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EINE ANDERE WELT IST MÖGLICH. EINE ANDERE LANDWIRTSCHAFT IST NÖTIG!

Für weitere Informationen: https://www.marchagainstsyngenta.ch

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Schreiben an die Revisionsstelle für die landwirtschaftliche Ausbildung, die Ausbildung, die derzeit überarbeitet wird.

Uniterre findet es unerlässlich, dass künftig bei der Grundausbildung der Biolandbau und andere alternative Anbauformen wie z. B. die Agrarökologie oder Agroforst besser miteinbezogen werden.

Die Landwirtschaft ist ausserordentlich komplex geworden. Die Aufgabe der landw. Ausbildung ist es, die angehenden Landwirtinnen und Landwirte optimal auf die vielfältigen Aktivitäten auf ihren künftigen Betrieben vorzubereiten. Das sind natürlich die Produktionstechniken in den verschiedenen Betriebszweigen, Betriebswirtschaft, aber auch Kenntnisse im administrativen Bereich (Recht, Buchhaltung, Steuern etc.). Es wird zudem immer wichtiger, Themen wie Nachhaltigkeit, Erwartungen von Seiten der Konsumentenschaft, Tierwürde, Preiskampf/Preisgestaltung etc. mit der Praxis abzugleichen.

Wir müssen den Lernenden eine möglichst breite Palette an Rüstzeug mit auf den Weg zu geben, um sie zu befähigen, auch künftige Herausforderungen wie Klimawandel, Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, Umweltprobleme, Schwund der Biodiversität etc. zu meistern. Sie müssen aus einer Auslegeordnung jene Unternehmensstrategie herauspicken oder zusammenstellen können, die ihnen am besten entspricht.

Eine Ausbildung, die ihres Namens würdig ist, muss die Lernenden darüber hinaus auch befähigen, vorausschauend neue Mittel und Wege zu entwickeln, um aus den üblichen Trampelpfaden auszubrechen.

Epidemien bei Tier und Mensch und der Krieg in der Ukraine (aber auch anderswo) zeigen uns auf, dass wir nicht mehr blind auf den Import von billigen Dünge- und Futtermittel zählen können. Wir müssen zu mehr Resilienz, Nachhaltigkeit und Autonomie finden. Alternative Anbauformen wie Biolandbau und Agrarökologie zeigen dazu wichtige Wege und Möglichkeiten auf.

Viele Menschen möchten sich in diesem Bereich ausbilden. So entstehen gegenwärtig verschiedene autonome Lehrgänge im biologischen Gemüseanbau, mit Hunderten von Lernbegierigen auf der Warteliste, weil die entsprechende Ausbildung bisher schlichtweg gar nicht angeboten wurde!

Man mag uns erwidern, dass die Konsumentenschaft derzeit mehrheitlich gar nicht bereit ist, den entsprechenden Aufpreis für Bioprodukte und andere Labels zu bezahlen. Das ist zwar nicht falsch, doch wird hier das Pferd beim Schwanz aufgezäumt: Nicht das Bio ist zu teuer. Sondern die konventionellen Produkte sind zu billig, weil deren ökologischer, sozialer und volksgesundheitlicher Fussabdruck nicht im Preis enthalten ist, sondern auf die Allgemeinheit abgewälzt wird.

Im Übrigen darf und soll eine gesunde und ausgeglichene Ernährung mehr als nur die derzeitigen 7 % des Haushaltbudgets beanspruchen können!

Wir zählen darauf, dass die Organisation der Arbeitswelt OdA AgriAliForm diese Notwendigkeit der Öffnung und Neuorientierung erkennt und in der laufenden Ausbildungsreform auch entsprechend einfliessen lässt, nicht nur in den ersten beiden Ausbildungsjahren, sondern auch in den nachfolgenden Spezialisierungen.

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Medienmitteilung von Uniterre

In diesen Zeiten wachsender Unsicherheit wird plötzlich die Frage der Gewähr unserer Nahrungsmittelversorgung zum Thema. Syngenta packt die Gelegenheit am Schopf: Mit ihrer Forderung nach Abkehr vom Biolandbau will sie unsere Landwirtschaft noch mehr ins Schussfeld der Zivilgesellschaft rücken in Bezug auf

  • die Trinkwasserqualität,
  • die Gesundheit unserer Böden,
  • die Biodiversität,
  • den Klimaschutz,
  • die Volksgesundheit usw.

Das lehnen wir dankend und mit Bestimmtheit ab!

