Mittwoch, 02 Oktober 2019
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Que de mensonges

Qui aurait cru, il y a dix ans, que la Suisse, notre « château d’eau » serait mis à l’épreuve face aux changements climatiques, en particulier l’agriculture ? Les vagues de chaleur et les conditions climatiques changeantes exercent une forte pression sur nos paysan.ne.s. Raison de plus pour qu’Uniterre s’engage en faveur d’une agriculture durable et respectueuse du climat. C’est pourquoi nous soutenons l’alliance pour une agriculture d’avenir qui fait le pont avec le mouvement pour le climat.

Le 1er juillet 2019, les pingres de la Migros ont coupé l’herbe sous les pieds des productrices et producteurs de lait en imposant une baisse de 2,5 centimes sur le prix de base. Emmi a également suivi avec une réduction de 0,4 centime. Le 16 juillet 2019, nous avons manifesté avec d’autres organisations paysannes de base contre ces baisses devant Shoppyland Schönbühl. Werner Locher, membre d’Uniterre et porte-parole de BIG-M, écrit dans une lettre à l’adresse de la Migros : « Vous voulez montrer à vos consommateurs que vous défendez leur patrie et distribuez gratuitement des casquettes portant l’inscription « Heimatliebe » (amour de la patrie). Mais quel est l’intérêt ? Ce n’est pas de l’amour si Migros ruine précisément ceux qui jouent un rôle majeur dans la culture et le paysage de cette patrie. »

Ça me donne le vertige lorsque Balz Strasser, directeur général de Bio Suisse, dit dans un entretien avec le Bieler Tagblatt, que : « les employé.e.s des exploitations certifiées biologiques ne travaillent pas pour des salaires de misère ». Selon lui, les 2000 entreprises étrangères certifiées seraient soumises aux exigences sociales strictes de Bio Suisse. Toutefois, la réalité est différente – le salaire minimal n’est pas respecté et la représentation syndicale est muselée, comme le dénonce le syndicat de base espagnol SOC-SAT à propos de « Bio Sabor » à Almeria. Néanmoins, « Bio Sabor » ne perd pas le bourgeon. Sur le plan du commerce équitable, l’association Bio Suisse parvient également à faire des contorsions invraisemblables en imposant une réduction des prix du seigle, du blé et de l’épeautre. En dépit d’une demande croissante, la baisse des prix serait sensée sécuriser la demande. Visiblement, la stratégie d’améliorer les marges au détriment des paysan.ne.s gagne également du terrain en agriculture biologique. À l’étalage, les produits biologiques sont mis en concurrence directe avec les produits conventionnels.

Les burgers végétaliens de Beyound Meat et Impossible Foods assurent des retours de rêve à l’industrie de la viande et de l’alimentation. Ils prennent d’assaut les chaînes de supermarchés et restaurants. Les burgers à base de protéines végétales sont commercialisés comme étant propres, respectueux de l’environnement et sains.

Il ne fait aucun doute que l'industrie de la viande est en partie responsable du réchauffement climatique, mais l'élevage durable d'animaux, basé sur les herbages, est judicieux car il permet de produire de l'humus, contribue à la biodiversité et assure les revenus des exploitations en Suisse.

Mathias Stalder

Mittwoch, 02 Oktober 2019
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Vom Schwindel

... und dem Schwindeligwerden. Wer hätte vor 10 Jahren gedacht, dass das Wasserschloss Schweiz angesichts des Klimawandels auf den Prüfstand steht, allen voran die Landwirtschaft. Die Hitzeperioden und Extremwetter setzen unseren Bäuerinnen und Bauern stark zu. Umso mehr muss sich Uniterre für eine nachhaltige und klimaschonende Landwirtschaft einsetzen. Deshalb unterstützen wir auch das Bündnis für eine Landwirtschaft mit Zukunft, die den Brückenschlag zur Klimabewegung herstellt.

