in unserer Gesellschaft neu zu erfinden. Es gilt, diesen Dialog zu akzeptieren, unterstützt von der Forschungsgemeinschaft, deren Leistung bekannt ist. Dieser Ansatz muss als ein Reichtum betrachtet werden, den es zu entdecken gilt, und nicht als eine Einschränkung, unter der man leiden muss.

Es liegt an uns, die Relevanz eines Slogans zu zeigen, der uns am Herzen liegt: "Gut, gibt’s die Schweizer Bauern". Das muss mehr sein als ein Slogan, denn wir wollen gehört werden, hören aber zu selten auf andere. Es ist die Allianz mit der Zivilgesellschaft, deren Recht es ist, zu entscheiden, welche Art von Landwirtschaft sie will, die uns die besten Überlebenschancen geben wird, anstatt nur dem politischen Spiel zu vertrauen, wo wir meistens instrumentalisiert werden. Die Agrarpolitik (AP), die uns seit fast 20 Jahren aufgezwungen wird, muss sich ändern, damit sie das Ergebnis einer breiten Debatte mit den Landwirt*innen und allen betroffenen zivilen Organisationen wird und nicht das Ergebnis von Technokraten des BLW mit fragwürdigen Einflüssen.

Hinzu kommt, dass die massive Offensive von Big Tech (1), wie die GAFA (Google, Amazon, Facebook, Apple) mit großer Geschwindigkeit ihr Netz webt. Sie beabsichtigen, die weltweite Landwirtschaft unter ihre Fuchtel zu bringen, indem sie subtile Dienstleistungen aller Art in Echtzeit anbieten (Wetter, Markt, Behandlungen, Beratung, Bankwesen...), aber eine unumkehrbare Abhängigkeit von ihrem System schaffen.

Unser Überleben in der Landwirtschaft hängt davon ab, dass wir unsere Bündnisse sorgfältig auswählen, wenn wir unsere Unabhängigkeit bewahren wollen und uns damit in den Dienst der Gemeinschaft stellen.

Ein Ja zu dieser Initiative könnte eine totale Überarbeitung und ein Überdenken der derzeitigen Vorstellung unserer Behörden von der Rolle der Landwirtschaft in unserer Gesellschaft ermöglichen. Die Rolle einer Landwirtschaft, die als wesentlicher Teil des Gemeinwohls zu begreifen ist: Von ihrer Fähigkeit, gesunde Lebensmittel zu produzieren und von der Art und Weise, sie langfristig zu erhalten, indem man sie aus allen politischen und wirtschaftlichen Verhandlungen herausnimmt und das soziale Gefüge der Bauernschaft in allen Gegenden unseres Landes stärkt. Diese Neudefinition kann nicht ohne die Zustimmung derjenigen stattfinden, für die sie bestimmt ist. Die Bäuerinnen und Bauern werden sich für die Förderung einer neuen Rolle verantwortlich zeigen, unter der Garantie, dass ihre Rechte, einen angemessenen Lebensunterhalt zu verdienen, gewährleistet sind.

Alexis Corthay, Bauer auf La Touvière bei Genf.

1. Lesen Sie hierzu den in Le Courrier am 2. Mai 2021 veröffentlichten Artikel mit dem Titel: L'agriculture sous contrôle numérique (Landwirtschaft unter digitaler Kontrolle), der auf einer Analyse der NGO GRAIN beruht.

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Innerhalb von Uniterre haben wir während verschiedener Diskussionen eine Reihe von Gedanken und Ideen gesammelt, die wir mit unseren Mitgliedern und Unterstützer*innen teilen möchten. Damit soll die Debatte breiter werden und unsere Bewegung den dringend notwendigen Schub bekommen: Für eine bäuerliche Landwirtschaft, die in wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Hinsicht wertvoll und nachhaltig ist.