Ohne Biolandbau produzierten wir wohl mehr Nahrungsmittel, nicht aber mehr Lebensmittel, und dies alles nur für mehr Umsatz und Gewinn der Agrochemie.

Die wirklichen und nachhaltigen Lösungsansätze für Lebensmittelengpässe liegen indes ganz anderswo:

  • in einer gerechteren Verteilung der Lebensmittel,
  • in der Ächtung der Spekulation mit Nahrungsmitteln,
  • in der Bekämpfung der Verschwendung über die ganze Wertschöpfungskette (food waste),
  • im Schutz unserer Böden vor Erosion, Wüstenbildung, Überbauung und Spekulation,
  • in der Abkehr von der Treibstofferzeugung aus Lebensmitteln
  • in der Abkehr vom Verfüttern von Lebensmitteln,
  • in der Förderung kleinerer Strukturen, z. B. in Kombination mit Agroforst und Permakultur,
  • in der Herauslösung der Land- und Lebensmittelwirtschaft aus den Freihandelsabkommen und der Welthandelsorganisation,
  • Kurz: in der Förderung der Ernährungssouveränität.

Der Welt-Agrarbericht hat vor bald 15 Jahren den Weg vorgezeichnet, den es zu gehen gilt. Die Schweiz hat dieses bemerkenswerte Dokument zwar mitfinanziert und mitgetragen, aber zu Herzen genommen hat sie seine Schlussfolgerungen in keiner Weise, ganz im Gegenteil.

Die Bio-Landwirtschaft mag wohl quantitativ weniger, dafür qualitativ hochwertigereund nachhaltigere Nahrungsmittel produzieren. Langfristig wird mit Bestimmtheit die Nachhaltigkeit der Produktion und der Erhalt der fruchtbaren Ackerböden ausschlaggebend sein, und nicht der kurzfristige Profit einiger weniger Multis.

Lösen wir uns also von der Idee der Flucht nach vorne direkt Richtung Abgrund!

Packen wir bestimmt und mit beiden Händen unsere Zukunft an!

Machen wir uns - zusammen mit allen Bäuerinnen und Bauern dieser Welt - auf den Weg zur Ernährungssouveränität!

Kontakte: Maurus Gerber (d/f): 081 864 70 22

Laurent Vonwiller (d/f): 078 877 01 79


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Seit der Gründung der WTO im Jahr 1995 prangert La Via Campesina die neoliberale Politik und die Förderung des Freihandels an, die die Lebensgrundlagen der Bauernfamilien der Welt zerstören und die lokalen Nahrungsmittelsysteme destabilisieren. Seattle, Cancun, Hongkong, Buenos Aires: Die Bäuerinnen und Bauern inspirierte eine grosse Allianz der Völker gegen die Auferlegung einer neuen Handelsordnung im Dienste transnationaler Konzerne und Milliardäre. Heute rufen sie erneut dazu auf, uns gegen das Ministertreffen dieser Organisation und deren kriminelle Politik im Juni in Genf zu stellen.

Durch die Mobilisierungen von Bauern und Indigenen sind die WTO Verhandlungen blockiert: Seit 2001 und dem Doha-Abkommen konnte nie ein wichtiges neues WTO-Abkommen verabschiedet werden, insbesondere im Bereich der Landwirtschaft. Dennoch gilt das Marrakesch-Abkommen, das die Länder dazu zwingt, die Märkte für multinationale Unternehmen zu öffnen, und damit wird jede ehrgeizige öffentliche Politik zur Förderung der bäuerlichen Wirtschaft verhindert. Darüber hinaus werden immer mehr bilaterale oder regionale Freihandelsabkommen geschlossen.

Die neoliberale Politik und die Durchsetzung des Freihandels haben die Bauern und Bäuerinnen auf der ganzen Welt stark geschwächt. Länder werden dazu gedrängt, Exportkulturen zu bevorzugen und auf Importe zu zählen, um ihre Bevölkerung zu ernähren. Dieser Neoliberalismus verstärkt die Aneignung von Ressourcen durch multinationale Konzerne auf Kosten der Bauern und Bäuerinnen und der lokalen Gemeinschaften. Er trägt zur globalen Klimaerwärmung bei, indem Monokulturen, Abholzung, Übernutzung von Böden und Wasser und den Verlust der Artenvielfalt begünstigt werden. Die Gesundheit der ärmsten Haushalte wird durch den Qualitätsverlust von Lebensmitteln, die aus industriellen Prozessen und dem Export stammen, stark beeinträchtigt.