Die Rappenspalter von der Migros graben den Milchbäuer*innen mit der durchgesetzten Basis-Preissenkung von 2,5 Rappen vom 1. Juli 2019 das Wasser ab. Emmi zog ebenfalls mit einer Preissenkung von 0,4 Rp. nach. Gemeinsam mit weiteren bäuerlichen Basisorganisationen demonstrierten wir am 16. Juli 2019 dagegen vor dem Shoppyland Schönbühl. Uniterre-Mitglied und BIG-M-Sprecher Werner Locher schreibt in einem Brief an die Migros: „Sie wollen Ihren Konsumenten zeigen, dass Sie für die Heimat einstehen und verteilen an Schwingfesten Gratismützen mit der Aufschrift ‘Heimatliebe’. Aber was soll das? Das ist doch keine Heimatliebe, wenn die Migros genau diejenigen ruiniert, die zu einem wesentlichen Teil die Kultur und die Landschaft dieser Heimat mitgestalten.“

Schwindelig wird mir bei der Aussage von Bio Suisse-Geschäftsführer Balz Strasser in einem Interview vom Bieler Tagblatt: „Mitarbeitende von bio-zertifizierten Betrieben arbeiten nicht für Hungerlöhne.“ Die 2000 ausländischen bio-zertifizierten Betriebe unterstünden den strengen sozialen Anforderungen von Bio Suisse. Realität ist eine andere – der Mindestlohn wird nicht eingehalten, auch die gewerkschaftliche Vertretung wird verhindert, wie die spanische Basisgewerkschaft SOC-SAT gerade bei «Bio Sabor» in Almeria konstatiert. Trotzdem wird «Bio Sabor» die Knospe nicht entzogen. Auch in Sachen fairer Handel leistet sich der Knospenverband eine Verrenkung sondergleichen, in dem sie eine Preissenkung bei Roggen, Weizen und Dinkel durchsetzt. Trotz wachsender Nachfrage sollen tiefere Preise die Nachfrage sichern, so das Argument. Die Strategie der Margenverbesserung auf Kosten der Bäuerinnen und Bauern setzt sich auch bei Bio durch. Bio soll im Verkaufsregal in direkter Konkurrenz mit konventionellen Produkten stehen.

Die veganen Burger von Beyound Meat und Impossible Foods sichern Traumrenditen für die Fleisch- und Lebensmittelindustrie und erobern Supermarktketten und Restaurants im Sturm. Die Burger aus pflanzlichen Proteinen vermarktet sich als sauber, umweltfreundlich und gesund. Unbestritten ist die Fleischindustrie mit ihrem hohen Ressourcenverbrauch mitverantwortilch an der Klimaerwärmung, hingegen ist eine standortangepasste nachhaltige und auf graslandbasierte Tierhaltung sinnvoll, denn sie baut Humus auf, trägt zur Biodiversität bei und sichert die Einkommen der Bauernhöfe in der Schweiz.

Mathias Stalder

Mittwoch, 02 Oktober 2019
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Wem dient's ?


Die Zeit soll Fortschritt bringen. Gesellschaftlich gesehen ist Fortschritt eine Evolution der Zivilisation hin zu einem Ideal. Ist es das, was wir gerade erleben?

In den letzten Jahren hat der Fortschritt für die Bauernfamilien einen bitteren Beigeschmack bekommen. Die angebliche Notwendigkeit, die Grösse der Betriebe und der Herden zu erhöhen, hat viele LandwirtInnen dazu gebracht, ihre Tätigkeit zugunsten ihrer Nachbarn aufzugeben. Damit wurde für die Verbleibenden die Arbeitsbelastung weiter erhöht. Und für diejenigen, die gehofft hatten, gelassen in den Ruhestand gehen zu können, sorgen Diskussionen um neue Steuerbestimmungen für grosse Verunsicherung. Die Situation für die Milchbäuerinnen und Milchbauern verschärft sich zusehends. Die grossen Handelskonzerne inszenieren Krisen und unsere Vertreter sind zu Komplizen geworden, indem sie behaupten, dass sich der Markt von selbst regulieren muss.

Währenddessen werden wir alle durch Nachrichten über Klima, Biodiversität und den Zustand unserer Gewässer vorzeitig alt und grau. Fast alle sind sich einig, dass wir handeln müssen, aber wer ist wirklich bereit, den ersten Schritt zu tun? In der Lebensmittelproduktion entstehen allmählich Lösungen, und einige Ideen warten nur darauf, umgesetzt zu werden. In dieser Hinsicht scheint die sakrosankte Digitalisierung der Landwirtschaft bereit zu sein, uns auf Plattformen die Antworten auf die Herausforderungen von morgen zu bieten. Dies gilt zum Teil, z.B. wenn damit die Tür zu mehr Präzision bei mechanischen oder chemischen Eingriffen geöffnet wird. Viel weniger gilt dies aber, wenn wir uns die Datenmengen vorstellen, die aus der Landwirtschaft an die Ernährungsindustrie, an die Agrochemie und die Branchenriesen übermittelt werden.