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Die Landwirtschaft steht mit dem Rücken zur Wand! Die Krise der Landwirtschaft offenbart die Herausforderungen unserer Industriegesellschaften. Unsere wirtschaftliche und politische Organisationsform hat einen gewichtigen und problematischen Einfluss auf den sozialen Zusammenhalt und das Gleichgewicht der Ökosysteme des Planeten. Es ist zwingend notwendig, unseren Fußabdruck auf die natürliche Umwelt zu reduzieren und ein neues Gleichgewicht zu finden, um die Ressourcen für zukünftige Generationen zu erhalten. Die in der Schweiz zur Abstimmung gebrachten Initiativen zu Pestiziden spalten die Bevölkerung und die Landwirt*innen und verschleiern die grundlegenden Probleme, ohne diese zu lösen. Sie bewirken, dass die Auswirkungen unseres Lebensmittelsystems einzig auf die Bäuer*innen und auf Regionen ausserhalb der Landesgrenzen abgeschoben werden. Die schädlichen Auswirkungen dieser Logik sind bereits zu sehen, und das Beispiel der Bio-Produktion in Südspanien, die zunehmend industrialisiert wird, mit ihren sozialen und technischen Missständen ist bezeichnend. Pestizide, der übermässige Einsatz von Antibiotika und die räumliche Konzentration der Tierhaltung wirken sich negativ auf die Tierwelt, die Wasserqualität und die Gesundheit aus. Aber was ist mit den Schadstoffen aus Industrie und Haushalt und den Abfällen unserer Konsumgesellschaft? Ist das nicht eine Doppelmoral?


Handel und Industrie üben einen ständigen Druck auf die Produktionspreise aus und zwingen immer weniger Bäuer*innen zu immer höherer Produktivität. Und es ist nie genug! In jedem Bericht des Bundesamtes für Landwirtschaft wird unablässig behauptet, die Schweizer Landwirtschaft sei nicht wettbewerbsfähig genug. Tatsächlich fordern Gesellschaft und Handel immer mehr Qualitäts- und ökologische Kriterien von den Produzent*innen, ohne die Preisbildung und die Bedeutung einer fairen Wertschätzung der Lebensmittelproduktion zu hinterfragen.

In den letzten Jahrzehnten haben die Regierungen die fortschreitende Zerstörung der bäuerlichen Landwirtschaft gefördert, die Zerstörung von drei Bauernhöfen pro Tag, den Verlust von Zehntausenden von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft, die Spezialisierung und Konzentration der Produktion, den Ersatz menschlicher Arbeit durch schwere, teure und energieintensive Mechanisierung. Auch die landwirtschaftliche Forschung hat sich an dieser Perspektive orientiert. Der Fortschritt des agronomischen Wissens, der Sortenverbesserung, die Mechanisierung und der Pflanzenschutz haben zwar Hungersnöte in den Industrieländern ausgerottet, aber praxisnahe Forschung zu einem nachhaltigen Ernährungssystem kam dabei unter die Räder. Um die Versorgung mit hochwertigen gesund und nachhaltigen Lebensmitteln zu gewährleisten, ist es notwendig, auf die Produktion und den Vertrieb einzuwirken.

Die Initiativen, die derzeit zur Abstimmung stehen, schweigen sich über die Rahmenbedingungen des Marktes aus und sind ungerecht, inkohärent und kontraproduktiv, und deshalb ist es wichtig, diese beiden Texte abzulehnen. Die erste, die TWI Initiative hat eine liberaler Prägung und schlägt vor die Entgeltung für die von der Landwirtschaft erbrachten Leistungen in ein Instrument zur Bestrafung umzuwandeln und die ökologischen Probleme nach ausserhalb unserer Grenzen zu verlagern, indem ein doppelter Standard zwischen inländischer Produktion und Importen angewendet wird. Die andere Initiative konzentriert sich dogmatisch auf eine Technik, für die die Landwirt*innen nicht die Urheber sind, für die sie nicht verantwortlich sind, weder für die Zulassungen noch für die Anwendungskriterien. Die Zulassung von Produkten und deren toxikologische Untersuchung auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit obliegt dem Bundesamt für Gesundheit und Umwelt. Vorschriften für den Gebrauch und die Anwendung von Produkten müssen die inhärenten positiven und negativen Auswirkungen im gesamtgesellschaftlichen und ökologischen Rahmen abwägen. In dieser Hinsicht gibt es keinen Unterschied zwischen einem synthetischen und einem natürlichen Produkt, denn obwohl ein natürliches Produkt im Allgemeinen schneller abgebaut wird, was ein Vorteil ist, hat es auch eine Toxizität, deren Auswirkungen analysiert werden müssen.