Heute ist der Befund eindeutig! Die COVID-19-Pandemie, die Extremereignisse im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung und der Krieg in der Ukraine zeigen deutlich: Die Ernährungssicherheit der Menschen vom internationalen Handel und von multinationalen Unternehmen abhängig zu machen, ist kriminell, das muss gestoppt werden. Die WTO muss aus der Landwirtschaft aussteigen, die Ernährungssouveränität muss Grundlage für die Agrar- und Ernährungspolitik sein und die Länder müssen die Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte von Bauern und anderen in ländlichen Gebieten arbeitenden Personen (UNDROP) sowie die Richtlinien für handwerkliche Fischerei umsetzen.

Der Freihandel ist auch in anderen Bereichen kriminell. Er hat die Staaten entmachtet und den Neoliberalismus durchgesetzt: Abbau öffentlicher Dienstleistungen, Sparmassnahmen, Schulden, Standortverlagerungen und Überproduktion - dieser Niedergang der Rechte

der Staaten hat die Ungleichheiten verschärft und das Elend im Süden wie im Norden vervielfacht. Frauen sind die ersten Opfer, erzwungene Migration, Kriege und endemische Gewalt sind die Folgen. Die Deregulierung der Finanzmärkte heizt die Spekulation und eine Reihe endemischer Krisen an, während gleichzeitig totalitäre Regulierungen das "Recht" der transnationalen Konzerne auf Gewinne und ihre Patente auf Saatgut und Medikamente (sogar mitten in einer Pandemie!) stärken.

Wir fordern eine öffentliche Politik, die den Zugang zu Land und landwirtschaftlichen Ressourcen für junge Menschen sowie die Einrichtung kurzer Kreisläufe fördert.

In allen Bereichen wird die Souveränität der Völker von der WTO mit Füssen getreten.

Solidarität mit dem beispielhaften Kampf von La Via Campesina zur Verteidigung der Ernährungssouveränität der Völker!

STOPPT DIE WELTHANDELSORGANISATION WTO!
Ernährungssouveränität - Jetzt!
Bauernrechte - jetzt!

Internationale Demonstration: Samstag, 11. Juni – 14 Uhr, Place Lise Girardin, Genf (300 m vom Bahnhof)

Treffen mit den Delegierten von La Via Campesina: Montag, 13. Juni, 18.30 Uhr, Uni Mail, Boulevard du Pont-d’Arve 40, Genève

Erstunterzeichnende Organisationen: La Via Campesina, Uniterre, Confédération paysanne, ATTAC, BreakFree Collective, Cetim, SolidaritéS, MAPC, CADTM, FIAN Schweiz, Grüne Genf, SP Genf, UNIA Genf

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Hitze, Dürre und neue Krankheiten - die neuen gentechnischen Verfahren aka «Neue Züchtungsmethoden» werden vielerorts als unumgänglicher Lösungsansatz genannt für neue Sorten, die mit den unerwünschten Auswirkungen des Klimawandels klarkommen.

Sind diese Versprechungen glaubwürdig? Taugen diese Techniken zu nachhaltigen Lösungen? Welche Alternativen dazu stehen in der Züchtung an?

ReferentInnen:

Dr. Zsofia Hock (Leiterin Politik und Themenarbeit, SAG Schweizer Allianz Gentechfrei): Klimawandel: Warum Genomeditierung nicht die Lösung ist.

Dr. Eva Gelinksy (Politische Referentin Interessengemeinschaft für gentechnikfreie Saatgutarbeit): Landwirtschaft und Klimakrise - ein Blick in die Entwicklungspipeline der neuen Gentechnik

Sebastian Kussmann (Körnerleguminosenzüchter, gzpk Getreidezüchtung Peter Kunz): Potentiale und Grenzen der Pflanzenzüchtung in der Transformation der Landwirtschaft

Moderation: Isabel Sommer (Geschäftsleiterin, SAG Schweizer Allianz Gentechfrei)

Programm:

18 bis 19 Uhr: Referate

19 bis 19.30 Uhr: Fragen/Diskussion

19.30 bis 20 Uhr: Apéro

Eintritt frei. Anmeldung für Apéro erwünscht: info@gentechfrei.ch

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Die Bauernorganisation Uniterre hat an der vom Bundesrat vorgeschlagenen Vernehmlassung teilgenommen. Nachfolgend unsere wichtigsten Forderungen.