An die gleichen Konzernkonglomerate, welche bereits sehr viel Macht haben und auch zu grossen Teilen für die Verschmutzung auf globaler Ebene verantwortlich sind... Das ist nicht nur unklug sondern kann auch gefährlich sein.

Viele Fortschrittsgedanken sind nicht global gedacht. Die zahlreichen Verknüpfungen in einem komplexen System werden nicht berücksichtigt. Das Beispiel, der von der Migros im Wallis geplanten Megagewächshäuser für Paprika, ist vielsagend: Ist dies die ideale Lösung? Schnell wird applaudiert, wenn die lokale Produktion ausgebaut wird. Hier aber wird die Arbeit von GemüseproduzentInnen direkt in die „Hände“ der Industrie gelegt. Und wie können wir das Ungleichgewicht austarieren, das das Vorgehen von Migros in den Ländern verursachen wird, in denen Paprika ursprünglich angebaut wird und und an deren Klima sie perfekt angepasst ist?

Die Deklaration der UN für die Rechte der Bäuer
innen und Bauern und anderer im ländlichen Raum tätiger Personen und die Ernährungs-
souveränität sind von grosser Bedeutung und sind Garant für eine gesunde Ernährung, welche unsere Ressourcen, unsere Tiere und unsere Bauernfamilien erhält. Mit Begeisterung werden wir weiter auf dieses Ziel hinarbeiten.

Vanessa Renfer
Bäuerin und Vorstandsmitglied Uniterre (Sektion Neuenburg)

Samstag, 25 Mai 2019
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Schafe und Filz


Kontinuierlich nimmt die Zahl der Schafhalterinnen und Schafhalter ab. Das Lammfleisch ist zwar sehr beliebt, aber etwa die Hälfte des Konsums wird importiert. Im ersten Halbjahr 2016 waren es 4035 Tonnen. 60 Prozent des Imports kommen aus Neuseeland oder Australien. Meist sind es Edelstücke, die in der Schweiz gerne gegessen werden. Die Inlandproduktion dagegen ist rückläufig, 2015 waren es noch 4415 Tonnen. In der Schweiz gibt es hauptsächlich im Frühling und im Herbst nach der Alp Lammfleisch. Dass auch Fleisch eine Saison hat, ist vielen Menschen nicht bewusst.

Durch die Beiträge des Bundes in den letzten Jahren an die Wollverarbeitung konnte zumindest verhindert werden, dass Wolle in der Schweiz gänzlich zu einem Abfallprodukt wurde. Nun stehen diese Verwertungsbeiträge einmal mehr zur Debatte. Eine schlechte Idee und eine schlechte Nachricht für die vielen kleinen und grösseren Initiativen, die mit Kreativität versucht haben, die Wolle als Schweizer Naturprodukt wieder beliebt zu machen.

Das dumme Schaf gibt es nicht. Schafe sind Tiere mit grossem Bezug zu ihrem Nachwuchs. Als ausgeprägtes Herdentier trägt es zur Nutzung unsere Alpen und vieler kleiner ◊Randparzellen“ bei. Aber es gibt auch Wölfe, die sich mit Schafspelzen tarnen; erkennt man die Wölfe nicht, wird’s gefährlich.

Als Bundesrat wirkte Herr Schneider-Ammann wie ein solcher Wolf im Schafspelz. Während sein öffentliches Auftreten oft eher harmlos daher kam, so war seine wirtschaftsliberale Linie knallhart, wenn es um die Interessen der Schweizer Konzerne ging. Ethik und Moral waren offensichtlich zweitrangig; ◊aber die Wirtschaft habe er in der Schweiz zum Brummen gebracht“, lobten ihn sogar seine Kritikerinnen und Kritiker. So hat Herr Schneider Ammann in seiner Zeit als Wirtschaftsminister mit 11 Ländern Freihandelsabkommen abgeschlossen, grad kürzlich das mit Indonesien. Die Problematik rund um die Abholzung der Regenwälder dort war dabei nebensächlich und einmal mehr wurden einzig und allein die Interessen der Konzerne (wie Agrochemi oder Nahrungsmittelindustrie) vertreten, für Herrn Schneider Amman und seine Lobbyisten ein Bombengeschäft. Wie das mit den Klimazielen zu vereinbaren ist, bleibt ungeklärt.