Für Uniterre als bäuerliche Gewerkschaft ist es wichtig, das Konzept der Ernährungssouveränität und Agrarökologie zu verteidigen. Wir verteidigen sie gemeinsam mit der internationalen Bauern-und Bäuerinnenbewegung Via Campesina. Das Konzept der Ernährungssouveränität fordert eine demokratische Kontrolle der Ressourcen und des Marktes. Agrarökologie integriert die Landwirtschaft in die Gesamtheit einer ökologischen Gesellschaft. Die beiden Initiativen verfehlen, indem sie die Probleme auf technische Aspekte reduzieren oder sich ausschliesslich auf die Schweizer Landwirtschaft konzentrieren, ohne sich die wirtschaftlichen Fragen zu stellen, definitiv ihr Ziel. Sie spalten statt zu vereinen und verhindern ein Bündnis, welches die vorherrschenden wirtschaftlichen Machtverhältnisse herausfordern kann. Machtverhältnisse, welche heute die Landwirtschaft in einen unaufhörlichen und zerstörerischen Wettlauf der Wettbewerbsfähigkeit treiben. Wir müssen zu einem System der Preiswahrheit kommen. Das Zollinstrument kann dazu beitragen. Kredite und Investitionen müssen sich an Zielen des Gemeinwohls und des demokratisierten Zugangs zu Ressourcen orientieren. Alle Beteiligten; Produzent*innen, Konsument*innen und Verteiler müssen in der Lage sein autonom Verträge auszuhandeln, die es ihnen ermöglichen, einen Preis für eine bestimmte Qualität und Menge, eine Risikoteilung, einen Lieferplan und entsprechende Zahlungsmodalitäten festzulegen.

Es ist höchste Zeit, diesen Wahnsinn der Zerstörung einer vielfältigen bäuerlichen Landwirtschaft, welche auf den vorhandenen lokalen Ressourcen gründet und die Bevölkerung mit gesunden und hochwertigen Lebensmitteln versorgt, zu stoppen. Die Konzentration der Viehhaltung im Flachland dauert schon seit 30 Jahren und mehr an und muss aufhören. In den Bergen und im Hügelland muss der Viehzucht Vorrang eingeräumt werden. Die Ebenen sollten in erster Linie für Getreide- und Gemüseanbau, Obst und Gemüse genutzt werden, die direkt vom Menschen verzehrt werden können. Natürlich hat die Viehzucht auch in den Ebenen ihren Platz, aber sie muss den Pflanzenanbau ergänzen.

Gesunde Ernährung ist kein Luxus, sondern ein Recht, zu dem alle Bevölkerungsschichten Zugang haben müssen. Dies ist jedoch eine Frage der Sozialpolitik, nicht der Agrarpolitik.

Einige Bäuerinnen und Bauern von Uniterre

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Innerhalb von Uniterre haben wir während verschiedener Diskussionen eine Reihe von Gedanken und Ideen gesammelt, die wir mit unseren Mitgliedern und Unterstützer*innen teilen möchten. Damit soll die Debatte breiter werden und unsere Bewegung den dringend notwendigen Schub bekommen: Für eine bäuerliche Landwirtschaft, die in wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Hinsicht wertvoll und nachhaltig ist.



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Am 7. Mai 2021 meldete SRF news 55% JA-Stimmenanteil für die Pestizid Initiative (PEI) und 54% JA für die Trinkwasser Initiative (TWI). Gut 5 Wochen vor dem Abstimmungstermin ist das erfahrungsgemäss zu knapp. Allenfalls droht auch ein ähnlicher Ausgang wie bei der Konzernverantwortungsinitiative. Es gibt zwar ein Volksmehr, aber die Initiativen scheitern am Ständemehr.

Nach der Nein Parole der Bio Suisse zur TWI und dem verunglückten Auftritt von Urs Brändli (Präsident Bio-Suisse) im Kassensturz gingen die Wogen hoch und haben sich noch nicht wieder gelegt. Dass die Bio Suisse schon im Herbst die Ja-Parole für die PEI beschlossen hat, geht dabei etwas unter. Ich selber war über die Nein-Parole zuerst ebenfalls irritiert. In der Folge habe ich mich vertieft mit der Thematik auseinandergesetzt und mit diversen Leuten (auch mit Urs Brändli) kommuniziert.

Ich kann die Argumente gegen die TWI nachvollziehen. Die TWI nimmt einzig die Bauern/Bäuerinnen in die Pflicht und erlaubt es andererseits, dass diejenigen Landwirt*innen, die auf Direktzahlungen verzichten, weiterhin Pestizide spritzen können. Die PEI hingegen will, dass auch Lebensmitteln, die importiert werden, ohne Pestizide produziert werden und hat somit einen umfassenderen Ansatz. Auch sollen nach einer Übergangsfrist von 10 Jahren sämtliche synthetische Pestizide verboten sein und bleiben.

Ein Teil der Bäuerinnen und Bauern wird bei Annahme der TWI auf Bio umstellen. Die Aussage von Urs Brändli im Kassensturz, wonach die Preise für Bio Milch sinken würden, wurde skandalisiert. Es war von Gier die Rede und von Verrat an der Bio Bewegung.