Die jüngste Zeit zeigt uns deutlich, wie wichtig eine sichere Nahrungsmittelversorgung ist, und dass die bäuerliche Landwirtschaft dabei eine herausragende Rolle spielen muss. Gleichzeitig kommt ihr eine führende Rolle zu bei der Dekarbonisierung des Ernährungssystems und dem Übergang zu einer nachhaltigen Gesellschaft. Diese bäuerliche Landwirtschaft ist heute jedoch gefangen zwischen einem immer globaleren Lebensmittelmarkt, gekoppelt mit einem ständigen Druck auf die Erzeugerpreise, und der Notwendigkeit des Erhalts der natürlichen Ressourcen, des Klimas und der Biodiversität. Die Rückweisung der Agrarpolitik 22+ hat noch keine Debatte ausgelöst über ein kohärenteres Ernährungssystem, das diese Widersprüche überwindet. So geht die Zerstörung der bäuerlichen Landwirtschaft durch den vom BLW verordneten Strukturwandel immer noch weiter und wird nicht in Frage gestellt.

In den letzten Jahren ist die Zahl der Selbstmorde und Burn-outs in der Landwirtschaft stark gestiegen. Aus diesem Grund und angesichts der aktuellen geopolitischen Lage ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um die Arbeit in der Landwirtschaft gebührend aufzuwerten. So fordert Uniterre in der Terminologieverordnung eine Angleichung der Standardarbeitskraft (SAK) an eine Vollzeitstelle im BLW, womit eine SAK statt 2600 neu weniger als 2000 Jahresarbeitsstunden entsprechen würde. Die SAK-Berechnungsfaktoren müssten dementsprechend nach oben korrigiert werden (nicht aber die SAK-Schwellenwerte!).

Angesichts der genannten Herausforderungen bedauert Uniterre, dass der Grenzschutz für die inländische Produktion von Futter- und Brotgetreide, Ölsaaten und Eiweisspflanzen nicht verstärkt wird. Darum schlagen wir eine entsprechende Änderung der Einfuhrverordnung vor.

Zur Milchproduktion: Uniterre unterstützt die direkte Auszahlung der Verkäsungszulagen an die Produzent*innen. Wir verstehen indes nicht, dass die Motion 19.3952 "Verbesserung der Bedingungen des Standardvertrags der Branchenorganisation Milch“, die im von beiden Parlamentskammern gutgeheissen wurde, vom BLW nicht umgesetzt wird und der neue Standard-Milchliefervertrag nicht die Freiwilligkeit der Lieferung von B-Milch ohne Sanktionen garantiert. Das ist eine klare Übergehung der Demokratie! Heute fördern wir den Export von Käse aus B-Milch ohne jegliche Wertschöpfung, während wir Butter importieren müssen: Statt zu exportieren um des Exportes willen, müssen wir die Inlandversorgung sicherstellen!

Wenn neue Massnahmen und Ziele (Prämien für besondere Kulturen, Herdenschutz, Unterstützung für einheimische Rassen, Unterstützung für resistente Pflanzen, ...) eingeführt werden, fordert Uniterre, dass der Finanzrahmen der Direktzahlungen entsprechend angepasst wird. Darüber hinaus erwartet Uniterre vom Bund, dass er eine umfassende und kohärente Agrarpolitik vorlegt, die als grundlegende Ernährungspolitik formuliert ist. Es ist klar, dass die Landwirtschaft Auswirkungen auf viele andere Bereiche hat, wie Umwelt, Gesundheit, Tourismus, Mobilität und Raumplanung, und dass folglich landwirtschaftliche Leistungen Gegenstand einer finanziellen Anerkennung dieser verschiedenen anderen Bereiche sein sollten. Diese Überlegungen dürfen jedoch kein Grund sein, die verschiedenen Akteure des Marktes davon abzuhalten die landwirtschaftlichen Produkte zu kostendeckenden Preisen abzunehmen. Der Bund kann zudem nicht von seiner moralischen Pflicht entbunden werden, faire Rahmenbedingungen für eine gerechte und transparente Verteilung der Wertschöpfung zu schaffen und zu fördern.

Vernehmlassungsantwort zum Agrarverordnungspaket (französisch)Vernehmlassungsantwort zum Agrarverordnungspaket (französisch)

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Die Europäische Koordination Via Campesina (ECVC) hat eine neue Publikation über ihre Vision der bäuerlichen Agrarökologie veröffentlicht, die Lösungen für die großen ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen unserer Zeit bieten kann.