Herr Guy Parmelin das Wirtschaftsdossier von Herrn Schneider-Amman übernommen. Im Bundesamt für Landwirtschaft wird ein Nachfolger für den Direktor Herrn Lehmann gesucht. Köpfe werden ausgewechselt, aber um die Politik in neue Bahnen zu befördern, braucht es mehr als das. •

Montag, 09 Juli 2018
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Zukunftsvision!

Auch nach mehr als 60 Jahren Geschichte und Kampf hat sich nicht viel verändert: Die Zahl der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft schmilzt wie Schnee an der Sonne dahin, Bauerhöfe werden verlassen und Ackerland verwächst mit immer grösser werdenden Höfen, in denen sich die Bäuerinnen und Bauern isoliert wiederfinden. Das sind keine guten Nachrichten. Dennoch gibt es Lichtblicke: Die Entwicklung der Direktvermarktung, Hofläden, Vereine von KonsumentInnen und ProduzentInnen, die gemeinsam regionale Vertragslandwirtschaft fördern. Aber auch Bäuerinnen und Bauern, jung und alt, die sich der Herausforderung einer innovativen, originellen Produktion stellen. Und zwar ausserhalb der traditionellen Ackerfurchen. Es sind dies jene Furchen, die durch die Agroindustrie und den Liberalismus so tiefgepflügt wurden, dass dort nur noch Staub und Steine übrig geblieben sind.

Nach der Philosophie der Ernährungssouveränität wollen wir in Zukunft gemeinsam mit
anderen Organisationen neue Wege gehen. Einerseits, um die Anliegen und den Berufsstand der Bäuerinnen und Bauern zu verteidigen und andererseits, um die gerechtfertigten Erwartungen der KonsumentInnen zu berücksichtigen. Wir müssen Hand in Hand mit der ganzen Bevölkerung vorwärtsgehen. Nachfolgend eine kleine, unvollständige Ausschau auf die bis 2021 angelegten Projekte:

  • Uniterre, eine lebendige Bewegung, aktiv und vielfältig, ein Ort für Debatten und Annährungen. Den Kampf für eine gerechte Entlöhnung der ProduzentInnen weiterführen. Insbesondere mit dem Projekt "Faire Milch", das – so hoffen wir – anderen Projekten den Weg öffnen wird.
  • Unsere Ausbreitung in der Deutschschweiz fortsetzen, wo junge Bäuerinnen und Bauern sich begeistert engagieren.
  • Die Isolierung der Bäuerinnen und Bauern bekämpfen und dank von kantonalen UniterreSektionen organisierten Cafés paysans die Beziehungen zwischen den KollegInnen in den Regionen fördern.
  • Sich NGOs und Vereinen annähern, mit de-nen der Kontakt in der Vergangenheit nicht immer einfach war. Ein gehaltvoller Dialog soll
  • gefördert werden.

Wir wünschen uns, dass die Ernährungssouveränität den Samen für eine neue Gesellschaft zum Keimen bringt. Eine gerechtere Gesellschaft, die den Menschen ins Zentrum stellt und es erlaubt, seine Entwicklung mit den Tieren und ihrer Umwelt harmonisch zu gestalten.

Die Menschheit hat grosse Entwicklungen hinter sich: die Entdeckung des Feuers, jene der Schrift, die ersten grossen interkontinentalen Reisen, die industrielle Ära, die sexuelle Revolution oder die digitale Ära, um nur ein paar wenige zu nennen. Und wenn die Ernährungssouveränität der nächste grosse Fortschritt unserer Gesellschaft wäre?

Die Landwirtschaft ist dabei ein wichtiger, zentraler Träger. Warum also nicht hier ansetzen und uns dorthin bewegen, was gestern noch unmöglich erschien?

Sind auch Sie dabei? •


Vanessa Renfer
Bäuerin und UNITERRE sekretärin


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Montag, 07 Mai 2018

Gemeinsam sind wir stark.