Der Auftritt von Urs Brändli im Kassensturz war eine Katastrophe. Der Dachverband der Bio -Bewegung fürchtet mehr Bio? Das darf ja wohl nicht wahr sein! – Die Bio-Suisse, ihr Vorstand und eben Urs Brändli haben einen kommunikativen Supergau produziert und die Tragweite ihrer Aussagen zum Milchmarkt total unterschätzt. Ich bin eigentlich immer noch fassungslos, dass man derart blöd sein kann. Nie und nimmer darf ein Bio-Funktionär sagen, dass er Angst vor zu vielen Umsteller*innen hat. Es scheint, dass die intensive Beschäftigung mit Marktthemen, die Geister an der Peter-Merian-Strasse in Basel vernebelt hat.

Dabei hätte man es durchaus anders angehen können! Denn die Gefahr, dass viele Betriebe aus der IP oder Label-Produktion aussteigen und noch intensiver produzieren, ist bei Annahme der TWI real. Eine solche, zusätzliche Segmentierung der Landwirtschaft ist aber unerwünscht und schädlich. Wir brauchen Lösungen, die alle einbeziehen. Wir wollen auch keine Betriebe, die noch intensiver produzieren, als sie es heute schon tun. So könnte es unter dem Strich tatsächlich soweit kommen, dass bei Annahme der TWI ein Minus für die Ökologie resultiert.

Man muss der Bio Suisse hingegen zugutehalten: Viele Konsument*innen finden zwar Bio gut, doch beim Einkauf greifen sie dennoch ins Billig-Regal. Es gibt leider einen grossen Graben zwischen dem Wunsch nach Bio und dem tatsächlichen Verhalten im Laden. Die Zeiten, als es zuviel Bio-Milch gab und diese konventionell vermarktet werden musste, sind nicht vergessen.

Viele Bioprodukte sind deutlich teurer als vergleichbare konventionelle Lebensmittel. Daran tragen natürlich auch die Grossverteiler ihre Schuld. Es gibt dafür verschiedene Gründe (Handel, Margen, Logistik, Mengen, etc.) auf die einzugehen ich gerne verzichte. Einen anderen Grund möchte ich dafür herausstreichen: Die externen Kosten der (konventionellen) Landwirtschaft werden nirgends bilanziert. Also die Belastung von Böden, Luft, Wasser, Klima. Der Co2-Ausstoss, der Artenschwund wie auch die Zerstörung der Landschaften.

Der Bio-Landbau schneidet in dieser Hinsicht deutlich besser ab. Es kommt dazu, dass die Lebensmittel generell zu billig sind. Würden die externen Kosten der konventionellen Landwirtschaft auch nur annähernd berücksichtigt, müssten die Bio-Lebensmittel im Laden eigentlich günstiger als die konventionellen sein.

Die TWI will, dass nur betriebseigenes Futter an die Nutztiere verfüttert wird. Es wird darüber gestritten, was das genau heisst. Kann man kein Futter mehr beim Nachbarn kaufen? Die Initiantin meint, dass Futter aus der CH weiter handelbar sein werde. Sicher ist, dass bei Annahme der TWI , diejenigen Betriebe, die Direktzahlungen beziehen wollen, kein importiertes Tierfutter mehr verfüttern können. (Auch hier gilt eine Übergangsfrist)

Schweizer Futtermittelimporte – Entwicklung, Hintergründe, Folgen (zhaw.ch)

Jahr für Jahr wird der Ertrag vom 200 000 ha Ackerland im Ausland, an Nutztiere in der Schweiz verfüttert. (Soja, Mais, Weizen etc.) Die Folgen sind bekannt. Zuviel Nitrat im Grundwasser, Seen die seit Jahrzehnten belüftet werden müssen, überdüngte Wälder und einheitsgrün auf den Güllewiesen mit dramatischen Folgen für die Fauna. Diesen Teil der TWI unterstütze ich ohne Wenn und Aber. Die Futtermittelimporte sind ein Unding und müssen verboten werden. Der oben erwähnten Text zu den Futtermittelimporten ist eine gute Zusammenfassung der aktuellen Situation. (2 Seiten) Es wird darin auch eine Behauptung von Markus Ritter (Präsident Bauernverband) widerlegt. ( M.R. >Die Schweiz produziert 84% des Tierfutters selber. )

Doch auch hier gibt es einen Haken bei der TWI. Betriebe, die auf Direktzahlungen verzichten, können weiterhin importierte Futtermittel verfüttern. Wie viele Betriebe das sein werden ist schwierig abzuschätzen. Grundsätzlich ist es so: Je intensiver ein Betrieb produziert, desto weniger ist er auf Direktzahlungen angewiesen.