In der Publikation werden die Konzepte der bäuerlichen Agrarökologie nach ECVC erläutert und anschließend verschiedene Fallstudien vorgestellt, die zeigen, wie bäuerliche Agrarökologie je nach lokalen Bedingungen, Kulturen, Ressourcen und Praktiken umgesetzt werden kann.

Entscheidend ist, dass die bäuerliche Agrarökologie kein präskriptives Agrarmodell ist, sondern eine lebendige Praxis, die mit der Natur und nicht gegen sie arbeitet und die Rechte der Bäuerinnen, Bauern und Gemeinschaften auf Selbstbestimmung und Autonomie anerkennt. Nach der ECVC-Vision der bäuerlichen Agrarökologie müssen die Rechte der kleinen Lebensmittelproduzenten, die international in der UN-Erklärung der Rechte der Bauern und anderer in ländlichen Gebieten arbeitender Menschen (UNDROP) anerkannt sind, eine Priorität auf der Tagesordnung sein. Darüber hinaus müssen die kleinen Lebensmittelproduzent*innen dafür respektiert werden, dass sie eine wichtige Rolle in der Wirtschaft spielen, und sie müssen für ihre Arbeit gerecht entlohnt werden.

Dies kann nur durch eine Politik und Gesetzgebung auf regionaler, nationaler und lokaler Ebene erreicht werden, die die Rechte der Bauern festschreibt und schützt und den freien Zugang und die Entscheidungsrechte über Saatgut, Produktionsmittel, Land und Gemeingüter wie Wasser, Luft, Kultur und Wissen garantiert.

Die Publikation ist in sieben Sprachen erhältlich: Holländisch, Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Rumänisch und Spanisch.




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In der Nähe von Genf wurde am Sonntag, den 17. April, anlässlich des internationalen Tages der bäuerlichen Kämpfe, das seit 2017 leerstehende Feld les Charrotons mit einer Kartoffel-setz-Aktion besetzt.

Der 17. April ist der Internationale Tag der bäuerliche Kämpfe, der der bäuerlichen Bewegung Via Campesina gedenkt. Er dient als Erinnerung des Massakers an 21 Bäuer·innen, welches in 1996 in Brasil stattfand. Dieser Tag wird auf der ganzer Welt zelebriert und hilft dabei auf die ununterbrochene Kriminalisierung, Verfolgung, Unterdrückung und Repression gegen die bäuerliche Gemeinschaften, Arbeiter.innen und indigenen Völker aufmerksam zu machen. Vor kurzem wurden in Kolumbien (22. Februar 2022) zwei aktive Leaders der Verteidigung von Bäuer·innen (CNA-Coordinador Nacional Agrario) vom kolumbianischen Staat ermordet.

Dieser Tag kann auch daran erinnern, dass die Via Campesina, im Rahmen einer Vision der Solidarität und Einheit zwischen allen Bäuer·innen der ganzen Welt, eine bäuerliche Landwirtschaft der Ernährungssouveränität vertritt.

In Genf wurde vor neun Jahren die Umzonung der Plaine de l’Aire Agrarland in einem kantonalen Referendum angenommen, wodurch grünes Licht für die Wohnungsbauprojekte in Plan-les-Ouates gegeben wurde. Das Referendum hat die Initiator·innen des Projekts sicherlich dazu veranlasst, statt der ursprünglich geplanten 1’500 Wohnungen, die dem jährlichen Bedarf des Kantons Genf an neuen Wohnungen entsprechen, nun 2’500 Wohnungen vorzuschlagen. Abgesehen davon: Ist es sinnvoll, dass im Kanton jährlich 60 Hektar Landwirtschaftsland deklassiert werden, um dem Bevölkerungswachstum gerecht zu werden? Es wäre gut, sich diese Frage ehrlich zu stellen und eine klare Antwort auf die Zukunft der landwirtschaftlichen Produktion in Genf und anderswo zu geben. Seit 2000 verschwinden in der Schweiz jeden Tag drei Bauernhöfe: Le Jardin des Charrotons ist einer davon. Als Ort der Gemüseproduktion in überschaubarer Größe und als Ort vieler anderer Dinge, die wir vermissen, ist die Genossenschaft 2017 ausgestorben, nachdem die nicht-landwirtschaftlichen Eigentümer des Grundstücks den landwirtschaftlichen Pachtvertrag nicht verlängert hatten. Darüber hinaus war der Staat nie bereit, die Genossenschaftsform als respektables funktionierendes Kollektiv anzuerkennen. Die Umsiedlung auf staatliches Land wurde verweigert, ohne dass ein Übergang von einer Genossenschafts- zu einer Unternehmensform stattgefunden hätte. Diese Missachtung ist uns wohl bekannt. Sie wird jedoch von einem Diskurs begleitet, der die ökologische Transformation thematisiert. Was wir in kleinbäuerlichen Strukturen tun ist gut: Wir erhalten die kultivierte Biodiversität, wir bauen verantwortungsvoll, ökologisch und sozial engagiert an. Aber wir sind nur ein pädagogisches Schaufenster in den Augen des Staates, der um nichts in der Welt ein echtes Landwirtschaftsmodell unterstützen will, das auf unseren Praktiken und Funktionsweisen beruht.