Über der Schweiz weht ein Wind des Protestes. Am 24. September wurde das Gegenprojekt zur Ernährungssicherheit vom Stimmvolk mit 78 % angenommen. Das war ein klares Zeichen der Bürgerinnen und Bürger für den Erhalt der Schweizer Landwirtschaft – sollte es scheinen. Allerdings hat der Bundesrat inzwischen seine "Gesamtschau zur mittelfristigen Weiterentwicklung der Agrarpolitik" herausgegeben, die das Abstimmungsresultat verspottet: Sie verstärkt die Idee, dass die Schweizer Landwirtschaft in den Augen der Politik nur als Tauschware gehandelt wird. Das wird klar, wenn wir beobachten, wie sich der Bundesrat auf die Freihandelsabkommen mit, beispielsweise, den MERCOSUR-Staaten und Malaysia stürzt.

Deshalb erheben sich jetzt wieder die Stimmen der Bürgerinnen und Bürger, um gegen das angekündigte Opfer des Schweizer Rapsöls zu protestieren sowie dagegen, dass der Bundesrat im Rahmen der Freihandelsverhandlungen mit Malaysia die Augen vor den schlechten ökologischen und sozialen Bedingungen der dortigen Palmölproduktion verschliesst! Sogar der Nationalrat ist besorgt: Im Februar haben 140 ParlamentarierInnen dafür gestimmt, dass die Schweiz die Freihandelsverhandlungen mit Malaysia unterbrechen soll! Ein Votum, das Bundesrat Schneider-Amman sehr bedauert.

Was aber spielt sich da genau ab? Offenbar ist das Stimmvolk mit den Bestrebungen der Regierung nicht auf einer Linie – oder eher umgekehrt. Wir erleben die Geburt eines Grabens zwischen dem Willen der Regierung und demjenigen der Bevölkerung.

Als Antwort auf die Handlungen des Bundesrates werden derzeit viele neue Bürgerbewegungen und Bauernorganisationen gegründet: Allmende in der Deutschschweiz, Mouvement pour la Paysannerie Citoyenne in Genf… Alle diese Bewegungen sind für uns eine Chance, um zu zeigen, dass wir nicht mit der Richtung einverstanden sind, welche unsere Regierung einschlägt ; die sogenannte Gegen-die-Wand-Richtung und die Um-Konsequenzen-kümmern-wir-uns-später-Strategie. Uns wird vorgebetet, dass wir Arbeitsplätze verlieren, wenn wir diese Abkommen nicht unterzeichnen. Und umgekehrt? Wenn die Schweiz diese Freihandelsabkommen unterzeichnet, gehen in der Landwirtschaft noch mehr Arbeitsplätze verloren.

Gemeinsam sind wir stark. Also lasst uns erfinderisch, kreativ und solidarisch sein! Lasst uns unsere Kräfte vereinen, lasst uns Synergien freisetzen, anstatt uns zu verzetteln! Und vor allem: Wir sind nur gemeinsam stark genug, um das Ruder herumzuwerfen.

Dieses Jahr haben wir eine sehr gute Gelegenheit, um gemeinsam in den Kampf zu ziehen: Die Initiative für Ernährungssouveränität! Wir wollen denjenigen nicht länger als Handlanger dienen, die sich nur dem Profit und der Ausbeutung verschreiben. Es liegt in unserer Hand: Sagt JA zur Initiative für Ernährungssouveränität und zur Fairfood-Initiative der Grünen.

Worauf warten wir noch? •︎


Berthe Darras - Uniterre Sekretärin


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Dienstag, 06 Februar 2018

Uniterre, gestern und morgen

Der Jahresbeginn ist eine richtungsweisende Zeit. Vor uns liegt ein leeres Blatt, doch bevor wir ein neues Kapitel schreiben, müssen wir uns Fragen stellen, Überlegungen anstellen, als Menschen, als Mitglieder der Gesellschaft. Was habe ich bisher erreicht? Worüber bin ich stolz? Was ist zu bedauern, was war enttäuschend? Was waren meine grössten Erfolge? Und jetzt, wo will ich jetzt hin? Welche Ressourcen, welche Vorteile habe ich? Es geht dabei nicht um die berühmt-berüchtigten guten Vorsätze, die man am Neujahrsabend trifft und drei Wochen später vergessen hat. Man stelle sich viel eher eine Wartehalle am Flughafen vor, wo wir auf den nächsten Verbindungsflug warten.