Sehr oft wird davor gewarnt, dass bei Annahme der Initiativen, die Importe von Lebensmittel steigen würden und damit die Abhängigkeit vom Ausland noch grösser würde. Doch was sind Futtermittel anderes als Lebensmittel, und wieso soll diese Auslandsabhängigkeit etwas anderes sein? Fakt ist: Die Schweiz ist in vielfacher Hinsicht vom Ausland abhängig. Natürlich betrifft das nicht nur die Landwirtschaft.

Bei Annahme der Initiativen sinke die Lebensmittelproduktion in der CH je nach Katastrophenszenario um 30-40%, wird uns zu wissen gegeben. Ich halte das für krass übertrieben. Doch selbst wenn es so wäre, so brauchte man nur den Foodwaste zu verhindern, der in vielen Bereichen extrem ist und mindestens in dieser Grössenordnung liegt.

SAVE FOOD, FIGHT WASTE

Ebenfalls wird davor gewarnt, dass wir die Produktionsbedingungen von importierten Lebensmitteln nicht kontrollieren können. (Tierfabriken, Pestizide etc.) Ein Argument, das meiner Meinung nach nicht sticht. Gerade im Bio Bereich wird im Ausland seit Jahren vieles nach Knospe Richtlinien produziert. Das ist nicht immer problemlos, aber es funktioniert.

Ich denke, viele Landwirt*innen im Ausland würden sehr gerne nach CH Richtlinien produzieren, weil die Schweiz auch in der Lage ist einen guten Preis dafür zu bezahlen.

Zu guter Letzt noch einige Sätze zu den Arbeitsplätzen. In der in der CH Landwirtschaft arbeiten heute noch etwa 150 000 Menschen. In den vor und nachgelagerten Betrieben vielleicht noch weitere 250 000. Ein Teil dieser Arbeitsplätze ist sicher gefährdet, doch auf der anderen Seite entstehen bei einem Umbau der Landwirtschaft viele neue Arbeitsplätze.

Als Beispiel möchte ich das Gut Rheinau erwähnen. Als die Stiftung Fintan das Gut übernahm arbeiteten auf dem 120 ha grossen Betrieb 12 Angestellte. Heute sind es inklusive aller Nebenbetriebe mehr als 200 Menschen. Nachzulesen im lesenswerten Buch: Das Gift und wir - Synthetische Pestizide - Fluch oder Segen? Martin Ott erzählt die Geschichte vom Gut Rheinau, gemeinsam mit weitere Autor*nnen.

Die Frage ist nun: Wie abstimmen?

Emotional möchte ich gerne 2 x Ja einlegen. Die synthetischen Pestizide müssen verboten werden. Das Trinkwasser ist an vielen Entnahmestellen zu stark belastet. Die Futtermittelimporte belasten Umwelt und Klima. Und überhaupt, es muss sich so vieles verändern damit unsere Nachgeborenen eine lebenswerte Zukunft haben. Es ist eher schon 2, als 5 vor 12, der Handlungsbedarf ist gross und mehr als dringend.

Und dennoch: die TWI hat einige Nachteile und Unwägbarkeiten. Im Extremfall sogar negative Konsequenzen. So werde ich voraussichtlich Ja zur PEI und Nein zur TWI stimmen. Es sei denn, die Emotionen brennen doch noch durch.

PS 1: Die Schweiz würde sich mit einem Pestizidverbot an die Spitze einer weltweiten, wachsenden Bewegung stellen, die das Ziel hat, die Welt bis zum Jahr 2050 von den Pestiziden zu befreien. > Interview mit Vandana Shiva in: >Das Gift und wir.

PS 2 : Der letzte Satz des Leitartikels in der Woz, von Bettina Dyttrich : „Wichtig ist, nicht zu vergessen, dass grüne und biobäuerliche TWI-Befürworter und -Gegnerinnen die gleichen Ziele haben. «Sie streiten nur über die grosse Frage: Wie kommen wir dort hin?“

Samuel Spahn, Dietikon

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Innerhalb von Uniterre haben wir während verschiedener Diskussionen eine Reihe von Gedanken und Ideen gesammelt, die wir mit unseren Mitgliedern und Unterstützer*innen teilen möchten. Damit soll die Debatte breiter werden und unsere Bewegung den dringend notwendigen Schub bekommen: Für eine bäuerliche Landwirtschaft, die in wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Hinsicht wertvoll und nachhaltig ist.