Unsere Freund·innen von l‘Atelier Paysan fordern, dass sich in den nächsten zehn Jahren eine Million Bauer·innen in Frankreich niederlassen (derzeit sind es 400.000). Wir schlossen uns ihnen an und forderten 375’000 Bauer·innen in der Schweiz im gleichen Zeitraum. Die Logik muss von nun an darin bestehen, die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe zu erhöhen, die Zahl der Bauer·innen zu vergrößern und die landwirtschaftliche Produktion so nah wie möglich an diejenigen zu bringen, die die sich davon ernähren. Wir erleben das Gegenteil und haben es satt, dass die kapitalistische Logik unsere Kämpfe vereinnahmt und unsere Räume zerstört.

Sei es in Form von Druck zum Einsatz von Biochemie und neuen Technologien, Landenteignungen, kurzfristigen und prekären Pachtverträgen, Preisdruck oder administrativer Überlastung, die Bauernschaft wird von allen Seiten angegriffen: Kein Agrarland darf mehr umgezont werden, um am Ende zubetoniert zu werden!

Les Cherpines 58 Hektar, Les communaux d’Ambilly 36 Hektar, Les Grands-Esserts12 Hektar, Bernex 120 Hektar. Seit 2010 hat der Kanton Genf mehr als 226 Hektar fruchtbares Agrarland für den Wohnungsbau umgezont Während die Absicht, Land umzuzonen, weitergeht (Pré-Du-Stand in Gd-Saconnex wurde in einem Referendum 2019 mit 9 Stimmen fast umgezont; die Umwidmung von 10,7 ha in Puplinge für das Projekt Les Dardelles wurde 2020 fast durch den Grossen Rat (Grand-Conseil) gebracht; bei La Goutte de Saint-Matthieu in Bernex - 4,4 ha – in 2021 umzoniert) hat der Kanton Genf bereits durch die Umzonung, die vom Bund festgelegte Grenze für die Nutzung von Fruchtfolgeflächen (FFF) überschritten. Der Kanton ist nun gezwungen, Flächen umzuwidmen, die nichts mit landwirtschaftlicher Fläche zu tun haben (Fußballplätze, Parks, Mülldeponien...) und untergräbt damit die langfristige Arbeit zur Erhaltung fruchtbarer, lebendiger Böden.

Das Privateigentum an landwirtschaftlichen Flächen ist für die Selbstversorgung mit Lebensmitteln unsinnig. Wenn wir dieses Ziel erreichen wollen, dürfen wir die Entscheidung über die Nutzung von Agrarland nicht in den Händen von Privateigentümern belassen. Unbestellte Felder müssen kollektiv, auf Gemeinde- und Kantonsebene verwaltet werden, um die Produktion von Nahrungsmitteln für die dort lebenden Menschen zu gewährleisten. Da der Staat nicht in der Lage ist, die natürlichen und landwirtschaftlichen Lebensräume als Gemeingut zu verteidigen, ist die kollektive Besetzung eines unserer Instrumente, um dies zu erreichen.

Wir werden uns so oft wiederholen, wie es nötig ist: Wir wollen mehr Bäuer·innen auf den Feldern und mehr Felder für die Bäuer·innen! Die "Energiewende" wird nicht durch eine immer größere Anhäufung von Agrartechnologien erreicht, die angeblich die Erträge steigern. Wir brauchen keine Traktoren, die mit Satelliten verbunden sind, sondern Hände, die sich an Hacken festhalten.

Wir werden die brachliegenden Felder und leeren Bauernhöfe besetzen. Wir werden Kartoffeln anbauen und sie in unseren VOKÜs essen. Wir werden die kapitalistische Fäulnis mit so viel Kompost bedecken, dass nicht einmal die Winde überleben wird. Wir werden Millionen sein, die das Land bebauen und die alte Welt zerstören, damit die Agrar- und Ernährungsautonomie erblüht!