Ein Verein wie Uniterre sollte dieselbe Fragestellung durchlaufen. Ein Blick in den Rückspiegel zeigt uns starke Bilder von intensiver Mobilisierung, von beachtenswerten und beachteten Aktionen, von scheinbar ruhigeren Perioden, in denen neue Ideen entstanden sind, aber auch von Tiefpunkten, Zweifeln, Misserfolgen. Nehmen wir uns alle einen Moment Zeit, um uns mit unserer persönlichen Beziehung zu Uniterre auseinander zu setzen, sei unser Engagement nun gross oder klein: Warum bin ich Mitglied? Was habe ich erwartet, erhofft? Was habe ich beigetragen?

Bäuerinnen und Bauern nehmen sich nicht immer die Zeit für solche Überlegungen. Weil, und das muss einfach gesagt werden, weil sie kaum Zeit dazu haben. Zu tiefe Preise und zu hohe Anforderungen machen aus ihrem Alltag einen nicht enden wollenden Marathon. Von dieser Feststellung zum Gedanken, dass die Politik keine Änderung will, damit wir auch ja keine Zeit zum Aufbegehren haben, ist es nicht weit. Doch wenn wir uns im unendlichen Ablauf des Alltags eine Pause gönnen, kommen die interessantesten Ideen zum Vorschein, Ideen, die uns einen Schritt näher an unsere Ziele bringen.

Eines ist gewiss: 70 Jahre nach der Wut der Gründungsmitglieder hat sich bei Uniterre einiges geändert: Der Name, die Mitglieder und Mitarbeitenden. Doch im Geist vereint Uniterre immer noch die gleiche vibrierende Wut, die selben Beweggründe und Ziele. Die Aussichten für 2018 sind spannend, es gibt mehrere Initiativen zu diskutieren und natürlich kommt auch die Abstimmung über die Initiative für Ernährungssouveränität. Das hat einen neuen Anstrich verdient! Was Ihr in den Händen haltet, ist die neue Ausgabe unserer Zeitschrift. Leichter und übersichtlicher bleibt sie ein wesentliches Kommunikationsmittel für die Interessenvertretung von Uniterre. Analysen, Berichte, Kritik und Portraits über den Alltag der Bäuerinnen und Bauern werden die Flamme der Gewerkschaft weiter zu den Leserinnen und Lesern tragen, damit dieser spannende Kampf etwas Positives bewirkt – mindestens noch weitere 70 Jahre lang!


Vanessa Renfer
Bäuerin und Vorstandsmitglied Uniterre (Sektion Neuenburg)


Frontseite Foto: Eric Roset


Mittwoch, 15 November 2017
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24. September 2017: Und jetzt?

Der Verfassungsartikel zur Ernährungssicherheit wurde vom Stimmvolk mit einem rekordverdächtigen Resultat angenommen – entsprechend den Erwartungen. Wir dürfen uns freuen, dass die Schweizer Bevölkerung die Landwirtschaft so eindeutig unterstützt und JA gestimmt hat, wie es von den vielen, idyllischen Strohgebilden neben den Bauernhöfen empfohlen wurde. Auch wenn die Landwirtschaft aus verschiedenen Gründen oft kritisiert wird, so wurden an diesem Tag doch alle Zweifel aus dem Weg geräumt, um einem deutlichen Ausdruck von Vertrauen Platz zu machen.

Was heute bleibt, sind viele Aufgaben, die es zu lösen gilt. Sogar die Initianten selber und auch Johann Schneider-Ammann sind der Meinung, dass der Verfassungsartikel an sich nicht viel an der Situation ändern wird. Trotzdem, die Landwirtschaft steht an einem Scheideweg – und wir schauen zu. Wird sie unsere Erwartungen erfüllen? Was wird der Bundesrat entscheiden? Gibt es Unterstützung für die Bauernfamilien? Welche Art Landwirtschaft wird bevorzugt? Kann das Abstimmungsresultat garantieren, dass uns eine vielfältige Landwirtschaft erhalten bleibt? Was wird konkret getan, um die Bauernhöfe zu retten, oder sogar ihre Anzahl wieder zu steigern? Welche Akteure der Ernährungskette werden priorisiert? In einem ersten Schritt geht es darum, diese Erwartungen zu ordnen, um festzustellen, welche grundlegend sind und welche erfüllt werden können.

Das ist nicht leicht: Die Bäuerinnen und Bauern erleben ganz unterschiedliche Alltage, abhängig von der Art ihres Bauernhofes, der Betriebsgrösse, des familiären Umfelds. Landwirtschaft tut sich schwer mit Formvorgaben. Dennoch ist es wichtig, dass sich über gewisse Punkte alle einig sind: Als Wirtschaftsbranche muss die Landwirtschaft gewährleisten können, dass alle betroffenen Personen anständig leben können. Wir wissen, dass dies nicht der Fall ist, aber wir sind dennoch überzeugt, dass es möglich ist.

Aus Sicht der Konsumenten ist es nicht einfacher. Die Forderungen unserer MitbürgerInnen sind legitim, aber unzählig. Wollen wir allen ökologischen, geschmacklichen und preislichen Forderungen entsprechen, sowie allen Forderungen um Nähe, Diversität, Zugänglichkeit usw., wird es ein gefährliches Unterfangen – aber diese Versprechen wurden in der Kampagne gemacht, und zwar von den Unterstützern des Gegenprojektes. Wer diese Versprechen erfüllen will, braucht politische Courage, sowie den Willen, ein robustes Ernährungssystem aufzubauen.

Die Initiative für Ernährungssouveränität wird es uns ermöglichen, grundlegende Fragen zu besprechen und innovative Systeme einzuführen. Pilotprojekte, welche den Weg hin zu einer gerechteren, wertschätzenden, diversifizierten und verantwortlichen Gesellschaft ebnen werden. Wer sich im September in den sozialen Medien umgehört hat, konnte feststellen, dass die Wünsche der Konsumenten die Ziele des Gegenprojektes bei Weitem übertreffen: Die Unzufriedenheit greift um sich, es gab zu viele Lebensmittelskandale; gegenüber benachbarten Bauernfamilien gibt es eine starke, emotionale Zuwendung; der Wunsch wächst, direkt bei den Produzenten einzukaufen; landwirtschaftliche «Fabriken» werden grossmehrheitlich abgelehnt, sie bieten keine Sicherheit; GVO werden auch stark abgelehnt… Alle diese Argumente finden sich in der Initiative von Uniterre wieder. Es stellt sich die Frage: Wie viel ist das Stimmvolk dem Bundesprogramm voraus?

Vanessa Renfer und Michelle Zufferey



Mittwoch, 13 September 2017
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Lieber Bauernverband,

Der diesjährige Frühling war schön und hielt ausserdem eine Überraschung für uns parat: Es sah aus, als würdest Du dich, von der saisonalen Fruchtbarkeit angesteckt, mit frischer Kraft in die Lösung der Milchkrise zu stürzen. Du hast festgestellt, dass die BO Milch ihrer Aufgabe nicht gerecht wird – auf jeden Fall nicht im Sinne der Bäuerinnen und Bauern, die Du vertrittst. Du hast auch gemerkt, dass viele unter ihnen am Ende ihrer Kräfte sind, oder vielleicht schon darüber hinaus; dass die Wut auf dem Land sich aufballt wie Gewitterwolken und dass sogar schon die öffentliche Meinung zu erwachen scheint…


Freitag, 21 Juli 2017
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„Kommt ihr über die Runden?“
Auf diese Frage, die uns unsere Nachbarn in diesen dunklen Zeiten viel zu oft stellen, antworten wir ab jetzt „Ja“. Die Milchproduktion, die wir geduldig aufgebaut haben, wird aufgelöst, dafür haben wir nachher kleine Angus-Kühe. Die Melkanlage im Stall wird grösstenteils stillgelegt (aber nicht ganz: wir weigern uns, Milch zu kaufen!). Nach dem anfänglichen Schock, den Tränen, den Zweifeln, die wir aus dem Weg räumen mussten, werden wir nun hoffentlich ein neues familiäres Gleichgewicht finden. Und das finanzielle Gleichgewicht wird nicht unbedingt besser, aber doch auch nicht schlechter. Es wird weitergehen.