Genf, das Komitee des 17. April

* * * *

Das ist nur der Anfang!
Der große kollektive Tag der Kartoffelpflanzung ist gut zu Ende gegangen!
80 Menschen sind an dieserm Sonntag gekommen, um an der Pflanzung von Kartoffeln für Gemeinschaftsküchen (VOKÜ) teilzunehmen und um die Umzonung von Agrarland sowie den schwierigen Zugang zu Land zu thematisieren.
Der Landbesitzer tritt nun in Verhandlungen ein.
Wir werden euch auf dem Laufenden halten über zukünftige kollektive Arbeitseinsätze, Baustellen und andere Fröhlichkeiten !

Vive les paysan.x.s !
Es leben die Bäuer·innen!
Vive les patates !
Es leben die Kartoffeln!
Röschtis contre les frontières !
Röschtis ohni Grenze !

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Video (auf Französisch)
Im Folgenden findest du ein kurzes Video zum Internationalen Tag des Bauernkampfes, in dem du erfährst, warum und wie das ehemalige Feld den Charottons besetzt wurde.
Mehr Land für die Bäuerinnen, mehr Bäuerinnen auf dem Land!




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Gemäss der Medienmitteilung vom 4. April 2022 der beiden obengenannten Organisationen sollen ab August 2022 sämtliche Freilandeier den Anforderungen des Käfer-Logos erfüllen. Ihre Argumentation: Damit leiste die Migros einen wichtigen Beitrag für das Tierwohl, das Klima und die Biodiversität. GalloSuisse – die Vereinigung der Schweizer Eierproduzenten - wurde nicht in die Verhandlungen miteinbezogen, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt. Entsprechend zeigt sie sich über dieses Vorgehen «erstaunt und enttäuscht», wie sie gleichentags in ihrem offenen Brief schreibt.

Die höheren Anforderungen bezüglich Biodiversität, Tierwohl, Klima- und Ressourcenschutz, Fütterung von zertifiziertem Soja aus Europa etc. können gesamtbetriebliche Veränderungen sowie hohe Kosten auf dem Buckel der Bäuerinnen und Bauern verursachen. Doch der orange Riese ist nicht bereit diese Mehrleistungen entsprechend abzugelten!

Maurus Gerber, Präsident von Uniterre, meint dazu: «Die wirtschaftliche wie auch die soziale Dimension der Nachhaltigkeit wurden schlichtweg ausgeklammert. IP Suisse als Produzentenorganisation mit rund 20'000 Mitgliedern stände es gut an, künftig diese beiden Aspekte konsequent miteinzubeziehen.» Durch die steigenden Produktionskosten wird der Handlungsspielraum für die Produzent*innen immer enger, und für unsere bäuerlichen Betriebe stellt das eine existenzielle Bedrohung dar.

Vanessa Renfer, Pouletproduzentin, stellt klar: «Ob bei der Wiesenmilch, dem herbizidfreien Weizen oder nun bei den Eiern – immer das gleiche Manöver:

- Keine vorherige Konsultation der Produzentinnen und Produzenten

- Bauern*innen werden immer wieder vor vollendete Tatsachen gestellt

- Die Mehrkosten, die dieser Übergang mit sich bringt, werden nicht berücksichtigt

- Über die Einkaufspreise für diese IP-Suisse-Produkte wird nicht gesprochen.

- Bei den Eiern: Derzeit sind es 45 Produzent*innen, Migros strebt 60 weitere an. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich dies negativ auf die Preise auswirkt.»

Uniterre fordert eine echte Partnerschaft anstelle des Diktats. Es geht nicht an, dass der Abnehmer von sich aus die Produktionsbedingungen festlegt. Es braucht einen fairen Dialog, auch über die Produzent*innenpreise. Und wir erwarten von der Migros, dass sie die Grundsätze umsetzt, die sie in ihrer Vision hervorhebt, nämlich «eine Brücke zwischen Konsumenten und Produzenten zu sein» und den Bauern «das zu geben, was ihnen zusteht, hauptsächlich indem sie ihnen einen fairen Preis für ihre Produkte bezahlen».

Wir wollen eine vielfältige und bäuerliche Landwirtschaft mit Zukunft. Wir wollen die Ernährungssouveränität sichern.

Pressekontakte:

Maurus Gerber, Präsident, pensionierter Bauer (d/f): 081 864 70 22

Vanessa Renfer, Sekretärin, Bäuerin (f): 078 821 24 83

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Bei ihrer Generalversammlung am 1. April 2022 haben sich die Mitglieder von Uniterre ausführlich über die Hintergründe, der von Sentience Politics lancierten Volksinitiative zur Abschaffung der Massentierhaltung in der Schweiz, ausgetauscht. Die lebhafte, aber respektvolle Diskussion führte jedoch nicht zu einem Konsens.

Die Bäuerinnen- und Bauernorganisation Uniterre erkennt den Wert des Textes an, der darauf abzielt, die grossen industriellen Tierhaltungsbetriebe abzuschaffen, zugunsten von bäuerlichen Betrieben mit „humaner“ Grösse.. Sie begrüsst den Willen der Initiator*innen, den Fleischkonsum einzuschränken und sich um das Wohlergehen der Tiere zu kümmern, und freut sich insbesondere über die Feststellung, dass die gleichen Standards auch für importierte tierische Produkte gelten sollen.

Unsere Mitglieder waren jedoch der Ansicht, dass der Text zu vage sei, um die Auswirkungen auf die Bauernfamilien vollständig abschätzen zu können. Die Richtlinien von Bio Suisse werden als Mindeststandard genannt, ohne eine absolute Regel zu sein. Darüber hinaus besteht eine markante Unklarheit darüber, wie der Begriff "intensiv" oder das Tierwohl selbst definiert werden. Erfährt beispielsweise eine Kuh, die in einem Bergstall angebunden wird, ausreichendes Wohlbefinden, oder würde dies im Falle eines JA in Frage gestellt? Der Text legt dies nicht deutlich genug fest.

Auch das Kaufverhalten der Konsumentinnen und Konsumenten wurde hinterfragt, und für Uniterre, wie auch für viele andere Organisationen, findet die erste Abstimmung beim täglichen Einkauf statt.

Andererseits wurde der Text zwar nicht als geeignet erachtet, um die anstehende Problematik in den Griff zu bekommen, aber die negativen Auswirkungen der Massentierhaltung sind dennoch sehr real. Die Mitglieder von Uniterre erkennen mehrheitlich an, dass das Agrar- und Lebensmittelsystem nicht in der Lage ist, den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden, weder aus klimatischer, noch aus ökologischer, sozialer oder gesundheitlicher Sicht. Es ist dringend notwendig, andere Wege zu erkunden, um ein nachhaltiges und widerstandsfähiges Agrar- und Lebensmittelsystem zu erreichen. Dies erfordert eine Aufwertung der Arbeit von Bäuerinnen und Bauern und eine Änderung unseres Konsumverhaltens, nicht nur für Produkte, die von unseren Tieren stammen, sondern für unsere gesamte Ernährung.

Aus diesem Grund hat sich Uniterre für die Stimmfreigabe entschieden. Unsere Organisation wird jedoch keine Gelegenheit auslassen, um ihre Argumente für eine nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft, wie sie von der La Via Campesina gefördert wird, in Erinnerung zu rufen. Sie ruft die gesamte Bevölkerung dazu auf, über ihre Erwartungen an die Schweizer Landwirtschaft nachzudenken, und ermutigt sie, Bäuerinnen und Bauern zu besuchen, um die Probleme, aber auch mögliche Lösungen, besser zu erkennen.

Lausanne, den 8. April 2022

Pressekontakte:

Maurus Gerber, Präsident, pensionierter Bauer (d/f): 081 864 70 22


Die Forderungen von Uniterre :

- Ein politischer Rahmen, der den Bauernfamilien eine starke Unterstützung bietet: Hilfen zur Finanzierung von Gebäuden, z.B.

- Ein vernünftiger Fleischkonsum, der strikt einheimisch ist, von der Schnauze bis zum Schwanz des Tieres.

- Preise, die die gesamten Produktionskosten decken, denn Maßnahmen zur Förderung des Tierschutzes kosten Geld.

- Eine erhebliche Aufwertung der Kulturen für den menschlichen Verzehr, um Produktionsumstellungen zu fördern, wo dies möglich ist.

- Transparenz in der Wertschöpfungskette und eine gerechte Verteilung des Mehrwerts für jedes Glied der Kette.

- Einen wirksamen Zollschutz.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Paradigmenwechsel notwendig ist, um die angestrebten Ziele zu erreichen, und dieser kann nur mit der Unterstützung aller erreicht werden. Die Bauernfamilien können die Belastungen, die sich aus diesem Wandel ergeben werden, nicht allein tragen.

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